Ausgabe 
10.6.1904
 
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fünf Nebenbächen 24 Kilometer Länge hat, zuletzt den I tat zwischen Rhein und der Ltmesgrenze nicht zu bezweifeln, . Alle diese Nebentäler sind wie das Haupttal ganz mit zumal unS gerade bei der KammeÄerper Mühle von Ausgrab-

der mit

sind wie das Haupttal ganz mit Hektar Wald des Rheingaukreises

singt:

Dort auch die Herüberragend Und hier das

Bilderrätsel« (Nachbildung verboten.)

ungen von römischen Urnen und Ziegelsteinen mit Legions­stempeln, wie wenigstens Stolterfoth behauptet, häufig berichtet wird; altgermanische Grabhügel werden nicht selten in diesen

Den Wisperwind, den Wisperwind, Den kennt bis Oestrich jedes Kind, Des Morgens früh von fünf bis zehn, Da spürt man allermeist sein Wehn. Von Nord durch Wald und Wiesengrund

von dem Bergeskamm, Burgtor unter Eichenbüschen.

Gladbach......

Wald bedeckt. Von den 15 610

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Charade in vor. Nr»r Augenschein.

Und kehrte heim erst mit dem Mendschimmer!

Noch wie vor zwanzig Jahren kreist der Weih Hoch überm wilden Tal mit wildem Schrei. Des Mühlrads fernes Rauschen tönt dazwischen.

alten Buchen, Stamm bei Stamm,

Haucht ihn der Wisper kühler Mund.

Auch A. v. Stolterfoth, spätere Baronin v. Zwierlein, welcher Familie bis vor etwa fünfzehn Jahren die Kammerberger Mühle mit allen jetzigen Hanielschen Besitzungen gehörte, hat den Wis­perwind belauscht und besungen:

Sag mir wohin, O Wisperwind, Geheimnisvolles Taleskind, Wo ziehst du hin? Ziehst du im Abendgold Zum Rhein hinab, der stolz vorüberrollt?

Den Fischer würde sie freilich nicht mehr so leicht auf dem Forelllnfang in dem klaren Wasser sehen. Denn die fiskalische Fischerei wird streng bewacht und ist von der Mündung bis zürn Ernsibach (11,5 Kilometer) mit dem Tiefenbach und Groh- lochbach zusammen für 530 Mark mit der Verpflichtung ver­pachtet, jährlich mindestens 4000 Stück Forellenbrut einzusetzen. Der hier einfließende Werkerbach ist Laichschonrevier.

Wenig über der Talsohle an der Stelle, an der das berühmte Rheingauer Gebück von Weißenturm herabkommend die Wisper überschritt, liegen die spärlichen Reste der Kammerburg, die um die Wende des 13. Jahrhunderts zeitweilig von dem Erzbischof Gerhard bewohnt wurde. Wichtiger ist die umfang- teLU Burgruine Rheinberg, jetzt gleichfalls der Familie Hamel gehörig. Sie wird schon 1170 als Mainzer Lehen ge­nannt uno war eine der Hauptburgen, welche das Erzstift zur Verteidigung der Landesgrenze erbaute. Der Bergfried hat trapesförmigen Grundriß bei innerem Maße von 3,07 auf 2,50 Meter und eine Mauerstärke von 2,20 Meter. Ueber dem Verließ hatte er drei durch Balkenlagen getrennte Stockwerke, (cf. Luth- mer, Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheingaues, 1902.) Die langgestreckte Burganlage ist gegen die Angriffsseite durch einen breiten Halsgraben geschützt, in welchem noch der ge­mauerte Mittelpfeiler der Brücke erhalten ist.

Eine Viertelstunde von der Kammerberger Mühle entfernt führt eine Brücke über die Wisper ins Ellmachtal. Weil sie vom Volke Hermannssteg genannt wird, so hat man an sie die Sage geknüpft, daß Hermann, der Cheruskerfürst, hier in Verfolgung der Römer die Wisper überschritten habe. Da der über die Kemeler Heide ziehende Pfahlgraben nahe genug lag, so ist die Anwesenheit von Römern in diesem Verbindungs-

liegt bei weitem der größte Teil im Flußgebiete der Wisper. Alle Gemeinden des Rheingaues haben daran teil. Fast alle Ge- markungen, die man auf der Rheinreise von Lorchhausen bis zur Waldasfe (bei Walluf) berührt, trifft man auf ihren hinteren Teilen und Ausläufern im Wispertal, und so stellt eine Wisper- tonr ein Gegenstück zur Tour ins Rheingau dar. Auch die alten Adelsgeschlechter des Rheingaues haben hier ihre großen Wald­ungen. Etwa 90 Prozent des Waldbestandes sind Laubwald, 10 Prozent sind Nadelholzungen. Der Hochwald umfaßt etwa drei Viertel, der Niederwald, meist Eichenschälholz, etwa ein Viertel des Bestandes. Im Gebiete der Wisper wird der Haubergbetrieb noch geübt, und so kann der Tourist mitten im Waldgebiete einen abgetriebenen Hügel im Schmucke des Kornes ergrünen sehen. Da die Holzabfuhr schwierig ist, so hat man im Mittel- alter bei Hochwasser das Holz im Wispergebiet nach der Mündung geflößt, indem man die Klastcrscheitstücke einfach ins Wasser warf und auf den Holzfängen in Lorch auffischte. Jetzt schleift man auf Bergschlitten das Holz talwärts und fährt es sodann über die vorzügliche Wisperstraße bequem nach Haufe. Die chemische Fabrik im Wispertal transportiert ihre Zehntausende von Klaftern auf einer schmalspurigen Schienenbahn, die neben der Wisperstraße herläuft, durch vorgespannte Pferde an die Ver­arbeitungsstätte.

Nach zweistündiger Wanderung erreicht man von Lorch aus die K a m m e r b e r g e r Mühle, jetzt ein Gasthaus. Dort setzt man sich zur Rast bei einem Glase Wein oder Bier nieder und genießt in vollen Zügen alle Reize, welch« das Wispertal ge­währt. Gerade über der Chaussee mündet das in eine Felsen­schlucht auslaufende Werkerbachtal. Darinnen sprudelt eine starke Kohlensäurequelle von erquickendem Wohlgeschmack, wie ja auch schon eine Stunde unterhalb der Kammerburg eine ähnliche Quelle, dieDaubenau", hart neben dem Wispertal ihren Sprudel aussendet. Wenige Schritte unterhalb hat die bekannte Großschiffahrtsfamilie Haniel ein Jagdschlößchen an die Wisper gebaut. Im Sommer und Herbst erscheinen die Angehörigen der Familie zur Frische und Jagd in ihren ausgedehnten Wäldern ringsum, in denen schöne Fußwege und Waldhäuschen angelegt sind. Selbst im Juli und August strömt des Morgens stets ein erfrischender, kühler Zug durch's Tal, den Freiligrath also be-

Gebirgen gefunden.

Drei Stunden von Lorch und eine Stunde von der Kammer- burg aufwärts finden wir bei dem viel besuchten Gaßhaus! Laukenmühle fast dasselbe Natur- und historische Bild wie bei der Kammerburg. Auf einem kleinen Felsen, nur wenige Meter über dem Talgrunde, liegt als Ruine das kleine BurghauS Laukenmühle, von dem noch ein niedriger viereckiger Turm mit etwas altem Mauerwerk erhalten ist. Die Burg war bereits 1527 zerfallen. Ihre Geschichte ist in Dunkel gehüllt. Aber­mals eine Stunde Wanderung, und es winken uns die ärm­lichen Häuser des Dörfchens Geroldstejn oder Gerolstein, schon zum Kreis Langenschwalbach gehörig, der jetzt die Wisper bis zur Quelle umgibt. Gerolstein ist das einzige Dorf im Wisper­tal, vier Stunden von Lorch und drei von Langenschwalbach ent­fernt. Schroffe Berge und dunkelgraue Schieferhalden umgeben hier den engen Talkessel. Auf einem fast unersteigbaren Felsen thront wie ein Adlerhorst die seit dem frühen Mittelalter er­wähnte Burg Gerolstein. Im Jahre 1353 zog Erzbischof Balduin von Trier vor die Burg und belagerte sie vergebens. Bergfried, Umfassungsmauern, Treppenturm und die Reste einer Zwing­mauer sind noch gut sichtbar. Auf einer niedrigen, von dem Burgfelsen sich abzweigenden Felsenstufe liegt eine zweite Ruine, die Burg Haneck oder die Junkernburg, die gleichfalls von einer Gerolsteiner Dynastenfamilie bewohnt wurde.

Bald hinter Gerolstein verläßt die Wisperstraße den Lauf des Baches und sucht über die Höhen in langweiligen Windungen Lagenschwalbach zu erreichen, immer nur ziemlich sanft ansteigend. Die Wisper selbst wird in ihrem weiteren Oberlauf selten mehr besucht, obgleich die Naturreize nm ihr Ufer noch wenig ver­lieren. Ihre Quelle liegt auf der Kemeler Heide; bald erreicht sie das Dörfchen Wisper, das ihr den Namen gegeben. Merk­würdig ist, daß ein noch vor 150 Jahren häufig gebrauchter Nebenname für Wisper,die Breisch", heute aus dem Bewußt­sein des Volkes völlig verschwunden ist. AuchGladbach", von ihrem ersten größeren Nebenbach hergenommen, war damals noch eine gangbare andere Bezeichnung für die Wisper.

Man hat das Wispergebiet nicht mit Unrecht dierheinische Schweiz" genannt. Aber nur wenige einsame Wanderer nehnren ihren Weg durch die tiefgeschnittenen Windungen und Schluchten des wildromantischen, noch in jungfräulicher Frische sich dahin­ziehenden Wispertales. Fast wie durch menschenleeren Urwald schreitet man durch die endlosen Wälder, welche die Hänge und Schluchten bedecken. Weltabgeschlossenheit und Entsagung liegt über den rauschenden Wipfeln und steilen Felswänden, die viel­leicht noch keines Menschen Fuß betteten hat, indessen die klaren Wellen der Wisper bald spielend dahinpläischern, bald rauschend über Felswände fallen. Ein stilles Heimweh überkommt mich nach diesem meinem Heimattale, und ich möchte der A. Stolter- soth nachsingen:

Vor zwanzig Jahren über diesen Steg Wie gern zum wildverwachs'nen Felsenweg Zog ich hinauf ins graue Burggettümmer. Da sucht' ich Nüsse mir vom Haselsttauch, Wand Strauß um Sttauß und sang ein Lied Wohl auch,

NM

Redaktion - August Evtz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.