Mittwoch den 11. Mai
1904.
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(Nachdruck verboten.)
Im FalaL der Aajah.
Roman von B. M. Croker.
Genehmigte Uebertragung von A. Bischer.
(Fortsetzung.)
Einen Augenblick lang war ich vor Scham darüber Wie gelähmt. Ich wagte weder aufzusehen, noch die Zeichen meiner Bewegung wegzuwischen, um Mr. Thorolds Aufmerksamkeit nicht auf diese verräterischen Tropfen zu lenken.
„Miß Ferrars", sagte er plötzlich mit veränderter und seltsam bebender Stimme, „wenn ich es zu hoffen wagen dürfte, daß mein Leben auch nur den geringsten Wert in Ihren Augen hätte, so wäre ich der glücklichste Mensch von ganz Indien."
Unbeweglich und halb erstickt von dem wilden Schlagen meines Herzens, saß ich, den Blick auf den Marmorboden geheftet, da.
„Vom ersten Augenblick an habe ich mich zu Ihnen hingezogen gefühlt", nahm er, näher zu mir herantretend, seine Rede wieder auf. „An jenem Abend, als Ihr Spiel mich 'im Tizzies Salon lockte und Sie, aus dem Schatten tretend, Plötzlich im Hellen Lampenlicht vor mir standen, da wünschte ich in meinem innersten Herzen, Sie wären um meinetwillen über den Ozean gekommen."
„O, sprechen Sie, bitte, nicht von jener Zeit. . ."
„Nun denn, es sei. Ich habe bis jetzt ja auch niemals von dem zu sprechen gewagt, was mich erfüllte. Wir beide wurden nicht, wie es gewöhnlich der Fall ist, im Ballsaal, beim Theaterspielen oder bei Landpartien zusammengeführt, sondern im ernsten, schweren Kampf des Lebens, zuerst im Pestlager und nun durch die Ränke eines indischen Hofes. Sie haben — gestatten Sie, daß ich es ausspreche — den Angriffen, denen Sie ausgesetzt waren, wahrhaft heldenmütig standgehalten. Von nun an aber bitte ich, daß Sie mir erlauben, Ihr Beschützer zu sein, der alle Widerwärtigkeiten für Sie ausficht. Wohl scheinen Zeit und Ort, dieser Garten hier, wo Hunderte von Augen uns beobachten und wo die Luft, die wir atmen, von Haß und Bosheit getränkt ist, schlecht gewählt zu einer Aussprache, allein trotzdem frage ich Sie: Wollen Sie mein Weib werden? O geben Sie mir das Recht, Ihnen zur Seite zu stehen, nicht nur hier, sondern immer: fürs ganze Leben!"
So hatten die Augen der alten Rani sie also doch nicht getäuscht! Er liebte mich wirklich!
Den Kopf noch tiefer senkend, vergrub ich das Gesicht in die Hände. Summten Tizzies Worte ihm noch in den Ohren? Hatte sie ihm alles gesagt, auch das von der Photographie? Wußte er, daß ich einzig und allein im Gedanken, seine Frau zu werden, nach Indien gekommen war?
„Dieser Hof von Royapetta ist kein Ort für Siegst sprach er weiter. „Leider sehe ich das zu spät ein, und ich trage
die Verantwortung für Ihr Hiersein. Lassen Sie es mich bekennen, daß ich der Versuchung nicht zu widerstehen vermochte, Sie in meiner Nähe zu haben. Die Stelle >var frei. Sie eigneten sich dazu und ich hoffte, Sie würden sich in Ihrem Wirkungskreise wohl fühlen. Allein ich dachte damals nieht genug an die alte Rani und ihre Ränke und Schliche . . ."
Er hielt einen Augenblick inne und fügte dann leise hinzu:
„Ich habe Ihre Frage vorhin mit „nein" beantwortet, wollen Sie „ja" auf die meinige sagen? Wollen Sie mich nur wenigstens ansehen und ein Wort zu mir sprechen?"
„Ja, ich konnte wahrhaftig nicht länger hier sitzen wie eine stumme Närrin. Langsam hob ich den Kopf, glitt von meinem Sitze herab und schaute ihn an.
„Das ist alles nur Mitleid", kam es kaum hörbar von meinen Lippen.
„Nein, das ist es nicht!" rief er heftig. „Sie sind viel zu selbständig und unabhängig, um Mitleid zu erregen. Sie halten mich vielleicht für gefühllos und ehrgeizig; auch habe ich nicht vergessen, wie grausam Sie mich in Vellogade abzuweisen pflegten. Und doch gipfelte während des verflossenen Jahres mein ganzes Hoffen und Sehnen, mein ganzer Ehrgeiz in dem Wunsche, mir Pamela Ferrars' Hand zu erringen. Gelingt es mir nicht, so hat das Leben fortan keinen Reiz mehr für mich. Trotz meiner eifrigsten Bemühungen, Sie aufzusinden, hatte ich eine zeitlang Ihre Spur verloren, und als ich Sie endlich am Strande von Madras erblickte, da sagte ich zu mir: Das ist nicht Zufall, sondern Vorsehung! Es war aber auch wirklich, ob der Himmel Sie für mich bestimmt hätte, anstatt für Watty."
Mein Blick traf seine Augen, in deren Tiefe eine Frage und zugleich ein Flehen lag.
„Was . . . sagen Sie da?" stammelte ich. „Was hat Mrs. Hassall Ihnen gesagt?"
„Daß er Ihnen meine Photographie geschickt habe, und eine gewisse Aehnlichkeit ist ja auch vorhanden. Doch legte ich dieser Sache nur wenig Gewicht bei; es waren natürlich die Briefe, die Sie betört haben. Am liebsten wäre ich sofort mit meinen Wünschen vor Sie hingetreten, aber ich wagte es nicht. Sie standen ja immer bis an die Zähne gewappnet und hielten sich hinter Ihrem Stolze verschanzt. Auch jetzt hätte ich noch nicht gesprochen, wenn ich, nicht durch die Umstände dazu getrieben worden wäre. Die Geschichte mit den Perlen hat meine Pläne umgeworfen."
So hatte er alles gewußt und sich doch so zurückhaltend benommen! Die ganze Zeit her kannte er mein Geheimnis und berührte es nie mit einem Worte. Wie zartfühlend mußte er sein! Und oh . . . wie schämte ich mich !
„Wollen Sie mir nicht ein einziges Wörtchen sagen? Oder darf ich Ihr Schweigen als Zustimmung aufsassen?"
„Ja, Sie dürfen es", flüsterte ich. „Haben Sie aber auch bedacht, daß meine Verwandten sich mit mir über-


