Ausgabe 
15.4.1904
 
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Arettag den 15- April.

i'UmäSsb BNZri-ÄL-

(Nachdruck verboten.)

Im WakaK der Wajah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

Mein Lager war hart, eine Bettstelle aus Rohrgeflecht mit dünner Baumwollmatratze. Ich schob es in eine ent­fernte Ecke, warf einen scheuen Blick nach oben und war bald fest eingeschlafen.

Ter Morgen konnte nicht" mehr fern sein, als ich beim Schein eines grellen Lichtes erwachte und bemerkte, daß meine Zimmergenossinnen zurückgekehrt waren. Lola lag bereits zu Bett, Gwendoline und Eulalie aber liefen noch immer hin und her.

Ah, nun sind Sie ja endlich wach!" rief Gwendoline triumphierend.Ich sage Ihnen, wir haben uns könig­lich unterhalten! Wie schade, daß Sie nicht dabei waren! Nach dem Konzert gingen wir noch zu einem kleinen Tanz­fest und Feuerwerk, und dort hat >Eulalie eine großartige Eroberung gemacht... ein pikfeiner junger Herr war es, sage ich Ihnen! Wie er sie immer bewundernd anstarrte! Er sah viel vornehmer aus als der Sergeant, der immer in unsere Kirche kommt."

Was für einen Unsinn schwatzest Du da wieder!" Eulalie versetzte ihr einen Stoß.Set doch nicht so albern! Hast Du Addie de Castros Hut gesehen?!"

Ja, er war entzückend."

Ich möchte ihn gleich morgen nachmachen, wenn ich das Geld dazu hätte. Aber ich besitze ja nicht einen Penny, nur Schulden, Schulden! Ach, so viele, und dabei nur fünfundzwairzig Rupien zu erwarten! Tante Rosario schulde ich. . ."

Die drängt ja Niemals", unterbracht sie Lola von ihrem Bett aus.

Nein, aber Lily umsomehr, wandte Gwendoline ein.

Ach ja, diese Lrly! . . . Bei Oakes habe ich Schulden, daß ich mich schäme, wieder hinzugehen, und beim Schnei­der, überall Schulden, es ist ein Jammer! . . . Ach, Schul­den, Schulden, Schulden, Nichts als Schulden", begann Eulalie plötzlich vor sich hin zu summen, indem sie im Ziin- mer hin und her tanzte.

Wie kannst Tu tanzen und zugleich von Schulden sprechen!" schalt Gwendoline in kläglichem Tone.

Bah, ich glaube, ich bin schon mit Schulden auf die Welt gekommen und werde zweifelsohne auch in Schulden sterben. Was wäre das für ein Kummer für all meine Gläubiger, wenn ich jetzt plötzlich, das Zeitliche segnete!" Sie lachte und schlug eine reizende Pirouette.Schulden 5tob ein Unglück, aber kein Verbrechen!" Dabei warf sie

!ola eine Kußhand zu.

Eulalie Foneca, ich glaube wahrhaftig, Mu bist ver­

rückt!" sagte Lola ernsthaft.Ter reiche Bankier, oder, was er sonst ist, hat Dich um den Verstand gebracht."

Sie hatte ja keinen zu verlieren", bemerkte Gwendo­line trocken.Hast Tu schon gehört, daß demnächst im Viktoriasaal ein großer Subskriptionsball stattfinden soll?"

Nein!" Eulalie stürzte auf ihre Freundin zu.Wer sagt b<iS?"

Alonzo, und er weiß immer das Richtige. Wenn Tu recht nett mit Friedrich Augustus bist, so schenkt er uns vielleicht Eintrittskarten: drei Rupien das Stück, Essen und alles eingeschlossen."

Eulalie machte einen Luftsprung, hob dann aber mit verzweiflungsvoller Gebärde die Arme in die Höhe und rief» Und ich habe kein Kleid!"

Tu kannst doch das weiß und- gelbe anziehen!"

Nein, es ist in Fetzen. Ich muß ein neues haben." Sie überlegte einen Augenblick.Ein Rosa-Atlaskleid", fügte sie dann entschlossen hinzu.

Tas ist doch! unmöglich, das kostet zu viel", warf Gwendoline ein.

Ich sterbe, wenn ich kein Rosa-Mlaskleid habe!"

Wenn Tu es aber doch! einmal nicht haben kannst", beharrte die Freundin.

Tas wollen wir erst mal sehen. Ich weiß schon, wie ich's machen werde. Sorabjee, der Trödler, muß mir den" Stoff verschaffen, der kann schon auf die Bezahlung warten. Und dann werde ich es mir machen. . ."

Bei diesem Punkte der Unterhaltung schlief ich ein, wäh­rend die schuldenbedrückte Mulatte ohne Zweifel noch lange über die Anzelheiten eines prächtigen Ballanzuges nach­grübelte.

So endigte mein erster Tag in Frau Rosarios Kosthaus.

10.

Am nächsten Morgen wurde ich zu früher Stunde durch Frau Rosarios Stimnre geweckt, die laut und heftig mit ihrem Milchmann unterhandelte, der sich offenbar in nächster Nähe der Veranda befand. Ich richtete mich! etwas auf, schaute hinaus und entdeckte vier Kühe und ebenso viele Kälber. Ter Milchmann trug ein buntes Tuch um den Kopf und einen alten abgetragenen roten Soldatenrock mit Epauletten, und Frau Rosario überwachte, in eine schmutzige Steppdecke gehiillt, das Melken der Kühe.

Leise, um meine noch schlafenden Gefährtinnen nicht zu wecken, erhob ich mich und ging ins Badezimmer. Es war höchst einfach! und die Wänne bestand nur aus einem halben Fasse, aber ich hätte die Mfrischiung doch genossen, wenn nicht solche Unmengen von entsetzlichen Käfern und Riesenspinnen mit langen, haarigen Beinen überall an den Wänden auf und ab gekrochen wären, die mich mit Angst, und Ekel erfüllten. Sobald ich glücklich wieder heraus war, packte ich meine Schreibmappe aus und verfaßte eine An­zeige, die ich so schnell als möglich in ein Lokalblatt ein-