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mich absichtlich tot Hintergründe hielt und meine Sachen einpackte.Nun machen Sie uns, bitte, rasch bekatrnt."

Gern würde ich es tun" ich versuchte mit aller Kraft gleichgiltig zu erscheinenallein ich erhielt vorhin einen Brief, worin Watty schreibt, daß er an Fieber gelitten habe und noch nicht reisefähig sei, mich aber in Bareda abholen wolle."

Auf solchen Teepflanzungen ist Fieber nichts Seltenes, deshalb brauchen Sie sich durchaus nicht zu beunruhigen. So werden wir nun also bis zum Kreuznngspunkt Basaule zusammenreisen. Er tut mir nur leid, daß wir nicht den ganzen Weg miteinander machen können, doch werden Sie bloß zehn Stunden allein zu sahren haben."

Ach, wie mir der Mut sank bei dieser Aussicht!

Unser Zug geht um vier Uhr ab. Es bleibt uns also gerade noch Zeit, in der Stadt ein Gabelfrühstück einzu­nehmen. Kommen Sie, und Kopf hoch!"

Tie Passagiere waren alle eifrig damit beschäftigt, ihr Gepäck zusammenzusuchen und sich zum Fortgehen bereit zu machen. Als Mittelpunkt einer lebhaften Gruppe be­merkte ich Mrs. Blasson in einem eleganten Reiseanzug und kleidsamen Hut. Sie schaute verschiedentlich zu mir herüber, und ich sah, wie ihre Augen umherwanderten, als suche sie jemand. Es fiel ihr nicht ein, sich von mit zu verabschieden, dagegen folgte mir Hatty Schulyer, die von einer Schar fröhlicher Bekannter begrüßt worden war, in unsere Kabine hinunter, küßte mich, schenkte mir eine kleine Glücksbrosche", wie sie sagte, ein in Brillanten gefaßtes Katzenauge, und nahm mir das Versprechen ab, ihr zu schreiben. Auch die Schwestern sagten mir freundlich Lebe­wohl, indem sie die Hoffnung aussprachen, mich einmal wiederzusehen, und bald waren wir nach allen vier Richt­ungen hin auseinandergegangen.

Mrs. Evans und ich setzten uns in einen kleinen, von einem arabischen Pferde gezogenen Viktoriawagen, um uns Bombay anzusehen. Was für eine heitere, geschäftige Stadt war das, voll glühender Farbenpracht und goldenem Sonnenschein! Wie viel fröhlicher und leichter erschien hier das Leben als in dem nebeligen England!

Gegen vier Uhr dampften wir dann aus dem Bahnhof heraus in der Richtung nach Parel, vorüber an malerisch gelegenen Dörfern, Palmengruppen und kleinen Meer­buchten. Der Mond schien in voller Größe, als wir die steile Gebirgsbahn zum Bhor Ghaut hinauffuhren. Wir saßen uns gegenüber am Fenster, starrten auf die gebeim- nisvollen Abgründe hinunter und plauderten im Mondlicht bis spät in die Nacht hinein.

Mir ist, als stehe ich wieder unter dem Zauber, den die Persönlichkeit Ihres Vaters auszuüben pflegte, obwohl ich selbst mein Herz an ihn nicht verloren hatte", sagte Mrs. Evans. Jedenfalls fühle ich mich in eigentümlicher Weise zu seiner Tochter hingezogen. Sie sind ihm in manchem sehr ähnlich und der Gedanke, Sie allein, ohne Freunde und Angehörige, außer dem jungen Thorold, in dem ungeheueren fremden Lande zu wissen, ist mir un­erträglich Ach,, mein liebes Kind, wie viel hängt von ihm ab. . . Ihr ganzes junges Leben! Möge er Ihres Ver­trauens wert sein! Wenn ich freilich sein Gesicht richtig beurteile, so ist er ein guter Mensch!."

Ja, das hoffe . . . das glaube ich auch', stammelte ich indem ich mir zum Trost seine Briefe ins Gedächtnis zurückrief. , , .

Für ein alleinstehendes Mädchen kann ich mtr keinen schrecklicheren Ort denken, als dieses riesengroße Land. In England findet sich immer irgend ein Unterkommen für dasselbe, sei es in einem Geschäft oder Erzieherin, sei es, daß es sich mit Malen oder Schriftstellern sein Brot ver­dienen kann. Hier aber fällt dies alles weg. Unbarmherzig wird es vom Schicksal hin- und hergetrieben, bis es schließ­lich der bitteren Not, wenn nicht noch Schlimmerem an- heimfällt. Und ist das Mädchen vollends hübsch,, welchen Versuchungen ist es dann erst ausgesetzt!"

O Mrs. Gians, Sie sind ja eine wahre Kassandra!" Nein, nein, mein Kind. Aber ich weiß, wie unstät das Leben der Menschen im Osten ist: heute hier, morgen da. Niemand hat ein festes Heim."

Ich aber werde eines haben", wandte ich lebhaft ent. Watty hat mir die Ansicht unseres Bungalow geschickt. Er ist reizend, dicht mit Rosen bewachsen und liegt etwas höher als die Teefelder. Ich werde jedenfalls mein Heim haben."

Wie lange ist es eigentlich her, seitdem Die sich unter Tränen Lebewohl gesagt haben?"

Sechs Jahre, aber ich versichere Ihnen, unsere Augen waren trocken."

Lassen Sie mich mal ein bischen rechnen. Sie zahlten damals also sünfzehn Jahre und trugen einen langen Zopf, als er Sie zuletzt sah? Erlauben Sie mit, Ihnen zu sagen, daß ich es für ein großes Wagnis halte, einen Mann zu heiraten, den Sie so lange nicht gesehen haben. Die Männer ändern sich"

Gewiß, die Frauen aber auch"

Das weiß ich wohl, allein ein Mann lernt die Welt kennen, er kann sich vielleicht draußen erst entwickeln. Mr. Thorold sieht männlich und entschlossen aus, und ich fürchte, sein hübsches Gesicht hat Sie vor allem angezogen. Lassen Sie sich also zum Abschied noch einen letzten guten Rat geben: heiraten Sie ihn nicht eher, bis Sie davon über­zeugt sind, daß er dem Bilde entspricht, das Sie sich von ihm gemacht haben, und Sie ihn wirklich lieben. Was ist ein Brief oder eine Photographie? Nur Papier und Pappe. Marten Sie noch einige Zeit; beobachten Sie ihn genau."

Dazu bleibt mir leider keine Zeit. Sofort nach der Landung reise ich zu Verwandten meines Bräutigams, bei denen nach etwa einer Woche die Hochzeit gefeiert wer­den soll."

Eine Woche ist zu kurz, um sechs Jahre Trennung hereinzuholen, und selbst ein Mann kann sich sieben Tage lang von seiner besten Seite zeigen. Ueberstürzen Sie also ja die Sache nicht. Sie sind so gutherzig und nachgiebig und wollen immer jedermanns Wünsche erfüllen. Denken Sie jetzt vor allem an sich! selbst. . . Und nun sehen Sie mal Ihr Haar an: eine wahre Pracht! Ist es nicht kleidsam? Es gibt Ihnen wahrhaftig ein ganz anderes Aussehen. Sie müssen es immer so tragen; es soll Sie an Hatty Schulyer erinnern, bis wir uns Wiedersehen. Ach!, da läutet es schon zum Essen; ich werde natürlich viel zu spät kommen!"

*

Kürze Zeit nach dieser Unterhaltung erwachte ich eines Morgens sehr früh und sah, daß wir uns dem Hafenchon Bombay näherten. Da meine Gefährtinnen noch tot tiefen Schlafe lagen, kleidete ich mich leise an und eilte auf Deck. Bor mir lag eine weite Bucht, und in der Ferne erblickte ich palmenreiche Inseln, breite Straßen mit weißen Ge­bäuden und den Hafen, von dessen buntem Leben unt> Treiben Mrs. Evans mir schon erzählt hatte. Ein weicher Duft hüllte das farbenprächtige Bild wie in einen goldenen Schleier, und schon fühlte ich, wie der Zauber des Ostens mich mächtig mit seinen Fäden zu umspinnen begann.

Tas war Indien! Ter Name allein schon wirkte wie eine magische Macht auf meine Vorstellung. Vom Meere aus gesehen, erschien es wirklich wie ein Märchenland, ein Land der Verheißung, der Poesie und Romantik. Tie Ell­bogen aufs Geländer gestützt, starrte ich auf die näher­kommende Küste, während die bange Frage mein Herz er­füllte: welches Los wird mich dort erwarten? Wird es das Glück sein?

Zuerst war ich fast allein auf Deck. Als aber die große Turmuhr am Ufer acht schlug, wurde es bald lebendig auf dem Schiff, und ein unruhiges, hastiges Treiben folgte. Der Gesundheitsbeamte war gekommen und wieder ge- ( gen; die Briefe wurden gebracht und auf einen Tisch in den Salon gelegt. Zwei davon trugen meine Adresse, und der eine war von Walter.

Kaum hatte ich mich aus der Menschenmenge heraus­gewunden, so riß ich ihn auf. Die Schrift war zitterig, ja beunruhigend zitterig. Er schrieb, daß er unmöglich habe reifen können, da er von einem schweren Fieberanfall ge­packt worden sei; er hoffe aber, mich wenigstens auf der Eisenbahnstation Bareda empfangen zu können. Seine Kou- sine Tizzie Hassall freue sich fehr, mich bei sich aufnehmen zu dürfen.

Ter andere Brief enthielt nur einige Zeilen von Linda mit der Einlage einer kleinen Rechnung, deren Bezahlung vor der Abreise von mir übersehen worden war. Er hatte die Reise über Brindisi gemacht und war deshalb vor mir nach Bombay gekommen. So wurde ich an der Schwelle meiner neuen Heimat anstatt von meinem Bräutigam von einer unbezahlten Rechnung begrüßt!

Mv ist er? Haben Sie ihn gefunden?" Mrs. Evans hatte ihre Hand aus meine Schulter gelegt, während ich