Ausgabe 
14.9.1904
 
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Gott zu danken, daß sie einen nichts blindlings ins Unglück hineinrennen lassen."

Ljubiza biß sich in ohnmächtigem Zorn auf die Lippen und sah gar nicht danach uns, als ob sie dafür danken wolle oder auch nur gesonnen sei, gutwillig nachgugeben.

Gestatten Sie mir ein Wort", bat Erich, und als der Graf zustimmend nickte, erklärte er mit unerschütterlicher Festigkeit:So wahr ich an Gott, den Allmächtigen glaube, wird Ljubiza mein Weib werden, und selbst in dem Falle, daß auch Sie sich jetzt uns entgegenstellen, würde ich nicht aufhören, ftir mein Glück zu kämpfen. Ja, wenn Sie uns ernstlich das weitere Zusammenkommen erschweren sollten, dann würde mich mein unter ganz anderen Voraussetz­ungen gegebenes Versprechen nicht mehr hindern, und wir würden eben Mittel und Wege ausfindig machen, uns an anderen Orten zu treffen."

Graf Stepenaz sah ihn ganz verblüfft an.

Donnerwetter, Sie sind wenigstens aufrichtig", sagte er endlich und zwar nicht ohne eine gewisse achtungsvolle Anerkennung.

Ich spreche absichtlich so deutlich", entgegnete Erich freimütig,weil uns nichts Schlimmeres zustoßen könnte, als Sie, der Sie doch bisher unsere Liebe so wohlwollend beschützten, §u hintergehen."

Ja, habe ich denn gesagt, daß sich meine Gesinnung änderte", rjef der Graf ganz ratlos,aber schließlich bin ich es doch vor Gott und vor meinem Gewissen schuldig, über Ljubizas Glück zu wachen und"

Und das nennst Du über mein Glück wachen, wenn Du mich von ihm trennen willst!" warf sie ihm bitter vor.

Wenn aber doch sein Vater davon"

Pardon, Herr Graf!" unterbrach ihn Erich,hier han­delt es sich in allererster Reihe nur darum, ob wir uns ließen alles andere sind Magen sekundärer Bedeutung."

Ihr Herr Vater hat sich aber verschworen"

Was geht denn mich sein Vater an", ereiferte sich Ljubiza,ich will doch nicht ihn, sondern Erich heiraten!"

Dieser streichelte ihr liebkosend die Hände, und dem Grafen ruhig ins Auge schauend, sagte er:

Auch ich bin der Meinung, daß von Ljubiza alle Kämpfe ferngehalten werden müssen; wäre ich das nicht, so würde ich meinem Vater ganz frei und offen erklären, auf seine Einwilligung einstweilen verzichten zu wollen was ich um so leichter tun könnte, als ich überzeugt bin, daß er die vollendete Tatsache bald anerkennen wurde."

Graf Stepenaz mußte unwillkürlich laut auflachen.Bei meiner Seele, Sie entpuppen sich ja da von einer recht netten Seite", meinte er,wie ben'ten Sie sich denn das eigentlich, haben Sie vielleicht geglaubt, daß wir in eine Heirat gegen den Willen Ihrer Eltern eingewilligt hätten?"

Sie haben mich mißverstanden, Herr Graf", klärte ihn Erich auf,ich wollte damit nur soviel gesagt haben, daß mich nichts und keine Macht der Welt bestimmen könnte, von Ljubiza zu lassen. Ich habe aber Ghund, zu glauben>paß sich unsere Leidenszeit ihrem Ende naht, denn trotz Szabos Intrigen sängt mein Vater an, ruhiger zu werden, und wenn er auch noch gelegentlich ausbraust, so fühle ich es doch ganz deutlich heraus, daß ep fein Unrecht einznsehen beginnt."

Ohne an ihres Vaters' Gegenwart zu denken, schmiegte sich Ljubiza ganz glückselig an ihn.

Glaubst Du wirklich?" flüsterte sie in seligem Hoffen.

Na, seid so freundlich und geniert Euch ein wenig", brummte der Graf, sein Gesicht in drohende Falten zwin­gend, doch Ljubiza kannte ihren guten Papa zu genau, um nicht zu wissen. Wie er sich im Innern mit ihnen freute, und, ihm um den Hals fallend, schmeichelte sie:

Sei lieb und gut und hilf uns."

Es fiel ihm schwer, ernst zu bleiben.

Aber Mädel, so laß mstch doch los", wehrte er,und versuche, vernünftig zu sein. Sage selbst, wie soll ich Euch denn helfen? Ich kanN doch nicht hingehen und um seine Hand für Dich anhalten!"

Sie könnten uns in anderer Weise helfett", Nteinte Erich nasch einigem UeBer,legen.

Und wie das?" erkundigte sich Stepenaz.

Vor allem wäre es nötig, Szabo unschädlich zu machen und den Vater zu überizeugen, daß er sein Vertrauen einem oanz gemeinen Ränkeschmied aeichenkt hat- Sind wir erst

diesen Zwischenträger los, auf den er noch immer zu viel gibt, dann"

Na, das soll mir nicht schwer werden", sagte der Graf zuversichtlich;,lassen Sie mir acht bis vierzehn Tage Zeit, und ich will ihm ganz schwarz auf weiß zeigen, um wie viel er ihn schon bestohlen hat."

Ich fürchte, daß dies doch nicht so ganz leicht gehen wird", erlaubte sich Mich seinem Zweifel Ausdruck zu geben.

Und warum tticht", fragte Stepenaz lächelnd,glauben vielleicht auch Sie an seine Ehrlichkeit?"

Es wäre eine Luge, wenn ich das behaupten wollte", entgegnete Erich,aber ich halte ihn für einen gar schlauen Burschen, der es wohl verstanden haben Wirch sich nach allen Richtungetr zu decken und dem man daher nur schwer an den Leib wird rücken können."

Nun, bann wollen wir eben noch schlauer sein als er", meinte der Graf,und es müßte doch mit dem Teufel zugehen, wenn wirklich das Unrecht und die Schlechtigkeit siegen sollten!"

Nach einer kurzen Pause der Ueberleguttg wandte er sich wieder an Erich:

Die Entlarvung dieses Gauners übernehme also ich was soll aber dann geschehen, denn damit allein ist es nicht getan."

Erich seufzte recht beklommen.-

IN, bann käme bas weit Schwierigere", sagte er zögernb,bann müßte man bett Herrn Pfarrer bewegen, bte ihm zugefügte Beleidigung zu vergessen, ihn nochmals aufzusuchen uttb ihn persönlich über die Vergangenheit aufzuklären.- Zn dieser Bitte fehlt mir aber der Mut."

Und ich kann ihm dazu auch nicht zureden", erklärte Stepenaz bestimmt,ihn einer nicht unwahrscheinlichen neuen Insulte auszusetzen, wäre geradezu ein Verbrechen!"

Nein, nein, Herr Graf, Sie sind im Irrtum, so etwas zu befürchten", widersprach ihm (Sridj,mein Vater konnte sich damals in seiner seelischen Erregung so weit hin­reißen lassen, ein zweites Mal ist er aber dazu unfähigi dafür bürge ich Ihnen."

Matt kann nur für sich selbst Bürgen und für keinen anderen", brumNtte Stepenaz,ich für meinen Teil nehme die Verantwortung für solch ein Zusammentreffen keines­falls auf mich."

Nun, bann tue ich es", erklärte Ljubiza resolut,und mir wird unser lieber Vater Warne biese Bitte nicht ab- fchlagen."

Schänte Dich", iuarf ihr der Vater vor,aus purem Egoismus willst Du ihn, der Dich von Kindheit auf so lieb gehabt hat, zu solch einem gewagten Schritte ver­leiten."

Nein, nicht nur aus Egoismus", widersprach ihm Ljubiza errötenb,sonbern auch deshalb, weil ich über­zeugt bin, daß er erst dann ruhig und zufrieden sein wird, wenn sich alles zum guten Ende gewendet hat. Vater Adame gehört glücklicherweise nicht zu denjenigen Menschen, die Halsstarrig auf ihrem Schein bestehen", fuhr sie ganz begeistert fort,er wird sich keinen Moment besinnen, den ersten Schritt des Entgegenkommens zu tun, und wenn er weiß, daß dies für unser Glück notwendig ist, wird es ihm umso leichter fallen."

Der Gräf drückte ihr einen KNß auf die Stirn.

Gott gebe, daß Du recht Bekämt, mein Kind", sagt« er mit weicher Stimme, dann die beiden allein lassend^ eilte er nach feinem Arbeitszimmer, zwei Depeschen auf­zusetzen, die er so forst mittelst Eilboten nach der nächsten Telegraphenstation sandte.

14.

Unter der Angabe, gleichfalls den Bau einer Zucker­fabrik zu beabsichtigen, hatte Graf Stepenaz telegraphisch Offerten von den tzöchstseldschen Maschiinenlieferanten ein» verlangt, welche ihre Vertreter auch umgehend nach! Stepe- navze sandten.

Als er dann das notwendige Material beisammen hatte, erklärte er, sich die Sache doch! noch einmal gründlich! überlegen zu wollen, gab aber, itim! die Fabriken durch sein Manöver nicht Schaden erleiden zu lassen, ander- weittge Bestellungen in Auftrag.

Da auch Ljubiza mittlerweile mit dem Pfarrer ge­sprochen hatte, her in seiner Gutmütigkeit zu allem bereit war, so stand nichts mehr dem entscheidenden Schlag ent-