Ausgabe 
13.1.1904
 
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de Lang entfremdet haben soll. Die Gräfin, eine geborene Miß Carroll aus Baltimore, zählt bereits an 70 Jahre, während der angeblich von ihr umgarnte Ehemann deren nur 35 zählt. Tic Gräfin ist seit fast 20 Jahren Witwe. Ihr verstorbener Gemahl stand im österreichischen diplo­matischen Dienste, und sie selbst spielte bis zu seinem Tode in verschiedenen euröpäischen Hauptstädten eine hervorragende Rolle in der Gesellschaft. Mr. de Lang stammt aus der Schweiz und heiratete seine jetzige Frau im Februar d. Js. Diese behauptet, er sei im August v. Js. mit der Gräfin Esterhazy bekannt geworden, und seit dieser Zeit habe er in deren Netzen gezappelt. Tie Gräfin gibt zu, daß sie Mr. de Lang während seiner Krankheit in Deren Park (Maryland) in, Sommer v. I. gepflegt habe, sie habe jedoch in keiner Weise versucht, sich die von seiner Frau so fix in klingende Münze umgerechnete Liebe zu erringen.

* Schwim m s ch it h. In Sportkreisen sind Schwimm- schuhe, die das Schwimmen erleichtern sollen, schon ziem­lich lange bekannt, doch sind die Konstruktionen der bisher gebräuchlichen Systeme häufig noch sehr unvollkommen. Ein kürzlich erfundener neuer Schwimmschuh soll gegenüber den alten große Vorteile haben, indem bei ihm der Druck der Fußsohle ans das Wasser beim Ausstößen bedeutend ver­mehrt, dagegen beim Einziehen wieder vermindert wird. Ter Schwlmmschuh besteht aus einem strumpsartigen lieber» zug, der über den Fuß gezogen und vermittelst einer Schnur daran befestigt wird. An dem lleberzug ist zwischen zwei halbkreisförmigen Drahtbügeln eingespannt ein wasser­dichtes Tuch befestigt. Die Drahtbügel sind an ihren Enden durch Gelenke miteinander verbunden. Besondere Schnüre sollen verhüten, daß die beiden Bügel nach oben über» klappen. Beim Ausstößen des Fuß.s wird daher eine kreis­runde Fläche gebildet, während beim Einziehen die Bügel naturgemäß um die Drehpunkte nach unten unlklappen, sodaß dem Wasser nur eine geringe Widerstandsflüche ge­boten wird. (Technische Berichte Bruno Heinrich Arendt, Berlin.)

* Unter dem TitelD a s M a s chi e n - Fr ä n - lein" Hal Mark Twain das folgende anmutige Idyll veröffentlicht:Der Chef war wieder 'mal, wie gewöhn­lich, bei schlechter Laune. Und war er das, so ließ er sie stets an den Untergebenen aus, denn das geschieht immer. Und da dasMaschinen-Fräulein" am meisten mit ihm zu tun hatte, so hatte sie auch am meisten darunter zu leiden.Es ist zum Verrücktwerden!" rief er.Wie oft habe ich gesagt, man soll mir auf meinem Schreibtisch nichts anrühren?!"Es ist auch nichts angerührt worden."

So? Und wer hat denn die Marken hier hingelegt? Wer sonst iuieber wie Sie!" Sie sagte kein Wort, sondern fing an, auf ihrer Maschine zu klappern.Tun Sie die Marken weg!" schrie er sie an.Wo soll ich sie hintun?" fragte sie und stand auf.Irgend wohin, wohin Sie wollen. Nur mir aus den Augen, wo ich sie gar nie mehr sehen kann." Und das Maschinen-Fräulein nickte, nahm die Briefmarken, befeuchtete sie ruhig, klebte sie dem Chef auf seine Glatze und sagte:Ich bitte um meine Ent­lassung!" _________

Sonntag im Iorft.")

Glockengelüute und Lerchengesang, Waltende Pilger am Wege entlang, Wogende Aehren und duftender Klee, Still liegt das Dörfchen im Blütenschnee. Lachende Sonne an, Himmelsgezelt, Göttlicher Odem in Garten und Feld, Friedliche Hütten, die Höfe gefegt, Ringsum mit zierlichen Reisern belegt. Unten an, Anger ein Liedchen verhallt: Mütterlein singt, daß es feierlich schallt. Seltene Weihen, sie steigen empor Droben als Weihrauch zum himmlischen Chor. Sonntag in, Torfe, du herrlicher Tag, Schlummert die Seele, du rüttelst sie wach, Göttliche Allmacht verkündest du ihr, Souutag in, Dorf, ich ergebe mich dir!

*) Von einem Frennde gehen uns dieseGedichte eines B e r l i n e r S ch u tz m a n n e s" zu, die an dieser Stelle zum ersten male an die Oeffcntlichkeit kommen.

Dom Wäfferlei«.

Durch grüne Wiesen, im Sonnenschein, Stoß hurtig eilt plätscherndes Wässerlein, s küßte die Steine im sandigen Schoß Und zupfte neckisch am schlüpfrigen Moos, Schwenkte voll Wanderlust freudig den Stab Ten an der Brücke ein Knabe ihm gab.

Die Täler winkten ihm weit nnd breit, Es war ja noch lachende Frühlingszeit, Noch führte es sicher ein buschiger Rand Zum fernen sagenumwobenen Strand, Tausende Blümchen in farbiger Pracht Hatten ihm nickend das Bettchen gemacht. Doch bald verrauschte das Kinderspiel, Mit eiligen Schritten gings fort zum Ziel Und schneller, noch schneller im hastigen Sauft, Das kleine Wässerchen blähte sich atü, Drohte nun finster in schäumender Wut, Zeigte den Blümchen in, Stolze den Mut.

So zog es tobend des Weges daher Und endlich erschien ihm das große Meer. Da stoben die brausenden Wasser zu Haus Und nahmen jubelnd den Wanderer ans, Zerrten ihn tanzend im schnnndelnden Kreis, Dort gings int Sturme aus Meeres Geheiß. Mit steifem Nacken und toll vor Wut, Erlahmte des Wässerchens Heldenmut: Aus gähnender Tiefe erstand ihm ein Riff, Den krummen Rücken erdrückte das Schiff. Sandige Klippen mt Meere, o Grans!

Decken nun Wässerchen ferne von Haus I

Hlnterm Kichenöaum.

Beschützt von mächt'gen grünen Zweigen Int weichen Moos, am Waldessaum, Da schlummert saust im süßen Schweigen Ein Wandrer unterm Eichenbaum.

Er träumt vom trauten Heimatlande, Von Kmdesglück und Mutterlieb, Von Gold und Glück am fernen Strande Das ihn znnt frohen Wandern trieb.

Ringsum die grünen Halme nicken Dem müden Schläfer lispelnd zu: O, magst du dich nur recht erquicken Bei uns, in stiller Waldesruh!"

Und durch den Wald geht leises Rauschen, Ein sanftes Flüstern durch den Baum, Und Hirsch und Rehe schüchtern lauschen Dem Schläfer dort int süßen Traum.

Ta zwitschert laut in grüner Krone Im bunten Kleid ein Vögelein, Es dringt ins Ohr dem Menschensohne: O komm, o komm, im Sonnenschein!" Und frisch gestärkt, mit Purpurwangen, Erhebt der Schläfer sich vom Traum Und wandert weiter ohne Bangen, Ihn schmückt ein Blatt vom Eichenbaum.

Fiosen.

Rosen von dornigem Stiele Pflücket die lächelnde Maid, Errötend in tändelndem Spiele, Noch ist ja die goldene Zeit,

Dräuet dir fernes Gewitter

Mitten im sonnigen Schein:

Dann greis nicht' den dornigen Splitter^ Nur pflücke das Röschen allein!

Geheimschrift.

Nachdruck verboten.

Nachstehende Buchstabenreihen sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einfügung passender Vokale zu sinngemäßen Wörter» bilden lassen.

ndrjgndstjngsnlcht schwrrndschnrwnnshrschblcht

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Buchstabenrätsels in vor. Nr.:

Gilm, Film.

Sictofticn: Nu an kt Köln Notaticnstruck und Derlaa der Trübl'sckien Universitäts-Bück- nnd Cteir.druckerci. R. Lange, Gießen.