Ausgabe 
10.10.1904
 
Einzelbild herunterladen

604

fo war dies gewiß übertrieben. Vergleiche die oben erwähnte Wurstlegende von heute !

Ter generelle Name der Wurst in Hellas war chordeuma, von chorda, der Turm. Tie Magenwurst nannte man physke, die Bratuncrst alias, wobei die Etymologen an das lateinische aljiurn, Knoblauch, gedacht haben. Im großen und ganzen verhielten sich die Griechen dem Wurstgenuß gegenüber nicht gerade leidenschaft­lich; fanatische Wurstesser aber waren die Römer.

Wir sindcu int alten Rom so ziemlich sämtliche Wurstsorten wieder, die uns aus der modernen Praxis bekannt sind. Tie heroische Magenwurft spielte nach wie vor eine bedeutende Rolle. Tie beste und berühmteste ward in der etrurischen Stadt Falerii her- gestetlt. Falisker Saumagenspitz (die Einwohner dieser Stadt hießen Falisker) wird zu verschiedenen Malen erwähnt.

Tiefer Delikatesse aus Falerii verwandt waren die Blut­würste (botuli). Sie hatten so ziemlich die gleiche Füllung; sedoch in Türme gestopft.

Noch beliebter waren die sogenannten tomacula, Bratwürste, ein Mittelding zwischen dem, was wir so nennen, und der modernen Leberwurst. Ihre Füllung bestand aus Herz, Magen, Leber, Fett usw., alles sehr sein gehackt. Tas in Mitteldeutschland ver­breitete KaufgeschreiWarme Würstchen!" war in der Form tomacula calda!" schon ein altrömischer Straßenruf; denn die tomacula wnrden heiß genossen; die ihres Kreischens wegen berüch­tigten Bratwurstverkäufer boten sie auf kleinen Oefen aus Eisen­blech öffentlich feil.

Tie Knackwürste hießen lateinisch Mae, eine Verkleinerungs­form des alt-arischen Wortes hira, der Tarm, das sich unverändert im Sanskrit wie int Lateinischen findet. Wie heutzutage die besten Knackwürste aus Wiett oder Frankfurt a. M. kommen, so lieferte damals Gallien, das ja auch sonst im Räuchern z. B. des Weins vortreffliches leistete, die gesuchtesten Knackwürste. Solcher geräucherten Mac wurden alljährlich viele Milionen nach Rom importiert. Sie gehörten mit zu den Symbolen der öffent- lichien Speiselokale. Ein uns erhaltenes pompejanisches Bild stellt das Innere einer Garküche dar. Bon der Decke herab hangen Mischen Tatteln und allerlei trockenem Gemüse solche geräucherte Mae, unserenWieuern" undFrankfurtern" täuschend ähnlich

Eine besondere Abart der tomacula waren die sogenannten brcaniae, die lukanischen Bratwürste. Tie Landschaft Lukanien in Uuteritalien war berühmt wegen ihrer vortrefflichen Fleisch­würste. Ter Epigrammendichter Martial erwähnt dieseluca- nicae" mehrfach; ja er hat dec lukattischen Bratwurst ein eigenes Epigramm gewidmet. Er schreibt, indem er die Bratwurst redend prnführt:

Als des picenischen Schweins lukanische Tochter erschein' ich, Rings um den schneeigen Brei bild' ich den artigsten Kranz."

Aus diesem Distichon geht hervor, daß dielucanicae" nicht die stämmige Form unserer Fleisch- und Cervelatwürste hatten. Vielmehr entspricht das Gericht, das der Poet hier im Auge hat, völlig dem Nationalgerichte der heutigen Sachsen, die mit Vor­liebe Bratwurstals artigen Kranz" um gekochten Reis legen. Terschneeige Brei" des Martial ist Spelt- oder Dinkelbrei (Puls), die uralte Volksspeise der klassischen Römer.

Daß lukanische Würstchen auf Brei sehr beliebt waren, geht noch aus einer anderen Stelle des gleichen Tichters hervor (V 78), wo diese Speise nebst Rauchfleisch mit weißen Bohnen als ein Mittagsmahl namhaft gemacht ivird, zu dem man schon einen guten Freund entladen konnte, wenn man, wie Valerius Martialis, in bescheidenen Berhältnissen lebte.

Noch im vierten Jahrhundert werden die hier erörterten Wurst­sorten mehrfach erwähnt.

Wie die Sache sich später gestaltet hat, namentlich als die Germanen, die sich auf ihreit Wanderzügeu wohl kaum die Zeit nahmen, Würste zu stopfen, in das zerbröckelnde Römer- reich immer zahlreicher und verderblicher einströmten, das zu verfolgen, überschritte die Grenzen unserer heutigen Aufgabe.

Rur ein Kind!")

Es wurde vor kurzer Zett in das Städtische Krankenhaus u Hildesheim ein 11 jähriger Knabe eingetiefert. Dieser war, allein auf der Landstraße umherirrend, von Polizeiorganen auf­gegriffen und wegen eines schweren Augenleidens, der ägypti­schen Augenkraukhcit (Trachom), der Heilanstalt überwiesen worden.

Tcr Knabe war in einige Kleidungsstücke gehüllt, und hatte ein Paar ganz leidliche Stiefel an. Er sprach außer seiner polnischen Muttersprache nur wenige Worte deutsch und englisch, so daß nicht viel aus ihm herauszubringen war.

Eine Mutter gehabt zu haben, entfernt er sich nicht, sein Vater war seiner Angabe nach nach Amerika ausgewandert; ob er noch lebte oder nicht, war dem Jungen nicht bekannt.

Es befand sich in seinem Besitze außer dem Zeug, was er auf dem Leibe hatte, ein Sack. Auf die Frage, was er in dem Sacke habe, erwiderte er:Essen".

*) Wir entnehmen diese ergreifende Skizze der bodenreformer- tschenDeutschen Volksstimme", um auch an unserem Teile zu helfen, daß derartige Fälle in Deutschland unmöglich werden! D. Red.

Tie Revision des Sackes ergab folgenden Inhalt: Zwei Strümpfe, ein Kleidungsstück, das eine gewisse Äehnlichkeft mit einem Hemd hatte, ein Teekessel, ein Stück Brot, zwei Hering« und ein toter Hund!

Letzteren hatte er wahrscheinlich an sich gelockt und er­schlagen, um sich einmal eine Fleischspeise bereiten zu können.

Nachdem der ekle Inhalt des Sackes verbrannt, der Knabe in ein Vad gesteckt war unter heftiger Gegenwehr und Geschrei; nachdem er in saubere Kleidung gesteckt und sein wehes Augen­paar untersucht war, da kam von der zuständigen Behörde der Befehl, der Knabe sei zu entlassen und müsse über , die russische Grenze abgeschoben werden, da keine Behörde die Pflicht gäbe, für ihn als Ausländer zu sorgen.

Sv wurde denn das elende Menschenkind, nachdem ihin noch die Schwestern die notwendigsten Nahrungsmittel mit auf den Weg gegeben hatten, seinem Schicksal ausgeliefert, d. h. in diesem Fall dem körperlichen Ruin, wahrscheinlich der Erblindung!

Hannover. Tr. med. Robert Heyden.

Kefirndyeitspflege.

- Ueber den Einfluß großer Flüssigkeits-i mengen auf das Herz verbreitet sich Dr. med. Keferstein in einer interessanten Abhandlung in der Zeitschrift für diätische und physikalische Therapie. Das Herz des Biertrinkers wird beeinflußt durch! den Alkohol-, Wasser-, Extraktgehalt des Bieres und die körperliche Arbeit des Trinkenden. Erst der Alkohol ver­leiht den drei anderen Faktoren eine gewisse Bedeutung. .In der Erschlaffung des Herzens haben wir mit Tr. Ausrecht eine di­rekte Gifteinwirkung zu erblicken; das erschlaffte (vergiftete) Herz gibt natürlich einer besonderen Anstrengung viel schneller nach, als ein gesundes, alkoholfreies. Auch eine Vergrößerung der Blutmenge im Körper, Welche man als Ursache einer vermehrten Herzarbeit und dadurch allmählich sich einstellenden Herz­vergrößerung anschen könnte, wird nicht durch Aufnahme großer Flüssigkeitsmengen, sondern durchs überreiche Nahrungszufuhr her« beigeführt. Eine bewundernswert ausgleichende Rolle spielen auch in diesen Fragen die regulierenden Einrichtungen und Kräfte des Gefäß- und Nervensystems. Wenn die Flüssigkeitsmengen vor­wiegend eine Herzerweiterung verursachten, so müßten z. Bc die an quälendem Durst leidenden Zuckerkranken, die oft gewaltige Mengen von Wasser u. dgl. aufnehmen und ausscheiden, an Herz­erweiterung leiden, was für diejenigen alle, die nicht Alkoholiker sind, nicht zutrifft. Mit den Untersuchungsmethoden und der neuen Lehre Smiths von der Bestimmung der Herzgrenzen usw.: geht Keserstein schwer ins Gericht. Er befindet sich da in Gesell­schaft der meisten Autoritäten der medizinischen Wissenschaft Keferstein schließt mit dem Bemerken, daß das bekannte Bild des Bierherzens" nicht nur durch übermäßige Flüssigkeitsmengen zustande kommen könne, foubern daß auch die zweifelsohne dem Älkohfl zur Last zu legenden Veränderungen aus ihrer Ursache mechanisch noch nicht genügend sich erklären und kon­struieren lassen. , Dr. Fl.

: Zur Förderung des Knochenwachstums schwächlicher Kinder ist vor allem Körperbewegung vonnöten. Kuhmilch ist, so weit sie gut verdaut wird, an sich ein auf die Muskel- und Knochenbildung Mwirkeudes Nährmittel; ge­fördert wird diese Wirkung durch Beigabe, eiues rohen Hühner- eiee täglich, das mi Zuckert verrührt wird. Außerdem sind Salzbäder recht zu. empfehlen. (Pr. Wegw.)

Liebesgrnß.

Ferne warst "Du; nur Tein Auge Grüßte mich auf meinem Gang.

Deines Blickes muß gedenken Ich! jetzt träumend stundenlang.

Ach, es war ein Strahl der Liehe,

Der in .meine Seele drang, Und ich höre drein jetzt Hingen Einen leisen Engeltanz. A. Ammann.

Worlvereiriigimgsriitsel.

(Nachdruck verboten.)

Wirt Esche Wein Vieh Messer Gestalt Auge Land Rest Rat Feder Kind Bock.

Einem jeden der vorstehenden Worte ist eines der nachlolgen- den vorzusetzen. Die dann entstandenen Doppelworte ergeben m den Anfangsbuchstaben die Namen zweier Herbstblumen.

Ar Eber Ei Enkel Gas Gast Ideal Neun Obst Reh Rind Stadt Trieb (Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Einsetz-Rätsels in vor. Nr.:

Herde Hecke Keller Blast Horst Stand Braut Tang Fronde Bauch Vaud Geiser.

Herbstanfang.

Redaktion: Auaust Goetu Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'icben Universitäts-Buch-- und Steindruckerei, R. Lcmae. Gießen.