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Es verging fast keltt Tag, an dem es dieserhalb nicht Verdruß gegeben hätte, denn die Behauptung der Leute, daß die Hühner von Mardern, Füchsen oder Geflügelgeiern geraubt seien, hielt sie einfach für Lüge, und erst als auch Herr von Szabo diese Möglichkeit zugab, beruhigte sie sich, einigermaßen. (Fortsetzung folgt.)

Km silbernes Jubiläum der MurgGleiberg".

Tiefer Tage war ein Vierteljahrhundert verflossen, seitdem der preußische Staat die vor den Toren unserer Universitätsstadt gelegene baugeschichtlich und historisch hoch bedeutsame, alt- ehrwürdige Bergfeste Gleiberg an den Geselligkeitsverein Glei­berg verschenkte und damit das ein Jahrtausend alte Wahrzeichen unserer Gegend vor weiterem Verfall bewahrte. Mehrere Jahr­hunderte hindurch von den Grafen des Oberlahngaues bewohnt, ist hie Burg in ihren Anfängen gegen die Wende des 9. Jahr­hunderts errichtet worden und darf den Sohn Ludwigs des Kindes, Konrad L, welcher 911 zum König erwählt wurde, als ihren Erbherrn, bezeichnen. Infolge der Königswahl Konrads siel der Gleiberg an dessen Bruder und zwar zuerst an Otto, und nach dessen frühzeitigem Tode an Eberhard, der nach dem Hingange seines königlichen Bruders das diesem gegebene Ver­sprechen hielt und selbstlos den Sachsenherzog Heinrich zum Nachfolger auf den Thron berief und der Königswürde für sein Haus entsagte. Mit Eberhard erlosch der ältere königliche Zweig der Konradiner, ,mtb als dieser 939 im Kampfe gegen Kaiser Otto I. von einem Vetter erschlagen wurde, ha fielen Grafschaft und Erbgut durch Verleihung und Erbgang in mancherlei Wechsel an Seitenverwanvte, bis der Beginn des 11. Jahrhunderts ein neues Geschlecht auf Gleiberg seßhaft zeigt, welches sich nach unserer Burg nennt und zum deutschen Thron in naher Bezieh­ung stand.

Ter zweitälteste Bruder, des Bayernherzogs, späteren Kaisers Heinriche II., welcher mit seiner Gemahlin von der römischen Kirche heilig gesprochen wurde die einzigen Heiligen auf deut­schem Thron, der im Jahre 1019 verstorbene Friedrich, Graf im Moselgau, heiratete die für uns nicht mit Namen bekannte Erbin von Gleiberg und wurde Stammvater der Herren und Grafen von Gleiberg. Mindestens fünf Söhne und drei oder vier Töchter wuchsen aus dieser Ehe heran, .und bei der Ver­heiratung der ältesten Tochter Irmgard mit dem 1039 gestor­benen Grasen Wels II. wird auch der Gleiberg zum erstenmale genannt:Welf nahm eine Gemahlin aus salischcm Hause von Burg Gleiberg, .Jniza mit Namen", so berichtet die Fa­milienchronik der Welfen, und dieser Verbindung entstammen alle Angehörigen des welfischen Fürsten- und Königsgeschlechts bis hinab auf die verstorbene Königin Viktoria von England und deren jetzt regierenden Sohn. Von den Brüdern Irm­gards wurde der älteste Herzog von Bayern, der zweite Herzog von Nicderlothringen, der dritte Bischof von Metz, während der vierte Giselbert, Hermann von Luxemburg, den Gegenlönig Kai­ser Heinrichs IV. erzeugte und Ahnherr der späteren. Kaiser und Könige aus dem Luxemburger Hause wurde. Ta die älteren Brüder ohne Söhne zu hinterlassen, .aus dem Leben schieden, verblieb der Gleiberg in dem gemeinsamen Besitz von Gieselbert und seinem jüngeren Bruder, der wahrscheinlich Dietrich ge­heißen hat. Doch währte der Gemeinbesitz der Burg.nicht lange. Als der unselige ^Bürgerkrieg unter Heinrich IV. ausbrach, der nach etwa fünfzigjähriger Tauer das Königtum mattsetzte, zu Gunsten der Fürsten und der römischen Kirche, ha spaltete sich auch das Haus Gleiberg in Parteien. Tie Söhne Gieselberts griffen Partei gegen den Kaiser, während Dietrichs Sohn, Her­mannGraf von Gleiberg" genannt, an der Unstrut Heinrich IV. den blüh gen Sieg über die Sachsen erstreiken hals. Ter Hader und Zwist innerhalb der Glieder des Hauses Gleiberg erreichte seinen Höhepunkt, als Gieselberts Sohn Hermann 1081 zum Gegenkönig gewählt wurde und nun Vetter gegen Vetter stand. So kläglich allerdings die Rolle des im Volke mitPfaffen­könig" bezeichnete!» Gleibergers war, die Burg Gleiberg war in seinem Besitz und wurde auch nach seinem Rücktritt und Hin- scheiden von den Seinen behauptet. Erst Kaiser Heinrich V. eroberte die Feste, obgleich sie, wie ausdrücklich berichtet wird, sehr stark befestigt war. .Der königstrcue Hermann, Graf von Gleiberg hatte sich am Abend seines Lebens des Alleinbesitzes der Burg zu erfreuen, .und für diese brach nun eine neue Zeit an. Hermann, .seine Erben und Nachkommen, entfalteten alsbald eine rege Bautätigkeit innerhalb wie außerhalb ihrer Residenz, und diese sichert ihnen ein dauerndes Andenken. Clementia, eine Tochter Hermanns von Gleiberg, errichtete 1129 den Augustinern ein Kloster aus dem Schiffen berg, und diese fromme Stiftung veranlaßte die Erbauung einer Talburg, da, wo die Lahn mehrere kleine Zuflüsse hatte und wo eine Furt eine Durchschreitung des Flusses zuließ. Diese von Wasser um­flossene Burg, .Zu den Gießen" genannt, ist der Ä n f et n g unseres st ä d t i s ch e n Gemeinwesens geworden. Weiter aber haben die Nachkommen Hermanns die Burg Vetzberg, welche 1152 zuerst .urkundlich erwähnt 'wird, .und welche erst seit 1765, wo sie unbewohnt wurde, sich in .eine Ruine verwandelt hat. Ter M.anuesstamm der Grasen von Gleiberg starb mit Otto

sänglich . preußischerseits, bände, den Rassauer- u

1168 aus, und die ansehnliche Erbschaft wurde geteilt; sie ar- langte an den Pfalzgrafen Rudolf v. Tübingen, der eine Glei- bergerin zur Gemahlin hatte (den Tübingern fiel auch die Burg Zu den Gießen" zu). .Ter Gleiberg kam aber an Hadtrad von Meerenberg, .welcher des letzten Gleibergers Grafen Irmgard geheiratet hat. Tie Tübinger hatten an ihrem Besitz an der Lahn, der von ihren Stammsitzen zu entlegen war, kein großes Interesse, sie weilten wohl nur selten in der BurgZu den Gießen" und so veräußerten sie 1265 den ihnen zugefallenen Gleiberger Anteil an den Landgrafen Heinrich I. von Hessen; ausdrücklich verzichtete dieser auf den Mitbesitz von Gleiberg und übertrug den Tübinger Anteil am Wodinberg (die sieben Hügel) mit dem dazu gehörenden Walde zu Lehen den Meeren- bergern. Tiefe mußten sich dagegen verpflichten, den Land­grafen ihre Burgen jederzeit zu öffnen. Der Alleinbesitz von Gleiberg mit Zubehör war der Preis, um den sie aller Rechte auf Gießen entsagten. .Seitdem hat die Herrschaft Gleiberg ihren alten Umfang nie wieder erreicht.

Wie viele unserer alten deutschen Burgen hat der dreißig­jährige Krieg, die alte Königsburg Gleiberg zur Ruine verwandelt. Bon Hessen-Darmstädter Truppen besetzt, versuchte Hessen-Kafseler Kriegsvolk 1646 vergeblich die Burg zu erstürmen oder durch Keberrumpejung zu nehmen. Nachdem dies nicht geglückt war,' schritt man zur Belagerung, und nur der Hunger konnte die Besatzung zwingen, gegen freien Abzug .den Glei­berg zu übergeben. Nachdem eine gründliche Plünderung vor- auSgegangen war, schleuderten die Kasseler die Brandfackel in die Gebäude der eigentlichen älteren Burg. Nur der gewaltige Bergftit trotzte der Glut der Flammen und der im 15. und 16. Jahrhundert errichtete Nassauer- und Albertusbau wurden vor der Zerstörung durch Pas Feuer bewahrt.

Seitdem bilden bte malerischen Trümmer und Reste der Burg auf dem 350 Meter hohen Bergkegel, zu denen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts noch die nahe Ruine der Schwester- burg Vetzberg hinzukam, .eine Zierde unserer Landschaft, Ivie man sie schöner und großartiger wohl selten in deutschen Landen

protestiert hatte.

Bis zum Jahre 1832 dienten die wetten Raume der noch unter Dach besindlichen beiden Gebäude als Zehntspeicher, und als damals diese Abgabe aufhörte, drohten auch der Nassaucr- und Alsertusbau zur Ruine zu werden, da nichts für deren bau­liche Erhaltung gefchah. Ta bildete sich einige Jähre später 1836/37 der Gleiberger Geselligkeitsverein, zu dem Zweck, sich des Kleinods unserer Gegend anzunehmen und das Interesse für die durch Alter und Geschichte geheiligte Burg unter den Bewohnern unserer Gegend zu wecken und dauernd wach zu erhalten. _ ,

Es ist das Verdienst des nun langst verstorbenen Rent­meisters En gisch in Wetzlar, ,im Gleibergverein diejemgen Männer damals gesammelt zu haben, welche zuerst halsen, Hand anzulegen. Ter damalige preußische Regierungsprästdent hatte aus Nachsuchen des Vereins genehmigt, den Bergfrit auf dem Gleiberg zugänglich zu machen, und die heute noch benutzte bequeme Treppe zur Plattform auf .der Höhe ist das Werk jener Bereinigung. /Sie erforderlichen, für die damalige Zeit mcht geringen Mittel, für den Gleiberg wurden durch Ausgabe von 50 Aktien je 10 Taler und durch leihweise Aufnahme von 300 Taler beschafft; außerdem übernahm der preußische Staat die Deckung der Maurerrechnung in Höbe von 384 Taler. .

Tas Interesse für den Gleiberg, durch, den Geselligketts- verein angesacht, erkaltete mit den Jahren immer mehr, die jährlichen Generalversammlungen imtwen von den Mitgliedern nur sehr spärlich, .ost nur von 2 bis 3 Personen besucht. Tie Aussicht aus dem Bergfrit, .für die man anfänglich pro Per- son zwei Silbergroschen erhoben hatte, wnrde schließlich für jährlich 8 Reichstaler verpachtet. ,

Ta drohte plötzlich der Ruine eine eminente Gezahr durch einen direkt unter deren Fundamentmauern auf der Seite nach Krofdorf hin angelegten Steinbruch; doch gelang es den persönlichen Bemühungen des Geh. Rats Tr. Hugo v. Ritgen, beim König von Preußen durchzusetzen, daß dieser 1868 befahl, den Steinbruchsbetrieb einzustellen. Wilhelm I. spendete aber außerdem aus seiner Privatschatulle 300 Taler für die Burg,

antrifft. c,

Seit der Zerstörung der Burg .nagte allerdings der oahn der Zeit gewaltig an den alten unigesttirzten Maueni, und der Vandalismus der Menschen tat das übrige, um das, was einst gewaltige Geschlechter geschaffen hatten, vollständig verschwinden zu lassen. Fuhren doch die Bewohner der umliegenden Dörfer, wemr sie Baumaterial brauchten, ungeniert zur Burg, um sich Steine von dort zu holen. Dieser traurige Zustand währte bis in das vergangene Jahrhundert hinein, denn auch nocy nach dem Uebergange des Gleibergs an Preußen im Jahre 1816 ge­schah nichts, um dem Unfug zu wehren. Man plante zwar an­fänglich .preußischerseits, die noch unter Dach befindlichen Ge­bäude, den Nassauer- und Albertusbau zu einem Zuchthause herzurichten, doch blieb es bei dem Plan, und so wurde, dem einstigen Herrschersitz diese Schmach erspart. Auch der einmal aufgetauchte Gedanke, .diese Bauten zu einer Oberförster­wohnung umzuwandeln, wurde glücklicherweise nicht aus­geführt, nachdem der damalige Oberförster energisch dagegen