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Mittwoch den 10. Arkruar.^^
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(Nachdruck verboten.)
Wlla Jalcsnieri.
Vori Richard Voß.
Zweiter Band.
(Fortsetzung.)
Aber Graf Campana würde gewiß niemals eine Rolle für die Neri schreiben können, weil die Neri nur eine echte, nur eine durch und durch moderne Frau spielt; und weil der Graf die Frau nicht kennt: weder die moderne, noch die unmoderne Frau!
Mcht einmal das hat die schöne Maria zu bewirken vermocht: daß er durch, sie unser Geschlecht kennen lernte! Nicht wie dieses zu sein scheint; sondern wie es in Wirkltch«- keit ist.
Und weshalb lehrte sie ihn uns nicht kennen?
Ich finde immer nur ein und dieselbe Antwort, soviel ich darüber auch nachdenke . . . Er liebt sie nicht, er liebte sie nie! Und weil er nie liebte: weder die schöne Maria noch überhaupt eine Frau; darum kennt er uns nicht, darum wird er uns nie kennen lernen, bis er —
Weshalb er wohl diese Frau ihrem Manne fort» nahm?
Mit dein raffinierten Instinkt der Frau fand ich es gleich nach, der ersten Begegnung mit den beiden heraus.
Diese Maria ist zu sehr eine Schwesterseele des Mannes. Sie ist ihres Mannes getreuer Kamerad, sein bester Gefährte. Sie ist gewiß eine verehrungswürdige Gattin: aber sie kann niemals eines Mannes Geliebte sein. Ihr fehlt jegliche Koketterie, jegliche Fraueneitelkeit, jedes Bewußtsein ihres Geschlechts.
Auch die keuscheste Frau muß in ihrer Seele ein Atom Hetäre sein. Wohlverstanden: Hetäre, nicht Dirne.
Ter volle Mann bedarf des vollen Weibes. Und diese wunderschöne Maria ist ein wunderschönes Bild ohne Gnade, ohne jede Gnade, die den Mann selig macht. Lange genug hatte es bei mir bedurft, bis ich schließlich durch das brutale Faktum der Tinge mich überzeugen ließ, daß es so ist.
Jetzt weiß ich's.
Ob die Madama sich hätte anders entwickeln können?
Ich glaube, ja!
Hätte sie in dem einsamen Manne da oben zugleich den glühenden Liebhaber und nicht nur den Erlöser und Retter, den treuen Gefährten und brüderlichen Seelen- sreund gefunden, so wäre sie gewiß nicht zu der Schattengestalt einer schmerzensreichen Gattin verkümmert. Wie konnte sie aber in ihrem Manne den Liebhaber finden, da sie diese»: in dern Träumer nicht zu wecken vermochte?
Dazu bedurfte es einer mtbern Gewalt.
Ti? schöne Maria hatte nur eine einzige Seele: die dev ehrbare»» Frau. Doch diese eine Seele genügt nicht.
Wir Frauen bedürfen einer zweiten Natur — »ch muß es an dieser Stelle noch einmal sagen.
Warum, um Gottes Wille»», schreibe ich dies alles auf?!
Ich schreibe es auf, weil ich es denke; und weil ich mir! gelobt habe: was ich denke, auch auszusprecher» — alles! auszusprechen!
Nicht allein für Tich, meine Freundin; sondern auch für mich selbst.
Ich muß auch gegen mich selbst den Mut der Wahrs>. heit besitzen.
*
Es fängt an, heiß zu werde»» — endlich!
Ich bin wie eine Lacerte und bade mich im Sonnen- schein. Aber ich, husche und ruschle nicht Herum, sondern; bleibe wollüstig still liegen.
Tie Sonnenglut übt eine eigentümliche mystische Macht auf mich aus. Sie ist wie ein Zauber. Bei Kälte bin ich krank, rnüde, zu Tode erschöpft, halb leblos. Erst we»»n andere vor Hitze verschmachten, erwache ich u»»d beginne zu leben: ein elementares Lichtdasein! Tie Glut durchschauert mich wie junger Wein. Sie berauscht mich. Ich könnte mir Rose»» durch das Haar winden und zur Mänade werden.
Vielleicht war ich einmal, als noch die alten großen Götter über die junge Erde dahiuschritten, die Geliebte des Sonnengottes.
Es sind dani» für meine sehnsüchtige Seele schlimme Zeiten: den»» alle meine Sinne geraten ins Taumeln . .
So voll empfand ich die Wonnen der großen Frühlingsfeier des Südens noch nie»nals! Mir ist, als erlebte ich dieses Blumenbacchanal zum erstenmal. Vormittags lasse ich »»teilte Kissen hinaus in den Garten tragen und ruhe zwischen bei» blütenlosen Sarkophagen. Sie gleichen jetzt riesigen Opferschale»», bettelt alle Wohlgerüche Arabiens entströmen. Tie Welt ist vo»» ihrem eigenen Frühling so berauscht, daß die Schmetterlinge auch mich für eine märchenhafte weiße Blume halten und sich in »nein Haar und auf meine Brust uiederlassen.
Ich schrieb Dir nicht, daß ich vor diesen ersehnten heiße»» Tagen recht leidend war. Tu hättest Dich geängstigt und ich hätte Tich durch die Frivolität, »nit der ich mein Leide»» hinnehme, nur geärgert.
Gesundheit ist so brutal!
Ich hatte Schmerz in der Brust und der Bluthusten war stärker geworden. Mein tiefbesorgter Gemahl hätte mich gern nach Cannes ober Nizza geschleppt. Aber das ganz neu und entzückend möblierte Villino vor der Porta Pia war zum Glück ein Hindernis; denn die Campagna^ diese größte Tragödie der göttlichen Dichterin Natur, hat es mir launenhaftem, unberechenbarem Geschöpt nun einmal angetan.


