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Der Kampf gegen die Motte.
Winke für die Hausfrau von Lucie Andersen.
Kurz vor der Uebersiedelung in die Sommerfrische pflegt sich die Hausfrau noch 'einer Arbeit zu unterziehen, die ebenso mühevoll itrie zeitraubend ist. .Sie sucht durch allerhand Vorsichtsmaßregeln sowohl Kleidungsstücke als auch Möbel vor dem sogenannten Mottensraß zu schützen. Ich will vorweg bemerken, daß diese ganze Umkrempelung des Haushalts mit den tausend Einzelheiten und Kleinigkeiten, das Bestreuen mit Pulvern oder Beträufeln mit Flüssigkeiten meistens nicht den mindesten Nutzen bringt, und zwar ans dem guten Grunde, weil die Mittel, die sich nach allgemeiner Anschauung eines ausgezeichneten Leumunds erfreuen, durchaus wirkungslos "sind. Vor allem jedoch pflegen sie viel zu spät in Anwendung z>c kommen. Ter Beginn der Reisezeit, oder richtiger gesagt: ihr mit einem Schlage eintretender Höhepimkt fällt doch in die Mitte des Juli, weil hier die Schulferien ihren Anfang nehmen. Tann aber ist jeder Kampf wider die Motte mehr oder weniger wirkungslos, wofern sie bisher Gelegenheit hatte, .sich in den ihr zusagenden Stoffen einzunisten und ihre Brut abzusetzen. Tas Zerstörungswerk ist bereits im vollsten Gange.
Nicht etwa die Motten selber darf man dafür verantwortlich machen, sondern allein ihre Brut. Tie Motten sind kleine Falter von oft zierlichstem Bau und nicht selten allerliebstem Aussehen, die an sich nicht den geringsten Schaden verursachen. Sie gehören zur Familie der Nachtfalter, verlassen also mit Beginn der Tännnerung .ihre Schlupfwinkel und sc-wärmen herum. Ter Zweck dieses munteren Gaukelspiels ist, daß sie günstige Stellen suchen, wo sie ihre . Eier ablegen können. Wie man wcitz, bestehen solche Schlupfwinkel vorzugsweise aus Wollstofsen und Pelzwerk. Tie Flugzeit selber erstreckt sich ungefähr über den ersten Teil des Sommers bis zürn Anfang des Juli. Wer nun wirklich und entschieden jebeii Schaden von seiner Habe fernzuhalten trachtet, muß bis dahin des .Widersachers vollständig Herr geworden sein. Am sichersten geschieht dies durch nachfolgendes Verfahren: Man stellt sich ans weißem Papier, so gut es eben geht, einen Lampenschirm her. Tresen bestreicht man mit Leim oder einem anderen sich recht bewährenden Klebstoff. Darauf stülpt man ihn über die Lampe und zündet sie an. Tie Motten umflattern nun sofort das Licht und bleiben an dem Klebstoff hängen — genau so wie Fliegen an den Rohrstäbchen, die zuvor mit Leim getränkt wurden. Innerhalb weniger Abende vermag man auf diese Weise seine Wohnung von den so gefährlichen Schädlingen mit .ziemlich sicherem Erfolge zu säubern.
Weit größer ist .die Mühe, wofern man es erst mit der Brut zu tun hat. Schon deswegen, wie ersichtlich, weil man jene ja in ihren Schlupfwinkeln aufsuchen muß. Sobald nämlich die Schmetterlinge ihre Eier abgelegt haben, sterc en sie kurze Zeit nachher an Ermattung. Aus den Eiern aber entwickeln sich Nunmehr die eigentlichen Schädiger, die sogenannten „Schaben". Es sind dies ganz winzige Räupchen von schier unglaublicher Gefräßigkeit — die stete Sorge der Hausfrau und darauf vollauf imstande, ihr jede Sommerreise zu verleiden. Tenn so viel steht fest: ein unfehlbar wirkendes Mittel, die Schaben aus Wollstoffen und Pelzwerk zu vertreiben, gibt es nicht. Rur wenn man bereits in der Zeit, Ivo die Motten noch nicht in ihre Flugzeit eingetreten waren, jene Sachen in dicht verklebte Kisten barg oder in Leinwand nähte — dann allein darf man überzeugt sein, daß sie keinen Schaden davontragen. Ferner sollte man nicht unterlassen, einen oder womöglich mehrere Töpfe mit Plectranthus fructicosus, jener Pflanze, die gemeinhin „Mottenkönig" genannt wird, in seinen Wohnräumen zu halten. Ter eigenartige, den menschlichen Gerüchsnerven durchaus nicht unangenehme Odem,. der ihr entströmt, hat die Wirkung, .Ungeziefer jeglicher Art, also anch den verheerenden Nachtfalter, sortzu- scheuchen. Ta sich diese Pflanze überdies ganz schmuck ausnimmt, .braucht kein Mensch Anstand zu nehmen, jhr einen Platz am Fenster oder am Blumentisch cinzuräunicn. Sie bezahlt diesen reichlich durch den großen Nutzen, den sie gewährt.
Ter Mittel wider den Mottenfraß will nian nun beinahe eine Unzahl im Laufe der Zeit ausfindig gemacht habens zumal verspricht man sich gute Wirkung von lenen stark riechenden Stoffen, wie Kamphor und Petroleum, Naphthalin und Benzin. Viele Hausfrauen bestreuen Wollstoffe gern mit pulverisiertem Eisenvitriol; dann wird auch das Äusschwefeln mit recht heißen Dämpfen sehr gerühmt, oder das Anbringen eines offenen Fläschchens, .worin sich Schwefelkohlenstoff befindet. Ter ekle Geruch, der so entsteht, soll hinreichend imstande sein, dem so schädlichen Gewürm ohne weiteres den Garaus zu bereiten.
Neuerdings hat Berthelot, .der große französische Chemiker, den Nachweis zu erbringen gesucht, daß die Mehrzahl dieser Maßnahmen der verhaßten Mottenbrut nicht nur nicht schadet, andern daß diese dabei umso besser gedeiht. Tatsächlich wirk- ain sollen sich nur Terpentin und Benzin erweisen; allein, elbst wenn sich Berthelots Behauptung nicht aufrecht erhalten ließe, wird die Hausfrau, .die all die Tinkturen und Essenzen einmal durchgeprobt, von ihnen keineswegs erbaut sein. Mal helfen sie, mal nicht. Tas erstere mag ja der Fall sein, wenn die Mischung, .oder überhaupt das Mittel besonders scharf gewesen; allein stets bleibt darum doch die Wirkung äußerst
bedingt; auf sicheren Erfolg darf man niemals rechnen. Dazu der widerliche Geruch, der so eingemotteten Kleidungsstücken oder sonst Gegenständen anhastet! Oft bleibt er noch zurück, wenn sie bereits längst wieder in Gebrauch genommen wurden. Daß aber solche Methoden für den Menschen auch gesundheitsschädlich sein können, weiß .man aus den mehrfachen Vergiftungsfällen, die sich .eng an Eimnottungen mit Naphthalin anschlossen. Robuste Naturen mögen ja darunter weniger leiden, aber feinnervige ohne allen Zweifel, ivenn auch nicht immer so stark und offenkundig.
Gerade heraus: ich halte von all jenen Maßregeln herzlich wenig. Ten Kampf wider die Nachtfalter freilich führe ich mit größter Entschiedenheit; dann aber beschränkt er sich in der Folge allein darauf, . daß in meinem Haushalte die denkbar größte Sauberkeit herrscht. Wenn ich verreise, gebe ich nicht einen einzigen Pfennig .für solche Pulver oder Mixturen aus. Tagegeil trage ich Sorge, daß auch während meiner Abwesenheit sämtliche Kleidungsstücke, Teppiche, .Möbel und sonstige Gegenstände genau so behandelt werden, als ob ich zu Hause bin. Also der Fußboden wird gefegt, gescheuert oder gelaugt, .durch Bürsten und Klopfen ein ebenso entschiedener, wie ununterbrochener Kampf gegen Staub und Ungeziefer entfacht. Leigt sich dennoch Mottenfraß — und in den Monaten Juli und August pflegen die kleinen Räupchen vorzugsweise ihr so gefährliches Unwesen zu treiben —; so wird mit einem heißen Plätteisen über die Stelle gefahren, wo sich der Tummelplatz der Brut befindet.
Kehre ich dann heim, so stnde ich meine Wohnung in schönster Ordnung. Lein widerlicher Geruch belästigt die Nerven; niemand bei uns klagt über Uebelkeit oder Kopsschinerz — den notwendigen Folgen dieses gesundheitswidrigen Treibens, das die höhere Hausfrau mit der Bezeichnung Einmottung beschönigt. »Auf diese Weise spare ich vor meiner Abreise viel Zeit, Mühe und — Geld. Unter dem Mottenfraß leidet mein Hauswesen so gut wie garnickst; in jedem Falle aber sicherlich nicht mehr, als Wenn ich mich mit der so zeitraubenden und kostspieligen Einmottung befassen würde.
vermischte».
* W a s R n d l e r n n d R a d l e r i n bei längeren Radtouren an Gepäck mitzunehmen habeic, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Während die Damen im allgemeinen lieber etwas zu viel als zu wenig mitnehmen, treiben allzu eifrige Sportradler wieder die Bedürfnislosigkeit gar zu weit und möchten am liebsten ohne jede Belastung eine acht- bis vierzehntägige Radreise machen. .Auch hier liegt das Richtige in der Milte. —i Für längere Reisen enipfiehlt es sich sehr, eine feste leichte Pappschachtel mit dem Nötigen zu füllen, und an den Ort zu senden, nach dem man in etwa acht bis zehn Tagen gelangen will. In eine solche Schachtel packt man Strümpfe, Wäsche, sonstige Toiletten-Gegenstände, die dazu dienen, den äußeren Menlchen in zivilisiertem Zustand zu präsentieren; denn nichts diskreditiert die ganze Radelei mehr, als ein salopper Anzug. Was aber ist nötig, was überflüssig? — Für Damen ist zunächst die Kleidung sehr zu .beachten. Wer in einer Hellen Waschbluse oder auch einer Hellen Wollbluse mit dem mit Uurenst als besonders sportlich so beliebten Leinenkragen radreisen will, wird schon am zweiten Tage recht toeuig adrett mehr aussehern — Eine hübsche Wollbluse in kräftiger Farbe, mit bequemem Steh- Umlegekragen, oder nicht .hohem Stehkragen, dem ein schmaler weißer Vorstoß eingeheftet wird, ist praktisch und bleibt während der ganzen Reise präsentabel. Wäsche für Radfahrer läßt man sich aus allerleichtestem sogenannten Nessel anfertigen, — glatt, ohne Verzierung. »Außerordentlich'praktisch sind auch die lewsten, gewebten Kombinations. Msstlwäsche oder Kombinations, recht fest zusammeugelegt, wiegen sehr wenig und nehmen nur einen minimalen Raum ein. — Zur Not kann man sie abends im Waschbecken in warmem Wasser mit Leichtigkeit tadellos rein waschen, ausringen, und am andern Morgen anlegen. Auf Neiseii muß man sich eben zu Helsen wissen. Ein solches Wäschepaketchen. —. Kaum,, Zahnbürste, ein kleines Etui mit Haar-, Steck-, Nähnadeln und etwas Zwirn, .ein paar Strümpfe zum Wechseln, Flickzeug für das Rad und ein paar leichte weiche Pantosfelii, das genügt vollständig. »Dazu packt nian noch eine Tube mit Lanolin oder Myrrhen-Crcme, einen Streifen Verbandgaze nnd etwas Verbandwatte für alle Fälle. Für eine Radfahrt von etwa acht bis zehn Tagen ist damit genügend vorgesorgt. —- Für Herren ist neben Zahnbürste, Kamm und der kleinen Apotheke vor allem das Mituehmen einiger Paar allerdünnster baum- lvolleuer sogenannter Manöversocken zu empsehlen (Paar 12 bis 15 Psg.), die unter den Radelstrümpfen getragen und nach Benutzung fortgeworfen werden. Die wollenen Kniestrümpfe bleiben dadurch sauber und weich und der Fuß wird geschmeidig. Woll- Wäsche zum Wechseln mutz mitgehen, und zwar Nluß diese täglich gewechselt werden, während die am Tage getragene nachts gründlich gelüstet wird. »Auch leichte Pantoffeln werden oft sehr nötig sein. Hat man sich so acht Tage durchgeschlagen, so findet man feinen Pappkarton am bestiminten Ort vor, — kann feinen, äußeren Menschen dann völlig erneuern, packt alle gebrauchten Sachen ein, versieht' den Karton mit , der bereits fertig geschriebenen Adresse und befördert ihn heimwärts, von wo bann eventuell nach weiteren aclst Tagen wieder eine Sendung erfolgt.


