Ausgabe 
9.11.1904
 
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Mittwoch den 9, Uovemöer

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Aus Lieöe.

Roman von M. v. Eschstruth.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Kielleicht, daß er ihr eine Aussicht eröffnete, die ihr Herz in seinem innersten Grunde ersehnte, während er sie doch noch vor der Notwendigkeit eines festen Entschlusses schützte, was doch noch etwas zu viel für die erschöpften Kräfte und schwankende Stimmung bedeutete. Und so kam es, daß auch Mama, die gekommen war, um Jutta in ihrer schweren Stunde beizustehen, als sie endlich bett Mut nahm, zu fragen, ob denn nicht Harro von der Ankunft eines Töchterchens unterrichtet werden sollte, die Antwort erhielt, daß sich die junge Mutter die Sache überlegen wollte.Wie lange?" fragte dann Frau von Stammen, freudig über diese Willfährigkeit erstaunt. Sie hätte am liebsten gleich depeschiert. Undbis morgen", klang es nun doch wieder zögernd- wie unter einem kleinen Kampf, in nur zu natürlicher Scheu.

Am anderen Morgen aber spielte das Schicksal die neue Zeitung in Juttas Hand. Das Blatt brachte die Anzeige, daß Rittmeister v. Greditz an einem Lungenschlag in Monte Carlo, wohin er im letzten Herbst gegangen war, nachdem er wegen seiner Bronchialbeschwerden den Abschied eingereicht hatte, verschieden sei. Und JNtta war doch 'sehr anders geworden in der Zeit! Wie auch alte Erinnerungen bei dem Namen frisch blutend wurden, welch eine Mut von Gedanken bei der Nachricht über ihre Seele gingen, die arme kleine Frau sagte kein Wprt. Auch später, als Besuche erschienen, und der Fall durchgesprochen wurde, da gingen und kamen, wohl die Farben auf den immer noch so blassen Wangen, doch den Lippen entschlüpfte abermals' kein Laut. Nur noch später, als Mama noch einmal Meinte, was denst nun eigentlich an Harro depeschiert werden sollte, da rich­tete sich Jutta entschlossen in die Höhe:Gar nichts. Bon mir, von uns wird er keine Zeile erhalten Mein Kind ist mein Kind und ich bringe es schon durch." Und so fest, fast rauh klang die weiche Stimme, daß Mama, im Moment wenigstens, keinen Einspruch wagte. Aber auch Hildegard empfand, daß diesmal doch etwas mehr als nur eine augenblicklich! wieder verstärkte Verstimmung, eine kinder- yafte Impulsivität oder gar ein kinderhafter Trotz "hinter den Worten lag, tuttb schwieg. Doch 'auch Frau von Stam­men wurde jeder späteren Meinungsäußerung überhoben. Die junge Frau begann zu fiebern, das Thermometer zeigte 39 Grad und der Arzt schien besorgt.Nicht erregen, mit nichts antippen, was erregen kannst erklärte er für Juttas Umgebung.Sie müssen ruhig sein, Sie dürfen nicht krank werden. Das schadet Ihrem Kind", mahnte er die junge Mutter. Und Jutta erschrak, doch es hieß ruhig sein, ruhig werden für ihr Kind.MGarda", flüsterte sie ab und zu, das Lebet: ist manchmal doch, recht schwer." Hildegards

Nickte:Die Liebe aber hilft." Dann nickte auch JNtW Nur daß man sehr ost zu spät erfährst was die richtige! Liebe war :--"

Und nun nahm sich die kleine Frau zusammen!. Sie wurde ruhig und erholte sich auch, ja sie war jetzt gesund? Nur daß ihre Wangen so blaß blieben, viel blässer, als der Arzt meinte, daß das für den Fäll gerade notwendig sei, und daß ein leichter Schatten immer noch nicht gang von der wieder blütenweißen Stirn weichen wollte, i! Hildegard konnte sich denken, was die junge Frau, trog ihrem Mutter glück, ja durch dasselbe erst recht bedrückte.^ Aber sie hatte Harro gelobst keinen VersöhnungsversuH zu machen. Sie würde atich nie direkt- in solcher Richtung gegenüber der Eoustne vorgegangen sein. Sie meinte vieö mehr, daß, wenn zwei Menschen auseinandergekommen sind? sie erst wieder mit sich selbst zurechtkomMen müssen, um inj Wahrheit wieder zueinander kommen zu können. Und einzig tn diesem Sinne hatte das hochherzige Mädchen auf bist unerfahrene, ungeschulte junge Frau entgttiutrfen versuchst Nun aber begann Hildegard die Sache auch noch von einer anderen Seite anzusehen und Meinte jetzt, ob Man nichts doch zwei Menschen, die im Grunde doch nur die Fehler der Jugend auseinandergebracht und' auseinanderhielten, die Hand bieten möchte, uw sie schneller von Unbesonnenheist Torheit, Heftigkeit und Trotz genesen zu lassen. Doch 'sie wußte nicht, wie Männer in solchem Falle denken; sie konnte darum auch zu keinem sicheren Entschlüsse kommen? Es trieb sie aber unaufhaltsam, mit einem treuen Manng darüber zu reden. Und so schrieb sie endlich an Dörrenbachs den ehrlichsten, besten Freund der Familie Urau, und er­klärte ihm, es dürfte vielleicht ganz gut sein, wenn, ex sich mal unter ihnen zeigen wollte. J ck

22. Kapitel.

Asmus von Dörrenbach hatte sich so seine Gedanken zurechtgelegt, als er die Kunde von Harros Meldung für- China in der Zeitunglas. Sobald er Urlaub haben konnte, war er von seiner jetzigen Garnison nach 'Kaltenburg gefahren, wo Frau Fama jene Gedanken bestätigte. Natür­lich, daß niemand etwas Bestimmtes zu erwähnen vermochte, wohl aber jedermann bestimmt zu wissen meinte, daß es schon länger nicht all right bei dem jungen Paare gewesen! sei, und wohl eine etwas stärkere Szene als gewöhnlich den Ausschlag gegeben haben möge..

Für Dörrenbach war das genug. 'Er stand zu der kleinen Frau und Machte ihr sofort seinen Besuch. Gewiß hatte JNtta den treuen, sürsorgenden Menschen bitter vermißt während all dieser Zeit. Vielleicht, daß sie daran dachte, wie er ihr immer zur Seite gestanden wie sie sein Rat einst vor Torheit behütetund daß sie nun doch so so unglücklich geworben war beimich kgnn ihn nicht sehen, nicht heute, nicht jetzt, Garba", wehrte die arme Keilte Frau mit tränenerstickter Stimme, als der Major bereits gemeldet und in den Salon eiugetreten, war.Es