Ausgabe 
10.12.1904
 
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1904, - M. 184

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Das Testament des Mankiers.

Kriminalroman von A. M. Barbour.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) »

Tiefe Worte trafen die Ohren des jnÄgen Mannes wie ein Schlag. Sie wirkten beinahe betämvend auf ihn, wmiger aber ihrer ungeheuerlichen Anschuldigung halber, a.s wegen des seltsamen Umstandes, daß sie ihm wie eine Wiederholung der Worte vorkamen, die er seinem Prinzipal entgegengeschleudert hatte, als er ihm während der Nacht in Gedanken mit -b-em von ihm ausgefundenen alten, ver­gilbten Papier gegenüberge'treten war. Diese Szene mit allem Beiwerk von gegenseitigen Anschuldigungen und Beschimpfungen, wie Lügner, Betrüger, Dieb, hatte er sich so ausgemalt, wie sie sich jetzt nach der Darstellung von Frau La Grange tatsächlich abgespielt hatte, und deshalb fuhr es jetzt Skott einen Augenblick lvirr und zweifelnd durch den Kopf, ob er die Szene nicht nur im Geist», sondern, ohne es zu wissen, in Wirklichkeit durchlebt haben könnte. Erst die in starrem Entsetzen aus ihn gerichteten Blicke der Anwesenden brachten ihn wieder zur Karen Besinnung. Flammende Zornesröte trat auf sein Gesicht, er bemcisterte aber diese Aufwallung schnell und gewann seine frühere Ruhe wieder.

Sie haben seit gestern abend Zeit gehabt", fuhr der Coroner zur Zeugin gewandt fort,über das von Ihnen Gehörte nachzudenken. Sind Sie auch heute noch der Mein­ung, daß es Herrn Skotts Stimme war, die Sie hörten?"

Mehr noch wie gestern. Mein Glaube ist inzwischen noch bestärkt worden."

Wodurch? Durch eigene Wahrnehmungen oder durch Mitteilungen anderer?"

Durch Mitteilungen einiger Leute des Tienstper- sonales."

Sahen Sie, wie Herr Skott die Bibliothek wieder Verließ."

Nein."

Zu welcher Stunde fand das von Ihnen gehörte Ge­spräch statt?"

Als ich mein Zimmer wieder betrat, fehlten zehn Minuten an ein Uhr."

Bernahmen Sie später noch irgend ein ausfälliges Geräusch?"

Nein. Es herrschte überall Ruhe. Ter Teil des Hauses, den mein Mann bewohnte, liegt von allen übrigen Schlaf­zimmern auch zu entfernt, als daß man von dort etwas hätte hören können."

Nach einigen weiteren Fragen, die nichts Wichtiges mehr zutage förderten, entließ der Coroner die Zeugin, sah nach der Uhr und sagte:

,^err Whitney, ist Hardy schon zurück?"

Ja; er ist soeben Lekommen."

Nun, Hardy, dann treten Sie noch einmal vor. Was bringen Sie für Nachrichten?"

In der Fremdenliste des Hotels Arlington fand sichj ein Herr Namens Carruthers nicht verzeichnet. Ms ich aber den Herrn, so gut ich wußte, beschrieb, meinte der Kellner, ein großer Mann mit dunkler Brille wäre aller­dings gestern abend ins Hotel gekommen, hätte im Speise­saal gesessen und dann noch gegen eine Stunde Zeitung gelesen. Nachher aber, etwa zwischen sieben und acht Uhr, sei er wieder fortgegangen und nicht zurückgekehrt. Darauf ging ich nach dem Hotel Riverside, um mich wegen des anderen Herrn zu erkundigen. Die dortige Fremden­liste enthielt den Namen Richard Hobson. Man sagte mir, er wäre gestern vormittag gekommen, und hätte sich bald einen Wagen genommen, um nach Schöneiche zu fahrem Zum zweiten Frühstück ist er wieder da gewesen und dann! den ganzen Nachmittag auf seinem Zimmer geblieben, too: er den Besuch eines Mannes erhielt. Am Abend sind die beiden ausgegangen. Wann Herr Hobson wieder gekom­men, wußte niemand, er hat aber im Hotel übernachtet, auch noch da gefrühstückt, ist jedoch dann mit dem nächsten! Zuge nach der Stadt gefahren. Nun begab ich mich auf den Bahnhof, um vielleicht dort noch etwas über Herrn Carruthers zu erfahren, und da hörte ich am Billetschalter, daß ein Mann in grauen: Ueberzieher und dunkler Brille heute morgen 3.50 ein Billet nach der Stadt genommen Hütte. Weiter konnte ich nichts erfahren."

Der Coroner erhob sich jetzt.Morgen vormittag zehn Uhr werde ich die Vernehmungen fortsetzen. Ich bitte dazu wieder um das Erscheinen des gesamten Hauspersonales."

Darauf empfahl er sich den Herren und Damen des Hauses und ftrhr zur Bahn.

Nach dem Mittagessen schlossen sich die drei männ­lichen Familienglieder mit Herrn Whitney in die Bibliothek ein, um die jetzt gänzlich verschobenen Verhältnisse zuj besprechen und die Maßnahmen zu beraten, die behufs Sicherung ihres Erbrechtes zu ergreifen sein würden.

Harry Skott benutzte unter dem Borgeben notwendig zu erledigender Geschäfte den nächsten Zug zur Stadt. Sein Hauptzweck war aber, einen in hohem Ruf stehenden Advokaten, Herrn Sutherland, aufzusuchen, um sich seines Rechtsbeistandes zu versichern. Herr Sutherland hatte aus eigenem Antriebe den Verhandlungen des Nachmittags bei­gewohnt, kannte also bereits deren Verlauf und zeigte sich umso lebhafter für die Sache und deren Vertretung inter­essiert, nachdem Skott an der Hand des von ihm auf­gefundenen Dokuments seine Lage bis ins kleinste Tetarl klargelegt hatte.

Nach Schöneiche zurückgekehrt, machte Skott noch zu später Stunde einen Spaziergang fm Park. Ein bitteres Lächeln flog über fiatn Gesicht, als er zu den hell er­leuchteten. Fenstern der Bibliothek aufblickte, woher die erregten Stimmen der dort versammelten Herren zu ihm t! drangen, die sich zum Kampfe um das Erbe dessen rüsteten^