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Er wartete vergeblich auf Antwort; Leda war schort ein- geschlafen. ,
Am andern Tage ging Minchen allein mrt Leda spazieren; Trim blieb daheim. Aber der Postbote kam, ließ die Flurtüre offen, und Trim entschlüpfte. Er nahm sich vor, Minchen und Leda einzuholen und sie zu begleiten, aber bald spürte er wieder die Führte des Dachses auf, und da war alles vergessen, Minchen und Leda, süßer Rahm rind Rutenstreiche: er jagte. Es ging auch über eine Wiese hinweg, wo der Förster eine Fuchsfalle ausgestellt hatte. Trim trat hinein rmd — o weh! — er war gefangen. Von Schmerzen gequält, lag er auf dem Rücken, eine Vorderpfote in das tücsische Eisen eingeklemmt. Er heulte und winselte, und es dünkte ihm, er läge eine Ewigkeit dort, bis er endlich in der Ferne Ledas Stimme hörte. Er klagte, so laut er konnte, und nach einiger Zeit standen Minchen und Leda an seiner Seite. Während Leda ihn liebreich leckte, öffnete Minchen die Falle, nahm den halbtoten Trim auf den Arm und trug ihn nach Hause. Stundenlang legte sie ihm nasse, kühle Umschläge auf die gequetschte Pfote und reichte ihm alle seine Leckerbissen, während Leda stillbetrübt neben ihm saß. Trim leckte dankbar Fräulein Minchens sanfte Hand und sah flehend zu ihr auf. — „Ja, ja", meinte Minchen, „nun wirst du dir wohl die Hörner ab- gelaufcn haben."
Als Trim am andern Morgen mit Behagen seine Much geschlürft hatte, glaubte Leda den Zeitpunkt zu einer Bemerkung gekommen und Hub an: „Ich mache dir keinen Vorwurf, Trim, denn du bist bestraft genug; ich frage dich nur, wie ist es möglich, daß du so handeln kannst? Wenn wir nicht kamen, verhungertest du elendiglich. Was treibt dich "nur weg? Tas sage mir. Gefällt diir dein Korb nicht? Oder magst du die Milch nicht? Oder bin ich dir vielleicht nicht hübsch genug? Und doch muß ich, ohne eitel zu sein, gestehen, daß ich nicht ganz reizlos sein kann, denn ich habe viele Anträge" . . .
Trim schloß ihr auf wirksame Weise das Mäulchen, indem er zärtlich ihr Gesicht leckte; als er aber ermüdet abließ, nahm Leda das Thema unbeirrt tv-ieder auf. „Mir scheint, Trim", schloß sie, „daß du es hier sehr gut hast, und dich einer schreienden Undankbarkeit schuldig machst". — „Leda, Leda I" rief Trini da schmerzlich gekränkt, „du irrst! Ich liebe dich und verehre unsere gute Herrin, ich wollte euch einholen und begleiten und hätte es getan, wenn nicht die Tachsfährte gewesen wäre, Leda, Leda, stelle dir doch vor, wenn ich ihn gefaßt hätte! Toch was rede ich so? Wenn du nicht weißt, was jagen ist, weißt du auch nicht, was leben ist. O die Jagd, die Jagd! Siehst du, du sprichst von den guten Tagen hier. Ja, wir haben eine schöne Stube und bekommen fette Milch und ein saftiges Fleisch; aber was ist das alles im Vergleich zur Jagdlust! Lieber Hunger und Turst und Kälte leiden, als gefangen sein und nicht jagen dürfen. So ging es nur auch heute. Als ich die Tachsspur roch, wußte ich nicht mehr, was ich tat, vergessen war alles andere, nur vorwärts, vorwärts — auf den Dachsbau los! Da trat ich in die Falle" ... ,
.Und lägest noch darin", vollendete Leda, -„wenn wir dich nicht winseln hörten. Aber ich sehe wohl, weder nach Minchens Zorn, noch nach meinem Schmerze fragst du weiter; was kümmert es dich auch?"
Ta fing Trim noch einmal an zu schmeicheln, imb er war so zerknirscht und gelobte so ernstlich Besserung, daß die Schmollende Gnade für Recht ergehen und ihren letzten Groll schwinden ließ. In inniger Eintracht fand Minchen das Paar und störte zartfühlend die Weihe der Versöhnung mit keinem Worte.
lieber eine Woche war Trim leidend. Tann war die Pfote geheilt, der Schrecken bei allen etwas verwunden. Zur Feier der Genesung wandelte man den Waldweg entlang, den Minchens konservativer Sinn bevorzugte. Sie war überzeugt, daß Trim jetzt für immer von seiner Jagdliebhaberei geheilt sei. Mit ruhigem Anstand hielt er neben Leda Schritt, so daß diese mit heimlichem Stolze auf den gebesserten Begleiter blickte und den stillen Neid ihrer Standcsgenossinnen bei jeder Begegnung zu fühlen glaubte. Aber da kam die verhängnisvolle Stelle. . . Trims Augen glühten, die Flanken zitterten, der Atem schnob . . . und wie der Blitz war er auf und davon.
Minchen rief überlaut, Leda heulte mit eingezogenem Schwänze, aber beide verstummten jäh, als in der Nähe ein Schuß fiel. „Tas ist der Jäger!" schrie dann Minchen, „Trim, Trim, wo bist du?" Sie hastete vorwärts in der Richtung, wo der Schuß gefallen war, und hieß Leda suchen. Bald heulte diese kaut auf und gab der Herrin zu verstehen, daß sie den Gesuchten gefunden habe. Keuchend vor Anstrengung und Aufregung bahnte Minchen sich 'den Weg zu der Stelle, wo der arme Trim lag. Tie Kugel hatte ihn getroffen, er blutete aus einer kleinen Wunde in der Seite. Minchen verband ihn, so gut sie konnte, mit ihrem Taschentuch und trug ihn vorsichtig nach Hause. Trim lag ruhig in seinem Korbe, nur ab und zu winselte er, und atmete schwer; der Tierarzt erklärte aber, es sei um ihn geschehen, er werde den Morgen nicht mehr erleben. Leda saß treulich neben ihm, leckte ihn und sah ihn tieftraurig an. „Es war doch schön, liebe Leda", sagte Trim leise; „ja^ wenn ich nur noch einmal jagen könnte!" . . .
Bald stellte sich starkes Fieber ein. „Bist 'du da, Sebcr", rief er wiederholt und war zufrieden, wenn sie ihn leckte. Einmal noch wurden seine Augen hell: da sah er deutlich, wie Fräulein Minchen in ihrer weißen Nachthaube mit der getollten Krause sich über ihn beugte und eine große Träne an der langen Nasenspitze hing. Tann wurde es wieder dunkel. Minchen legte ihm ein frisches, feuchtes Tuch über; da glaubte er, er käme in den kühlen Dachsbau. — „Leda", rief er, r,Leda, ich hätte den Dachs doch gefaßt, wenn nicht der Jäger" . . .
Dann war er tot. Fräulein Minchen grub ihm im Garten hinter dem Hause ein kleines Grab und stellte einen blühenden Rosenstock daraust
LrievaL'rsches.
In der gewohnten geschmackvollen Ausstattung tritt „Ueber Land nndMee r", Oktav-Ausgabe „D e r M o n a t" den neuen 21. Jahrgang mit seinem soeben zur Ausgabe gelangten Oktoberheft an. Ter reiche Schmuck von künstlerischen Illustrationen und die Mannigfaltigkeit und Gediegenheit des Inhaltes lassen das Bestreben gewahren, den nach Form und Inhalt gleich vornehmen Heften zu ihren alten Freunden immer neue Leser zu gewinnen. An der Spitze des belletristischen Teils steht ein neuer großer Roman des Schweizer Dichters Ernst Zahn, „Tie Clari-Marie", der das Schicksal einer einfachen, aber groß- denkenden Frau aus dem Schweizervolk in ergreifender Weise vorführt. Außerdem bringt das Heft eine geschichtliche Erzählung „Ter Obrist", die für die zahlreichen Verehrer August Sperls eine besonders angenehme Ueberraschung sein wird, und eine Geschichte aus Urkunden, die in Stein a. Rh. spielt: „Abt Davids letzte Tage" von Prof. Tr. Ferdinand Vetter-Bern. Eine juristische Humoreske „Prozeß-Schulze auf Reisen" hat Tr. jur. Ernst Grüttesien beigesteuert. Illustriert sind die Aufsätze „Fritz August von Kaulbach" von Franz Wolter, „Spaziergänge durch die St. Louiser Weltausstellung" von Karl Eugen Schmidt, „Ein unbekanntes Stück Schweiz" (das Greyerzer Ländch«l) von Georg Luck. „Tie große Einheit des Weltbaues" von Tr. Wilh. Meyer, „Schwedische Volkstänze" von August Ahmann und „Zu Besuch bei einem japanischen Mllionär" von Franz Woas. Hervor- gehoben seien unter den Einschaltbildern die Beiben farbigen Kunstbeilagen: „Eine Gondelfahrt in Venedig" nach dem Gemälde von Max Schlichting und „Ein Querkopf" nach, Edmund Harburger; ferner F. Aug. von Kaulbachs „Wer nicht liebt Wein ,Weib imb Gesang" usw.
— Gabriele Reuter: Tas böse Prinzeßchen. Märcheu- spiel. (S. Fischer, Verlag, Berlin). Geh. Mk. 1,50. — Wie das böse Prinzeßchen für feine Unarten und Schlechtigkeiten vom Königshofe verjagt wird, in den Märchenwald eines gar schlimmen Zauberers gelangt, dort durch allerhand Aengste und Leid zur Erkenntnis ihrer Fehler geläutert und schließlich von dem buckligen Joringel, der sich am Ende natürlich in einen wunderschönen Prinzen verwandelt, erlöst und befreit wird, bnä erzählt Gabriele Reuter fesselnd und anmutig den lauschenden Kleinen.
— Robinson Crusoe, Tas Original des Daniel de Foe, bearbeitet von Otto Zimmermann. Mit Bildern von F. H. Nicholson. (Umschlagzeichnung, von I. Gläser.) — Otto Zimmermann hat sich mit tunlichster Treue an das Original des Dichters gehalten und unter Verzicht auf schulmeisterlichen Ton, der das Kunstwerk De Foes nur zu zerstören geeignet ist, fast überall die schlichte, ans Herz greifende Sprache des Meisters selber reden lassen. Tie Ausstattung, die vielen Bilder und der niedrige Preis machen das Buch zu einer „billigen Ausgabe" ganz nach dem Sinne der modernen Jugendschristenbewegung.
Silbenrätsel.
Nachdruck verboten.
ft, ft, dem, bi, e, ger, ke las, le li, iti, rri, c, ot, pal, ra, ri, te, te, tr, va».
81ns vorstehenden Silben unb Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten.nach oben gelesen das Ziel mancher kühnen Forscher bezeichnen, sowie das Hinderniß, welches der Erreichung dieses Zieles entgegensteht. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes:
1. Strom in Afrika.
2. Weiblichen Vornamen.
3. Einett Feuerwerkskörper.
4. Einen Schmnekgegenstcmd.
5. Griechische Gottheit.
6. Einen Astrononteit.
7. Küstengegend am Mittelmeer.
Attflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in vor. Nr:. Sordinen, Sardinen.
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


