Ausgabe 
9.7.1904
 
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Bei großen Auslandreisen gibt es ja immer längere Stationen, wo man waschen lassen, oder Notwendiges einkaufen kann. Man bedenke immer, daß jedes überflüssige Lot Belastung, .nach 50 Kilometer zu einem Pfund, nach 100 Kilometer aber zu einem Kilo wird. .Je leichter das Gepäck, desto freier und früh- liefet ber tRcrbler 1

* Tie Tabakspfeife des Königs. Aus London wird uns geschrieben: Tie wenigsten Leute wissen, daß König Eduard, der in den letzten Jahren nur Zigarren, und zwar von der besten Sorte raucht, auch eine Tabakspfeife besitzt, und obendrein eine, die er nie gesehen hat. Wenn nämlich Zollbeamte Tabak oder Zigarren wcgnehmen, die Schmuggler einschwärzen wollen, so sagt der Volksmund, daß die Beamten den Tabak oder die Zigarrenfür die Pfeife des Königs beschlagnahmt" haben. Tie königliche Pfeife, von der hier die Rede ist, sucht man aber vergeblich in einem der königlichen Schlösser oder Paläste. Sie befindet sich drunten an der Themse bei London in der Nähe der Biktoriadocks, da, wo die großen Zollspeicher sich befinden, in denen die aus dem Ausland eingeführten Tabake und Zi­garren aufgespeichert werden, bis der Händler sie nach Erlegung der hohen Zollgebühren einlöst. Nicht alle von den Zöllnern beschlagnahmten Zigarren und Tabake wandern in die Pfeife des Königs. Tie besseren Tabaksorten werden von den Beamten an die Verlbalter der Irrenhäuser abgeliefert, in denen irr­sinnige Verbrecher eingeschlossen sind, um dort von den Kranken geraucht zu werden. Auch für die Soldaten, die im Ausland dienen, fällt manche Zigarre ab, welche die Zollbeamten den Schmugglern abgenommen haben. Aber der Rest, wozu auch die in den Zollspeichern zusammengewischten Abfälle kommen, wandert in die königliche Pfeife, und so groß ist die Menge der auf diese Weise angehäuften Tabakblätter, daß die besagte Pfeife nie aus­geht. Tie königliche Pfeife ist nämlich ein kleines, aus roten Backsteinen gebautes Gebäude mit einem Tack aus Wellblech, aus dem ein riesiger Schlot emporragt, den Tag und Nacht, Sommer und Winter eine leichte bläuliche Rauchwolke umkrüuselt. Dieses Gebäude enthält zwei Gefeit, und in dem Hof sind die Tabak- abgänge aufgespeichert, die der Abwart von Zeit zu Zeit in den eilten oder anderen Ofen hineinschaufelt. Tabake aus Ame­rika, aus der Türkei, aus Aegypten mit toten Ratten und Katzen vermischt, liegen dort friedlich beisammen und wandern mit einander vermischt in die Oefen, wo die Blätter samt den Tier­leichen in Asche verwandelt werden. Ter Abwart, der mit feinen Gehilfen im Hofraum seine Mahlzeiten kocht, und gelegentlich feine Pfeife mit den herumliegenden Tabakblättern anfüllt, hat die toten Ratten gezählt, die in 14 Tagen mit den Tabakabfällen in die Pfeife des Königs wanderHen; es waren über 200. Rings um das Gebäude erhebt sich titi weißer Aschenhügel, denn die Asche ist nicht wertvoll genug, um als Tünger verwendet zu werden.

* Einfluß der Musik auf den Haarwuchs. Wäh­rend sich in England die Leute mit deut Gedanken tragen, den Haarwuchs durch das Mschaffeir der Hüte zu verbessern, beschäftigt man sich in Amerika mit dem Einfluß der Musik auf den Haar­wuchs. .In dem Schauspieler-Heim in Newyork wurde kürzlich ein Vortrag über dieses Thema gehalten, in dem es hieß, verschiedene Arten von Musik, resp. verschiedene Musikinstrumente übten einen verderblichen, andere wieder einen fördernden Einfluß auf den Haarwuchs aus. Zu den letzteren gehört vor allem das Violoncello, sowie die Harfe. Vielleicht ist daraus die Tatsache zu erklären, daß sich so viele Damen dein letzterwähnten Instrument zuwenden. Auch die Violine übt einen günstigen Einfluß auf den Haarwuchs aus, wenn auch nicht in demselben Maße, wie das Cello, dagegen hat das Kla­vier f p i e l en mässe eine vorzügliche Wirkung auf die Kopfhaut, wie ja auch dieSkalpe" der meisten modernen Klaviervirtuosen auf das schlagendste beweisen. Geradezu verheerend wirken dagegen die Blasinstrumente. Trompeter mit langen Haaren gibt es überhaupt nicht, mit Ausnahme des Trompeters von Säckingen, der auf der Bühne stets als blondgelockter Jüng­ling .erscheint und den Damen immer mehr gefällt. Er bildet die rühmliche Ausnahme, denn im übrigen gehen diese Herren entweder kurz .geschoren odermit noch weniger" auf dem Kopfe umher. Das gleiche gilt von allen Messingblasinstrumenten, während Flöte und Klarinette sichneutral" verhalten. Eine eigentüinliche Wirkung üben aber die Oboe und das Fagott auf den ausübenden Musiker ans. Diese Instrumente verlangen eie sehr starkes Anblasen, aber eine ganz geringe Quantität vom v Wind, infolge des kleinen Mundstückes, sodaß die Luft, wenn ' man so sagen darf, dem Bläser fortwährend gegen den Kopf drückt. So kommt es, daß außerordentliche viele Oboebläser im Laufe der Jahre hervortretende Augen bekommen, und wie schon bemerkt, ihr Haarwuchs auch sehr viel zu wünschen übrig .läßt. Die Ausführungen des Redners 4ber das Thema wurden von allen anwesenden Musikern bestätigt.

Literarisches.

Des Kindes Chronik." Ein Merkbuch des Lebens, von Mutterhand begonnen, zur späteren eigenen Fortsetzung.

das

Pyramide.

(Nachbildung verboten.) Vokal.

e Maß.

0 Körperteil.

@ 0 römischer Gott.

0 0 Werk der Dichtkunst.

0 0 0 eßbare Frucht.

0 0 0 süßes Gebäck.

Auflösung in nächster Nummer.

Aus praktischer Erfahrung zusammengestellt von Helene von Schrötter. Gebunden Mk. 5. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) Dies nach den Aufzeichnungen einer jungen Mutter und Hausfrau entstandene Familienbuch gibt ihren Mitschwestem eine sicherlich überall willkommen geheißene Anleitung zur Her­stellung einer fortlaufenden Biographie für jedes Kind. Der gediegen ausgestattete Band umfaßt über zweihundert Seiten auf gutem Schreibpapier mit farbiger Einfassung und mit genügendem Raum zur Eintragung aller Daten und Notizen, die sich auf das Erscheinen des kleinen Weltbürgers und dessen weitere Entwick­lung in körperlicher und geistiger Hinsicht beziehen, wie zum Eiukleben von Photographien, Zeitungsausschnitten usw. Hinzu­gefügt sind passende Gedichte, Denksprüche, Tabellen, die aus- gefüllt werden .müssen, hygienische und pädagogische Mahnungen, kurzum alles, was irgendwo geeignet ist, diesesMerkbuch des Lebens" so vollständig.wie möglich zu machen und es zu einer Fundgrube an Erfahrung für die Nachkömmlinge zu ge­stalten. Tie Chronik beginnt natürlich mit der Geburt des Kin­des, auf den folgenden Seiten sind dann bemerkenswerte Glück­wünsche, die zu dem srohen Ereignis einliefen, einzutragen, weiterhin die Namen der Eltern und Großeltern. Es folgen Seiten zur Aufnahme einer Ansicht des Geburtshauses, eines Stammbaums und einer kurzgefaßten Familiengeschichte; später schließt sich alles an, was auf die Taufe des Kindes Bezug hat. Die Fortschritte im körperlichen Gedeihen wie die Regungen des erwachenden Seelenlebens werden verzeichnet, und in ähnlicher Weise geht es durch die Schulzeit weiter, wo auch die Lehrer und Gefährten nicht vergessen werden. Krankheiten lute frohe Ereignisse, Spiele und Liebhabereien, Lektüre, Reifen usw., alles wird eingetragen, bis zur Selbständigkeit des herangewachsenen Kindes oder zur Begründung eigener Häuslichkeit. Die in diesem hübschen Merkbuch erteilten Anweisungen sind ungemein praktisch und werden jede junge Mutter zur gewissenhaften Führung der Chronik anregen; dem Kinde aber wird ein solches Buch von Mutterhand ein Schatz fürs ganze Leben sein.

Aus der Werdezeit des Christentums. Von Professor Dr. I. Geffken. (Aus Natur und Geisteswelt". Samm­lung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen.aus allen Gebieten des Wissens. 54. Bändchen.) Verlag von G. B. Teubner in Leipzig. Preis geh. "1 Mk., geschmackvoll geb. 1,2g Mk. -H Mit dem wachsenden religiösen Interesse unserer Zett tst auch das Interesse für die Entstehung und die weitere Entwicklung des Christentums ein immer größeres geworden. So darf ein Buch- lein, das unter dem TitelAus der Werdezeit des Ehristen- tums" in der bekannten Sammlung gemeinverständlicher Dar­stellungenAus Natur und Geisteswelt", von Professor Tr. I. Geffken verfaßt, soeben erschienen ist, von vornherein auf einen weiten Leserkreis rechnen. Ter Verfasser gibt in dein Bänd­chen eine Reihe von Bildern aus dem alten Christentum, Studien über Entwickelungen, Darstellungen von Persönlichkeiten aus den drei ersten Jahrhunderten der neuen Lehre. Das erste Kapitel behandelt den Eintritt des Christentums tn die griechisch-römische Welt, deren moralische Zustände, deren Gottesglaube geschildert werden. In den beiden folgenden Artikeln werden bedeutende enthusiastische Bestrebungen geschildert, die Apokalypsen und die Sibyllen, wobei die Johannes-Apokalypse eine eingehendere,Be­handlung erfährt. Das dritte Kapitel behandelt die Christen­verfolgungen, das vierte die literarischen Kämpfe; hier Ziehen die großen Kirchenväter Tertullian und Augussin tm Mittelpunkt der Darstellung. Den Schluß bildet eine Erörterung überOrient und Occideut im alten Christentum", die das Christentum als F»ktor der großen Bewegung, die den Orient bis zu Muhammeds Zeit gegen den Occident drängt, auffaßt. Aus dieser Inhalts­übersicht ergibt sich, wie sehr das Bändchen geignet ist, eine Vor­stellung von der Stimmung im alten Christentum und von seiner inneren Kraft zu geben und ein Verständnis für die ungeheure und vielseitige welthistorische kultur- und religionsgeschichtliche Bewegung zu schaffen. Ter außerordentlich billige Preis macht

Bändchen auch leicht allen Interessenten zugänglich.

Auflösung der Geheimschrift in vor. Nr.: Leidenschaft ist ein schlechter Ratgeber.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gicsten.