471

habe einen Witz gemacht?"" verwunderte sich (Fortsetzung folgt.)

Dinko.

»Ich diese.

und als diese nun in tiefster Empörung ausrief rErna, was soll denn das heißend ließ sie erschrocken die Tür los, worauf die Zwillinge, auf das plötzliche Nachgehen nicht gefaßt, übereinanderkollernd in den Salon kugelten, lachend,aber Fräulein Erna versteht es, uns gehörig in Atem zu halten."

Ja, das ist wahr, das versteht Fraulem Erna", be­stätigte Mirko.

Frau von Höchstfeld würdigte sie keines Blickes, sondern wandte sich tadelnd an Erna.

Ein nettes Zeugnis, das Dir da ausgestellt wird", sagte sie,Du bleibst jetzt hier die Herrschaften werden ja ohnehin bald aufbrechen."

I bewahre, daran denkt ja gar niemand", belehrte sie Dinko eines besseren,der Herr Pfarrer hat uns nur nach dem Wein geschickt, und so lange dieser reicht, bleiben wir gewiß noch"

Ja, so lange bleiben wir gewiß noch", echote Mirko.

Sie sind wohl immer einer Meinung?" fragte Frau von Höchstseld spöttisch.

Natürlich", entgegnete Dinko ernst,wir sind doch Brüder" und Mirko fügte ebenso ernst hinzu:Er ist doch mein älterer Bruder."

Erna sah verblüfft von einem zum anderen, endlich sagte sie zaghaft:

Und ich dachte, Sie seien Zwillingsbrüder."

Die beiden Ajaxe brachen in ein homerisches Gelächter aus.

Fräulein Erna macht doch zu köstliche Witze", brüllte

Wellausst llungsöriefe.

Von Paul Gartmann. (Nachdruck verboten.) 8. Reichtümer Amerikas.

Ein merkwürdiges Vergnügen. Vorbereitungen zur Präsidenten­wahl. Tie landwirtschaftliche Abteilung der Weltausstellung. Eisgetränke. Kostbare Hölzer. Eine Blumenuhr. Die Lebensrettungsstation. Tas Dampserunglück in Newhork.

St. Louis, im Juli.

Ter 4. Juli hat verhältnismäßig nur geringe Verluste ver­ursacht. Bis ;etzt weiß man nur von etwa über 300 Toten und ungefähr 3000 Schwerv erwundeten.

Ter deutsche Leser wird sich wundern, von dieser Schlacht bisher gar nichts gehört zu haben. Er wird vielleicht glauben, daß ich die Ereignisse in den Vereinigten Staaten mit denen in Port Arthur verwechsle. Aber dem ist nicht so. Es handelt ftch auch um gar keine Schlacht, sondern um diefriedliche" Feier des amerikanischen Nationalsesttages. Seit am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten erklärt wurde, wird dieser Tag regelmäßig im ganzen Lande gefeiert. Dagegen ließe sich naürtlich wenig sagen, wenn man sich damit begnügte, harmlose Fahnen zu hissen und nach bekannter Art von Krieger­vereinen patriotische Theaterstücke aufführen zu lassen. Aber das wäre der hiesigen Bevölkerung zu zahm. Sie muß bei solchen Gelegenheiten um jeden Preis Lärm machen. Je mehr Skandal, desto feierlicher! Und was wäre zu diesem Zwecke geeigneter, als Schießpulver und Dynamit?! Deshalb beginnt schon in jedem Jahre gegen Ende des Monats Juni ein allgemeiner Einkauf von Feuerwerkskörpern, Revolverpatronen und lieben kleinen Dyna­mitbomben. Sowie dann in der Nacht vom 3. zum 4. Juli die Uhr zwölf schlügt, beginnt ein derartiger Spektakel, daß der. Un­eingeweihte glaubt, alle Geister der Hölle seien plötzlich ihrer Fesseln ledig geworden. Volle 24 Stunden währt dieses Chaos. Tie Kutscher feuern von ihren Wagen herab, jeder Straßenbahn­wagen wird dazu benutzt, in die Schienen gelegte,Tynamitbomben zur Explosion zu bringen, und kleine Kinder, die kaum mtf den Beinen stehen können, brennen mitten in den belebtesten Straßen Feuerwerkskörper ab. Unter diesen Umständen ist es natürlich nicht merkwürdig, daß in jedem Jahre viele Hunderte blühender Menschenleben dahingerafft werden.

Die Weltausstellung hatte selbstverständlich große,Hoffnungen auf diesen Tag gesetzt, der ihr einen Riesenbesuch bringen sollte. Leider ertrank diese, Erwartung in den ungeheuren Mengen Wassers, .die vom Himmel hernieder strömten. Solchen tropischen Regen muß man erlebt haben, um sich von ihm eine Vorstellung machen zu können. Ter ärgste deutsche Wolkenbruch kann sich mit der furchtbaren Wucht, mit der dann das Wasser zur Erde rasselt, nicht vergleichen. .Aber so schnell das Unwetter kommt, vergeht es auch wieder. Als am Morgen des 6. Juli die Sonne aufging, brachte sie einen prachtvollen, wannen Tag und

kein Anzeichen verriet mehr, daß noch kurz vorher manche Straßen wie Schwimmbassins ausgesehen hatten. Dieser Umschwung wurde mit besonderer Freude begrüßt, da St. Louis augenblicklich von Fremden wahrhaft überflutet ist. Tas hat seine Ursache darin, daß in diesen Tagen hier dieDemokratische Konvention" statt- finoet und daß außer den vielen Tausenden, die eigens zu diesem Zweck hergekommen sind, auch viele andere .der demokratischen Partei irgendwie nahestehende Persönlichkeiten .diese Gelegenheit benutzt haben, der Stadt der Weltausstellung einen Besuch abzu­statten.

Diese demokratische Konvention ist von höchster Wichtigkett für die wirtschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten und da­durch indirekt auch bedeutungsvoll für die deutsche Industrie. Es gibt bekanntlich 'in den Vereinigten Staaten nur zwei große Parteien, die republikanische und die demokratische. Augenblicklich herrscht die erstere in der Person des Präsidenten Roosevelt. Ihr wichtigster politischer Grundsatz ist die Aufrechterhaltung exorbitant hoher Schutzzölle, die dem Auslande jede Konkurrenz unmöglich machen. Im November dieses Jahres finden nun aber die Neu- wahlen für das Amt des Präsidenten statt, und natürlich macht die demokratische Partei, die für eine gemäßigte Freihandelspolitik eintritt, .verzweifelte Anstrengungen, wieder ans Ruder zu ge­langen. Nachdem die Republikaner vor etwa 14 Tagen in Chi­cago wiederum Theodor Roosevelt als Kandidaten proklamiert haben, sind die Demokraten nun augenblicklich in der hiesigen Stadt damit beschäftigt, einen ihrer Parteigenossen ausfindig zu machen, der geeignet erscheint, die in der Partei bestehende Spaltung, durch die das Temokratentum zum Schatten seiner einstigen Machtstell- ung herabgesunken ist, zu überbrücken. Im Augenblick scheint es, als oiE> Richetr Parker die größten Aussichten hätte. Aber das Bild verschiebt sich von Stunde zu Stunde, .und es ist unmög­lich, zu prophezeien, .wie dieser Kampf ausgehen wird, der einen Vorgeschmack davon gibt, mit welcher Heftigkeit und Erbitterung die Präsidentenwahl äusgefochten werden wird. Der Grund liegt vornehmlich darin, daß dasselbe Schutzzollsystem, das vielen In­dustriezweigen eine fabelhafte Blüte beschert hat, wieder anderen, deren Lebensnerv die Ausfuhr nach anderen Ländern bildet, mittel­bar und unmittelbar jede Existenzmöglichkeit nimmt. Und doch ist Amerika so unendlich und unbeschreiblich reich, daß es mit vielen Rohmaterialien die ganze Welt versorgen könnte.

Tas lehrt ein einziger Rundgang durch die drei großen Land­wirtschafts-Gebäude der Weltausstellung. .In dem einen von ihnen, das 500 Fuß breit und 1600 Fuß lang ist, sind auf Hunderten von Tischen die verschiedensten Obst- und Gemüsesorten aufgebaut. Vor allem das kalifornische Obst mutet den Europäer an, wie die Trauben, die einst die Kundschafter aus Kanaan brachten. Pfir­siche, so groß wie die Faust eines erwachsenen Mannes, Aepsel in den herrlichsten Farben, oftmals mehrere Pfund schwer, Birnen, an denen eine ganze Familie zu essen hat! In freigebigster Weise werden hier Kostproben auSgeteüt, und ganz besonders in der Herstellung von Erfrischungsgetränken ist inan höchst er­finderisch. Ter Europäer entrüstet sich immer über die Unver­nunft des Amerikaners, der fortgesetzt mit eiskalten Getränken feinen Magen verdirbt. Wer aber hier wirklich heiße Wochen erlebt, weiß nur zu gut. daß man ohne große' Quantitäten von Ice-Drinks" einfach nicht existieren kann. Alkoholika in solchem Maße in fick aufzunehmen, wäre unmöglich, wenn man auch noch so vielvertragen" kann. Daher hat hier die Notwendigkeit dazu geführt, eine Unzahl höchst raffinierter Limonaden zu schaffen. Sie alle kann man im Landwirtschaftsgebäude ver­suchen. Mit unserer deutschen primitiven Himb er- oder Zitronen- limonade gibt sich hier kaum jemand ab. Man setzt ihnen MiN- destens etwasPhoephate" zu, das ihnen die übergroße eumg» feit nimmt und sie bekömmlicher macht. Viel mehr tveroen jedoch zur Mischung mit Selterwasser andere Säfte, wie Erdbeer, Kirsch und sogar Kaffee, Schokolade, Vanille und Boullon verwandt. Man trinkt sie jedoch fast nie als einfache Limonaden, sondern setzt ihnen eine ordentliche Portion Vanilleeis zu. -ter Bouillonlimonade natürlich nicht! Aber alle diese Getränke sind nur die unterste Stufe. Man bekommt in der Weltausstellung auch unter mehr oder minder phantastischen Namen wundervollen alkohol­freien Wcinsaft, der von einigen Keltereien auch mit Ersen oder Malz vermischt wird. Eiergetränke mit unzähligen, geheimnis­vollen Ingredienzien bilden den Höhepunkt. Sogar Bananen- Kaffee wird hier zum erstenmal ausgeschenkt. Es mich dem Er­finder bestätigt werden, daß sein Erzeugnis in keiner Wuseauf­regend" wirkt. .,

Aber diese mehr oder minder wohlschmeckenden Herrlichkeiten bilden nur einen kleinen Bruchteil der ausgestellten Produkte Vor allem fällt die kostbare Pracht unzähliger Hölzer aus. Aus Kalifornien sind uralte Bäume hergesandt worden, deren Durch­messer so groß ist, daß eine einzige quergeschmttene Platte aus­reichend für einen großen Tisch ist. >Uni) Farbeustcllungen ftnd in diesen Hölzern des Waldes von der Natur geschaffen worden, schöner, .als sie sich.'die menschliche Phantasie nur auszudenken vermag. Am überwältigendsten wirkt wohl ine Douglas-Fichte, deren Holz in allen Farben schillert und schimmert vom tiefen Rotbraun bis zum leuchtenden Gold. Es mutet totrihd)1 an, als vb sich das Gold des Bodens den Bäumen mitgeteilt hätte., unter einer glasartig durchsichtigen Faserung glaubt man es schiMMMi zu sehetj. Aber auch andere Staaten, wie Louisiana utld Kentucky,