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Aber auch anderen eine Befürchtung ein flößen, die man selbst nicht hegt, infi* sogar den Tod herbefführen. Das hat Dr. Menard mit eurem jungen Mädchen erfahren, daS etwas eitet war. Es hatte sich beim Fallen den Kirüchel gebrochen und mußte das Bett hüten. Eine Freundin fand die Patientin viel stärker geworden und machte darüber einige Bemerkungen, die so tief gingen, daß die Kranke aus Furcht, noch mehr an Umfang zuzunehmen, fach die nötige Nahrung .versagte, den Appetit ganz verlor und nach einigen Monaten aus Schwäche starb.
* Eine Frau aufdem Wegen« ch Lhassa. Bekanntlich ist es im Laufe des vorigen Jahrhunderts nur drei Europäern gelungen, nach der geheimnisvollen heiligen Stadt Lhassa, dem Mittelpunkt des Buddhismus, vorzudringen. Unter den zahlreichen Reisenden, welche von den Sendlingen des Dalai Lama an der Weiterreise verhindert und gewissermaßen von den Toren Lhasias zurückgewiesen wurden, gehört auch eine Frau, eine englische Missionarin Namens Miß Annie Taylor, die gegen. den Willen ihrer Eltern sich im Jahre 1884 nach China begab, um sich der Bekehrung der Heiden zu widmen. Schon int Jahre 1887 besuchte sie den Jahrmarkt beim Kloster Kumbum in der Nähe von Siuuing, um Erkundigungen über die Reise einzusammeln und nahm später einen Aufenthalt im Kloster Tumlong, .um die tibetanische Sprache zu erlernen, in der Hoffnung, von Sikkim aus nach Lhassa vorzudringen. , Die Schwierigkeiten und Fäbr- lichkeiten des Weges, .den jetzt General Macdonald an der Spitze einer starken, indischen Truppe eingeschlagen hat, um nach Lhassa zu gelangen, waren für eine Frau zu groß, Sie reiste deshalb nach China zurück und trat im Jahre 1892 am 2, September von Tanchan aus den Marsch nach Hhassa an, begleitet von mehreren Eingeborenen, unter denen sich ein junger Tibetaner Potzo befand, dessen Dankbarkeit Miß Taylor sich als Krankenpflegerin erworben hatte. Es war ein gefahrvoller Marsch auf Bergpfaden durch ein von Räubern unsicher gemachtes Hochland. Die Kälte war so groß, daß gelegentlich die Hand an den Griff des Messers anfror und nur mit Verlust von Hautstücken losgelöst werden konnte. Das Zubereiten.von warmen Speisen war unter solchen Umständen fast unmöglich. Um einer Räuberbände zu entgehen, mußte die kleine Truppe in strömendem Regen zu Pferde zweimal über einen Strom setzen; aber es half nichts, die Reisenden wurden eingeholt, und gründlich 'ausgeplündert; doch gelang es einem der chinesischen Diener Namens Noga den Räubern sein Eigentum wieder abzujagen, sowie einige der Kleidungsstücke seiner Herrin, der er aber ihr Eigentum nicht zurückgab. Schon Ende September Waran die Nächte bitter kalt, obschon die Sonne mittags heiß herabschien. Schneestürme stellten sich ein und hielten oft mehrere Tage hindurch an. .Flüsse mußten durchwatet werden und in durchnäßten Kleidern ging die Reise weiter. Ueberall gab es Räuber, die den Reifenden den Weitermarsch erschwerten und nachts die Lagerstätten umschwärmten. Die größte Plage war aber der Chinese Noga, ein brutaler .Geselle, der seine Frau mitgenommen hatte und sie mit der Peitsche dergestalt mißhandelte, daß Miß Taylor sich ins Mittel legen mußte. .Das verdroß den rohen Menschen, der sich dadurch rächte, daß er seine Herrin bestahl und bei lebet Gelegenheit den ihm begegnenden Reisenden zurief, daß die Frau, die er begleite, eine Engländerin sei. Schließlich weigerte er sich, weiter zu gehen, ohne Geldvorschüsse zu erhalten, ließ die Pferde beinahe verhungern, sein eigenes ausgenommen, und benahm sich so roh, daß Miß Taylor ihn entlassen mußte. Das war vermutlich, was Noga wünschte, Er wußte gar wohl, daß die Machthaber von Lhassa alle diejenigen mit dem Tode bedrohten, die einen Fremden nach der heiligen Stadt führten. Er tobte und fluchte und suchte die wagemutige Engländerin zu töten; schließlich verschwand er und Miß Taylor glaubte erst, er sei nach China zurückgekehrt. Erst nach einigen Tagen erfuhr sie von Kaufleuten, dre aus Lhassa kamen, daß Noga nach dieser Stadt unterwegs sei. Inzwischen war Weihnachten gekommen; die Kälte wurde jeden Tag grimmiger, sodaß es möglich war, siedenden Tee zu trinken. Die Augen litten vom Wiederschein des in der Sonne glänzenden Schnees. Miß Taylor hatte iyr Zelt verkauft, da es an Trägern fehlte, .und mußte im Freien schlafen, falls sich keine Höhle fand, rn der die kleine Truppe die Nacht zubringen konnte. Wenige Tagereisen von Lhassa entfernt, wurde Miß Taylor von Sendboten der tibetanrschen Behörden angehalten und zur Umkehr aufgefordert. Mach langen Hin- und Herreden und wiederholten Besprechungen, zu denen.auch Noga und dessen Frau zugezogen wurden, verstanden sich die Sendlinge des Dalai Lama dazu, der von ihrem chiiwsischen Diener ausgeraubten Engländerin Pferde, em Zelt, Schaffelle und Lebensmittel zu liefern, unter der Bedingung, daß sie begleitet Y'on einer Schutzwache die Heimreise antrete. Es wqr im.Januar und die Kälte noch grimmiger als zuvor, .sodaß auf dem Morlapaß eines her Pferde erfror. Nach großen Entbehrungen und unter wiederholter Lebensgefahr er- Wcht^ Miß Taylor am 13. April Tachienlu, wo französische MWaMve sie aufnahmen und ihr die Mittel zur Weiterreise nach der Küste lieferten. ^Gegenwärtig befindet sich Miß Taylor in britischen Verbindungslinie und wartet mit ihren su Dardschrling um sich versammelten Genossen aus den Augenblick, unter dem Schutz britischer Bajonette mit der Bibel in der Mtgen Stadt der Buddhisten ihren Einzug halten kann.
* Wehrhafte Nestlinge. Die Nester der durch vor- treffliches Flugvermögen ausgezeichneten Vogelordnung der Lcmg- schwinger befinden sich großenteils auf dem Erdboden, wodurch die Jungen natürlich manchen Fäh-rlichkeiten ausgesetzt sind. Hen Nestlingen des Noddy (Sterna stolida) in Mexiko stellt sogar eine Eidechfenqrt sehr erfolgreich stach, .die zweifellos die Wwesenheit der Eltern geschickt zu benützen versteht. Dagegen wissen feie Jungen der Sturmvögel sich selbst in einer ebenso originellen wie wirksamen Weise zu verteidigen, indem sie dem ihrem Neste sichnahendenFeindei einen Strahl stinkenden Trans aus ihrem Magen entgegenspeien. Die Nestlinge des st Meter klafternden Riesensturmvogels (Pro- cellaria gigantea) vermögen eine solche „Stinkbombe" sogar bis auf eine Entfernung von st Metern zu Wendern, wie Professor Dr. W. Marshall in der soeben ansgestebenen 38. Lieferung seiner Tierkunde für jedermann: „Dje .Tiere der Erde" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) mitteilt. .In diesem vorzüglich geschriebenen volkstümlichen Prachtwerk, .das in 50 Lieferungen zu je 60 Pfg. erscheint, arbeiten Text und Abbildungen einander in glücklichster Weise in die Hände. Außerdem steht das Werk illustrativ! dadurch ganz einzig da, daß seine Abbfldnngen (mehr als 1000, darunter 25 Farbendrucktafeln) fast ausnahmslos nach den photo- graphtschen Aufnahmen lebender Tiere hergestellt wurden.
LßteVKVrsches.
— Schon häufig genug hat man gehört, daß ein unbeliebter Offizier im Manöver durch einen reglementswidrig abgegebenen Marsen Schuß hinterrücks getötet oder doch verwundet wurden Ter .Militärschriststeller Teo von.Torn läßt dies in seinem neuesten, im Verlage von W. Vobach u. Co., Berlin und Leipzig, erschienenen Roman „Regiments-Indiskretionen" zur Tatsache werden und schildert, in die Untersuchung der Motive eintretend, das ttwlich-e Leben in einem Linien-Regiment. TvrN Hat sich bemüht, Licht und Schatten gerecht zu verteilen, er geht ttt geschickter Weise von den dienstlichen auf die häuslichen und gesellschaftlichen Verhältnisse über und liefert dadurch ein interessantes Kulturbild. .Nicht nur die traurigen Folgen einer mit zufammengeborgtem Kommißvermögen entrierten Ehe, sonderst auch ixtS glänzende Elend eines in der Blüte der Fahre pensionierten und zur Untätigkeit vechammten "Offiziers werden hier beleuchtet. Der fließend und nicht > ohne Humor geschriebene Roman ist reich an dramatischen Momenten. Die Auseinandersetzung .des altadligen pensionierten Generals mit seinem als Leutnant dienenden Sohne erinnert stark an Beyerleins „Zapfenstreich". Der Leutnant hat mit der Achter des' im Menst ergrautest Wachtmeisters seines Vaters ein Verhältnis angeknüpft, dessest Folgen er sich zu entziehen versucht. Trotz der Standesunter- schiede verlangt der General mit eiserner Strenge die Heirat der beiden, woraus sich Konflikte ergeben, die erst mit dem im D u e l l erfolgenden Tode des Leutnants enden. Der 3 Mar? kostende Roman ist in allen Buchhandlungen zu haben.
Kleine praktische Ratschläge.
* Tintenflecke aus Teppichen und Wollstoffen kann mast entfernen, ohne daß eine Spur davon zurückbleibt, besonders wenn die Tinte noch feucht ist, wenn man zuerst alle Tinte, die noch nicht in den Stoff eingedrungen ist, mit einem Fließ- (Lösch-Wap-ier oder Baumwollwatte vorsichtig.auffaugt, dann ein wenig süße Milch auf den Tintenfleck tröpfeln läßt, und mit einem frischen Stück Watte auffaugt. Dies muß man zwei bis dreimal, jedesmal mit frischer Milch und frischer Watte wiederholen und der Flecken wird verschwinden.
Bilderrätsel.
(Nachdruck verboten.)
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Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Magischen Gleichung in vor. Nr.:
a) Kelle, b) Elle, c) Strom, d) Rom. e) Neger, f) Eger, g) Oheim, n) Heim, i) Namur, k) Amur. 1) Esau. m) Sau x) Kanone.
Redaktion: Auaukt Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Brub- und Steindruckerei. R.Lange. Gießen.


