Ausgabe 
9.4.1904
 
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dafür gab, daß echte Kunst nicht unmodern werden kann, vb auch die Strömungen des Tages sich brausend zu anderen Ufern drängen. Ich glaube kaum, daß unter all den Genies von beute, ihm einer diesenNathan" nach- sstielt. ' A. R.

Vermischter.

* Ein Engländer über die Deutschen an der R i b i e r a. Unserelieben Vettern" jenseits des Kanals können sich anscheinend noch immer nicht an die Vorstellung gewöhnen, daß es auch andere Leute in der Welt gibt. Wenigstens erscheint es einem von ihnen als frechste An­maßung, daß auch die Deutschen die Schönheiten der fran­zösischen Riviera aufsuchen, die die Engländer bisher für sich gepachtet zu haben glaubten. Nur so ist eine der lieblichsten Stilübungen zu erklären, die seit längerer Zeit von Engländern über Deutsche bekannt geworden sind: ein köstlicher Klagegesang über dieGermanisierung der französischen Riviera", den ein Mr. Alex. Kenealy in der Daily Mail" anhebt und der es verdient, in seinen Haupt­zügen wiedergegeben zu werden:Tie Deutschen sind in der Riviera eingefaUen, und während ich hier schreibe, sitzt ein kräftiger Berliner am Spieltisch tm Kasino zu Monte Carlo und beißt verstohlen von einer'Frankfurter Wurst ab, wenn die Beamten sich abgewendet haben. Tie hordenweise Ankunft plumper Teutonen aus Hamburg und Berlin verändert die Luft in den heiteren Orten der Ri­viera. Nizza und Cannes sind voll von Deutschen, und ihre rauhen Kehllaute hört man sogar in Mentone, das fast ausschließlich britisch zu sein pflegte (!) Einige Leute lieben die Deutschen, andere nicht. Der ständige Riviera- besucher findet keinen Geschmack an dem Wechsel; daher herrscht bei den Franzosen der Eindruck vor, daß die Eng­länder glücklicher wären, wenn die Deutschen in Berlin blieben. Der deutsche Vergnügungsreisende trennt sich nicht leicht von seinen Ersparnissen. Gr hat öben erst Geld verdient, hauptsächlich indem er den Handel weg­schnappte, der das britische Geburtsreckst war, und wul es hier ausgeben, aber'nicht schnell. Jeder Frank wird oft gezählt, ehe er ausgegeben wird, und man verninimt jedesmal laute, tiefe Ausdrücke des Schmerzes, wenn der Deutsche denkt,betrogen" zu sein; und dabetrogen" zu werden die Hauptbeschäftigung des Reisenden in dreien Gegenden ist, hört man viele Einsprüche in teutonischer Sprache. . . . Manche glauben, daß das Herbeiströmen der Teutschen die Roulettezimmer noch unangenehmer machen wird. Tie Herren aus Berlin geben das Handeln nicht auf, wenn sie hierher kommen. Sie machen Geschäfte in den Restaurants, in denen man Geldfragen nur gerade vor dein Fortgehen erörtern sollte. Sie wollen die Tinge kennen lernen, ehe sie essen. Meistens wohnen sie in Pensionen für 10 Fr. täglich, und bet Ciro oder im Hotel de Paris essen sie dann ein Schinkenbrot und trinken ein Glas Bier, wobei sie dann in der Nähe des Herzogs von Tevon- shire oder eines russischen Fürsten sitzen. Ein bekannter Croupier erzählte mir, daß ein Deutscher an den Spiel­tischen doppelt soviel Platz wie ein Mann anderer Nationali­tät einnimmt und nur etwa ein Trittel soviel wagt. Es ist also klar, daß die Tividende der Blancschen Gesellschaft herabgesetzt oder die Zahl der Tische vermehrt werden muß, wenn mehr Berliner hierher kommen. Tausende von Eng­ländern, die früher hierher kamen, haben in diesem Jahre nicht die Mittel dazu, während Tausende von Deutschen, die früher nie hierher kommen konnten, jetzt an der Riviera sind und die Tinge möglichst auf eine Mer- und Käse­grundlage bringen loollen. Tie Franzosen denken bei dem Herbeiströmen der Teutschen nicht an Elsaß-Lothringen, auch haben sie keine Vorteile gegen sie, weil sie Preußen sind. Tie Bewohner der Riviera kümmern sich nicht um die Nationalität ihrer Besucher. Sie bemerken eine neue Art eines seltsam klingenden Französisch und schreiben ihre Rechnungen, wie wenn nichts gewesen wäre. Es ist er- auickend, einen Teutschen beim Roulette verlieren zu sehen. Gr setzt, 5 Fr cs. In einem Augenblick wird es von der Bank eingeharkt. Ter Deutsche sieht dahin, wo es seiner Meinung nach sein sollte, sieht es nicht, reibt sich die Augen und wundert sich. Inzwischen wird er schon von einem andern Teutschen fortgedrängt, dem es ebenso geht. Nun

sitzen beide da und starren sick in einem Zustand geistes­abwesender Schwermut an. Nachher steigen sie zu ihrer Pension hinan, schreiben einen ausführlichen Bericht nach nach Hamburg, verbrauchen Papier für 2 Frcs. und rächen sich an der Wirtin, denn der Deutsche bezahlt keine Neben­ausgaben. Tie Deutschen sind reifend häuslich. Sie reisen mit Schwiegermutter, Frau, Kinoerfrau und Kinderni die Kinder und Kinderwagen müssen beim Kasino umkehren. Oft wundern sie sich über die Kleidung der Briten, machen einander darauf aufmerksam und lachen, obgleich ihr eigenes Aussehen sie gegen jede Würdigung des Seltsamen un­empfindlich gemacht haben sollte. Nicht alle Teutschen be-i nehmen sich so, tm ganzen genommen sind sie harmlos und unschädlich, und ich schreibe nur über sie, weil sie ein neues Moment in der Szenerie sind. Tas hiesige Hotel de Paris gab im vorigen Jahre 70 Proz. Dividenden, die Spielsäle fast 50 Proz. und fast jeder hatte Nutzen davon. Wird das so bleiben, wenn Monaco weiter germanisiert wird? Wenn die hierherkommenden Teutonen wie die oben geschilderten sind, sicherlich nicht."

Literarlsches.

Die Lehren der Chemie haben zweifellos zur Vervollkommnung der Kochkunst beigetragen, die Gesetze der Physik für die Verbesserung unserer Heizungs- und Wohnungsanlagen, die Forschungen der Botanik und Zoologie endlich verschafften uns sichere Kenntnis aller unserer Freunde und Feinde aus dem Pflanzen- und Tier­reich. Wer das Gebiet der Naturwissenschaften und ihrer Gesetze ist ein zu bedeutendes, als daß es jemals von dem einzelnen Menschen, geschweige denn von dem mehr auf das Häusliche gerichteten Sinn unserer Frauen und Jung­brauen, erfaßt werden könnte. Die tägliche Beobachtung zeigt, daß die meisten unserer jungen Frauen verhältnis­mäßig wenig auf diesem Gebiete und seine Anwendung im Haushalte Bescheid wissen. Da springt nun die allbekannte und beliebte FrauenzeitungFürs Haus" helfend und ver­mittelnd ein. Unter dem Beirat erfahrener Mitarbeiterinnen, otote von Gelehrten und Fachleuten aus allen deutsch- prechMden Gegenden wird in diesem Blatt das Hauswesest n seiner ganzen Vielgestaltigkeit eingehend besprochen. Küche, Wäschebehandlung, Zimmerschmuck finden ebenso sach­gemäße Erörterung wie die feineren Genüsse des Familien­lebens, die gesellige Unterhaltung, Gesundheitspflege, Kindererziehung, Hebung der Dienstboten k.Denken Sie", schreibt dem Blatte eine Leserin,daß ich mir stets eingebildet, ich sei eine gute, d. h. sparsame Wirtschafterin! Allein seitdem ichFürs Haus" im Hause habe, erkenne ich! erst die mancherlei Lücken auch in dieser Beziehung!" Denjenigen Hausfrauen, welche dem Blatte bisher noch keine gastliche Stätte in ihrem Hause eingeräumt, titelet sich jetzt zu Beginn des Monats willkommene Gelegenheit, das Versäumte nachguholen. Es wird dies niemanden gereuen. Eine Probenummer erhält man in jeder Buchhandlung, so­wie auch durch die GeschäftsstelleFürs Haus" zu Berlin SW. Die erweiterte Salon-Ausgabe monatlich 70 Pfg. dürfte in ihrer vornehmen Ausstattung zweifellos einest Anziehungspunkt für die begüterte Kasse bilden. Man erhält Probenummern in jeder Buchhandlung oder direkt bei der GeschäftsstelleFürs Haus", Berlin SW. 68.

Pyramide.

(Nachdruck verboten.)

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Vokal.

asiatische Stadt.

englisches Getränk.

Vorname.

»<«««« Vorname.

B X Singvögel.

Von der Spitze beginnend ist jede weitere Reihe durch Hin- zuiügung eines neuen Buchstabens unter beliebiger Stellung der übrigen Buchstaben zu bilden.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösuitg des Scherzrätsels in vor. Nr.r Prozeß.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brübt'kcken llnirerfltatk-Vuch- und Steint ruderet. 91. Lange Gießen