Ausgabe 
14.9.1904
 
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daß fte überhaupt nie ins heiratsfähige Alter kommert wird."

Mas Hat sie denn wieder an gestellt ?" fragte die Gräfin neugierig:

Aber anstatt ihr darauf zu antworten, tat Herr von Höchstfeld die Gegenfrage:

Ist Ihnen vielleicht schon eines Ihrer Kinder auf den Kopf gesprungen?"

Das könnt' i grab' nit behaupten", meinte sie mit leichtern Schmunzeln,aber drauf 'rumtanzen und ihren Willen durchz'setzen, das versteh'n s' freilich. Sehen S'", fuhr sie fort,i hab' zum Beispiel toolt'n, daß die Ljnbiza heut mitkommen soll, aber glauben S', daß i's hält' durch­setzen können? Nit um ein' Million!"

Der Major drückte seine höchste Verwunderung über Ljnbizas Respektwidrigkeit aus, wenn er jedoch die Ver­anlassung derselben gekannt hätte, dann würde er wohl der Gräfin eigentümliches Lächeln nicht als Verlegenheit aus­gelegt haben. Obgleich sie nämlich keinen Anhalt dafür hatte, und Ljnbiza auch nicht dergleichen tat, so wußte sie dach bestimmt, daß diese Erich erwartete.

Und tatsächlich war es auch fo; denn kaum daß sie fort­gefahren war, kam dieser auch schon von der anderen Seite angeritten.

Das Alleinsein der Liebenden war indes von kürzerer Dauer, als sie gehofft hatten, da der Graf gerade heute ausnahmsweise früh von seiner Inspizierung zurückkehrte.

Nach einem Moment der Enttäuschung gingen sT ihm entgegen.

Er sah erst sie, dann ihn forschend an.

Ich möchte nur wissen", sagte er dann kopfschüttelnd, dnrch welche geheime Telegraphie Ihr Erkch verständigt?"

Ja, siehst Du, Papa, wir machen uns eben die neuesten wissenschaftlichen Erfindungen zu nutze", neckte sie.Hast Du noch nichts von der Mareonischen Telegraphie ohne Draht gehört?"

Ich fürchte", entgegnete er,daß Euch Eure Telegraphie sogar recht vielDraht" kostet, denn umsonst werden sich die Leute zu diesen Botengängen Wohl nicht hergeben. Doch Scherz beiseite", wandte er sich mit ernster Miene an Erichs wo soll das hinführen? Ich habe Ihnen das Herkommen nicht verboten, weil ich hoffte, daß Sie dem Mädel nicht unnötigerweise das Herz schwer machen würden. Wie die Sache nun aber einmal liegt, müssen Sie doch selbst ein­sehen, daß an ein gutes Ende nicht zu denken ist und deshalb ist es wohl am besten, Ihr sagt Euch beizeiten Lebewohl und wartet nicht erst, bis"

Was, wir sollen uns Lebewohl sagen?" fiel ihm Lju­biza leidenschaftlich ins Wort.Nimmermehr! Wir ge­hören zu einander, und nichts auf dieser Welt kann und darf uns trennen!"

Oho, mein Fräulein Draufunddrcm, nur nicht so hitzig, nur nicht so hitzig", wies sie der Vater zurecht,man hat froh zu sein, -wenn die Eltern für einem weiter denken uttl&i

Mittwoch den 14. Septemöer

1964.

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Km angenehmes Kröe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Herr von Höchstfeld half ihr mit zurückhaltender Höf­lichkeit aus dem Wagen, während er die Zwillinge, die kaum aufzusehen wagten, keines Blickes würdigte.

Ach, so schan'n S' doch nit gar so bös drein", redete ihn die Gräfin in harmloser Gemütttchkeit an,schließlich war doch die G'schicht' für mein Mad'l viel peinlicher, als für Ihren Sohn, und deshalb denk' i, daß S' den zwei dummen Buben, die sich ja kaum mitz'kommen getraut haben, endlich auch verzeih'n könnten."

Und Sie haben es getan?" fragte Herr von Höchstfeld gemessenen Tones.

Meinen S' vielleicht, daß i damit bis auf mein Ster­benslager hält' warten sollen?" fragte sie dagegen, und mit aufrichtiger Ueberzeuguug setzte sie hinzu,wir wären ja nit wert, auf dieser schönen Erd' z' leben und Gottes Luft einz'atmen, wenn wir nit auch für unfern Aerger ein End' z' finden wüßten und nun gar, wo sich's doch nur um ein' alberne Kinderei handelt."

Menn Sie selbst die Sache so leicht auffassen, dann darf ich sie wohl nicht tragischer nehmen", meinte er, und zu Dinko und Mirko gewandt, sagte er:Steigt also aus, be­nehmt Euch aber nächstens vorsichtiger, sonst läuft es nicht wieder so glatt ab."

So ist's recht", stimmte ihm die Gräfin in ihrer leb­haften Weise zu,ein kleiner Wechsel auf die Zukunft kann nix schad'n" und den beiden Jungen, die verlegen zur Seite standen, befahl sie:Nun Euch verziehen worden ist, macht auch Euren Frieden mit dem Herrn Leutnant.

Er soll uns erst « Verzeihung bitten", druckste Dinko.

Die Gräfin machte eine verdächtige Handbewegung.

Jetzt aber schnell vorwärts, sonst nehm' i Euch bei den Ohren", drohte sie ihnen.

Pardon, Frau Gräfin", hielt sie Vladoj zurück,Dinko hat recht, ich bin (ihm und Mirko eine Ehrenerklärung schuldig, ja, mehr als das, ihnen habe ich es zu danken, daß ich heute beinahe"

Sekt getrunken hätte?" unterbrach sie ihn lachend.

Nein, daß ich heute beinahe meine Verlobung gefeiert hätte, denn ihre Indiskretion bewog mich, alle Heimlich­keiten aufzugeben und offen um Ernas Hand anzuhalten.

Und man darf noch nit gratulieren?"

Erst in zwei Jahren diese Frist hat Herr von Höchst­feld in seiner Unerbittlichkeit festgesetzt."

Ich habe gar nichts Bestimmtes zugesagt", widersprach dieser,Ernas neuer Streich läßt mich sogar befürchten,