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Die Jungens sollen das Extemporale um sechs Uhr abends am Sarenluk Du weißt ja, wo ich meine, ab­holen", flüsterte sshr Erich noch rasch Zu, gab ihr einen letzten Küß und verschwand.

Unbemerkt gelangte er zu den Stallungen und ritt dann zum Tore hinaus.

Unterwegs nahm er das Heft zur Hand, um sich zu vergewissern, ob er nicht Unmögliches versprochen habe, und richttg, je länger er hinstarrte, umsomehr wurde ihm dies zur Gewißheit.

Weiß Gott", brummte er in sich hinein,es schaut ja fast so aus, als ob ich noch- mehr vergessen hätte, als -ich. überhaupt je gewußt habe!"

Nun war guter Rat teuer. Sich vor den beiden Jüngen zu blamieren, wäre noch nicht das Allerschlimmste gewesen, weit schlimmer dünkten ihm die Folgen, die dieser Be­trugsversuch nach sich ziehen mußte. Erstens einmal wür­den die Jüngen für die Nichtsertigstellung wahrscheinlich- ihre Prügel bekommen, und wenn der Gras erführe, daß er die Hand zu einem Betrug geboten habe, dann war wohl das Aergste zu befürchten.

Dem mußte auf alle Fälle vorgebeugt werden, und kurz entschlossen ritt er nach, Mariance, sich dem Pfarrer auch in dieser Not anzuvertrauen.

Schmunzelnd hörte ihn der alte Herr an.

Es ist ja eigentlich nicht recht, was ich da vorhabe", sagte er nach einigem Ueberlegen,und die beiden Jungen- dürfen es natürlich am allerwenigsten erfahren, sonst wären wir für alle Zeiten verraten und verkauft. Lassen Sie mir also die Ausgabe hier, ich. will sie ausarbeiten, und Sie können sie am Nachmittag wieder abholen."

Pünktlich stellte sich. Erich ein, und pünktlich legte er die Arbeit in die Hände der chn bereits mit Ungeduld erwar­tenden Jünglinge.

Ihre heißen Dankesbeteuerungen lehnte er indes ver­legen ab.

Fürchten Sie vielleicht", fragte ihn daraufhin Dinko ängstlich,daß sie nicht gut ist?"

Im Gegenteil, ich befürchte sogar, daß sie zu gut ist", konnte ihnen Erich mit ehrlicher Ueberzeugung ver­sichern.

Das wäre ja ein großes Glück Mr uns", gestand ihm Dinko freudestrahlend,denn die Rechen-Exempel, die uns Ljubiza gemacht hat, waren durch, die Bank falsch wenn nun auch noch das Lateinische"

Und Papa will doch am Abend den Herrn Pfarrer rufen lasfen", fiel Mirko dem Bruder ins Wort,und der ist im Lateinischen gar scharff beschlagen."

Nun, verlaßt Euch nur auf mich", beruhigte sie Erich, «der Herr Pfarrer muß die Arbeit loben, ob er will oder nicht er kann gar nicht anders!"

Sie bedankten sich glückselig, versprachen gewissenhafte Bestellung des Grußes an Ljubiza und rannten dann spornstreichs nach, Hause, um sofort mit der Abschrift zu beginnen.

Nach einer Stunde waren sie damit fertig und über- rerchten sie dem Vater,

Besonders sicher fühlten sie sich, über dabei, trotz Erichs Versrcherstng, nrcht, da ihr Vertrauen zu seinen lateinischen Kenntnrssen auf sehr schwachen Füßen stand. Ja, als um acht Uhr der Pfarrer anlangte, stieg ihre Angst ins Un- ermeßllche, und am liebsten wären sie ausgerückt,

(Fortsetzung folgt.)

Aie Werloörmgerr der preußischen Könige.

Tie Verlobung des Kronprinzen im jugendlichen Wer von

-L.Men Mbt Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die preußchchen Könige mit wenigen Ausnahmen sehr jung gefreit haben, Friedrich Wilhelm I. war sogar erst 18 Jahre alt Er mngste -Bräutigam den das Herrscherhaus der Hohenzollern anfzw-ersen hat als et die um ein Jahr ältere Tochter des Kur- fiirsten von Hannover, .nachmaligen Königs' von England, Sophie Dorothea, hermftihrte. Sein Sohn Friedrich der Große hatte m, feinet Jugend sehnlich gewünscht, .sich mit einer Mglischen VnnzesffN zu vermahlen, -andere dachten ihm die Erbtochter von Oesterreich zu, aber nach dem rücksichtslosen Willen seines Vaters nmßte er sich, im.Wer von 20 Jahren wider seine Neigung mit der achtzehnjährigen Prinzessin Elisabeth 'Christine von Braun- fchweig-Wolfenbüttel vermählen, doch nach dem Tode des' Vaters enksMte FriÄrich der Große dem Familienleben in der ihm anf- gezwungeuen Ehe. Sein Nachfolger auf dem Thron, König

Friedrich Wilhelm II., war zweimal verheiratet. Tas erstemal trat er in dem jugendlichen Alter von 21 Jahren in den Stand der Ehe, und zwar mit der um ein Jahr jüngeren Tochter des Herzogs Karl von Braunschweig, Schwester des Feldmarschalts Karl Friedrich Wilhelm; aber schon vier Jahre daraus wurde die Ehe durch Richtefipruch getrennt, worauf die Prinzessin Stettin znm Wohnort angewiesen erhielt, wo fie erst im Jahre 1840 starb. Eine ball» nach Lösung der ersten Ehe geschlossene zweite Verbindung- des damaligen Kronprinzen mit Friederike Luise, Tochter des Landgrafen Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt, -gab ihm zahlreiche Nachkommenschpst. Eine der edelsten Verbindungen, die jemals einen Thron zu schmücken bestimmt waren, wurde am 24. April 1793 geschlossen durch die Verlobung des 21 jährigen Kronprinzen, nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm III., mit der erst in dem zarten Alter von 17 Jahren stehenden Prinzessin Luise, der Tochter des Herzogs Karl von Mecklenburg-Strelitz, der damals die hannoverschen Truppen befehligte. Tie Verlobung, wurde aber nicht in der Heimat der Braut gefeiert, sondern in D a r m - stadt, .da die Prinzessin, die schon im sechsten Lebensjahre ihre Mutter, eine geborene Prinzessin von Hessen- Darmstadt, verwren hatte, ihrer Großmutter, der Landgräfin von Hessen-T armstadt, zur ferneren Er­ziehung . übergeben worden war. Infolge der Unruhen des fran- zösischen Revolutionskrieges begab sie sich mit ihrer älteren Schwester Charlotte nach Hildburghausen, und aus der Rückreise von dort lernte sie in Frankfurt a. M. den nachherigen König- Friedrich Wilhelm III. kennen, der damals 23 Jahre alt war. Er war von ihrem Anmutszaub-er so bestrickt, daß er sich flugs in die allerliebste Prinzessin bis über die Ohren verliebte. Wenige Wochen darauf fand die Verlobung statt, der zu Weihnachten des­selben Jahres die Vermählung folgte. Friedrich Wilhelm IV. trat mit 28 Jahren in den Ehestand, ebenso wie sein Vater, nicht einer Konvenienz zuliebe, sondern nach den Gefühlen feines Her­zens, wie sein Biograph Leopold von Ranke sagt. Er fand in der Prinzessin Elisabeth von Baiern, .die bei ihrer Verlobung im Alter von 22 Jahren stand, eine Gemahlin, die nach Ranies Worten sich auch ihm von ganzem Herzen anschloß; es war eine Ehe von vollkommenem Einverständnis' in allem Tun und Lassen, Ticht-en und Trachten, den höchsten Prinzipien und den Maximen des täglichen Lebens. Tie Vermählung fand zunächst in München durch Prokuratoren und einige Tage später zu Berlin persönlich statt. Kaiser Wilhelm I. verlobte sich im 32. Lebens­jahre mit der erst 17 jährigen Prinzessin Augusta von Sachsen- Weimar. Kaiser Friedrich hatte die jüngste Braut, die in das preußische Königshaus jemals ihren Einzug hielt, denn die Prin­zeß Royal Victoria von England war erst 15 Jahre alt, als sie sich mit dem 24 jährigen Kronprinzen von Preußen verlobte. Tie Hochzeit fand denn auch erst nach mehr als zwei Jahren statt. Unser jetziger Kaiser Wilhelm II. führte seine Braut, unsere Kaiserin, im 22. Jahre heim, also im gleichen Alter wie sein Sohn. Daß dieser sein Herz einer mecklenburgischen Prin­zessin geschenkt Hat, mag als gute Vorbedeutung gelten. Tenn die unvergeßliche Königin Luise, die LlhNin des Kronprinzen, war auch eine Prinzessin von' Mecklenburg.

Vermischtes.

Die Furcht als Krankheit. In einerwissenschaft­lichen Plauderei" des PariserTemps" kommt Henry de Bariguy auf ein Thema zurück, das unlängst auf dem 14. Kongresse der Irrenärzte fianzösischer Sprache m .Pau behandelt wurde, wel­ches Tr. Menard hierauf in einem öffentlichen Bortrage weiter ausspann, und das er dieMaladies de la peur" d. i. die bis zur Krankheit gesteigerte Furcht nennt. Tidfe Krankheitserscheiu- ungen sind nach seiner Darstellung ebenso mannigfaltig, als zahl­reich. So gibt es Leute, die in beständiger Angst und Auf­regung leben, und in allem. Ms bo-rfommt, den Grund zu einem Unglück erblicken. Andere .fürchten sich vor bestimmten Tingen vor Wagen- und Eisenbahnfahrten, vor Donner und Blitz, oder vor einzelnen Tieren, auch Männern und Frauen. Beim Anblick eines jungen Esels wurde der Herzog von Epernon ohnmächtig, heim Anblick einer Katze wird Lord Roberts krank, Tycho-Brahe zitterten die Beine, wenn er eines Hasen oder eines Fuchses ansichtig wurde. Das gleiche soll dem berühmten Philologen Scaljger beim Anblick von Brunnenkreffe widerfahren sein, und Erasmus bekam das Fieber, wenn er Fisch und Linsen vor sich sah. Daß stattliche 'D amen vor einer winzigen Maus aus Tische und Stuhle springen, ist bekannt. Was dem Zuschauer lächerlich vorkommt, .ist. für den Furchtkranken oft eine Quelle schwerer Leiden, die den Tod oder den Selbstmord nach sich, ziehen können. So kennt man Fälle von Leuten, die aus beständiger Furcht vor Hunden und Hundswut auf die elendste Weise umgekommen sind. Sehr oft werden Frauen und auch Männer von den: Gedanken an Er­röten verfolgt und so gequält, daß er jedem Lebensgenüsse hinderlich wird. Solche Leute leben in beständiger Angst, und je größer diese, desto auffälliger die Wirkung des' Errötens. Wie viele andere Nervenkrankheiten, ist auch die Furcht ansteckend und geht leicht auf dazu veranlagte Personen Wer. Man kann