Ausgabe 
9.5.1904
 
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Vermischtes

diel

* 1000 Mark für ein großes Preis-Ausschreibeni setzt der Verlag derDeutschen Moden-Ztg." m Leipzig aus. Gegenstand des Wettbewerbes ist eine Handarbeit, em- schließlich kunstgewerblicher Handarbeit, und 'dabei zulässig sowohl die sclbsterdachte, selbst entworfene und selbst angefertigte Arbeit, wie die nach freigcwählter Vorlage.

* Eine Professur für denFlirt", das hecht also für die Wissenschaft, die sich mit der erhabenen Lehre befaßt, tote ein weibliches Wesen es anstellen muß, um den Mannern zu gefallen, ist unlängst an der Universität von Chi­cago gegründet worden. Die Nachricht ist nicht ein Aprilscherz, sondern ganz ernst zu nehmen. James Tufts ist zum Inhaber ' 'eses Lehrstuhles berufen worden, wenn man so sagen darf, ohne man allerdings weiß, welche erworbenen Kenntnisse und welche

Won der AüMdsrfer Aus,Messung schreibt uns ein Gießener, der die Ausstellung besucht hat:

Auf demselben überaus schön gelegenen Gelände der Garten­stadt Düsseldorf, auf dem vor zwei Jahren die glänzende Industrie- Ausstellung stattfand, ist nun die internationale Kunst- und Gartenbau-Ausstellung erstanden.

Einzig in ihrer Art, der Glanzpunkt der Ausstellung, fmd die Orchideen. In dem imposanten Pavillon, gegenüber dem Kunstpalast haben die kostbarsten Pflauzenschätze aller, Herren Länder Unterkunft gefunden. Hier ist so ziemlich alles zufammen- getragen, was es in dieser Pflanzenfamilie an schonbluhenden Arten auf der Erde gibt. Neben den prachtvollen in Hunderten von Abarten vorhandenen Cattlegen sind es besonders die lieb­lichen Phalaenopsis und Laelien, die den Beschauer fesseln, daun die wunderbaren Odvntvglvssum, die reichblüheuden Dendsobten und Hunderte anderer schöner, bisweilen bizarrer Blüten. Ein Belgier zeigte eine Pflanze, für welche ihm von einem Liebhaber 10 000 Mark geboten worden ist, ein anderer Ausländer machte ans ein neues Odontvglossum aufmerksam, das einen Wert timt 200 000 Mark repräsentiert. Der Wert der gegenwärtig tu Düsseldorf ausgestellten Orchideen wird von Sachtierstanbigen auf weit über 2 Millionen Mark geschätzt. Der größere Teil

und den Wohlstand dieses zu gründe gerichteten Landes i möglichst zu heben, bis der junge Raiah einmal die Zugel der Regierung in seine eigene Hand nimmt. Vorläufig I aber bin ich hier Herrscher und König."

Ja, jeder Zoll ein König! so sah er aus, dieser 5 hochgewachsene, breitschulterige Engländer mit dem ernsten, entschlossenen Gesicht und der natürlich-vornehmen Halt­ung^ Erregt ging er ein paarmal im Pavillon aus und | ti6' ,/Das Volk ha/mein Versprechen, das Versprechen der I britischen Regierung. Glauben Sie, daß ich deren Ehre I verpfänden werde, um die tvahntvitzige Eitelkeit emer alten | Jezabel zu befriedigen, und ein Land um einer Perlen- | schnür willen ins Verderben zu stürzen?"

,Das habe ich selbstverständlich niemals gedachü, ant­wortete ich.Allein ich bin fest überzeugt, daß, weriu Sie sich ihrem Willen widersetzen, sie alle Anstrengung machen wird. Sie zu vergiften."

Gut, ich will es darauf ankommen lassen und, wenn es sein muß, auf meinem Posten sterben. Uebrigens wird sie es weder wagen- Sie zu vergiften, noch Ihnen auch nur ein Haar zu krümmen, denn sie weiß, daß der Arm der englischen Gerechtigkeit lang ist, und so maßlos und unberechenbar sie auch in ihren ehrgeizigen Planen ist, ! so glaube ich doch, daß ich den Ränken eines wilden alten Weibes gewachsen sein werde." , ..

Ich hoffe es von ganzem Herzen, aber man soll nicht prahlen, das bringt Unglück." ,

Prahle ich? Nein, ich stelle nur eine Tatsache fest. Glaubt übrigens die Rani wirklich, sie könne mich durch eine Versuchung, und wäre sie auch noch so verlockend, bewegen, zwanzig Lakhs Rupien auf Kosten des hungernden Volkes zu verschwenden und das Leben unzähliger Men- schen auf mein Gewissen zu laden?" ,

Ich weiß nur etwas von einer Drohung, worm aber liegt die Versuchung?" fragte ich erstaunt, da ich nicht wußte, was er meinte. c

Sie sind natürlich die letzte, die darauf kommen könnte. Wer die Rani und ich, wir sind nicht tm Zweifel darüber." , , , , ,

Ueberrascht sah ich ihn an, und langsam fuhr er fort: Die Rani Sundaram hofft, daß Ihre Drohungen, Ihre Angst, Ihre Bitten, und darf ich hinzufügen Ihr Liebreiz mich zum Nachgeben veranlassen könnten."

Sie weiß aber doch, daß ich Sie niemals bitten wurde, Ihr Wort zu brechen", stammelte ich verwirrt.Und nie­mals käme es mir in den Sinn, daß meine Person beim Walten der Gerechtigkeit irgendwie in die Wagschale fallen konnte." , t ...

Es wäre nicht das erstemal, daß persönliche Dinge den Ausschlag gäben", versetzte er trocken.

Ich zitterte am gauzeii Körper und vermochte nur zu murmeln:Ich bin überzeugt, daß Sie tun werden, was recht ist . . . daß Sie gar nicht anders handeln konnten. Ich. . . ich werde Ihre Antwort überbringen."

Trotz aller Anstrengung, sie zurückzuhalten, stahlen sich zwei dicke Tränen aus meinen Augen und tropften auf mein Kleid herab.

(Fortsetzung folgt.)

daß man allerdings wein, welche erworbenen Kenntnige uno wenpe abgelegten Examina ihn für diese hohe Ehre und Stellung würdig erscheinen lassen. Auch ist man sich in den ®9)cagoet Universitatskreisen noch nicht darüber emtg, welchen Titel der neue Professor von Amts wegen führen soll. In seiner ersten, sehr zahlreich besuchten Vorlesung verbreitete sich,Promwr Tufts über das Thema, daß die weibliche Koketterie eine ganz besondere und eigenartige Gymnastik darstellt, die gewisse, für das menschliche Leben sehr nützliche Fähigkeiten auf das herr­lichste zur Entwicklung bringt. Man dürse aber nicht aniiehmen, so schloß der Vortragende, daß durch die Koketterie die Energie des Menschen zu sehr in Anspruch genommen und zu anderen geistigen Befähigungen unbrauchbar gemacht weroe. ^m Gegen­teil! Durch die Koketterie werde gerade die höhere Intelligenz ganz bedeutend erweitert und vergrößert. Glückliches Land, >vo über derartige Nichtigkeiten ernsthaft debattiert und ernstyaft von den Zeitungen Bericht erstattet wird!

* Eine treffliche Lektion hat der Kätner von Oester­reich einem hohen Wiener städtifchen Beamten erteilen lassen, dem die Angelegenheit der Straßenpflege obliegt. Eines Tages erhielt dieser Herr die Einladung, sich mittels eines seiner harrenden Hvfwagens in das Kaiserliche Schloß nach Lamz zu begeben. Er wirft sich sofort in das sestlicye Gewand, steigt dann in den offenen Hofwagen, um auf dessen lautlosen Gummi­rädern dem Kaiserlichen Schloß entgegenzurollen. Von den schönsten Träumen beseelt, merkt der Glückliche garnicht, tote m bei; Nahe des Lainzer Schlosses der Trab der prachtvollen Pferde immer schlanker wird, die Straße, die seiner Obhut in oberster Estanz anvertraut ist, timt Pfützen und Löchern immer mehr erfüllt ist. Jetzt, im Angesicht des Lainzer Schlosses, greifen die kaiserlichen Pferde weit aus. Wie in toller Jagd setzen die Gummiradex des Wagens über die Pfützen, deren Inhalt hoch aufspritztuni» sich auf Pferde, Wagen, den Beamten und seinen Frack ergietzr Endlich halten die dampfenden Pferde vor dem Schlosse. Un­ehe noch der Herr den geringsten Versuch machen kann, die Argu­mente von der Lainzerstraße zu entfernen, steht schon lamelnd dec derzeitige erzherzogliche Hausherr von Lamz und Schwiegerfohs des Kaisers vor ihm. Zerknirscht stammelt der Unglückliche seine Entschuldigung für sein kotbespcitztes Aeußeres und oie Frage nach

war aus Belgien und England. Was aber die deutschen Gartner geleistet haben, steht mindestens auf gleicher Höhe. Das war nicht immer so. An Preisen wurden außer dem Kaiserpreise, einer riesigen Prunkvase von Meißener Porzellan und dem Ehren­preise des Kronprinzen, einem wertvollen Silbergegenstande m dieser einen Abteilung gegen 12 000 Mark in bar verteilt.: In der Hauptausstellungshalle fesselt besonders eme Palmenlandschast von Winter in Bordighera, der 14 Waggons Palmen nach Düsseldorf von der Riviera gebracht hat. Ferner Gruppen blühender Agaven und Palmenlilien, em Orangenham, merkwürdige Kaktusgewächse und andere Vertreter der Flora des sonnigen Südens. In der anderen Abteilung, die im Hinter­grund mit einer deutschen Gebirgslandschaft von packender Wirk­ung abschließt, breitet sich ein bunter Teppich blühender Azaleen und neuer winterharter Alpenrosen aus. Betäubender Tu t ent­strömt den Tausenden von Maiglöckchen, die eine Hamourger Firma in Form ein.r riesigen, fast mannshohen Kaiserkrone gebracht hat, und blühende Sträucher und Bäume umrahmen das Ganze, sodaß man sich in eine ideale Parklandschast versetzt wähnt. In den zahlreichen Gewächshäusern, soweit sie nicht, wie die Wasserpflanzenhäuser, für die Dauer der Aus­stellung bepflanzt sind, wetteifern die Gärtner von weit und breit mit ihren Erzeugnissen an Blumen und Pflanzen, wie ste die Jahreszeit und die Mode bringt. Hortensien und Geraniem Lilien nnd Amaryllis, Blatt- und Blütenpflanzen, füllen auch die übrigen Hatten und Zelte, während im Freien die Blumen- selder der holländischen Tulpeuzüchter^ und der bunte Fruhlmgs- slor der Erfurter und Quedlinburger Gärtner sich eben zu ent­falten beginnt. Es grünt und blüht auf den weiten Rasenslachen, in den Stauden und Baumquartieren, im buntesten Farlenwechsel. Die steilen Böschungen am Rhein sind zum Teil von geschickten Händen in reizenden Alpenpflanzen- und Blumengartchen, mit Händen in reizende Alpenpflanzen- und Blumengartchen, mit Teichen, Bachläufen und bergt, geziert, verwandelt worben, steber- all heiteres Leben, Betätigung von Kunst- und Schonheitchmn.