1904
Wr. 153.
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Aus Liebe.
Roman bon M. b. Efchstrnth.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Er trat zu ihr, legte den Arm um ihre Schultern, seine Hand spielte mit dem krausen Gelock über dem feinen Hals: „Kindisch", meinte er noch einmal. „Mer ich leide es doch nicht!" Halb zornig, halb neckend sah sie ihn cm. „Jutta — sei bernünftig." „Nein!" Nun flammte sie wieder auf. „Und wenn Ihr das so ohne mich fertig macht, so mußt Du es wieder rückgängig inachen." „Aber Schatz, Du mußt vernünftig sein." „Ah, bah!" Dann, ganz plötzlich ihrer wechselnden Stimmung folgend, schlang Jutta die Arme um ihres Gatten Nacken unb blickte, ein Grübchen in jeder Wange, zärtlich zu ihm auf: „Wenn ich Dich nun bitte —, recht schön bitte?" Auch er lächelte! wieder. Er würde in dem Augenblick alles um sein Weib gelassen haben und wünschte die Greditz und die Quadrille zu allen Teufeln. Dennoch: „Es ist unmöglich", erklärte er. „Greditz ist mein Rittmeister. Die Sache geht von da aus." „Und die Greditz ist scharmant, und ich ich bin natürlich nicht dabei —" »Weil Du nicht reiten kannst". Harro stampfte mit dem Fuße. „Doch nur, weil Du kein Pferd für mich hast."
Tie Szene hätte fatal werden können. Harro hatte schon eine böse Antwort auf der Zunge, Jutta zornige Tränen m den Augen. Doch die Glocke schlug draußen an. Und die Konbention ist für die meisten Menschen, namentlich die Menschen der Gesellschaft, eine allmächtige Macht. Harro unterdrückte, was er hatte sagen wollen. Jutta fuhr sich mit' dem Spitzentuche über die glühenden Wangen. Mit geglätteten Mienen standen die beiden Gatten da. „Rittmeister von Dörrenbach", meldete der Bursche. „Sehr angenehm", klang es zurück.
Asmus bon Dörrenbach trat ein und wurde so liebenswürdig empfangen, als habe man in heiterster Stimmung auf einen lieben Gast gewartet. Nur Juttas Augen schimmerten noch in rötlichem Schein, was dem Rittmeister wieder zu denken gab und veranlaßte, mit dem herauszurücken, was ihn herbeigeführt hatte. Er kam nämlich, um die gnädige Frau für die geplante Quadrille zu engagieren. Jutta hatte damit sofort alle Fatalitäten vergessen. „Sie denken doch stets an mich, Herr bon Dörrenbach", jubelte sie kindlich. „Das tue ich auch", erklärte er treuherzig und dot ihr seine große, breite Hand, damit sie einschlagen möchte. „Meine Frau ist nicht Reiterin", warf Harro etwas trocken ein. „Wch haben wir kein Pferd —" „Die gnädige Frau reiten meinen „Diamant." Es schien, der Rittmeiste«, hatte alles überdacht. „War mal Damenpserd. Ist lammfromm, macht die Sache von selbst. Wir reiten jeden Tag ein Stündchen in der Halle, das macht sich schon. Wir sind erstes Paar. Ich bin erster Rittmeisher." Möchte sehen,
ob das nicht gehen sollte." Die Worte sagte der Rittmeistei in einem Tone, der keinen Widerspruch zuließ, ja sogar etwas kampfgerüstet klang. Wohl in der Erinnerung, das es, um diesen Beschluß zu erlangen, nicht ganz ohne KamÄ abgegangen war.
An dem Ossizierstisch hatte man über Mittag die Qua drrlle besprochen. Otternberg hatte das Arrangement übet! nommen. Er wäre keinem, auch im Traume nicht, eingefallen, daß Dörrenbach mitreiten wollte, ihm selbst an allerwenigsten. Da hörte er Frau bon Greditz und Ura» zusammen nennen, hörte, daß sie die Paare bestimmt habe; und daß die kleine Frau bon Ur au nicht dabei war. Und bet Rittmeister hatte länger schon seine Gedanken über di« Greditz und ihres Mannes Leutnant. Es trieb ihn, diese, Kokette das Handwerk zu legen, der kleinen Frau die sich ihm mit ihrer Schönheit und Harmlosigkeit in dai Herz gestohlen, zu Hilfe zu kommen. So erklärte er plötz, lrch und sehr schneidig seinen Entschluß. Er wußte, daß es da keinen Widerspruch gab, daß sich auch die Greditz fugen mußte, oder die Quadrille ungeritten blieb. Di« jungen Urans iuaren nun beide seelenbergnügt. Harro war, als sei ihn: etwas recht Drückendes vom Herzen gefallen, Jutta, als finge man aufs neue zu leben an. Selbstverständlich mußte der Rittmeister zmn Abend bleiben, fit wollten reizend gemütlich sein. Dahin kam mott überein, ungefähr zu derselben Zeit, als Hildegards zärtlich warmer Frauenherz doch zuletzt noch den Sieg über den klugen Kopf, die .Vernunft, freilich auch das Ich, dabongetragen und sie sich entschlossen hatte, alles zu tun, womit sie de« verwandten nützlich sein könne.
So traf es sich abermals, daß, als Hildegard endlich, sozusagen, um ihre Versäumnis gut ztt machen, bei dem jungen Paare anstürzte, sie zu der Erkenntnis tarn, daß iht Kampf ganz bergeblich gewesen mar, da niemand ihrer Opfer bedürfte — ja, daß man sich selbst ihre Nähe im Gruttde nur höflich gefallen und in seiner Fidelität durch die Antvesenheit des späten Mädchens diesmal nicht ftöreii ließ. Die drei beschäftigten sich ausschließlich miteinander, Jutta war entzückend, die Augen strahlten, die feinen Wangen glühten, all ihr Wesen war kindlich harmloser llebermut und Güte. Harro schien wieder mal berliebter t« seine junge Frau denn je. Er freute sich, daß sie mit bet der Partie sein würde,- freute sich, wie der Rittmeister eine Sache, die ihm doch fatal gewesen wäre, ins Gleis gebracht hatte; freute sich auch jetzt mit leichtem Herzen auf die Quadrille und meinte, daß Dörrenbach der netteft« Kamerad im.ganzen Regiment sei. Wer auch Dörrenbach war noch nie so heiter und darum auch so gesprächig ge. wesen. Er förderte eine Menge von Empfinden und Denke« an den Tag, die man kaum in dem für gewöhnlich so bequem erscheinenden Manne gesucht hätte. Ja, er ward« sogar galant, d. h. er zeigte ein ritterliches Gefühl für alle so seines Schutzes bedurften, was sich ja int Grunde von Be« Damen der Gesellschaft selten behaupten läßt. Denn als ei


