Ausgabe 
14.5.1904
 
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des kleinen Mädchens. Es rieb sich anfangs ein wenig verschlafen die Augen und sah dann, von Glück strahlend, auf uns hin.

Frieda wagte nicht mehr zu rufen, sondern winkte nur eindringlich mit der Hand. Da sagte die kleine Helene zu ihrem Nachbar:Adjö, Hund, nun muh ich wieder zu meiner Mama", und dabei tätschelte sie ihm den zottigen Kopf, wahrend der Köter gerührt winselte, ihr die Hand zu lecken versuchte und mit dem Schwanz- wedelte, wie man aus dem Klopfen gegen die Wand der Hütte vernehmen konnte. Dann, als sie ruhig und seelenvergnügt zu uns ging, folgte ihr der Hund bis an den Kreis, der die Grenzen seines Reiches bezeichnete, und winselte und gunste nach ihr und stellte ein Bild dar, unter das man gleich hätte schreiben können:Die Sanftmut in Hundegestalt."

Nachher erzählte sie:Ich war so traurig von den Hund, daß er immer so allein is und an der Kette und kann gar nicht rumspringen wie Karo und Fips und Bergmann. Und da bin ich hingegangen und hab' ihm viele schöne Blumen, gepflückt. Die mocht' er aber gar nich leiden und hat sich gar nich gefreut. Und da war seine Wasserschale ganz leer und er hatte immer die Zunge 'raus und den Mund auf und machte immer so." Sie ahmte das Jichern eines Hundes nach.Und da bin ich an den Trog ge­gangen und hab' ihm Wasser in seine Schale gefüllt. Und das hat er all' ausgetrunken und seine Zunge wie einen Löffel dabei gemacht und es hat schlapp, schlapp gesagt. Und da sind wir beide in sein Haus gegangen und da hab' ich ihm die Geschichte von dem Wauwau und dem Mählamm erzählt. Die mocht er woll gern leiden und hat immer mit 'n Schwanz an seine Hütte geklopft. Und dann haben wir beide 'n bißchen geschlafen, Und dann hat mich Mama gerufen. Und nun ist die Geschichte aus."

Vermischter.

* Folgenden Abschiedsgruß an das Mündener Publikum gibt der zurzeit in Münden gastierende Theater­direktor Unger auch in Gießen bekannt schwarzumrändert auf dem letzten Theaterzettel bekannt:Meine Herrschaften! Seit ca. 5 Wochen mühe ich mich vergebens ab, mit einem anerkannt guten Schauspiclerpersonal die geschätzte Einwohnerschaft von Mün­den für meine Vorstellungen zu interessieren, ohne daß es mir bis heute gelungen wäre. Ich habe Novitäten gebracht, interessante Gastspiele, und da diese nicht zogen, alte Schmöker hervorgesucht um damit vielleicht dem Geschmack des p. t. Publikums von Münden näher zu kommen alles war vergebens, ja selbst das Gastspiel des Hofschauspielers Schmasow der erklärte Liebling des Casseler Publikums spielte sich vor einem vollen Saal leerer Stühle in Münden ab. Ich sehe mich infolgedessen und nachdem ich all meine Ersparnisse der Stadt Münden geopfert habe, genötigt, am Dienstag, dem 10. d. M., zu schließen und bitte nur noch, doch wenigstens diese letzten beiden Vorstellungen be­suchen zu wollen, damit, wenn ich später einmal im Buche meiner Erinnerungen blättere, bei dem Namen Hannövrisch-Münden nicht allzu schmerzlich berührt werde. Um stilles Beileid bittet der Theaterdirektor von Hannövrisch-Münden."

* * Der größte Flußbampser Europas. Der eiserne SchraubendampferAmsterdam XI." ist gestern von Amsterdam mit Ladung für die Reedereifirma Alfred Alt­schüler u. Co. im Frankfurter Hafen eingetroffen. Amsterdam XI" ist der größte von allen Dampfern, die europäische Flüsse befahren. Auf der Werft von Johan Kievits und van Reede in Papendrecht gebaut, lief er im Jahre 1898 vom Stapel. Er ist 85 Meter lang, 9.10 Meter breit und hat 2.40 Meter Tiefgang. Seine Ladefähigkeit beträgt 19 493 Zentner mit 450 indizierten Pferdekräften.

KesundHeitspflege.

Während die Elektrizität seit langer Zeit und nahezu in allen Formen, in denen sie uns nach und nach bekannt geworden ist, mannigfache Anwendung zu Heilzwecken gefunden hat, vermochte die Heilkunde bis vor kurzem den Magnetismus nicht in den Dienst der leidenden Menschheit zu stellen. Das lag jedoch daran, daß man es nur mit unveränderlichem Magnetismus, oder, mit anderen Worten, mit einem magnetischen Felde so nennt man bekanntlich das Gebiet, in dem die magneti­schen Kräfte sich geltend machen von stets gleich bleiben­der Stärke und Richtung versucht hatte. Ein solches Feld übt keine merkliche Wirkung auf den menschlichen Organis­mus aus. Es ist das Verdienst des Schweizer JUgenieurs

Eugen Konrad Müller, durch eine physiologische Beob­achtung auf den Gedanken gekommen zu sein, daß ein veränderliches magnetisches Feld, das seine Stärke und Richtung von Moment zu Moment wechselt, einen Heil­zwecken dienende,r Einfluß auf den menschlichen Organis­mus ausüben tonnte. Diese Vermutung hat sich bestätigt, und sie bildet den Anfang einer elektromagnetischen Thera­pie, die noch sehr jung, deren Entwicklung aber nicht ab­zusehen ist. Ein magnetisches Wechselfeld läßt sich auf mehrfache Weife herstellen. Eine sehr vorteilhafte Methode besteht darin, einen mit Gleichstrom gespeisten Elektro­magnet von Hufeisenform um seine Symmetrteaxe in Ro­tation zu versetzen. Nach diesem Prinzip sind bereits zahl­reiche Stationen in vielen Städten Deutschlands einge­richtet. Die therapeutische Anwendung des Magnetismus hat vor der des elektrischen Stromes den Vorzug, daß die Patienten, wenn sie nicht ganz besonders sensibel sind, die Einwirkung desselben gar nicht empfinden und in keinem Falle eine schmerzhafte oder unangenehme Em­pfindung haben. Sie kommen auch mit dem Magneten selbst gar nicht in Berührung. Die Krankheitsfälle, für die die elektromagnetische Behandlung indiziert erscheint und nach den ärztlichen Berichten mit bestem Erfolge angewandt wird, sind im Allgemeinen schmerzhafte Reizzustände des Nervensystems, Neurasthenie, Neuralgie, Ischias, Rheuma­tismus, Schlaflosigkeit. Prof. Dr. Kalischer,

Charlottenbürg..

*

Die Magenverdauung im Röntgenbild. Damit die Verdauung regelrecht von statten gehe, sind zwei Vorgänge notwendig, einmal muß die Speise durch den abgesonderten Magensaft verdaut werden, andererseits muß die verdaute Speise vom Magen weiter nach dem Darm be­wegt werden. Gerade über diese Magen- und Darmbeweg­ungen sind unsere Kenntnisse noch sehr lückenhaft, und es war sehr naheliegend, daß bald der Versuch gemacht wurde, durch Röntgenbild diese komplizierten Verhältnisse auszu­hellen. Am Menschen, sowohl wie an Tieren hat man mit -Erfolg Durchleuchtungsversuche des arbeitenden Magens vorgenommen, indem ein für Röntgenstrahlen schwer durchf- gängiger Körper, z. B. salpetersaures Wismut, zur Nahr­ung gemischt wurde, worauf die Umrisse, Bewegungen und Entleerungen des Magens im Röntgenbild sehr deutlich zur Beobachtung gelangten. An Hunden und Katzen werden rhythmische, alle 10 Sekunden entstehende Wellen beobachtet, die von der großen Krümmung nach dem Pförtnerteil hin­laufen, wobei sich allmählich der Speisebrei nach dem Darm entleert. Dr. Lommel in Jena hat diese Untersuchungen fort­gesetzt und ist zu interessanten Ergebnissen gelangt. Durch Beobachtung des Wellenablaufs studierte er den -Einfluß verschiedener äußerer und innerer Einwirkungen auf die Magenbewegung, er fand physikalische Faktoren, wie die Kälte- und Wärmeanwendung von geringfügigem Einfluß, dagegen war der -Einfluß chemischer Reizmittel bedeutender. Nach Zusatz gewisser Präparate zur Nahrung war die Wellenbewegung sehr stark und beschleunigt. Am meisten ausgesprochen war der ^Einfluß seelischer Vorgänge auf die Magenbewegung. Waren die Tiere unruhig, oder litten sie Schmerzen, so. zeigte sich, stundenlang keine Bewegung und keine Entleerung. Damit wäre für die altbekannte Tatsache der experimentelle Nachweis gebracht, nämlich-, daß auch beim Menschen infolge von Gemütsverstimmungen die Verdauung leidet, sodaß das Sprüchwort:Es liegt mir etwas schwer im Magen", vollkommen zu Recht besteht.

Magisches Zahle «qrradrat.

(Nachdruck verboten).

In nebenstehendes Quadrat sind vier Zahlen viermal der­art einzutragen, daß jede wage­rechte, senkrechte unb jede der beiden Querreihen die Summe von 26 ergiebt. In der durch schwarze 'Felder bezeichneten Querreihe müssen aus einander folgende Zahlen stehen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Charade in vor. Nr.: Eilzug.

Redaktion: Auautt Göd. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schenUniversitäts-Buch- und Cteiudruckerei. R. Lanae. Gießen.