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Schutzleute, tauchende Schutzleute, schwimmende Schutzleute usw., aber wir wußten nicht, daß es auch „Mädchen für Alles" spielende Schutzleute gibt. Tiefe bis jetzt unbekannte Kategorie von Vertretern der Behörde existiert aber, wenn man dem Testament der vor einigen Monaten verstorbenen Witwe des Herrn Eugen Levylier Glauben schenken darf. Fran Karoline Levylier vermacht den Schutzleuten des 9. Bezirks eine Summe von 1000 Fr., weil, so schreibt sie in einem an den Polizeipräfekten gerichteten Briefe, die braven Beamten sich ihr gegenüber stets zuvorkommend gezeigt hatten. Wenn sie eine Straße überschreiten oder aus dem Wagen steigen wollte, brauchte Frau Levylier nur ein Zeichen zu geben, und es eilte sofort ein Schutzmann herbei, inn ihr galant die Hand zu reichen, oder es erhob sich ein weißer Stab, um den Wagenverkehr zu unterbrechen, damit die glückliche alte Dame gefahrlos die Straße überschreite. Und Frau Levylier schließt mit den Worten: „Ich vermache also 1000 Francs den Schutzleuten des 9. Bezirks, weil sie in vortrefflicher Weise das Dienstmädchen ersetzt haben, das mich früher immer begleiten mußte, und das ich dank der Liebenswürdigkeit Ihrer Beamten von dieser Frohne befreien konnte."
* Galalith, ein neues Produkt aus Kuhmilch. Aus der Milch gewisser Pflanzenarten gewinnt man schon seit längerer Zeit für die Fabrikation plastischer Massen sehr wertvolle Produkte, so z. B. den jedermann bekannten Hartgummi. Daß auch die tierische Milch, vor allen Dingen die Kuhmilch, einen ähnlichen überaus wertvollen Körper in sich birgt, zeigt das vorliegende neue hornartige Produkt Galalith. So unglaublich es klingen mag, wird Galalith doch tatsächlich gänzlich aus vorher entbutterter Kuhmilch ohne den Zusatz fremder Substanzen, nur unter Anwendung eines gewissen Härteverfahrens hergcstellt, das den alleinigen Fabrikanten des Galalithrohmaterials, Vereinigte Gummiwarenfabriken Harburg-Wien in Harburg a. b. E., patentiert ist. Zu einem Pfund Galalith sind ca. 30 Liter Milch erforderlich, und die obengenannten Fabriken sind vorläufig auf die Herstellung von Galalith aus 30 bis 40 Millionen Liter per Jahr eingerichtet. Tie daraus hergestellten Imitationen von Schildpatt, Bernstein, Koralle re. sind den teueren Naturprodukten völlig ähnlich, sodaß z. B. Galalith-Schildpatt selbst chemisch von echtem Schildpatt kaum zu unterscheiden ist. Auch in der Schönheit des Farbeneffektes, der bei Galalith besonders leuchtend hervortritt, sowie in dem Hochglanz der Politur wetteifert Galalith mit echtem Schildpatt und Bernstein. Tem Celluloid gegenüber hat Galalith die wesentlichen Vorteile, daß letzteres geruchlos und nicht feuergefährlich ist. Alle diese Eigenschaften in Verbindung mit dem billigen Preis gegenüber den Preisen der teueren Naturprodukte sichern dem Galalith eine große Zukunft und erschließen der Milch ein neues Bcrivertungsgebiet, das sehr umfangreich ist, da Galalith bereits zu sehr vielen Gegenständen, wie Kämme aller Art, Haarschmuck und Haarnadeln, Zigarrenspitzen, Messerschalen, Stockgriffe, Bürstenrücken, Tabaksdosen, Kugeln und Perlen, Knöpfe, Federhalter, Papiermesser, Häkelnadeln, Schachfiguren, Dominosteine und ähnliche Gegenstände, verarbeitet wird.
(A. d. Techn. Korrespondenz v. Rich Lüders, Görlitz.)
KkMsrMsHt'S.
* Druckfehler. (Ans einem Nekrolog.) ... In den Reichstag gewählt, zählte der Verstorbene bald zu den ungesehensten Mitgliedern. —
* Versäumte Gelegenheit. Professor Fadusius, der keine Hörer hat, schildert im Bekanntenkreise, wie er jüngst zu Hanse einen Einbrecher überraschte. „Ehe er mir entkommen konnte", sagte er, „warf ich ihn auf den Rücken, faßte seine Hände und kniete mich auf ihn... er war wehrlos. . ." „Hm", meint sein Kollege Crassus, „da hättest Tu ihm ja eine Vorlesung halten Nnnen!"
* Modern. „. . . Und tote machst Tu's, wenn Du von Deinem Mann für Deine Garderobe etwas brauchst? Fällst Tu auch in Ohnmacht?" — „Ach, was, Ohnmacht — längst veraltet! Ich drohe ihm einfach, daß ich meine Individualität ausleben lasse!"
* K n n fl v e r st ä n d n i s. Kommerzienrat Nosentipel besucht mit seiner Gattin die Gemäldeausstellung. Wie sie eben vor einem mystischen, unklaren Bilde eines Modernen stehen, nähert sich dem Herrn Kommerzienrat ein ihm bekannter Kunstfreund. „Sa- rahleben", stößt er seine Ehehälfte diskret an, „werd' tiefsinnig!"
KauKwMlHafL.
Der Nährwert gekochten Fleisches. In unseren ^agen, wo auf die Gesundheitspflege mit Recht so großer Wert gelegt wird, gilt die Frage unserer Ernährungsweise für eine der wichtigsten Angelegenheiten. In erster Reihe ist es der Fleischgenuß, wclck-er immer wieder zur Tiskussion gestellt wird, ivobei aber die Ansichten noch immer heftig gegeneinander streiten. Es ist daher nicht unwichtig, einige auf streng experimentellen Wege hierüber gewonnenen Ergebnisse, die von Forschern neuestens ausgestellt wurden, bekannt zu geben. Tcm- nach verliert das Fleisch beim Kochen 3—12 Prozent der stick
stoffhaltigen Bestandteile, bann etwas Fett und 20—27 Prozent der Mineralsalze nnd zlvar umsomehr, je kleiner das Fleischstück ist. Tie beim Kochen aufgelösten, also in die Suppe gelangenden Bestandteile, haben, weil leicht löslich, einen starken Geschmack, aber nur geringen Nährwert. Tas zurückbleibende ausgekochte Fleisch enthält noch immer den allergrößten Teil der Nährstoffe, die von unseren Geschmacksorganen nur deshalb weniger empfunden werden, weil sie schwer löslich sind. Nach dieser Darstellung ist, die weitverbreitete Meinung, daß ausgekochtes Fleisch keinerlei Nährkraft mehr besitze, keineswegs zutreffend. Und auch der Fleischsuppe kann demzufolge nicht mehr jener Nährwert zukommen, der ihr allgemein zugemessen wird. Gebratenes Fleisch , verliert allerdings am wenigsten von seinem Nährwert und ist deshalb zur Kräftigung am ehesten zu empfehlen. .
* Stühle unhörbar zu machen. Man beklebe die untere Fläche der Stuhlbeine mit einem Stückchen dicken Filzes. In jedem Geschäft, too Filzgegenstände gearbeitet werden, bekommt man für wenige Pfennige dunkle und Helle Filzabfälle welche sehr verwendbar zum Belegen der Stühle sind. Jemand ließ in dieser Art alle seine Stühle bekleben, nm-die Klagen einer sehr nervösen leidenden Dame zu beseitigen, der das unvermeidliche, Geräusch der Stühle, besonders bei dem Aufstehen vom Tisch, quälend !var. Ter beste Erfolg krönte die Mühe und zwar in doppelter Weise. Tie kranke Dame war sehr dankbar und , befriedigt, und man hatte die Freude, die Fußböden durch die Filzunterlage der Stühle geschont zu sehen.
— Rebhuhn-Haschee mit Maccaroni (Reste-Ber- wendung.) 6 Personen. Zubereitungszeit 1—1V2 Stunde. Bon übrig gebliebenen Rebhühnern wird alles Fleisch sorgfältig von den Knochen gelöst, mit dem Wiegemesser recht fein gehackt und durch die Maschine gedreht. Tann bereitet man von in Butter hochbraun geröstetem Mehl mit Wasser oder Brühe eine recht seimige Sauce, gibt •% Glas Madeira und zwei kleingehackte Schalotten (event. Zwiebeln) hinein, ferner das gehackte Reb- huhnfleisch und läßt es in der Brühe gut heiß werden, aber nicht kochen. Das Haschee wird abgeschmeckt, mit 8—10 Tropfen Maggis Würze verfeinert und mit in Salzwasser abgekochte und in ein wenig Butter geschwenkte Maccaroni angerichtet.
KefundMrspffege.
— Vier Sektionsfälle von Säuferleber bei Kindern im Alter von 1%, 2y2 und 11 Jahren demonstrierte Tr. W. Hoffmann auf der am 12. Juni in Heidelberg zusammengetretenen, Vereinigung der Kinderärzte Südwestdeutschlands und der Schweiz. Aie kleineren dieser Kinder hatten bei Tisch nach ihrem Belieben Wein trinken dürfen, eines z. B. bis i/4 Liter alltäglich. Das 11 jährige Kind hatte 5 Jahre lang zweimal täglich Vs Liter Wein und außerdem Bier bekommen. (Deutsche medizinische Wochenschrift 1904. . Nr. 32, S. 1192.) Seitdem der Blick der Aerzte für diese Art von Kindermord geschärft ist, mehrt sich auch die Zahl der ans Licht kommenden Fälle.
Weu? Bücher,
Grutli-Kalender für das Jahr 1905. (76 S. mit vielen Abbild.) Zürich, Grütli-Buchhdlg. 50 Cts.
Rubner, Prof. Tr. Max, Unsere Nahrungsmittel und die Ernährungskünde. (116 S.) Stuttgart, Ernst Heinrich Moritz. Geb. 1.50 Mk.
Möller, Tr. Siegfr., Wege zur körperl. und geistigen Wiedergeburt, alte und neue bewährte und begründete Methoden zur Wiedererlangung der Gesundheit. (VIII., 157. S.) Berlin W. 30, Otto Salle. 2 Mr.
Betten, Rob., Prakt. Blumenzucht und Blumenpflege im Zimmer. .Vierte verm. und Verb. Aufl. (VII., 219 S. m. 270 Abbild.) „ Frankfurt a. O., Trowitzsch ü. Sohn. Geb. 4 Mk.
Bräcklin, A., Tie Orchideen nnd ihre Kultur im Zimmer. (100 S. m. 50 Abb.) Frankfurt a. O., Trowitzsch u. Sohn. Geb. 3 Mark.
Mayer, Hans, Blondlots N-Strahlen. Nach dem gegenwärtigen Stande der Forschung beärb. und im Zusammenhänge dargestellt. (40 S.) Leipzig, Rob. Hoffmann. 1 Mark.
ErgättMrrgsrtttfel.
(Nachdruck verboten.)
E . he. u . » . i , . ä . t . . ch G . . ü . h
H . f. e. . . ch a . . n . g . ü . t . , d b . ü . t;
K . n ; . s w . d . . S . a . in . . ch . au . r f . n . e »
E . . . ß v . r . o , r, e . . . ß v . sch . i . d . n !
Goethe.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bexirrätsels in vor. Nr. r Orgelbauer (V, Apfelsine oder Orange — O r; die Färb« dieser Frucht — gelb; das Licht: Gasglühlicht von Auer),
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruüerei. R.Lange, Gießen,


