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Kinder hassen ihn von ganzer Seele, aber dieses Mal bezwingen sie ihren Widerwillen und lassen sich von gewissen Erwägungen bestimmen.
„Weißt Du was, Nina?" sagt Wanja und reißt die Augen weit iciiitf, „wolMr wir doch lieber statt des Pferdes den Nero Water sein lassen! Das Pferd ist doch tot, und der ist ganz lebendig!"
Den ganzen Abend erwarten sie die Zeit, wo Papa sich an d.'n Kartentisch setzen wird und man Nero unbemerkt in die Küche bringen kann. . . Jetzt endlich setzt sich Papa zum Spiel, Mama macht sich an der Teemaschine zu schaffen nnd gibt nicht acht aus die Kinder. . . Der Augenblick ist günstig. . .
„Wollen nur gehen!" flüstert Wanja der Schwester zu.
Aber in diesem Moment kommt Stephan herein und meldet lachend:
„Gnädige Frau, der Nero hat die kleinen Katzen aufgefressen !"
Nina imb Wanja erbleichen und sehen Stephan erschrocken an.
„Jawohl", lacht der Diener, „er ging an die Kiste nnd fraß sie auf." Die Kinder glauben, daß jetzt alle Leute, soviel ihrer im Hause sind, in Aufregung geraten und sich aus deu Bösewicht Nero stürzen werden. Aber die Leute sitzen ganz ruhig auf ihren Plätzen und wundern sich bloß über den Appetit des großen Hundes. Pasta und Mama lachen . . . Nero geht imt den Tisch, wedelt mit dem Schwänze und leckt sich selbstgefällig das Maul. . .
Unruhig ist nur die Katze. Mit gestrecktem Schwänze geht sie in dem Zimmer unrher, schaut mißtrauisch die Menschen an und miaut wehmütig.
„Kinder, es ist schon neun! Schlafenszeit!" ruft die Mama.
Wanja und Nina legen sich zu Bett, weinen und denken noch lange an die tiefgekränkte Katze und an den grausamen, frechen und unbestraften Nero . . .
Oesuwdheitspfl'ege.
* Der Schnupfen ist das Merkmal der jetzigen Zeit des tleberganges von der warmen zur kalten Jahreszeit. Sowie ein Tag Regen oder kühlen Wind bringt, hört und sieht man Menschen mit Schnupfen behaftet. Tie Ursache liegt in der Stubenhockerei, dem Mangel an körperlicher Arbeit. Abhärtung und körperliche Arbeit schützen vor vielen Erkrankungen. Richtige Abhärtung bedeutet nicht, wie viele irrtümlich glauben, schlechthin Strape- zierung des Körpers durch kalte Wasscrabrcibungcn und dünne Bekleidung; solche Abhärtungsmaßnahmen eignen sich durchaus nicht für jeden. Richtige ^Abhärtung besteht vielmehr in dauernder, elastischer Funktionsfähigkeit der Ausscheidungsorgane des Körpers, also der Haut, der Atmungsorgane, des Darmes und der -Nieren. Diese werden hauptsächlich intakt erhalten durch sorgfältige Hautpflege zur Offenhaltung der Hautporen. Regelmäßige warme Bäder mit kühler Brause sind hierzu Vorbedingung. Tann muß man aber wenigstens für einige körperliche Arbeit sorgen, wenn der Beruf solche nicht bietet. Ta wird nun die Zimmcrgymnastik empfohlen. Gewiß, sie ist nicht übel; allein wir meinen, daß Holzhacken oder Gartenarbeit wie Umgraben, das Herauftragen von Kohlen, ganz nach Neigung, viel besser ist als Zimmergymnastik. Tenn es lenkt den Sinn auf praktische Fertigkeiten, entlastet damit Gehirn und Nerven und erzeugt diejenige gesunde körperliche Ermüdung, die man nicht versucht ist, — wie die geistige Abspannung — durch Nervengifte, sondern durch Schlaf auszugleichen. Auch spart man das Geld für die durchaus nicht^billigen Geräte der Zimmergymnastik. Am meisten aber wird der Schnupfen dadurch hervorgerufen, daß man sich jetzt bei dein geringsten Zug von der frischen Luft absperrt. In Eisenbahnwagen und Zimmern schließt man ängstlich die Fenster. Wer wirklich im Sommer gewagt hat, bei geöffneten Fenstern zu schlafen, macht diese schleunigst bei den kühlen Nächten zu, aus Furcht vor Erkältung. Tie Folgen dieser Luft- nbsperrung zeigen sich sehr schnell in Schnupfen, Kopfschmerzen und anderen Erkältungen, die man gerade vermeiden wollte. Man fache nur einmal die richtige Ursache dieser Erkrankungen und findet sie (man gebrauche nur seine Nase) in der schrecklichen, verbrauchten Lnst geschlossener, ungeheizter Eisenbahnwagen und Ziinmer. Man sollte diese sofort leicht heizen, wenn die Luft- temperatur. darin unter 11 bis 12 Grad C. sinkt, dafür aber ausgiebig, auch des Nachts, lüften. Der Ausgleich zwischen Innen- und Außenluft - ist viel flotter nnd gründlicher in erwärmten Räumen, als in solchen, in denen die Luft zwischen den kalten und dann leicht feuchten Manern stagniert. Besonders jetzt kommt es auch auf sehr gute Turchsonnling und Auslüftung der Betten an. Tiefe dürfen, besonders für Leidende
rind Mutarme, ebenso wie das Schlafzimmer nicht feuchtkalt sein. Statt einige Kohlen zu verwenden, suchen manche in der Ueber- gangszeit ihr Zimmer durch ihre eigenen Ausdünstungen zu er» wärmen. Sie bekommen diese Sparsamkeit allerdings sehr rasch durch allerlei Erkältungen quittiert.
Literarisches.
— Ter Daheim-Kalender (Verlag von Velhagen u. Kiafing, Bielefeld rind Leipzig-, der alte bewährte Hausfreund der deutschen Familie, ist für das Jahr 1905 erschienen. Ter stattliche Band ist brillant illustriert, künstlerisch und gediegen, unter Anwendung aller neuen Errungenschaften des Buchschmucks, u. a. auch der farbigen Reproduktion; gleich das Titelbild, eine Landschaft nach Prof. Strützel, zeigt, was die heutige Reproduktions- kunst zu leisten vermag. Mannigfaltig und gediegen ist der Inhalt. Neben dem Kalenderstoff 'in engerern Sinne, rrcben einer ausführlichen Genealogie und gemeinnützigen Hinweisen sinden wir da eine geschmackvolle Zusammenstellung belletristischer Beiträge, die in ihrer Gesamtheit dem Kalender den Charakter eines almanachartigen Jahrbuchs verleihen. Ter Band enthält nicht weniger als vier Novellen von G. Frhr. v. Ompchda, Th. H. Pantenius, Hermine Villinger, Marie Scotta, dann einen famosen kunstgeschichtlichen Artikel von Tr. Ad. Rosenberg zu Ernst Riet- schels hundertjährigem Geburtstage, einen literarhistorischen „Schiller und seine Lotte" von Prof. Tr. Heinemann, einen geschichtlichen „Bon Boulogne na chAusterlitz" von W. v. Bremen :— alle an Erinnerungstage des Jahres anknüpfend, lieber die „Vögel unseres Gartens" plaudert H. Christiansen, Prof. Tr. Hehck berichtet über die „Entstehung unseres Neujahrs", G. Buß erzählt lustig vom „Reifrock und der Krinoline". Arved Jürgen- sohn bringt überraschend interessantes Material bei über „Stadt und Land im Lichte der Bevölkerungsstatistik". Rätsel, Rebusse, vor allem aber Gedichte (von Marx Möller, Frida Schanz, Fritz Erdener, Richard Zoozmann, Berta Semmig) runden den ilnter- haltungsteil ab. Ter Daheim-Kalender wird sich gewiß auch für 1905 zu seinen vielen alten zahlreiche neue Freunde erwerben.
— Albrecht Dürers Kleine Passion. Phototypisch nachgebildet in her Größe der Originale. Mit einführendem Text von Prof. Tr. Br. Meyer. Verlag von E. Haberland in Leipig-R. In Mappe 3 Mk. — Albrecht Dürers Holzschnitt- folgen. Erläuternder Text von Tr. K. Tscheuschner. Ebenda. Brosch. 1.50 Mk. —*• Dürers kleine Passion bedarf wohl kaum einer Empfehlung. Tie Passion Christi im Spiegel des deutschen Gemüts, schlicht, herb, tief empfunden. Wer sich in Dürer hineinfchdut, dem erschließt sich der gewaltige Ernst deutscher persönlicher Frömmigkeit. Wie großzügig wirkt gleich das köstliche Titelbild, der dornengekrönte Christus am Wege sitzend! Von dem lieblich wehmütigen Bilde „Christi Abschied von seiner Muttes werden wir immer tiefer in die Passion eingcführt, bis im Zusammenbruch imteT der Kreuztragung die tiefste Leidensstufe erreicht ist. Es folgen zwar noch Bilder furchtbarer Leiden, aber die Wildheit des Kampfes um den Tnlder her hat ausgetobt, und kraftvoller Triumph ist das Ende. Tas gut ausgestattete Werk ist bestens zn empfehlen. — Wer eine Anleitung zum tieferen Verständnis der einzelnen Bilder wünscht, dem bietet Tscheuschners Werk über die Apokalypse, die große und kleine Passion und das Marienleben liebevolle Handreichung. Ter Verfasser, ohne in krftiklöser Verehrung Dürers aufzugehen und die Schwächen einzelner Schöpfungen zu verschweigen, hat sich in den großen Meister so hineingelebt, daß er als getreuer Ausleger seines Wollens und Könnens ihn uns noch näher bringt, als es das eigne ungelehrte Schauen vermochte.
Die Natur.
Täglich gönn' ein Stündchen Dir Ein Gespräch mit der Natur!
Immer wirst bereichert kehren Tu nach Haus aus Wald und Flur.
Wenn Du schwankst in bangen Zweifeln
Soll ich dies tun oder das?
Eile, die Natur zu fragen!
Glaube mir, sie sagt Dir was! A. Ammann.
Einsetz-Rätfel.
Nachdruck verboten.
Durch Hinzufügung eines weiteren Buchstaben zu einem jeden der nachfolgenden Worte sollen zwölf neue Worte gebildet werden, deren neu hinzugesügten Buchstaben uns den Beginn eines neuen Jahresabschnitts nennen.
Erde Heck Kelle Last Hort Sand Brut Tag Ronde Buch Bad Eiker.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Worträtsels in vor. Nr.:
Windspiel.
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae, Gießen«


