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VsvrMchtsr.
* Neber bie Kaufe des italienischen Kronprin- z e n berichtet man aus Rom: „Bei der Kaufe des Prinzen von Piemont wurde alle Pracht des italienischen Hofes entfaltet, aber die Stimmung blieb gedruckt, da in Kurin dm Prinzessin Efena von Aosta, die ohne die Geburt des Kronprinzen dereinst Königin von Italien geworden wäre, schwer krank an Lungenentzündung darniederliegt. Während in Rom der künftige König von Italien die heilige Kaufe erhielt, wurden in den Knriner Kirchen Bittgebete für die Genesung der jungen Herzogin von Slosta abgehalten. Die Kaufhandlung war auf vormittags 11 Uhr im großen Ballfaale des Quirinalschlosses angefetzt. Der Saal ist mit aelbcr Seidentapete ausgeschlagen. Seinen einzigen Schmuck bilden große Spiegel und Kronleuchter ans venezianischen'. Glas. Au der Längswand gegenüber den Fenstern war ein einfacher Altar errichtet worden, mit einer schönen Madonna des Perugüw. Von IO1/2 Uhr an füllte sich der Saal mit den geladenen Güsten, den Rittern wes Annunziataordens. den Ministern, den Präsidien des Senates und der Kammer, den Vertretern der Armee, der Flotte und der Magistratur. Auch der Berwaltungsausschuß des römischen Stadtrates hatte eine Einladung erhalten; aber nur die liberalen Stadträte hatten ihr Folge geleistet, die klerikalen nicht. Ans ganz Italien waren die Palastdamen der Königin, etwa fünfzig an der Zahl, die dem allerhöchsten Adel des Königreiches angehören, in Rom eingetroffen. Sie hatten ihre Plätze in der zweiten Stuhlreihe, gleich vor dem Altar. Sie sind alle in weiß gekleidet und tragen auf der Brust das Monogramm der Königin Elena in Diamanten. Ten Preis der Schönheit tragen die Sizilianerinnen davon, unter ihnen wieder die Prinzessin von Keanu, der auf Grund eines Privilegs, das der Hohenstaufe Friedrich II. ihrer Familie erteilt hat, das Recht zusteht, eine goldene Krone zu tragen. Von diesem Recht macht sie auch heute Gebrauch. Um elf Uhr stimmt das Streichorchester des Maestro Sgambati den „religiösen Marsch" Händels an. Drei schwarz gekleidete Kleriker betreten mit dem Kreuze des heiligen Mauritius rind Lazzarus den «saal und bereiten am Altar alles für die Kaufe vor. Ihnen folgen der Pfarrer von San Vincenzo und Anastafio, in dessen Sprengel der königliche Palast liegt, und der Klerus aller Pfalzkircheu Italiens, in großem Ornate, mit bent Hofkaplcm Monsignor Beccaria an der Spitze. Die Geistlichen nehmen vor dem Mtar Aufstellung. Nach wenigen Augenblicken tritt der Kauf zog den Saal; allen voran die Königin Elena mit dem schlafenden Kaufling auf den Armen. Wie sie ihren Sohn selber stillt, so hat sie es sich auch nicht nehmen lassen, ihn selber zur Kaufe zu tragen. Tie Königin ist ganz in weiß gekleidet. Bei ihrer Erscheinung geht eine Bewegung inniger Freude und herzlichen Mitgefühls durch den ganzen Saal. Tie Königin verneigt sich leicht gegen die glänzende Versammlnng und begibt sich dann zum Altäre. Ihr folgt der König mit der Prinzessin Jolanda an der Hand; neben ihm wird die Prinzessin Mafalda getragen. Auch die kleinen Prinzessinnen sind weiß gekleidet. Nun kommt die Königin-Witvoe Margherita mit reichem Perlenschmnck am Arme des Fürsten Nikolaus von Montenegro, der sein funkelndes montenegrinifches Nationalkostüm angelegt hat. Sodann folgen Prinz Albrecht von Preußen und Prinz Artur von England, der Herzog von Oporto und der Prinz Napoleon, der bekanntlich mit dem italienischen Königshaus!! nahe bertoaubt ist, endlich eine lange Reihe italienischer und montenegrinischer Prinzen und Prinzessinnen. Ohne Verzug beginnt die Kaufhandlung. Patenstelle vertreten die Königin-Witwe Margherita und Fürst Nikolaus. Die Vertreter des deutschen Kaisers und des Königs von England stehen ••<ien den Paten als Ehrentaufzeugen. Tie Kaufhandlung wird r :u Hofkaplan Beccaria vorgenommen. Anfangs schlief der ' .s.ing, als ihm aber der Priester das Kauffalz auf die Lippen gab, wie es der katholische Kaufritus vorschreibt, fing der Prinz kräftig an zu schrei em Alle Bemühungen seiner Mutter, ihn wieder zu beruhigen, waren umsonst, sodaß er unmittelbar nach Beendigung der Zeremonie aus dem Saale gebracht wurde. Tie Königin nahm sodann, den Handkuß der Ritter des AnnuNziata- ordeus und ber hohen Staatswürdenträge entgegen, und darnach verließ die königliche Familie mit den Paten und Kanszengen den Saal."
Weihnachtsßücher.
— Anna Kheiß „Skizzen und Anderes" aus dem Leben und für das Leben. (Eleg. drosch, mit Porträt und Handschrift 2 Mr. Verlag. von I. Waitz, Darmstadt.) Fräulein Anna Theiß, früher in Gießen, jetzt in Dieburg wohnhaft, und in weiteren Kreisen unseres Landes bekannt, tritt zum ersten Male mit einem Bande Prosa an die Oeffeutlichkeit, der schon an sich interessant ist durch die reiche Abwechselung und Vielseitigkeit der behandelten Stoffe. Was in diesem Bändchen steht, ist nicht hypermodern, sondern gemütlich und gehaltvoll, geistvoll und eigenartig von Anfang bis zu Ende. Welche der ‘'eineit Skizzen und Erzählungen man auch herausgreifen mag — es ist vollendete Eigenart —, eine gemütstiefe, teilweise
auch pikante Tetailmalevei, eine Filigranarbeit im besten Sinne, die hier aus einem reichen Herzen zu uns redet, und aus diesem Grunde sei das Buch allen Freunden guter Literatur warm empfohlen.
— Ein elegantes, kleines Geschenk für Damen ist der auch in diesem Jahre wieder erschienene Haude u. Spenersche Damen- Alma nach (39. Jahrg. für 1905. Verlag von Hande u. Spener, Berlin). Tas geschmackvoll mit Goldschnitt, Elfenbeinpapier, Titelbild, L'oppelfartigem Truck, Bleistift und Bisitenkartentasche ausgestattete Büchlein vereinigt in sich Kaschenkalender, Notiz- und Tagebuch in zierlicher Form. Der Almanach enthält ein Kalendarium mit einem Verzeichnffse ber protestantischen, katholischen und jüdischen Feiertage, ein Tagebuch für alle Tage des Jahres, mit Wochensprüchen, das Raum für allerlei Eintragungen bietet, eine Familien-Gedenktafel, einen Geburtstag- und Namenstag-Kalender, einen Privat-Adreßkalender, Kaffen-Ueber- sichten für zwölf Monate und eine Genealogie aller renropäi- schen Regentenhäuser. Eine Erzählung erhöht den Reiz des Büchleins, welches auch wegen ieiner Billigkeit (Preis 2 Mk.) als Geschenk empfohlen werden kann.
— JeandelaHire. Die Korera. Spanischer Roman. Bildschmuck von O. Guillonet u. a. Preis 2 Mk. Verlag von Dr. P. Langenscheidt in Gr.-Lichterfelde bei Berlin. Ein von der Sonne des Südens durchfluteter Liebesroman der als Nationalheldin gefeierten Stierkämpferin, eines bildschönen, leidenschaftlichen Weibes.
— Von der Monographien-Sammlung „Tie Literatur", die Georg Brandes herausgibt (Berlin, Bard. Marguardt u. Co.), verdient an dieser Stelle gesprochen zu werden. In einem kleinen schmucken Bändchen gibt Alfred Kerr (Band 9) überraschend viel. Es sind kaleidoskopartige Essais über „S chau sPi el knnst", in denen er, die am Aeußerlichen hastenden „Bretterheroen" ignorierend, die „leuchtenden Seelenschauspieler" zeichnet, so die Sorma, Gabrielle Rosane, Zacconi, Albert Niemann, Coguelin u. a., vor allem aber die Kufe, die „in ber Mitte dieses Buches wandelt". Tas Buchelchen wird allen Kheaterfreunden viel Freude machen.
— Felix Holaender: Traum und Tag. Roman. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh 4 Mk. — In einem entlegenen Torfe des Gebirges, das mit seinem uralten Schlosse den landschaftlichen Hintergrund für die Erzählung abgibt, treffen sich ein paar Menschen, die sich durch ihre Eigenart mrziehen und abstoßen. Tie Hauptanteilnahme des Lesers wendet sich bet jungen Schloßkastellanin zu, deren hochsinnige und kraftvolle Natur Phantasie und Wirklichkeit — Traum und Tag nicht in Einklang zn bringen waren. Das Schicksal kreuzt ihren Weg in der Person eines jungen Forschers und löst die tragischen Gegensätze ihrer Statur in erschütternder Weise aus. Parallel mit dieser schlichten Erzählung läuft eine gewissermaßen historische Handlung. Uralte Originale des kleinen Gebirgsortes, wie der Volksmund sie überliefert hat, treten in die Erscheinung, Prinzen und Prinzessinnen huschen tote Schattenbilder an uns vorüber — und die zarte Liebesgeschichte des alten Kaiser Wilhelm, die auf diesem Grunde ihre Wurzeln schlug, kommt in knappen Worten zur Darstellung. „Kraum und Kag" ist ein inniges und leises Buch, belebt durch die blntvolle und lustige Schilderung von Gebirgsbauern, die der Verfasser mit uriräftigem Humor an uns ‘ vorüberziehen läßt.
— Auerbachs Deut scher Kinder-Kalender auf das Jahr 1905. Eine Festgabe für Knaben und Mädchen jeden Alters. Dreiundzwanzigstet Jahrgang 1905. 160 Seiten stark mit ca. 130, teils bunten Original-Illustrationen, buntem Titelbild und Spielbeilage. Dauerhaft gebunden. 1 Mk. (Leipzig, L. Fernan.) Ter Kalender ist längst ein Liebling der deutschen Jugend. Tie Abwechslung, die er textlich und illustrativ bietet, wobei Verstand, Gemüt und Humor gleicherweise ihre Rechnung finden, ist beispiellos, zumal wenn man den geringen Preis in Anschlag bringt.
StätfeL
(Nachdruck verboten.)
Wer kann die Stadt in Frankreich nennen, Berühmt aus alt und neuem Krieg, Die alle höhern Töchter kennen, Von welcher ausging Frankreichs Sieg? Vertausche mir des Namens Zeichen. So siehst Du Frankreichs Gauen weichen, Und sonnige Gefilde glüh»;
Es wird sich eine Stadt Dir künden, Wo Meer und Feuer sich verbinden, Im Land wo die Zitronen blühn.
Auflösung des Geographischen Rätsels in vor. Nr.:
Einstedeln — Zweinbrücken —Dreiherrnspitz — Viersen — Fünf- kirchen — Sechshaus — Siebenbürgen — Achterwasser — Neunkirchen — Zehner.
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R.Lange. Gießen.


