Samstag den 13. Arbruar
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(Nachdruck verboten.)
Wlla Jafconieri.
Von RichardVoß.
Zweiter Band.
(Fortsetzung.)
Tie vielen Tore der Villa mußten wieder geschlossen werden. Neulich schlichen sich Fremde ein.
Es war seit vielen Jahren das erstemal.
Eine sehr seltsame Wahrnehmung mußte ich machen . . . Tie Natur ist mir seit kurzem, seit meinem gewaltsamen Erwachen, nicht mehr Allheilerin und Allhelferin. Selbst die große Tragödin, die römische Campagna, hat aufgehört, ihre gewaltigen Strophen aus dem Trama der Weltgeschichte für mich zu rezitieren. Und sie verstummte doch bis jetzt niemals!
Was bedeuten diese Zeichen? '
Gestern war ich auf Tusculum. . .
Wie in diesem Jahre aus Tusculum der Ginster blüht!
*
Ich glaube, ich schrieb Euch, daß ich in der Villa Taverna Nachbarn habe. Und zwar schon seit März. Es ist der Prinz von Sora, ein berüchtigter Wüstling. Tie arme junge Frau! Ter Prinz ist nämlich verheiratet und hat seiner Frau willen von dem bankerotten Borghese die Villa Taverna gemietet. Die Prinzessin, die Blut husten soll — habe ich das nicht bereits erwähnt? — gehört zu den Spitzen der römischen Modedamen: zu den allerhöchsten Spitzen.
Schade darum! Das heißt — sie soll nämlich im Grunde entzückend sein.
Dabei ist sie erst zweiundzwanzig Jahre.
Tie göttliche Jugend!
Aber bei dieser Jugend bereits für das ganze Leben ruiniert. Und wodurch ruiniert?
Durch Weltleben.
Es ist etwas so trostlos Oedes! Allerdings kommt in diesem Falle eine sehr unglückliche Ehe hinzu.
Vielleicht ist die Prinzessin gar nicht sehr unglücklich? Tenn solche Weltdame — überhaupt die Frauen. . . . Wer kennt sich bei ihnen aus. Wer kennt sie?
Ich nicht!
Ich bin gar kein Kenner der Frauen; sondern nur ihr „Verklärer".
Tas klingt sehr schön, heißt indessen nichts anderes, als daß ich die Poesie benützt habe wie der Anstreicher die Tünche. Eine graue Mauer färbte ich rosenrot, himmelblau, blütenweiß.
Jedenfalls war ich so glücklicher.
Eine blutjunge, elegante und gewiß reizende Welt
dame, die in einer unglücklichen Ehe lebt und sich zu Tode amüsiert— das ist alles! Und es ist im Grunde schrecklich banal. Mit einer solchen Frau sollte kein ernsthafter Mann Mitleid fühlen.
Aber die nahe Nachbarschaft stört mich Wenn ich davon auch nur wenig höre und sehe, so weiß ich doch, daß sie existiert: dicht unter mir!
Und ich bin der Nähe von Menschen aus jener andern Welt so vollkommen entwöhnt.
Tie Prinzessin soll durcb die Extravaganzen ihrer Eleganz ebenso berüchtigt sein, wie der Prinz durch seine sittliche Verlotterung. Sie soll zu den großen Raffinierten gehören: zu den ganz großen!
Sie macht immerfort Sensation, kann gar nicht leber^ ohne immerfort Sensation zu machen.
Tie Farbe, die sie für eine Saison trägt, wird sogleich Modefarbe; die Blume, die sie für eine Saison protegiert, sogleich Modeblume. In diesem Jahre kleidet sie sich ausschließlich in Weiß, liebt sie ausschließlich die weißen Lilien.
Also ganz Madonna. . .
Verzeiht die Entheiligung. Ich dachte nämlich an meine Madonna.
Welche Kontraste!
Uebrigens ist ihr Rus tadellos — ich spreche noch immer von der Prinzessin. Eine tonte graude dame, die einen verächtlichen Gatten besitzt, in Aeußerlichkeiten aufgeht, nur für ihre Schönheit, ihre Eleganz, ihre Emotionen lebt und dann einen tadellosen Ruf besitzt. Und das in Rom! Es scheint ein Mirakel zu sein.
Tas Wunder ist aber weniger Wunder, sobald mau annimmt, daß sie kalt ist, marmorkalt und unnahbar. Und nur aus Eitelkeit einen Liebhaber zu nehmen, dafür scheint sie mir denn doch — zwar nicht gerade zu gut; aber viel zu besonders geartet.
Auch gibt es Frauen, die einfach aus Bequemlichkeit nicht lieben, weil ihnen jede Leidenschaft lästig ist. Und es gibt Frauen —
Doch was verstehe ich davon?
Ich kümmere mich nicht um Frauen, die schlaflose Nächte haben, weil sie für eine Toilette eine Farbennüance erfinden müssen, die noch niemals dagewesen ist.
Tie Prinzessin von Sora hat schlaflose Nächte; denn Nacht für Nacht sehe ich in ihrem Zimmer Licht.
Was gehen mich die schlechten Nächte dieser Weltdame an und weshalb sie schlecht sind?
Unsere weiblichen dienstbaren Geister sind durch die prinzliche Nachbarschaft ungemein aufgeregt. Jede Stunde kommen sie — Ihr kennt ja unsere patriarchalische Art, mit unseren Leuten zu leben — mit irgend einer „sensationellen" Neuigkeit angestürzt. . . Tie Prinzessin soll von einem unerträglichen Hochmut sein und von der Dienerschaft trotzdem vergöttert werden. Tie Armen von Frascati kommen scharenweise zu ihr. Tann steht sie in ihrem


