1904
Mi
lllrt
Em
WoFo^r^ au»g. h-'noii. 6ie,sseri
Mettag den 1H Augusts, «» CtiP
M
- Uftdn !;
EiiTwi
Km angenehmes Kröe.
Hmnoristischer Roman.
Von Victor von Reisner,
(Nachdruck verboten.)
„Nun ja", klärte sie Mirko auf, „einer ntug doch der Neltere sein, wir können doch nicht beide gleichzeitig —"
„Es ist genug", unterbrach ihn Frau von Höchstseld streng, „übrigens freut es mich, zwei Brüder z,u sehen, die so fest zueinander halten — das ist in der Tat höchst löblich."
„Deshalb sagte ja auch der Herr Pfarrer, wir hätten zwei Leiber und ein Gehirn!" erklärte Mirko voller Stolz.
Frau von Höchstseld nickte. „Also jeder nur ein halbes", sagte sie mitleidig lächelnd, „das merkt man."
Die Jungen begriffen schließlich doch, daß dies gerade kein Kompliment war, aber als wohlerzogene Bürschchen erlaubten sie sich keine Entgegnung, sondern nahmen stillschweigend das Fäßchen und drückten sich.
Erna wollte ihnen nach.
„Du bleibst hier", hielt dre Mutter sie zurück. „Morgen werden wir überhaupt ernstlich miteinander abrechnen. Junge Herren hältst Du zu Atem, einen Leutnant rufst Du beim Taufnamen — es ist himmelschreiend! Oh Gott", stöhnte sie, „wenn ich 'nicht so schrecklich müde wäre, dann würdest Du noch etwas erleben! Jetzt bleibst Du da und redest mit keinem Menschen eine Silbe, Du stellst ja sonst nur Dummheiten an — hast Du mich verstanden? keine Silbe! — Ich muß mich em wenig hinlegen — wenn man «mich vermißt, rufst Du mich!"
Kopfschüttelnd sah Erna der abgehenden Mama nach, und obgleich sie nicht begriff, wie man bei solch einem Vergnügen müde werden konnte, so bedauerte sie sie doch.
Daß sie hier bleiben und mit niemandem reden sollte, begriff sie freilich noch weniger; da aber Mama sehr wohl im stände war, auszupassen, ob ihrem Befehl auch 'Folge geleistet würde, beschloß sie, ihn wenigstens die erste Viertelstunde streng einzuhalten.
Sie setzte sich also mit dem Vorsatz, auf alle Fälle stumm zu bleiben, auf das Sofa.
Die ersten fünf Minuten ging dies auch ganz gut, als nun aber Leutnant Vlado; vom Garten heraufkam und sie leise beim Namen rief, da fiel es rhr schon schwerer, unv eben wollte sie sich lachend zu ihm tvenden, als er unüberlegterweise fragte, ob sie vielleicht schlafe?
Eine solch beleidigende Zumutung durfte sie sich natürlich nicht gefallen lassen, und sie beschloß, nun wirklich nicht zu sprechen und ihn dadurch, während sie gleichzeitig Mamas Befehl wörtlich, befolgte, empfindlich zu strafen.
„Sind Ste denn tatsächlich eingeschlafen?" wiederholte
Vladoj seine Frage, indem er einige Schritte näher trat« Sie maß ihn mit indigniertem Bllck.
„Nanu, ich werde Sie doch nicht damit gekränkt haben? Oh, das war gewiß nicht meine Absicht", verwahrte er? sich, und als sie trotzdem schwieg, fuhr er lebhaft fort: „Gerade Ihnen möchte ich doch nur Liebes und Gutes erweisen — nur Liebes und Gutes!"
Erna seufzte hörbar, worauf er bat:
„Darf ich Ihnen Gesellschaft leisten?"
Energisch schüttelte sie den Kopf, rückte aber' ganz sachte zur Seite. Zu ihrem geheimen Verdruß hatte er aber nur das Kopfschütteln bemerkt, und als er darauf ganz traurig llagte: ,^Ja, sind Sie mir denn wirkliche ernstlich döse?" da sah sie ein, daß ste schon deutlicher sein müsse, wenn er sie verstehen sollte. Sie machte also noch ^nehr Platz und schaute ihm schelmisch lächelnd ins Gesicht.
Endlich begriff er, und sich an ihrer Seite niederlassend, rief er freudig:
„Oh, Sie liebes, süßes, einziges —" Er kam nicht weiter, denn Erna sprang erschrocken aus und wollte davon- lausen.
„Nein, ttetn, bleiben Sie, ich werde ganz — ganz brav sein", versprach er, und als sie sich daraufhin wieder niedergesetzt, verlangte er zu wissen, warum sie so plötzlich aus der Gesellschaft verschwunden sei.
„Ich habe bereits den ganzen Park nach Ihnen abgesucht", beteuerte er, „Sie ahnen ja gar nicht, wie sehr ich Sie vermißte — glauben Sie mir das, Fräulein Erna?"
Und ob und wie gern sie das glaubte! Am liebsten hätte sie es ihm auch gesagt, aber erstens schickte sich das nicht, zweitens hatte sie der Mama Schweigen gelobt, und schließlich war es vielleicht ganz gut, ihn ein wenig zappeln zu lassen.
„Ja, warum reden Sie denn gar nichts, fragte er endlich verwundert, „soll ich Ihre liebe, süße Stimme wirklich nicht mehr hören?"
Mit schmerzlich verzogenem Mündchen, aber ganz energisch schüttelte Erna den Kopf.
Vladoj richtete sich stramm auf, ihm !var ein groß- arttger Gedanke gekommen.
„Wetten, daß ich Sie zum Reden bringe?" rief er! unternehmend, und ehe ste sich dessen noch versah, hatte er sie beim Kopf genommen, diesen nach aufioärts gebogen und seine Lippen mit einem heißen Kuß aus die ihren gedrückt.
Er hatte richtig erraten, das lösch tatsächlich ihrtz Zunge.
„Pfui, bas war garstig", rief sie, in die Höhe springend, blieb einen Augenblick schwer atmend stehen, dann rannte ste gegen Mamas Tür, und in ihrem Innern jauchzte es: Er hat mich, geküßt!
Mit einem Satz sprang ihr Vlaroj nach, doch ehe er sie noch ganz erreicht, bannte ihn ein energisches „Halil* auf der Stelle fest,


