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erleidet, ott genug nachweisen. Ein deutscher Maler, der längere Zeit in Italien gelebt hat, .pflegt den Ton und die Farbe der heimatlichen Landschaft jahrzehntelang nicht mehr treffen zu können. .Selbst Claude Monet hat, wenn er eine Reihe grün gestrichener holländischer Häuser hinter Bäumen am Wasser festhält, das farbige Wesen der Seine-Ufer mit hineingemalt.
* Weist Du, wieviel Sterne stehen? Mit der Zählung der Sterne beschäftigten sich neuerdings eifrig die Astronomen. J$ine ganze Reihe von Sternwarten arbeitet an der Aufnahme einer photographischen Himmelskarte, die nach ihrer Vollendung eine Nebersicht über den Sternenhimmel geben wird, wie sie nie zuvor ein Mensch besessen hat. Die photometrischen Listen an der Harvard-Sternwarte weisen die Zahl aller Sterne bis zur 6. Größenklasse lückenlos nach. Danach gibt es 38 Sterne bis zur Größe 2, 99 zwischen 2 und 3, 317 zwischen 3 und 4, 1020 zwischen 4 und 5 und 2865 zwischen 5 und 6, insgesamt also bis zur 6. Klasse 4339. Darüber hinaus ist keine vollständige Zusammenstellung mehr vorhanden, wenigstens nicht für den ganzen Himmel. Ueberhaupt wird die Zählung der Sterne begreiflicherweife dadurch erschwert, daß auf der südlichen Halbkugel der Erde nur sehr wenige Sternwarten bestehen. Jedenfalls weiß .man, daß auf dem Raum bis zu 130 Grad vom Nordpol gerechnet 7848 Sterne von einer Größe zwischen 6 und 7 vorhanden sind, was bei der Einnahme einer gleichmäßigen Verteilung auf die ganze Himmelskugel die Gesamtzahl von 9554 ergeben würde. Nach einer anderen Schätzung würde sich die Zahl der Sterne, die heller als die 7. Größenklasse sind, auf rund 13 400 belaufen. Weiterhin gerät man nun aber schon in eine große Unsicherheit. Tie Berechnungen für die Zahl der Sterne zwischen der 7. und der 9. Größenklasse beruhen noch immer auf der altberühmten „Bonner Durchmusterung". Man kommt danach für den ganzen Himmel zu dem Ergebnis, daß es etwa 177 000 Sterne gibt, die heller als die 9. Größenklasse sind. Was nun noch weiter jenseits liegt, wird für den Menschen immer weniger faßlich Tie neuesten und wohl auch zuverlässigsten Unterlagen bietet in dieser Hinsicht eine Veröffentlichung der Sternwarte in Greenwich, die eine Gesamtzahl von 229 426 Sternen angibt, aber nur für eine Zone von 5 Grad, zwischen plns 65 nnd plus 70 Grad der Deklination, also nur für den 60. Teil des ganzen Himmels. Tie kleinsten Sterne wurden dabei durch zweimalige Photographie bei einer Be'licht- ungszeit von 40 Minuten ausgenommen. Will man sich auch hier an eine Verallgemeinerung der bisherigen Beobachtungen wagen, so würde sich die mutmaßliche Zahl der Sterne von größerer Helligkeit als 15. Größe auf 8 325 000 stellen. Es tritt dabei die auffällige Erscheinung ein, daß sich die Zahl der Sterne von einer bis zur anderen Größenklasse immer ungefähr verdoppelt. . Während nämlich unter der 10. Größe 639 000 Sterne angegeben werden, sind es unter der 11. Größe 1214 000, unter der 12. 2 306 000 usw. Tiefe Ziffern erscheinen recht eindrucksvoll und werden wohl auch eine annahrend richtige Vorstellung geben können. Andererseits ist ihnen doch anzumerken, wie groß die Unsicherheit des Menschen in der Zählung der Sterne noch immer ist, und die Frage des alten Volksliedes von Wilhelm Hey. .„Weißt Tu, wieviel Sterne stehen an dem blauen Himmelszelt?" hat noch immer in dem Sinne des Dichters ihre Berechtigung.
* Die Gesundheitspflege in der Barbierstube ist wieder einmal zum Gegenstand einer ärztlichen Auslassung gemacht worden. , Tr. Ullmaun hat vor der Wiener Gesellschaft der Aerzte darauf hingewiesen, daß.erfahrungsgemäß noch immer ziemlich häufig die Uebertragung von Hautkrankheiten durch das Rasiermesser, durch Scheren, Pinsel und andere Geräte des Barbiers erfolgt. Solche Ansteckungen sind durchaus nicht immer harmlos, auch nicht immer bloß unangenehm, sondern auch geradezu gefährlich, da auch Fälle bekannt geworden sind, daß Leute auf diesem Wege die Syphilis erworben haben. Man hat unzählige Mittel und Vorschriften erdacht, um solchen Gefahren vorzubeugen, und es darf ^wohl auch anerkannt werden, daß die Reinlichkeit und die Sorgsamkeit' in den Barbierstuben während der letzten Jahre zugenommen hat. Andererseits hat sich gezeigt, daß besonders strenge Verordnungen über die Desinfektion der zum Barbieren und Frisieren notwendigen Geräte weder zweckmäßig noch durchführbar sind. Sehr schwierig ist es schon, überhaupt ein brauchbares Desinfektionsmittel zu finden. .Entweder schadet es den Snstrumenten, oder es reizt die Haut, oder es hat einen starken eruch, und jede dieser Eigenschaften bedingt die Unverwendbarkeit. Am einfachsten wäre noch Alkohol zu gebrauchen, aber dieser Stoff ist einmal nicht wirksam genug und zweitens zu teuer. .Tr. Ullmaun vertritt daher den Standpunkt, daß die Gesundheitspflege in den Barbierstuben sich noch immer hauptsächlich auf äußerste Reinlichkeit aller Geräte beschränken muß. Zu empfehlen sind möglichst häufige Waschungen mit heißer Selfenlauge, gründliches Abwaschen der behandelten Hautteile, namentlich nach dem Rasieren, peinlichste Sauberkeit der Wäsche, an .deren Stelle zweckmäßig Papierservietten treten. Nochmals mag .hier auf die Schädlichkeit des Alaunsteins hingewiesen werden, durch dessen Anwendung gewöhnlich nach dem Rasieren
der Hautreiz vermindert oder eine etwa aufgetretene Blutung gestillt werden soll. .Tiefe Steine werden nacheinander bei den verschiedenen Kunden gebraucht und inzwischen nur in Wasser getaucht. Sie sollten unter allen Umständen durch ein Älaun- vulver ersetzt werden, von dem für jeden Kunden die nötige Menge neu genommen wird.
Literarisches.
— Wir sind zwar an Ueberraschungen von Seite der Mode gewöhnt, daß sie jedoch gestattet, durchaus individuell zu sein oder wenigstens in her Toilette nur dem persönlichen Geschmack Rechnung zu tragen, das übertrifft wohl die kühnsten Erwartungen. jpeft 18 der „Wiener Mode" veranschaulicht im Modeteil in reizender Weife die vier charakteristischen Grundideen der herrschenden Mode, deren Varianten sich von dem strengen Stil der schönen Handarbeiten desselben Heftes doppelt lebhaft abheben. Diesen Modebericht entnehmen wir dem soeben erschienenen Heft 18 der „Wiener Mode", das in reichen Illustrationen die im Modebericht angeführten Toilettenarten öarstellt.
—: Zwei große kürzlich dahingeschiedene Künstler feiert das soeben erschienene Juli-Heft von Velhagen u. Klasings Monatsheften: Franz von Lenbach durch die meistere hafte farbige Wiedergabe einer Anzahl besonders interessanter Porträts und W. Wereschtschagin durch einen reich illustrierten, auf persönliche Erinnerungen fußenden Artikel von Prof. Ludwig Tietsch. .Das Heft ist im übrigen, wie stets, außerordentlich mannigfaltig. Neben dem großen Roman von Ida Boy-Ed, „Ter Festungsgarten", und C. Schroeder, „Unter sengender Sonne", bringt es zwei abgeschlossene Novellen „Kaminfeuer" von M. Kyber und „Der kleine Peter Willaschek" von Manuel Schnitzer; ferner einer fesselnden Leitung über „Die Erfindung der Schrift" von Prof. Tr. Lotz und einen schön illustrierten'Artikel „Griechische Münzen" von Prof. Tr. Seeck, dem bekannten Greifswalder Historiker. Herr von Hesse-Wartegg plaudert anmutig über „Schwebende Gärten" in Newyork, und Freiherr von Fabrice steuerte einen feinsinnigen Essay über „Ermenonville", den Sterbeort Rousseaus, bei. .Wie immer, schließen eine kritische Bücherschau und eine kunstgewerbliche illustrierte Rundschau das Heft ab, aus dessen poetischen Beigaben besonders ein höchst eigenartiges Gedicht „Gräfin Rochlitz" von Alice Freiin v. Gaudy erwähnungswert erscheint.
Musik.
Tie in Stuttgart erscheinende „Neue Müsik-Zeit- U n g" .enthält in ihren drei letzten Nummern 16, 17 und 18 eine Fülle interessanter Aufsätze auf dem Gebiete der musikalischen Äesthetik, der Musikgeschichte und Pädagogik, .wie auch Erzählungen aus dem Leben unserer Künstler. Gleich der Aufsatz über die vor 50 Jahren gestorbene große Sängerin Henriette Sontag und ihre Verhältnis zu Ludwig Rellstab entrollt ein fesselndes Bild der musikalischen Zustände jener Zeit. Kurt Mey ist .mit einer gründlichen Studie: „Einrichtungen und Gebräuche der Meistersinger" vertreten, der französische Aesthetiker Edrnond Jalonx schreibt über das aktuelle Thema „Japanische Musik". Tie Rubrik: Vorstände deutscher Opernbühnen bringt diesmal die Wiesbadener Dirigenten. Neben zahlreichen Berichten über neue Opern und über die jüngst veranstalteten Mufikfeste bringt die Zeitschrift einen ausführlichen aktuellen Artikel (mit Porträt) zu Karl Reineckes 80. Geburtstage, dem in der Musikbeilage eine Komposition des greifen Tondichters bei- gegeben ist. Die drei Nummern enthalten 12 Seiten Musikstücke beliebter moderner Komponisten, außerdem als Kunstbeilage ein Bild Meyerbeers. Hermann Hehermans. Ter Verfasser des Schauspiels „Die Hoffnung auf Segen" hat zum Feuilleton eine hübsche Skizze „Das verhexte Klavier" beigesteuert. Das Vierteljahrsabonnement dieser populären Zeitschrift beträgt für 6 Nummern nur 1.50 Mark. Probenummern sind durch jede Buch- und Musikalienhandlung, sowie vom Verlag Carl Grü- ninger in Stuttgart kostenfrei zu beziehen.
Telegraphenrätsel.
Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Pyramide in vor. Nr. r R A r Arm Amor Roman Marone Makrone
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck nnd Verlag der Vrülb'schen llniversttöts-Bnch- nnd Steindruckerei, R, Lange, Gießen.


