Ausgabe 
9.4.1904
 
Einzelbild herunterladen

1904

Samstag den 9. April.

MU

W W

m iq !

JÄ0BW1

WWßWLS!

! l6:~ :~r>

(Nachdruck verboten.)

Im der AZjah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

Als Mrs. de Villars und ich am folgenden Morgen zu später Stunde beim ersten Frühstück saßen, wurde ihr die aus England eingelaufene Post überbracht, und sie machte sich daran, die Briefe zu öffnen. Plötzlich wandte sie sich zu mir.

Mas sagen Sie dazu? Uebermorgen reise ich, nach Japan! Ja, ja, Sie staunen, mir aber geht nichts über eine Abwechslung. Lobbys Verwandte sind nämlich auf dem Wege dahin, und rttm reicht es gerade noch!, daß ich in Colombo mit ihnen zusammentreffe. Tie werden Augen machen! Schon lange wünschte ich Japan kennen zu lernen, und hier bietet sich mir nun die Gelegenheit!" Sie klatschte vergnügt in die Hände.In drei Monaten werde ich zu­rück sein, vielleicht auch erst in sechs, da ich unter Um­ständen über Amerika und England reise."

Ich war zu sehr bestürzt, als daß ich hätte sprechen können, und so fuhr sie fort:

Ich werde das Haus schließen und es in Ahmeds Obhut lassen. Tas Silberzeug schicke ich auf die Bank, Hunde und Vögel wird Mrs. Black nehmen. Lobby muß eine Drahtnachricht geschickt werden, vielleicht entschließt er sich, seinen Urlaub in Pokohama zu verbringen. . . Es ist wohl besser, Sie schreiben den Leuten, die zum Gabelfrühstück kommen wollten, ab und sagen, ich hätte eine dringende Abhaltung . . . und dann... ad) richtig" eine lange Pause folgtewas soll aus Ihnen werden?"

Beide Ellbogen mit den ausgefranzten Aermeln auf den Tisch stützend, starrte sie mich an. Heute noch sehe ich sie deutlich vor mir mit ihren großen schwarzen Augen, dem zerzausten natürlichen Lockenhaar und dem abgetra­genen, rosafarbigen Schlafrock.

nJa, was soll aus mir werden? "wiederholte ich lachend. >,Für die Hunde, das Silber und die Vögel haben Sie gesorgt, was aber wollen Sie mit mir machen?"

Es ginge wohl nicht, daß Sie eine vorübergehende Stelle annehmen, sagen wir auf drei Monate. . . oder auf eigene Kosten mit mir reisten?"

O nein, dazu fehlen mir die Mittel", antwortete ich rasch«.Ueberhaupt werde ich, Indien nur verlassen, um nach England zurückzukehren."

Nun denn, so hören Sie mich mal an. Ich schulde Ihnen zwei Monate, das macht hundertzwanzig Rupien, und außerdem werde ich Ihnen, weil ich. Ihnen doch so Knall und Fall kündige, noch vierzig weitere geben, dazu ein glänzendes Zeugnis."

Sie stand auf, wandte sich aber dann wieder um. >,Nein, ich habe mir's anders überlegt: hundert Rupien

I will ich Ihnen mehr geben, denn Sie haben sich wirklich als ein Kleinod erwiesen."

Rasch machte ich einen Ueberschlag. Mit dieser Summe ( und den noch von meinem Heckpfennig übrigen zwanzig Bfurb konnte ich nach Madras reisen, mich dort nach einer tellung umsehen und übers Jahr von meinen Erspar­nissen die Ueberfahrt nach England bestreiten. Wahrhaftig, ich hatte genug von diesem Wanderleben in Indien!

Gut denn, ich danke sehr für Ihre Freundlichkeit. Sobald Sie es wünschen, werde ich zur Abreise bereit sein."

Nun ,so fliegen Sie und kündigen Sie der Dienerschaft den Dienst auf. Dann packen Sie die Sachen im Salon ein, die Photographien, Wandzierraten und seidenen Kissen, auch die Teppiche müssen aufgerollt werden . . . Doch nein, bleiben Sie und schreiben Sie zuerst die Briefe . . . oder warten Sie, es ist besser, das Silber wird zuerst eingepackt, damit man es auf die Bank bringen kann."

Rasch eilte ich davon, rief zwei Diener zur Hilfe herbei, und als ich mit dem Zählen, Aufschireiben und 'Einpacken des Silbers nahezu fertig war, erschien Mrs. de Villars im Hut."

Ich will mal schnell zu Mrs. Black hinüber gehen und sie bitten, daß sie die Vögel und Hunde zu sich nimmt, und nach nochmaliger Ueberlegung finde ich es doch besser, daß man den Gästen zum Gabelfrühstück nicht abschreibt, und da brauchen wir natürlich das Silber."

Mrs. de Villars' schlimmste Eigenschaft war ihr Wankel- mut und das fortwährende Umstoßen ihrer eigenen Pläne. Taß sich dies während der folgenden Tage besonders fühl­bar machte und sie noch ruheloser und aufgeregter war als gewöhnlich, läßt sich denken. Selten kam ich vor zwei Uhr morgens zu Bett.

Ich glaube, in solch geordnetem Zustande habe ich das Haus noch nie verlassen!" rief Mrs. de Villars am letzten Abend, behaglich die mageren Hände reibend.Sie sind ein wahrer Schatz! Nun sagen Sie mir, was haben Sie für Pläne?"

Ich beabsichtige, nach' Madras zu gehen, um mich nach einer Stellung umzusehen. Später gedenke ich nach Eng­land zurückzukehren und mich als Klavierlehrerin nieder­zulassen."

Puh, was für eine Aussicht! So weit wird es übrigens niemals kommen. Sie heiraten natürlich vorher. Das war mit ein Grund, weshalb ich Sie nicht häufiger in Gesell­schaft mitgenommen habe; ich fürchtete nämlich, Sie zu ver­lieren. Wenn Sie einen Verehrer gefunden und sich verlobt hätten, so wäre ich wieder schön in der Patsche gewesen. Nun ist zwar, wie ich fürchte, der umgekehrte Fall eingetreten: ich lasse Sie in der Patsche sitzen. Wer leider ist die Sache eben nicht zu andern. Ueberall, wo Sie sich gezeigt haben, sind Sie sehr bewundert worden, das sage ich Ihnen zum Trost, und wenn ich nicht nach Japan ginge, so hätte ich Sie das nächste Jahr mit nach Marbleishwar genommen und Ihnen eine gute Partie verschafft."