1904.
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Kni angenehmes Krke.
Humoristischer Roman.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Menn die Lösung der ckateintschen Aufgabe auch nur annähernd derjenigen der Rechenexenipel glich, dann mußte ja dieser Tag ein Ende mit Schrecken nehmen.
Der Pfarrer war mittlerweile bei seinem Freunde Hinko .eingetreten.
„Ich habe Dich rufen lassen", begrüßte ihn dieser, „weil ßnein Herz nach Dir verlangte. Du vergräbst Dich jetzt wie kin Murmeltier in Deinem Bau und läßt gar nichts mehr von Dir hören. Was soll denn' das heißen, was —"
„Du weißt doch, wie mir zu Mute ist —"
„Eben deswegen mußt Du Dich aufraffen und unter fröhliche Menfchen gehen", schalt der Graf gutmütig, „das beißt", fügte er dann, sich besinnend, hinzu, „allzu fröhlich Hnd wir ja auch nicht. Du wirst wohl schon gehört haben) welch' hirnverbranntes Stückchen meine beiden Jungen aus» führten."
„Ich hörte es", bestätigte der Pfarrer nickend.
„Nun, die wohlverdiente Strafe folgte natürlich auf dem Fuße — das kannst Du Dir denken", erklärte ihm Stepenaz. „Uebrigens diktierte ich ihnen außerdem einen vierzehntägigen Hausarrest und gab ihnen noch lateinische Aufgaben und Rechenexempel zur Ausarbeitung auf."
Der Pfarrer räusperte sich verlegen.
„Die heute abgelieferten Rechenexenipel find unter aller Panone ausgefallen", redete der Graf werter, „und die lateinische Arbeit hätte unser alter Esel, der die Schafe zur Weide führt, wahrscheinlich auch besser getroffen. '
„Na, weißt Du, das kannst Tu doch nicht sagen", pro- Stierte der Pfarrer, zu seiner Verwunderung, ganz be- digt.
„Wieso kann ich das nicht sagen?" ereiferte sich Stepenaz, pstch will tnit meinem bißchen Lateinisch gewiß nicht dicke tun, Uber daß die beiden Dummköpfe nichts Vernünftiges zujammengebracht haben, könnte ich sogar behaupten, ohne ktwas davon zu verstehen ohne es überhaupt gelesen zu haben."
,/Laß mich doch ciirmal einen Blick hineinwerfen", bat der Pfarrer.
Bereitwilligst reichte ihm Stepenaz die Arbeit hin und 'erwartete gespannt die Bestätigung feines Urteils.
Zu seinem höchsten Staunen ließ aber der Pfarrer ein zufriedenes — „hm, nicht übel" nach; dem anderen' hören. „Du meinst am Ende gar, daß es gut ist?" fragte er ihn schließlich, voller Ungeduld.
„Ms auf einige Abschreibefehler — ich, wollte sagen,
Schreibefehler, ist es sogar ausgezeichnet", entgegnete thist dieser.
„Und das ist Dein Ernst?"
^,Mein heiliger Ernst, Es ist sogar so gut, daß ein Lateiner steif und fest behaupten würde, daß es gar nicht von ihnen stammen kann!"
Der Graf schlug sich vor die Stirn.
„Adame", rief er, „dann habe ich ja eine grenzenlose Dummheit begangen, ihren letzten Hauslehrer zum Tempel hinauszujagen! Wenn, ich mich, aber recht besinne, so warst Du es selbst, der mir dazu riet."
„Er verstand auch nichts."
„Du hast Dich jetzt selbst vom Gegenteil überzeugt, ich will auch alle Hebel in Bewegung setzen, ihn zurückzubekommen."
Der Gedanke, die Jungen wieder diesem versoffenen und total unfähigen Menschen ausgeliesert zu sehen, er» stillte den Pfarrer mit wahrem Entsetzen.
„Das darfst Du nicht tun, Hinko", widerriet er ihm' daher voller Ester, „Du ha'st ihn dam'als mich Ach und Krach zum Teufel gejagt und würdest Dir durch, seine Neuanstellung in seinen Augen nur etwas vergeben."
„Freilich, das ist ivahrst, gab Stepenaz zu, „wie konnte ich aber auch! ahnen, daß er so tüchtig sei — Du hast doch selbst immer das Gegenteil behauptet."
Der Pfarrer schwieg verlegen.
„Ich muß wenigstens herauszubekommen suchen, wo er gegenwärtig ist", meinte dann der Graf. — „Denkst Tu nicht auch, daß ich ihm' für seine ungerechte Entlassung eine Extragratifikation zukommen lassen soll? — Er hat sie doch redlich verdient — nicht?"
„Du stellst da Fragen an mich, die mir schwerer zu beantworten fallen, als Du denkst", wich der Alte verlegen aus, „aber einige Zehnguldennoten kannst Du ihm immerhin schicken — Dir werden sie nicht fehlen, und ihm' werden sie sicherlich "wohl tun. Sein verwundertes Gesicht möchte ich dabei allerdings sehen."
„Nun, ich werde ihm natürlich; schreiben, daß es, eins nachträgliche Anerkennung seiner hervorragenden Lehrtätigkeit sein soll, Lüe ich —"
„Du, tue das lieber nicht", beschwor ihn der Pfarrer erschrocken, „er könnte es am Ende gar als Berulkung auf» sich beleidigt fühlen und Dir das Geld zurück-
„Nein, das letztere glaube ich gerade nicht. Mer insofern hast Du recht, ich darf einen Menschen, der meine Jungen so weit gebracht hat, und den ich nur nicht rechtzeitig zu würdigen verstand, nicht verletzen und werde ihm —"
„Schicke ihm das Geld, wenn Du ihm schon durchaus welches schicken willst, anonym' zu. Du ersparst ihm dadurch das Deprimierende, das für einen gebildeten und vornehm denkenden Menschen immerhin in solch; einem — Geschenk liegt."


