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schäfte jit machen, welche auf ihre Exterritorialität sich- berufen können. Wenn aucy anstandshalber dabei kein Name genannt wurde, so wußte doch jeder, daß Konsul Hughes damit gemeint war.
Und wie Hughes kriechend nach oben war und rücksichtslos den Geschäftsleuten gegenüber, so war er terro- ristifch gegen seine Untergebenen. Sein „ofsiee-boy" oder Schreiber, der keine oder sehr geringe monatliche Bergüt- ungen bezog, mußte monatliche Gehaltsquittungen über höhere Summen unterschreiben; ein Laufbursche, der 40 Mark monatlich erhielt, quittierte stets über 87.50 Mk.; wollte jemand es nicht tun, wurde mit Entlassung, gedroht und den Betrag steckte Mr. Hughes in seine eigene Tasche.
Zmn Schluß dürften noch einige Angaben über den „Werdegang" dieses ©entfernen interessieren. Oliver John Tavis Hughes wurde auf einem englischen Schiff im Hafen von Buenos Aires geboren. Er besuchte die Schule in Harrow in England, begann dort auch medizinische Studien und hielt sich später, im Jahre 1870, tatsächlich in Heidelberg auf, aber nicht studienhalber, sondern um das für diese Zwecke von seinem Bruder erhaltene Geld zu „derstudieren", denn er wurde, wie schon gesagt, nicht einmal immatrikuliert. Während des Krieges 1870/71 stellte er sich der deutschen Heeresleitung zur Verfügung und war in einem Lazarett in Mannheim tätig. Nach Amerika heimgekehrt, nahm er in Mexiko eine Stellung an einer Bahn an, wirtschaftete dann auf einer Farm feines Bruders und ließ sich schließlich im Island College Hospital als Arzt ausbilden. Inzwischen hatte er sich verheiratet und praktizierte bis zum Jahre 1898 in Meriden, bis ihn der dortige Aerzteverein aus dem Verbände ausstieß. Seine Frau, die schon gegen beit Willen ihrer Eltern geheiratet hatte, verschaffte ihm durch eine einflußreiche Freundin den Posten eines Konsuls in Sonneberg. So kam der Mister in unser schönes Thüringen. Tas arbeitsame, aber immer- hin stille Sonneberg genügte dem lebenslustigen alten Herrn nicht und so beantragte er seine Versetzung nach Koburg. Ta er seiner Eitelkeit schmeicheln wollte, erbat er sich das Prädikat „Generalkonsul", wenn er auch nur das Gehalt eines Konsuls beibehielt. Als solcher entfaltete er dann auch eine Tätigkeit, mit welcher er jetzt so brillant vbgeschnitten hat.
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* Ter Herrenkragen. Im Mittelalter und vielfach, noch im Reformationszeitalter wurde der Hals' frei getragen. Rur hin und wieder begegnet man am Hals geschlossenen Kleidungsstücken. Bon der Zeit Franz I. bis gegen 1540 sieht man alsdann den gezackten Saum des Hemdes über dem Rockkragen hervorstehen. Ans diesem gezackten Hemdsaum entwickelt sich die gefaltete Krause. Tiefe Krause macht eine sehr reiche Entwicklung durch und wird bald zur Radkrause, Kröse genannt, die durch, einen mit Traht oder Fischbein gefestigten Leinwandkragen gestützt ivird. Mit einer derartigen Krause ist z. B. noch Heinrich IV. von Frankreich im Fahre 1600 dargestellt. Diese Krause nahm einen immer größeren Umfang an und wurde zu einem förmlichen Mühlradkragen, der schon zur Zeit des niederländischen Krieges allgemein, auch von Tarnen, geringen wurde. Zugleich aber kam nun die Spitze auf und nahm von dem Kragen und der Krause Besitz, indem sie an die Ränder derselben und in die Zwischenräume an- gesetzt wurde, bis die Krause ganz wegfiel und der Spitzenkragen blieb. Als Amtstracht hat sich die Krause bekannt- biS irr unsere Zeit erhalten. Die Schweden brachten 1630 den bei ihnen üblichen breiten Kagen mit; dieser wurde anfangs gesteift, später schlaff getragen und mit Spitzen gerändert. Die Spitze sowohl als der Leinwandteil waren sehr breit. Das nannte man dann Alamode. Als die Perrücke aufkam, fiel der Spitzenkragen naturgemäß fort; die Zeit Louis XIV. kennt ihn nicht mehr. Schon von 1665 ab bleibt der Spitzenbesatz weg und der Kragen wird hinten schmal getragen. Zugleich kommt das Halstuch und die Halsbinde auf. Man trug sie anfangs wohl, um Wärme zu geben, und knüpfte sie vorn zusammen und ließ die Enden frei herabhängen. Uebrigens wurden bis gegen 1700 ausschließlich weiße Halsbinden getragen. Statt der läng
lichen kämen bald quadratförmige Halstücher auf, welche den Diagon alen nach zusammen gelegt wurden, sodaß sie eine dreieckige Form erhielten; diese legte man zusammen und knüpfte die so erhaltene Binde int Nacken zusammen, während man vorn eine Spange oder Nadel auffetzte. Der Einsatz des Hemdes über der Brustmitte war sichtbar und mit Zacken oder Krausen geziert. Diese Tracht erhielt sich bis etwa 1792. Tann nahm man wieder ein bedeutend größeres Halstuch, das vorn in zwei großen Schleifen! gebimben wurde. Wer wieder wechselte die Mode, man fing wieder an, das Halstuch hinten zu binden, band zu- gletcyi ein zweites Tüch unter, sodaß die Bekleidung sich bis zum Kinn vorschob, wobei man den Rand des unter- gebundenen weißen Tuches oben oft Vorschauen ließ; hieraus entwickelte sich der Kragen. Als man.Nämlich die Ticke lästig empfand, das Unterbindetuch, beseitigte, brachte matt statt jenes Randes eine Art Kragen, Unterbindekragen, Vatermörder (aus Leinwand und gestärkt) in Anwendung. Ter nächste Schritt war die Umwandlung der Krawatten- binden; statt der weichen Halstücher legte man gesteifte Binden an, die man mit Atlas oder Serge überzog, vorn mit einer aufgesetzten Schleife zierte und hinten mit einer Schnalle versah. In beit Jahren bis 1840 wurden teils wieder Vatermörder getragen, deren Enden aber vorn ab- geeckt und nach außen umgebogen wurden, ober Halstücher! mit Schleifen. Tie spätere Zeitsitte beschreibt ein Zeitgenosse, Karl Köhler, tu seinem Buch „Tie Entwicklung ber Tracht" folgendermaßen: Um das Jahr 1848 fing man sogar an, den Hals mehr entblößt zu lassen und anstatt ber Krawatten, die sich seitdem überhaupt mehr und mehr verloren, oder ber Halstücher nur schmale Bändchen umzulegen, deren Enden man vorn zusammeirsteckte ober durch eine zierliche Schleife verband. Diese Bündchen — über welche man den Hemdkragen herausschlägt — sind gegenwärtig für jüngere Männer die beliebteste Tracht, während ältere sich des Halstuches bedienen, als Zere- monientracht aber immer noch die weiße Atlaskrawatte ihr Recht behauptet. — Tie Halsbinde der neueren Zeit, aus ber sich die Krawatte entwickelt hat, ist häufig Gegenstand literarischer Studien gewesen. In England erschien 1818 eine Schrift Cravatiana, die große Verbreitung gewann und ins Französische und ans dem Französischen ins Deutsche übersetzt wurde (erschienen 1823 in Ilmenau), Auch Baron de l'Empess gab eine Schrift über die Kunst, seine Krawatte zu binden, heraus; er gab ihr das Motto: La Cravate, e'est l'homme. In dieser Schrift findet sich die Stelle: il n'est Pas permis a tont $e moud de bien mcttre sa eravatte. Weiter erschien eine Geschichte der Krawatte und des Kragens von Gr. be M., in welcher ber Kragen treffend le Point de mire de nos interlveutions genannt wird. Wir haben uns der Gegenwart genähert und möchten nunmehr noch der Frage «übertreten, ob die heute übliche Form des Kragens einer toeitern Entwicklung fähig ist. Tie am meisten moderne Form ist bekanntlich ber steife, hohe Umschlage-Stehkragen. Uns scheint, als ob derselbe eine heilsame Rückkehr des steifen Stehkragens zum schlaffen Kragen anbahnt. Ter Kragen der Zukunft wird, wenn wir uns nicht irren, ein schlaffer seidener Umlege-Stehkragen sein. Born ästhetischen und hygienischen Gesichtspunkt aus bedeutet der gesteifte Stehkragen, namentlich wenn er hoch ist, ein Verbrechen, indem er die Freiheit des Halsgelenkes zunichte macht und eckige, für einen Beschauer von unverdorbenem ästhetischem Sinn recht lächerlich wirkende Bewegungen im Gefolge hat. Es wäre daher sehr freudig zu begrüßen, wenn der hier gewünschte schlaffe, doppelte Umleg-Stehkragen aus Seide, wie er sich bei Sporthemden schon hier und da findet, in Mode käme.
Buchstabenrätsel.
Nachdruck Betboten.
Mit G ein Dichter wahr und schlicht. Mit K ein Bildner durch das Licht.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr r Maskeradenscherze.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnidersttütS-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.


