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hastakion, d'as auf das lateinische sub hasta venire oder vendere zurückgeht. Bon dem, der eine Heirat vermittelt, sagen wir: „er hat sich den Kuppelpelz verdient. Dieses merkwürdige Wortbild ist wohl aus dem altdeutschen Eherecht abzuleiten, und zwar aus der zur Zeit des Frauenkaufs herrschenden Sitte, daß der Mann dem Vater der Braut eine Gabe als Kaufpreis darbrachte, die öfter, als unsere rauhen Ahnen noch im Urwald Mr und Wolf jagten, in Pelzen bestanden haben mag. Nach der Heirat gerät gar mancher Ehemann „unter den Pantoffel", ohne von der beschämenden Ironie dieses Ausdrucks eine Ahnung zu haben; der Pantoffel oder Schuh war ursprünglich gerade das Symbol der Machtgewalt des Ehemannes; wahrscheinlich trat die Frau am Hochzeitstage in den Schuh des Mannes, eine Sitte, an die der noch in mcmchpn Gegenden bestehende ländliche Brauch erinnert, die Braut mit Schuhen zu beschenken. Wer durch Pantoffelheldentum das männliche Geschlecht entehrt, dem sollte man „aufs Dach steigen"; früher geschah dies tatsächliche man stieg auf das Dach eines Hauses, um es zu Schimpf und Schande des darunter Wohnenden abzudecken; namentlich für Ehemänner, die sich, von ihren Frauen hatten schlagen lassen,
sich die Dachabdeckung im 16. und 17. Jahrhundert nicht nur in Chroniken, sondern auch; in Gesetzen als Strafe. Stellen solche Mahnungen das gestörte Gleichgewicht aber nicht wieder her, so tun die Ehegatten gut, das „Tischtuch zu zerschneiden"; diese Redensart ist wohl auch auf das alte Eherecht zu beziehen, nämlich den symbolischen Brauch, daß die Gatten ein Leinentuch faßten und so zerschnitten, daß jeder ein Stück in der Hand behielt. Während des Ehescheidungsprozesses „kosen" die Ehe- Eheleute miteinander, und zwar in des Wortes eigentlichster Bedeutung, denn kosen stammt von causari, einen Rechtshandel führen. Wollen die feindlichen Gatten die Eheirrung aber nicht durch- einen glatten Schnitt lösen, so werden sie sich doch als „Strohwitwer" und „Stroh- w i t w e" am wohlsten fühlen. Strohwitwe, eine Frau, die Witwe und doch keine Mtwe ist, ist nach der Analogie von Strohjungfer, Strohbraut gebildet; bekanntlich mußten Bräute, die einen unzulässigen Vorschuß auf die Eherechte bewilligt hatten, bei der Trauung einen Strohkranz tragen. Konservative und Agrarier, die für Zünfte, Prügelstraft, Flußsteuern und andere mittelalterliche Einrichtungen schwärmen, sollten doch die Wiedereinführung dieses Brauchs beantragen, der die Sittlichkeit und die Landwirtschaft, letztere durch die Abnahme großer Posten Stroh, erfreulich fördern wird. (Köln. Ztg.)
Literarisches.
— Pädagogische Reform. Eine Vierteljahrs- schrist, herausgegeben von der Lehrer-Vereinigung zur Pflege der künstlerischen Bildung und den Ga- - ranten der „Pädagogischen Reform". Verantwortlicher Redakteur : Rudolf Roß. Verlag der „Pädagogischen Reform", Hamburg 19. (3 Mk. jährlich, Einzelhefte 80 Pfg.) Den Gedanke der künstlerischen Erziehung unserer Jugend, anfangs nur von einer kleinen Zahl kunstliebtznder Lehrer und pädagogisch interessierter Künstler, Dichter und Kunstgelehrten verfochten, hat sich allem aus Mißverständnis und Unverstand hervorgehenden Widerspruch zum Trotz in den letzten Jahren sieghaft durchgesetzt. In erfolgreichen Versuchen sind neue Wege beschritten, neue Bildungsmöglichkeiten ausgedeckt worden. Dabei hat sich in den Führern der Bewegung die Ueberzengung befestigt, daß die Frage der künstlerischen Erziehung im engsten Zusammenhänge mit den übrigen Problemen der Erziehung steht, daß es sich um mehr handelt als um eine bloße Bereicherung der Aufgaben des Erziehers, eine Ueberzeugung, die ihren prägnantesten Ausdruck in den Worten gefunden hat: Wir wollen eine Wiedergeburt derPädagogikaus dem Geiste der Kunst. Ist diesem Sinne will die neue Zeitschrift, deren 1. Heft jetzt vorltegt, wirken. Der Titel „Pädagogische Reform" ist mit voller Absicht gewählt. Was sie von den bestehenden Fachzeitschriften unterscheidet, ist außer diesem fest umrissenen Programm noch der Umstand, daß sie, ebenso wie sie ihre Mitarbeiter nicht nur unter den Pädagogen von Berns sucht, sich über die Kreise der Lehrerschaft hinaus an alte wendet, denen die Erziehung der kommenden Gesellschafter am Herzen liegt.
Das 1. Heft (4 Dogen) enthält folgende Beiträge, Zur Renaissance der Pädagogik. Loft Gedanken über die Bedeutung der künstlerischen Erziehung. Von Otto Ernst. Berufs- oder Allgemeinbildung? Von Schulrat Dr. Ker- schensteiner. Die menschliche Figur im Zeichenunterricht. Von Franz Breest. Wie ich in derSchuleeinDrama lese. Von Otto Anthes, Oberlehrer in Lübeck. Ueber Weihnachtsmärchen. Von Dr. I. Loewenberg. Großstadt contra „Natur". Von H. Scharrelmann. Künstlerischer Bilderschmuck für Schulen. Von Dr. M. Spanier. Rundschau. Buchbesprechungen von H. Wolgast. — Die nächsten Hefte bringen u. a. Arbeiten von Richard Dehmel (Dichtung und Sprachgefühl), Ellen Key, Lothar v. Kunowski-München, Alfred Lichtwark-Hamburg, Paul Natorp- Marburg (Ueber die sozialpädagogische Bedeutung der Kunst und der Kunsterziehung), Hermann Obrist-München, Michael Schiele-Marburg, O. Schwindrazheim-Hamburg (Landschullehrer und Bauernkunst).
Auf eine Heiratsannonce, die vielversprechend lautete, reagierte ein Gießener insofern als er zunächst eine Anfrage an das Bureau „Liebesglück^ richtete, das folgendes Inserat erlassen hatte:
^Herzenswunsch! Dame mit 150 006Mk. Vermögen wünscht die Bekanntschaft eines edeldenkenden Herrn, wenn auch olme Vermögen. Offerten unt. „laebesgliick“, Berlin SO. 26.
Er erhielt von Frau Emma Rudo, der Heiratsvermittlerin, die Aufforderung, per Nachnahme für 11.50 Mk. die Photographie mit näheren vorteilhaften Personalien seiner Zukünftigen zu beziehen. Mit dieser Aufforderung waren allerhand verlockende Versicherlingen bezüglich der Reellität und der Chancen dieser Liebeswerbung verbunden. Unser Gießener Spaßmacher ließ der Dame darauf folgendes Gedicht zugehen:
Sie verzeihen wohl Frau Emma Rudo. wenn, um dem Dilemina, Tas durch Ihr verlockend Schreiben Mir entsteh'» könnt', fern zu bleiben, Ich heut' gehen ließ zurück Nachnahme mit „Liebesglück". Tenn ich kann vor allen Dingen Elf Mark 50 nicht erschwingen, Zweitens mir zu Herzen geht Die gepries'ne Reellität, Die mir so hat ekugeleucht', Daß es mir das Beste deucht, Ebenso reell zu handeln, Ohne erst was anzubandeln, (Wenn es auch im großen Ganzen Bietet die genannten Chancen); Tenn ich find' es auch reell, Wenn man nicht so überschnell Eine „Wurst" von 15 Kronen Nach der „Speckfeit" der Millionen Ohne weit'reS werken tut;
So etwas tut selten gut.
Hab' ich Geld mal zum Verschenken, Werd ich wieder an Sie denke», Bi» jetzt ztl sehr ausgemißt, Andreas Euler, H u m o r i st.
Zahlenrätsel.
(Nachdruck verbat««.) 1284567288 beliebtes Vergnüge«, 6 5 8 4 5 Blume.
3 5 8 1 2 Vorname.
4 2 7 5 8 Verkehrsmittel.
2 7 5 8 biblischer Name, (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung der Pyramide in vor.
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L o A I e Elsa Selma Amseln
N«d»kti«l: August Götz. — Nat-llensdruck und PeftSst der Byühl'scher vniverfltäts.vuch- Md Etriudrucker«. N. Lange Virß«


