Ausgabe 
10.11.1904
 
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Krettag den 11. Aovemöer

1904.

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Aus Liebe.

Roman von M. v. Eschstruth.

(Nachdruck Verboten.) (Fortsetzung.)

Ja, Asmus von Dörrenbach kannte Harro von Uran. Und darum wußte er auch, daß sein Kamerad, trotz alledem, empfänglich geblieben für Ehre und Pflicht. Er war über­zeugt, ein gutes Wort hier konnte Wunder tun. Wenn er damit zugleich die Kunde empfing von seinem Kinde dann ja dann konnte er ja gar nicht anders als Hier wurden des braven Asmus Augen aber doch einen Augenblick so dunkel, daß sie selbst von dem blonden Ge­ringer auf dem weißen Nacken jeden Schimmer verloren. Sein Herz krampfte sich zusammen in schmerzlichem Kampf.Und darum kann ich ihn nicht bitten, ich ich kann, ich will ihm auch nicht schreiben nie" klang es jetzt leise in diesen Kampf hinein. Und da war er ausgekämpft.Das sollen Sie auch nicht, meine gnädige Frau", erklärte Asmus fest.Dennoch verlieren Sie den Mut nicht. Es wird noch alles gut werden. Glauben Sie mir. Einem Freunde muß man glauben. Und für Ihren Freund haben Sie mich doch immer gehalten" Und es war doch gut, daß Jutta immer noch ein gut Teil ihres ursprünglichen, instinktiven Empfindens, ihres impulsiven Naturells geblieben war. Mit freilich noch tränenden, doch bereits auch strahlenden Augen richtete sich die kleine Frau empor:Ach, ich weiß es ja, Herr von Dörrenbach, Sie haben mich immer am meisten verstanden, Sie sind immer mein treuester Freund gewesen."

Indem kam Hildegard von einem Ausgange zurück. Ter Major mußte bleiben, er blieb den Nachmittag und den Abend. So behaglich glücklich hatte er sich lange nie­mals gefühlt. Er meinte, die Stelle gesunden zu haben, wo seiner Seele Heimat war. Doch heiter, wie man zuletzt geworden war, der Abschied wurde wieder ernst. Ernst schritt Dörrenbach durch den späten Abend hin dem Bahn­hofe zu. Ob es gelingen würde, was er sich gelobt? Sorgen stiegen bei dem Gedanken in ihm auf, und er merkte aber­mals mit Schrecken, daß er sich alle Mühe geben mußte, um einen glücklichen Erfolg zu wünschen.

23. Kapitel.

Frische, fröhlich schneidige Begeisterung herrschte unter den Leuten, mit denen Harro von Urau die Arbeit, den Drill, all die Vorbereitungen für die Fahrt nach Ostasien zu vollenden, befohlen war. Tie ganze dem Germanen eigene, nimmer ersterbende Kriegslust, die nimmer er­sterbende Freude an den Fahrten hinaus, schien die Männer zu durchglühen. Dazu kam noch das Verlangen nach Sühne für eine so ungeheuerliche Verletzung von Sitte und Kultur. Unermüdlich, mit frohem Mute waren sie am Werk, wurde geübt und exerziert. Die gelben Kerle sollten verhauen

werden, daß die Zöpfe nur so in der Luft herumflogen> und deutscher Mut und deutsche Fäuste auch hier, wie überall, zu Ehren kommen, geachtet und gefürchtet fein) für ewige Zeit. Dann wurden Abschiedsfeste gefeiert. Es wurde getrunken und geredet in immer neuer schneidiger Begeisterung für den Kaiser, der mit seinem! genialen Blick solch eine Katastrophe vorausgesehen, mit seiner genialen Hand die Initiative ergriffen hatte für die Armee, die ein leuchtendes Beispiel sein sollte alten! Armeen für das Vaterland, das endlich wieder die Stelle unter den Nationen einnahm, die es einst in seiner gol­denen Jugend innegehabt, die ihm bestimmt schien in seinem nationalen Genius.

Harro war stets ein guter Soldat gewesen. Doch et konnte diesmal nicht mittrnr, wenigstens nicht mit dem fröhlichen Herzen, mit dem er sich sonst einen Krieg ge­wünscht. Denn nicht sein Soldatenblut, nicht einmal Ehr­geiz und Ruhmsucht hatten ihn hier in die Reihen gebracht^ sondern ach, er mochte nicht daran denken. Und er gab sich Mühe, zu sein, wie die andern. Er wurde noch' eifriger als sie im Dienst, in der Begeisterung für die Pflicht, doch der Druck blieb auf seiner Seele. Es war ihm, als blieb er einsam unter allen, als türmten- sich Mauern zwischen ihm und den Gefährten. Endlich kant der Tag der Abfährt heran. Nur die Eltern waren nach, Kiel gekommen, um noch einmal von dem Sohne Abschied zu nehmen. Sie hatten früher schon eine ernste Unterredung mit diesem gehabt. Papa war, wie bekannt, von Anfang an nicht sehr erbaut tioit der frühen Heirat der beiden ver- wöhntcn Brauseköpfe geweseu. Er hielt hinsichtlich seiner. Ehe trotz alledem zu dem Sohne. Mama erst recht. Tarin erging es ihr, wie manch einer ihrer Schwestern, die gerade, weil sie selbst tüchtig sind, am härtesten mit dem eigenen Geschlecht in das Gericht gehen. Und da die kleine Frau schon länger ziemlich begreiflicherweise in Ungnade bei den Schwiegereltern geraten war, und Harro erklärt hatte, es sei aus zwischen ihm und Jutta, ganz und gar, für immer und ewig, so hatten der Kommandierende und seine Frau, weiter keine Versöhnungsversuche gemacht, vielmehr beschlossen, sich nicht weiter in diese Tinge zu mischen,, Ebenso waren sie, den Dingen zuliebe, mit Harros Beteilig­ung au der chinesischen Expedition vollständig einverstandem Ja, es ist am besten, daß Tu gehst", hatte daun Papa, beim Scheiden noch 'einmal wiederholt. Und daß dem so war, das hatte Harro die Abschiedsstunde, die hohe herr­liche Stunde für alle, vergällt, das war es, was ihn von den anderen trennte und seine Seele immer von neuem wieder bedrückte.

Umflorten Blickes stand der junge Offizier auf Deck unter den Gefährten. Als dann die große Schraube ihtz Werk begann, der Kiel sich hob, um die Wellen zu durch­schneiden, da ging es ihm wie ein Ruck durch Nerven, Herz und Glieder: Hatte er doch auf etwas gewartet, das nich) ein getroffen war; schien es. ihm doch erst jetzt ganz be-