Ausgabe 
11.8.1904
 
Einzelbild herunterladen

476

mit denen die allernötigsten SiHerungSarbeiten ausgeführt wurden.

So kam das Jahr 1879 heran. Der Gleiberger Geselligkeits- Verein war nahe daran, an Altersschwäche ein unrühmliches Ende zu nehmen, da geschah das Unerwartete: Die königl. Preußische Regierung übertrug ihr Besitzrecht an der Burg Gleiberg dem Gleibergverein welcher damit eine ge­waltige Anregung zu seiner weiteren Entwicklung und zu er­neuter Tätigkeit erhielt. Tas hierauf bezügliche von den beiden Ministern von Puttkammer und Luxius unterzeichnete Reskript buttert: .Berlin, den 28. Juli 1879 und besagt, daß die könig­liche Regierung auf Grund einer Allerhöchsten Ordre vom 25. Juni d. I. dem Landrat v. .Tischotoitz zu Wetzlar die Burg­ruine Gleiberg nebst dem dazu gehörigen, im Besitze des To- mänenfiSkus befindlichen Areale mit einem Gesamtflächeninhalt von 1,0503 Hektar unter den nachstehenden Bedingungen ohne Zahlung eines besonderen Kaufgeldes für den Gleiberger Gesellig­keitsverein eigentümlich überlasse. ,Der neue Eigentümer muß sich für sich und seine Rechtsnachfolger verpflichten: die Burg­ruine riebst Bergfrit sowie detr gedeckten Albertus- und Nassauer­bau in ihrem gegenwärtigen Zustände zu erhalten bezw. vor weiterem Verfall sicher zu stellen; die erforderlichen Jnstand- setzungsarbeiteit, sowie eine etwaige vollständige Wiederherstell­ung der Burgruine nicht anders als nach einem dem preußi­schen Minister einzureichenden und von diesem zu genehinigen- ven Bauplan auszuführen, ,den Besuchern der Burg den Zutritt zur Ruine entweder ganz unentgeltlich oder gegen ein von der königl. Regierung zu bestimmendes Entgelt zu gestatten. Wird eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, .so fällt das Eigentum an der Burg ohne weiteres an den preußischen Staat zurück.

Durch die Besitzübertragung des Gleibergs an den Gesellig­keitsverein war plötzlich und nachhaltig das.Interesse für den­selben in allen Schichten der Bevölkerung rege gemacht und intensiv gesteigert. Professor Dr. Gareis, der Präsident des int Jahre vorher begründeten oberhessischen Geschichtsvereins, über­nahm 1879 auch den Borsitz des Gleiberger Geselligkeklsvereins; Männer wie Prof. ,Tr. Buchner, der praktische Arzt Dr. Klewitz, der Kreisbürgermeister Colnot in Krofdorf, der einzige 1879 noch lebende dauernd tätig gebliebene Gründer des Glerberg-Ver- eins und andere wackere Männer besonders aus Gießen wurden Mitglieder des Vereins und stellten ihre Tättgkeit, ihren Rat oder ihr Interesse in den Dienst desselben. Mit einem Feuer­eifer welcher der Sache würdig war, wurden Mittel durch Aus­gabe von Anteilscheinen je 20 Mark beschafft, deren Erwerber Mitbesitzer der Burg.wurden. Kaiser Wilhelm I., .Großherzog Ludwig IV. der Großherzog von Luxemburg und andere Fürsten nahmen Anteilscheine, .welche übrigens flotten Absatz nicht nur bei den Bewohnern von Gießen und Wetzlar und denen der Ortschaften um den Gleiberg .herum fanden, solchem deren Ab- nehmer weit im Reiche, ja im Auslande und sogar vereinzelt jenseits des Weltmeeres ihre Wohnsitze haben. Der Geselligkeits­verein scheute selbst vor der Ausnahme einer Hypothek später nicht zurück, die von der Kreissparkasse Wetzlar bereitwilligst gegeben wurde. .Geh. Rat v. Rttgen, der Wiederhersteller der Wartburg, welcher naturgemäß stets für die alte Ruine und deren Erhaltung gewirkt hat, entwarf die Pläne zum inneren Wiederausbau des Nassauerbaues und gab seinen un­schätzbaren Rat bei den Aufräumungs- und Sicherungsarbeiten an der Ruine. Ungeheure Mengen Brandschutt und Geröll mußte beseitigt werden. Der Verein hat das Wahrzeichen unserer Gegend zu einem gern ausgesuchten Erholungsort für die Be­wohner aus Stadt und Land des oberen Lahutales umgeschaffen. Oben auf der Höhe waltet seines Amtes der zu jedermann höfliche Burgwirt, and die herrlichen weiten Räume des voll­ständig ansgebauten mit gediegenem Mobiliar ausgestatteten Nassauerbaues, sind häufig bis auf den letzten Platz mit fröh- lichen Menschen gefüllt. Der Gleiberg hat im Laufe der letzten 25 Jahre zahlreichen Vereinen und Körperschaften bei fest­lichen Anlässen als gastlich« Stätte gedient. Turner und Säirger, Feuerwehren und Touristenvereine, Rudergesellschaften und Rad­fahrer, Bergleute, Architekten und Buchhändler, Korporationen und Verbindungen der Studentenschaft und der beiden Schwester- Universitäten Marburg und Gießen, sowie Gelehrten-Vereinig- ungeit aller Fächer wurden vom Gleibergverein aus der Burg festlich willkommen geheißen und mit Böllerschüssen begrüßt. Alljährlich zur Generalversammlung ziehen die neuen Burg­herren, die Mitglieder des Gleibergvereins, welche im weiten Tal ihre Wohnsitze haben, .zur Burg, um über ihr Wohl zu beraten. Noch ist viel zu tun, noch liegt der Albertusbau in seinem oberen Geschoß wüst unb öde da, dessen weite Räume sollen, wenn erst einmal hergerichtet, den: Touristen für die Nacht ein Obdach geben. Häufig schien es in den vergangenen Jahren, als wenn die Mittel für die Burg aufhören würden, zu fließen, aber es schien nur so, denn immer, wenn es galt, fanden sich opferbereite und patriotische Bürger, besonders in der Stadt Gießen, .die, ohne viel Aufhebens davon zu machen, sehr bedeutende Summen hergaben, .um das Werk fördern zu Helsen, um die alte Burgfeste zu erhalten und weiter ausbauen zu können. Der hessische Staat gibt schon seit Jahren eine

jährliche Beihilfe von 300 Mark und auch der preußische Staat hat sich bereit erflärt, .von 1905 an jährlich bis zu 400 Mark sür den Gleiberg zu geben. Dabei denkt der Verein nicht etwa daran, an die Ruine Hand anzulegen, um etwa die Burg wieder­herzustellen, nur erhalten will man die malerischen Reste und eigenartigen Trümmer auf dem Gleiberg, damit diese Zeugen einer längst entschwundenen Zeit, die ein Jahrtausend vergehen sahen, auch fernere Zeiten überdauern, als eine Erinnerung an die Herrschergeschlechter deS alten deutschen Reiches, die dort oben gesessen haben aber auch als ein Zeichen des patrio­tischen bürgerlichen Gemeinsinnes des wieder erstandenen neuen Reiches.

Kaufmannsdeutsch.

Der Hamburger Zmeigverein des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins hat vergangenes Jahr ein von F. W. Eitzen verfaßtes Rundschreiben an die Kaufmannschaft seiner Stadt versandt, in dem es u. a. heißt: In deutschen Handelsbriefen begegnet man oft einer Ausdrucksweise wie der folgenden: Per Abendpost remittieren wir Ihnen unter einge­schriebenem Couvert Conossement in triplo, Assecuranz- Certificat und officielles Inspections-Attest über per Steamer . . verladene . . ., welche Documente Sie nur gegen promptes Accept der Ihnen attachierten, dagegen valedierenden Tratte La. . . de M . an dis Trassaten . . . ausliefern wollen/ Angenommen, die Eng­länder brächten in ihre Wiedergabe des vorstehenden Satzes an den entsprechenden Stellen so viele deutsche Wörter hinein, wie wir oben Fremdwörter imDeutschen" haben, so würde der Satz lauten:Mit der evening-post we senden you under registered Umschlag Ladeschein, dreifach ausgestellt, Versicherungsschein and amtliches Befundzeugnis ot . . . shipped im Dampfer . ., which Papiere you will please only deliver to the Bezogenen against sofortige Annahme of the angehefteten Wechsel, thereagainst gezogen, von Marks . . ., Aussteller: Messrs. Ebenso schön macht sich die Sache im Französischen:Mit dem courrier du soir nous vous senden sous Umschlag chargß Ladeschein, dreifach ausgestellt, Versicherungsschein et amtliches Befundzeugnis ä, . . ., embarquSs im Dampfer . . . lesquels Papiere il vous plaira (de) ne remettre aux Bezogenen qua contre sofortige Annahme de la angehefteten Wechsel über Marcs . . ., Aussteller r Messieurs . . . Das ist keine Uebertreibung, man vergleiche nur Wort für Wort. Würde auch nur ein einziger Engländer oder Franzose einen solchen entsetzlichen Mischmasch in die Feder nehmen? Aber wir, dasVolk der Dichter und Denker"! Soll das wirklich so bleiben? So weit das Hamburger Rundschreiben. Es mag gewiß nicht leicht für den Kaufmann sein, sich von der üblen Gewohnheit der Fremdwörterei sreizumachen, an der früher höchst selten jemand Anstoß nahm, die aber jetzt weite Kreise unseres Volkes peinlich berührt. Mit einigem gute« Willen läßt sich aber auch da viel tun, zumal jedem Ge­schäftsmann in den Verdeutschungsbüchern von Karl Magnus (Der Handel, Verlag des Allg. D. Sprachvereins, Berlin) und F. W. Eitzen (Fremdwörter der Handelssprache, H. Haesseh Leipzig) treffliche Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

Abteilrätsel.

Nachdruck verboten.

Die Buchstaben A A, B B, D, E E E E E E, G G, I I I, Ii L L, M, N N, R, 8, Z sind derart zu ordnen, daß sie, nach obigem Muster eingeteilt, sechs Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Bindemittel. 2. kleines blutdürstiges Tier. 3. Werkzeug. 4. Männ­licher Vorname. 5. Werkzeug. 6. Nahrungsmittel. Wird jeder Tei» lungsstrich um einen Buchstaben nach rechts geschoben, so entstehe» sechs andere Wörter, die bedeuten: 1. Haufe. 2. Zigeuner, Räuber ober bergt. 8. Schnelligkeit 4. innerer Körperteil. 5. Flur. 6. Kälte- produkt.

Auflösung in uSchster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr.t Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der B hl'scheu UniversttätS-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,