Ausgabe 
8.8.1904
 
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ja gar nicht so schlimm, wie Du Dir das vorsteklst. Tie besten Witze, ber welchen am allermeisten gelacht wurde, machten die jungen Herren auf Kroatisch sie müssen freilich ein bißchen toll gewesen sein, da sie mir nicht einmal Vladoj übersetzen wollte."

Vladoj?" Was für ein Vladoj?!" inquirierte Frau von Höchstfeld streng,ich erinnere mich nicht, daß mir ein Herr dieses Namens vorgestellt worden wäre."

Aber, Mama, das ist ja der Leutnant, der mir so stark den Hof der mit mir so nett war", verbesserte sich 'Me Meine errötend,er meinte auch. . ."

Es ist genug", schnitt ihr Frau von Höchstfeld das Wort ab,übrigens, hieß der nicht Bi-bi-stra-ma?"

Erna hätte am liebsten vor Vergnügen aufgekreischt, doch sie traute dem Frieden noch nicht recht und rief des­halb nur, in verstohlener Freude tnit den Füßen trampelnd: Siehst Du, Du rannst seinen Namen auch nicht aussprechen! Denke nur, er heißt: Bi-e-li-ma-ri-no-vitsch! Und weil ich das nicht so leicht über die Zunge bringen konnte, so meinte er, ich solle ihn einfache bei seinem TaufnamenVladoj" rufen, ihm würde es nur Spaß machen. Findest Du das nicht komisch?"

Allerdings, sehr komisch!" entgegnete die Mama, jedes einzelne Wort scharf betonend,noch komischer finde ich es aber, -dgß meine Tochter . . ."

Durch Erichs Eintritt, der so lange im Stall geblieben war, um die richtige Wartung der Pferde zu überwachen, und nun mitteilte, daß es stark auf zwei Uhr gehe, wurde Mamas Serrnon unterbrochen.

Erna atmete erleichtert auf.

,>Du bist wohl recht müde, liebe Mama?" fragte Erich teilnahmsvoll. Diese nickte.

Das kannst Du Dir wohl denken, mein Kind. Ich glaube, heute werden wir alle ungewiegt einschlafen."

Erna konnte nicht anders und wenn es ein Kopf- stück kostete, sie mußte laut aufiichern.

Nu, was hast, Du denn schon wieder?" fragte der Water.

Oh nichts", erklärte Erna schmunzelnd,ich dachte nur, wie drollig es wäre, wenn Mama beim Schlafengehen noch gewiegt werden müßte!"

Ungezogenes Kind", schalt die Mama, obgleich sie innerlich selbst lächeln mußte,nun rasch zu Bett, hoffent­lich hast Du morgen einen artigeren Tag."

Du meinst heute, Mama, es ist doch schon längst Mitternacht," Frau von Höchstfeld seufzte.

Ach ja, das war ein schwerer Tag. Die vielen, wild­fremden Menschen mit ihrer beunruhigenden Herzlichkeit, dann dieser Pfarrer, von dem man nicht weiß, ob er es gut, oder schlecht meint, dann Du, Erwin, und auch Erich, die Ihr Euch als Säufer produziertet. . ."

Na, höre einmal!"

PJäwohl, als Säufer", beharrte sie,ich werde noch Jähr und Tag daran zuriickdenken an dieses Bi-bi-bar- bonikum."

Mlikum", verbesserte Erna lachend.

Nun, laßt es für heute genug sein", machte Herr von Höchstfeld der Unterhaltung ein Ende, griff nach, einem Leuchter Erich und Erna folgten seinem Beispiel und nach kaum einer halben Stunde lagen die zwei alten E Erwin und Eveline, und die zwei jungen E Erich und .Erna im festen, gesunden Schlaf.

Nach Verlauf einer weiteren halben Stunde erwachte Herr von Höchstfeld durch grellen Feuerschein, der von den Wirtschaftsgebäuden her in das Schlafzimmer drang. Lautes Stimmengeivirr und immer erneut heranrollende Wagen schienen ein Unglück nur zu bestätigen. Er hatte das Nötigste angezogen, als auch schpn Erich anklopfte, um die Eltern möglichst schonend von dem ausgebrochenen Feuer zu unterrichten,

Frau von Höchstfeld, an allen Gliedern zitternd, im Negligee und die Nachthaube auf dem Kopf, stürzte zur Tür hinaus. "

Ist das die Feuerwehr, die wir anfahren hörend" fragte sie bebend. .

Aber, Mama, hier gibt es doch gar keine Feuerwehr :;

M3 werden wohl Dauern mit Wasserfässern, sein."

Erich wollte davoneilen, aber der Vater hielt ihn noch Zurück.Sorge Du dafür", schärfte er ihm ein,daß falls oas Feuer herüberschlägt, unsere wichtigsten Sachen in Sicherheit gebrachst werden.

_Mein Schmuck!" schxie Frau von Höchstfeld' entsetzt auf, und Erna, in Unterrock und Frisiermantel, flog nach ihrem Schlafzimmer zurück, um ihr Tagebuch 'vor den gierigen Flammen zu retten.

Der nächste Weg nach dem Hofe führte über die breite Treppe durch den Salon. Den Leuchter in der Hand, stürzte Erich voraus, der Major, gleichfalls mit einem Leuchter, hinterdrein, dann kam Mama Höchstfeld mit fliegenden Haubenbändern, und schließlich Erna, krampfhaft das Tagebuch an sich pressend und dabei immerzu gellend Hilfe, Hilfe!" schreiend.

Im Nu hatte Erich die Tür ausgesperrt. Mit einem Ruck stieß er sie weit auf, und mit einem zweiten blieb er wie angewurzelt auf der Bordschwelle stehen.

Was ist denn geschehen?" fragte die Mama, nahe am Weinen. Aber noch hatte sie nicht recht ausgesprochen- als ihnen schon vielmehrstimmiges Lachen und übermütige Gute, Morgen!" entgegendröhnten.

Die ganze Familie Höchstfeld stand wie versteinert da.

Graf Stepenaz und der Pfarrer waren die ersten, die den Salon betraten.

Na, was sagen Sie dazu, ist das eine Ueberraschung?" wandte sich der Pfarrer vergnügt schmunzelnd an Frau von Höchstfeld. Diese sah ihn perplex an.

Wir dachten, es sei Feuer ausgebrochen", stotterte sie endlich, noch in voller Erregung.

Ach, was denn nicht noch, Feuer das' sind ja unsere Fackeln", belehrte er sie.

Du großer Gott, und wir sind so schrecklich darüber erschrocken!"

. ,,Das macht nichts, darin liegt ja eben der W! ", weinte er strahlend vor Vergnügen,Sie werden erst nach und nach auf den richtigen Geschmack kommen."

Hilflos sah sie um sich, da traf ihr Blick Erna, zu der sich bereits derunaussprechliche" Leutnant gesellt hatte.

Ohne auf den Pfarrer oder auf sonst jemanden zu achten, packte sie diese am Arm und zog sie im Eil­schritt mit sich, aus dem Zimmer.

Schämst Du Dich denn nicht. Dich in einem solchen Auszug zu zeigen?" schalt sie dabei,den beiden Jüng­lingen präsentierst Du Dich barfuß, und nun ziehst '$|ii Dich gar noch mehr aus!"

Aber, liebe Mama, was kann denil ich dafür?" wehrte sich Erna. ~ ' '

das ist stark, das ist geradezu schamlos!" rief diese empört.Habe ich Dir vielleicht je solch ein Beispiel gegeben? Hast Du vielleicht je Deine Mama in derartiger Entkleidung vor fremden Leuten ... Wie darfst Du Dich unterfangen, noch zu lachen!" unterbrach sie sich.Willst Du Deiner Taktlosigkeit am Ende noch gar . . .?"

Aber, liebe Mania, so sieh Dich doch nur selbst anl" ries Erna ausgelassen dazwischen.

Verdutzt schaute Frau von Höchstfeld erst Erna, dann sich selbst an,

Herr, Du meine Giite", stöhnte sie auf,ich bin ja wirklich ganz kopflos! Ist es denn aber auch ein Wunder? Erst d.ie schreckliche Angst, daß uns das Haus überm Kopf abbrennt und dann dieser rücksichtslose Ueberfall das ist himmelschreiend!"

Erna fand es eher himmlisch als himmelschreiend, aber sie hütete sich wohlweislich!, der Mama, die ohnehin schock genügend aufgeregt war, zu widersprechen, sondern schlupfte eilends nach ihrem Zimmer, um mit ihrer Toilette so schnell als möglich fertig zu werdest.

Herr von Höchstfeld hatte mittlerweile entdeckt, daß Erich in Hemdärmeln' dastehe, und dieser hatte hinwieder den Vater auf dieselbe mangelhafte Bekleidung aufmerk­sam gemachst

Obwohl sonst nicht so leicht aus dem' Gleichgewicht zu bringen, fühlte sich dieser als alter Militär doch nicht wenig vor den Damen geniert, und eine vollkommen un­verständliche Entschuldigung stammelnd, verschwand er mit seinem Leuchter durch die rechte Tür und Erich ist dem­selben Augenblick mit dem seinen durch die linke.

Die Gäste blieben im Finsterst.

Na, das muß ich sagen, dass ist ja ein recht netter Empfang", polterte Graf von Stepenaz,diese Leute haben ja keinen Funken von Lebensart!"

Der Pfarrer tqstete sich, deist Klang der Stimme sol-