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(Nachdruck verboten.)

Im Aakall der Aajah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

Zum erstenmal in meinem Leben bot sich itttt hier auf deni Schiffe Gelegenheit, das gesellschaftliche Scben und Treiben im großen Stile zu beobachten. Alles, was ich da sah und hörte, war neu und seltsam für mich. Die meisten meiner Reisegefährten kannten sich von früher, oder hatten wenigstens gegenseitige Bekannte. Ich, hörte die Leute ge­läufig von Orten sprechen, die ich nicht einmal von der Landkarte her kannte, und es fiel mir auf, daß so manche, berückt vom Zauber des Ostens, sich freuten, zu ihrem Be­rufe, ihren Vergnügungen und ihrer sozialen Stellung zu­rückzukehren, und dabei nicht genug von den Greueln eines englischen Winters erzählen konnten. Natürlich hatte sich unter den nahezu dreihundert Passagieren eine Menge Gruppen gebildet. Da war vor allem ein großer Kreis lebenslustiger, junger Leute, die mit Leidenschaft tanzten und Konzerte und Theateraufführungen ins Leben riefen. Auch eine Gruppe schöngeistiger Damen und Herren gab es, die über Maeterlinck und Nietzsche stritten; die Wagnerianer und Jbsenianer nicht zu vergessen.

Von Mrs. Blasson sahen lvir drei Mitbewohner ihrer Kabine nur wenig. Sie war eine vortreffliche Schauspielerin, kleidete sich aufs modernste und kokettierte mit Ausdauer. Stets war sie die letzte, die erschien, und die letzte, die sich zurückzog. Mrs. Evans und Miß Hatth schenkte sie meist keine Beachtung, dagegen geruhte sie hin und wieder das Wort an mich zu richten. Nachher aber fühlte ich mich, immer so klein und gedemütigt, als sei ich von jemand geohr- feigt worden. Warum nur konnte sie mich nicht leiden? Denn, daß ich ihr unausstehlich war, stand deutlich in ihren Augen geschrieben.

Allmählich hatte es sich unter den Passagieren herum­gesprochen, daß ich musikalisch und zugleich auch dienst­gefällig sei, und so mußte ich häufig zum Begleiten schöner Stimmen begleiten. Ich studierte Konzerte ein, half den Missionsschwestern bei ihren Näharbeiten und las Mrs. Evans, die schwache Augen hatte, vor kurz, ich hatte stets Beschäftigung in Hülle und Fülle. Dabei aber hielt ich Augen und Ohren offen. Diese Seefahrt wurde zu einer Lernzeit für mich. Es war mir, als schaue ich über eine hohe Mauer hinunter auf die große, runde Erde. Ich nahm bleibende Eindrücke mit mir von Malta mit seinen duftenden Rosen, seinen engen, steilen Straßen, seinen Tempelherren und weißen Pudeln; von Port Said mit seinen duftenden Rosen, seinen engen, steilen Straßen, seinen Cass Chantants und Kohlenlagern, und von dem gespensterhaften, durch, elektrisches Licht erleuchteten Wüstenrande. Wie viel größer und imposanter, als ich; es mir nach der Karte vorgestellt

hatte, lvar doch das Rote Meer! Und hier und da zwischen seinen heimtückischen Felseninseln entdeckte ich einen ein­samen Mast oder Schornstein, der irgend eine traurige Ge­schichte erzählen zu wollen schien.

Während der ganzen Reise wurden mir überdies in ausgiebigster Weise die praktischen Ratschläge Miß Hatth Schiulyers zuteil, die ich dankbar annahm, da ich fühlte, daß sie gut gemeint waren. Das halb verächtliche Mitleid, womit sie mich während der ersten Zeit betrachtete, war verschwunden, seitdem sie mich einmal in einem Konzert hatte spielen und mit einer Stewardeß fließend hatte deutsch sprechen hören. 9htn sagte sie eines Tages in ihrer aufrich­tigen, trockenen Weise zu mir:

Ich glaube jetzt wirklich. Sie sind ein recht kluges, ver­nünftiges Mädchen, Pamela Ferrars, und durchaus nicht das Dummköpfchen mit hübschem Gesicht, für das ich Sie anfangs gehalten habe. Allein von Weltkenntnis haben Sie so wenig eine Ahnung, wie ein neugeborenes Kind."

Mit drolligem Eifer weihte sie mich in die kleinen Ränke und Liebeshändel ein, die sich um uns her ab spielten und von denen ihren scharfen Augen und Ohren nichts ent­ging. Sie machte mir über meine unvorteilhaft aufgesteckten Haare Vorwürfe und warnte mich vor Mrs. Blassons Ränke­spiel.

Hoffentlich läßt sich diese boshafte Person in Indien nicht in Ihre Nähe nieder, Pam", sagte sie eines Nach­mittags, während Sie sich bemühte, mir die Handgrisfe einer modernen Haartracht beizubringen.Ich habe das Ge­fühl, als gelüste es die kokette Witwe nach Ihrem Bräutigam; jedenfalls gibt fie sich schon alle Mühe, Sie zu quicken."

Allerdings, nnd es gelingt ihr manchmal auch recht gut."

Aber warum lassen Sie es sich denn gefallen?" fragte- Hatth ungeduldig.Selbst ein Wurm krümmt sich, wenn er getreten ivirb." ,

Nicht wenn man zu vieren eine Kammer teilt, wobei ich. übrigens für den schmeichelhaften Vergleich danke", sagte ich lächelnd.Wie angenehm wäre es für Sie, wenn ich mich mit ihr herumzankte! Zudem werden wir ja in wenigen Tagen für immer von einander scheiden."

So hoffe ich wenigstens. Sie und ich aber, wir sagen auf Wiedersehen, nicht wahr? Ihre Adresse habe ich mir ausgeschrieben, und wenn ich von Japan zurückkomme, werde ich. hi Kalkutta aussteigen, Sie auf Ihrer Teeplantage be­suchen, Ihren Tee kosten und Ihren Teepflanzer in Augen­schein nehmen."

Sie sollen mir herzlich, willkommen sein."

Wenn ich denke, daß Sie in wenigen Wochen schott. Mrs. Thorold sein werden! Natürlich kommt er Ihnen entgegen? Wahrscheinlich sitzt er schon jetzt, mit einem Fernglas bewaffnet, auf einem Brückenpfeiler in Bombay und schaut sehnsüchtig nach seiner Herzallerliebsten aus."

Das glaube)\ denn doch nicht, aber ich hoffe, daß er mich am Hafen abholen wirb."