Ausgabe 
9.9.1904
 
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Kreitag de« S. Hepiemöer»^

1904

WSy®U

Kitt angenehmes Kröe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Es ist ja recht wacker- daß Sie fiir ihn einspringett, Sie steigen dadurch sogar ganz gewaltig in meiner Acht­ung", entgegnete ihm Graf Stepeuaz wohlwollend,an der Tatsache wird aber dadurch, nichts geändert. Ihr Herr Vater ist schon voller Aversion gegen uns hierhergekommen, er bemühte! sich ja auch gar nicht, diese zu bemänteln int Gegenteil, er stieß sogar diejenigen vor den Kopf, die ihm, trotz der durch seinen Vetter widerfahrenen Schwach!, freundschaftliche entgegenkamen. Seine verdammte Pflicht Nnd Schuldigkeit wäre es gewesen, hier, an Ort und Stelle, Und 'zwra bei Vertrauen verdienenden Persönlichkeiten Er­kundigungen über die Vergangenheit einzuziehen. Er aber hielt es für angezeigter, ei»ein Menschen sein Ohr zu leihen, vor welchem ihn alle warnten, und auf dessen Einflüsterungen er wahrscheinlich gerade deshalb am meisten gibt. Dieser Szabo ist ein Intrigant, der ihn entschieden gegen alle und gegen alles aufhetzte, denn nutz so ist es erklärlich, daß er in seiner unglückseligen Internierung eine von uns beabsichtigte Infamie wittern konnte. Mir wegen eines solchen wahnsinnigen Verdachtes seine Zeugen zu schicken, war an und für sich schon haarsträubend, daß er sich aber noch obendrein zu einer Insulte gegen meinen Freund Adame hinreißen lassen konnte, ivar der Gipfel alles je Dagewesenen da bleibt einem rein der Verstand stehen!"

Erich fühlte sich tief bedrückt, dies ruhig anhören zu Müssen, und das umsomehr, als er mit dem besten Willen dein Grafen nicht unrecht geben konnte, aber ganz un­widersprochen durfte er es doch nicht lassen, und so sagte er entschuldigend:

Die ganze Reihe dieser Mißhelligkeiten sind nichts weiter als die Folge feinet allzu großen Vertrauensselig­keit. Wenn er des Onkels, wahrscheinlich nur in der aller­ersten Erregung ausgesprochene Verdächtigung geprüft hätte, dann würde gewiß alles anders' gekommen fein; aber, Hand aufs Hertz-, können Sie es ihm! verdenken, wenn er oem Blutsverwandten mehr Vertrauen schenkte, als einem! Fremden?"

Donnerwetter, an Ihnen ist ein Rechtsanwalt ver­loren gegangen", meinte bet Graf schmunzelnd,Sie ver­stehen selbst der vertracktesten Geschichte eine gute Seite abzugewinnen. MnU ich mir die Sache bei dieser Beleucht­ung besehe, dann ließe sich, bei einigem guten Willen, viel­leicht auch für ihn eine Art Entschuldigung finden."

Und diesen guten, Willen müssen! Sie! habdn, Hetzr Graf",

bat Erich inständig,wenn nicht schon aus purer Mensch!« lichkeit, so doch aus Liebe zu Ljubiza und aus Wohlwollen zu mir."

Herrgott, so treiben Sie mich doch nicht so in di«. Enge", wehrte Stepeuaz, halb und halb gefangen.An­genommen, ich wollte ihm das Umsatteln erleichtern, wie sollte ich denn das anfangen?"

Indem Sie ihn im die Vergangenheit einweihen"^ riet ihm Erich,oder aber, indem Sie mir alles mitteilen, damit ich ihn aufklären kann."

Der Graf überlegte lange, und erst nach reiflichem! llebetlecictt faa'te et*

Ich hatte gehofft, daß diese traurige Geschichte für einige Zeiten begraben sein wird. Glauben Sie mir, die Erinnerung daran schmerzt mich ebenso tief, wie meinen alten Adame, und obgleich ich mich heute im Kreise meiner Familie glücklich fühle, blutet auch meine Wunde aufs neue, wenn jene Zeit toteber in mitz wach wird. Sagen Sie Ihrem Herrn Vater nur einstweilen so viel, daß sein! Vetter meines Freundes Schwester in bett Tod getrieben hat, und wenn er Sie fragt, warum auch ich Mich dadurch so betroffen fühlte, bann können Sie ihm noch verraten, daß ich schon so gut wie versprochen mit ihr war, als jener hierher kam unb ihren gesunden Sinn durch seine, weltmännische Verlogenheit vergiftete."

Der Graf seufzte schwer auf und setzte dann Mit müder, matter Stimme hinzu:

Wenn ihm' das noch nicht genügen sollte, bann soll er bei mir anfragen, und ich will ihm klaren Bescheid geben. Lieber wäre es mir allerdings) er käme nicht, denn wenn ich an jene Zeit zurückdenke, dann könnte auch! Mich die Bitterkeit übechNannen, was für die friedliche Aus­einandersetzung wohl kaum von Vorteil wäre."

Nun erst Begriff Erich ganz, welch großes Unrecht der Vater, wenn auch unbewußt, an diesen beiden Männern begangen hatte, und speziell des Pfarrers stillschweigendes Dulden nötigte ihm die tiefste und mitleidigste Be­wunderung ab.

Er gebrauchte eine geraume Weile, sicht Nach bem eben Gehörten zu sammeln, bann gab er bem Grafen, wie uM Verzeihung heischend) die Hand und wandte sich zum Gehen.

»Und nicht wahr", schärfte ihm dieser nochmals eich Sie haben sich Meine Worte eingeprägt: IM Hause sind! Sie immer und zu jeder Stunde willkommen ob wir Eltern dabei sind ober nicht außer dem Hause werdest aber keine Stelldichein mehr gegeben! Verstanden?"

Jawohl, ich habe es verstanoen, und werde mich ge­wissenhaft und wörtlich danach richten!", versprach! Erich und ging.

Als er um die Ecke des Korridors bog, hörte er plötz­lich. ein vorsichtigesP", Pst" hinter sich.

Daß dies nicht von Ljubiza herrühren konnte, war ihm sofort klar, da diese für Derartige Heimlichkeiten nicht nst