Montag den 8. August.
1804
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Kill angenehmes Kröe.
Humoristischer Roinan.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Erlia, in allen Künsten, von denen sie eigentlich am „enigsten verstehen sollte, am sattelfestesten, erbot sich natürlich sofort dazu, und wenn nicht die Mama ein sehr energisches Veto dagegen eingelegt hätte, so würde sie es wohl vom Fleck weg ausgeführt haben.
Schließlich benutzte Erich Len Bauer als Bock und schwang sich i'<> * dessen, Rücken hinweg in den Hof.
Aber auch Mt dauerte es noch eure geraume Weile, ehe sie einfahren konnten, weil niemand den Schlüssel haben wollte, und da sich diefaer trotz allen Suchens und Nachfragens nicht finden ließ, fo blieb tatsächlich nichts übrig, als das Schloß zu sprengen.
Außer Erna waren natürlich alle über diesan erneuten Zwischenfall empört. An Schlaf war nach dieser Aufregung nicht so bald zu denken, und so ließ man sich im Wohnzimmer nieder, um die Erlebnisse des wirklich ereignisvollen Tages Revue passieren zu lassen.
J-rau von Höchstfeld, die in der Eile erst alle Schränke und Fächer untersucht hatte, ob sie nicht mittlerweile erbrochen worden seien, fragte endlich ihren Gatten, was er zu den: Pfarrer sage.
„Ich werde aus ihm nicht recht klug", entgegnete dieser nach längerem Ueberlegen, „wenn nicht die verjmaledeite Geschichte zwischen uns stände, könnte er mir eigentlich ganz gut gefallen, . . ."
„Aber, Erwin, ich begreife Dich! nicht", unterbrach sie ihn ganz entsetzt, „ein Geistlicher, der sich! so benimmt, wäre doch bei uns geradezu undenkbar! Hast Du denn gesehen — sogar getanzt hat er — getanzt!"
. „Na, darin können wir nichts so schreckliches finden. Warum soll denn ein älterer Herr nicht auch, einmal ein Tänzchen wagen,?" meinte er, „ich habe es doch, gleichfalls getan."
„Du — das ist doch auch etwas anderes — Du List ja kein Geistlicher."
„Habe die Güte, liebe Eveline", bat er sie, „und fange nicht wieder mit Deinen Uebertreibungen an. Du weißt ganz gut, wie ich von ihm denke, versuche mich nicht erst noch mehr aufzureizen."
„Habe ich denn je so etwas getan", wehrte sie, „das ist mir doch nie im Traume eingefallen."
„Nun, dann verstehe ich nicht, was Du mit diesen Bemerkungen bezweckst! Tanzen ist doch schließlich keine Sünde — warum sollte also nicht auch ein Geistlicher,, und noch dazu im engeren Bekanntenkreis . . ."
„Und das nennst Du einen engeren Kreis!" unterbrach
sie ihn, die Hände vor Staunen zusammenschlagend. „Ich denke, daß da nahe an fünfzig Menschen herumtollten!"
„Es war aber doch zu himmlisch", lispelte Erna in seliger Erinnerung.
„Mit Dir werde ich morgen abrechnen", versprach iHv die Mutter, „Du hast Dich wieder in einer Weise benommen, daß es wohl am besten sein wird, Dich ins Pensionat zurüötzuschicken."
„Aber, liebe Mama, ich habe doch nicht mehr getan als alle anderen. . ."
„Schweig", rief die Mutter ernvört, „ich, will mich heute nicht noch mehr erregen, als ich es ohnehin schon bin. „O, mein Gott", stöhnte sie, „daß meine Nerven oas aushalten konnten, ist mir fast unbegreiflich."
Herr von Höchstfeld legte chr beruhigend die Hände auf die Schulter.
„Nun ja, liebe Eveline, daß Deine Nerven heute rebellierten ist freilich kein Wundep", meinte er, „indes . .
„Heute?" unterbrach sie ihn gekränkt. „Willst Du damit vielleicht sagen, daß ich sonst keine Nerven habe?"
„Ich wollte, ich! könnute es sagen", brummte er undeutlich in den Bart, worauf für eine Weile eine kleine Pause einttat.
„Und welcher Ton und welche Anschauungen in dieser Gesellschaft herrschen", fing Frau von Höchstfeld von neuem an, „ich weiß wirklich nicht, ob wir das Kind überhaupt noch mitnehmen können!"
„Na, weißt Du, Maina", meinte Erna schnippisch und ohne im Moment zu bedenken, wie viel sie schon auf dem Kerbholz hatte — „ich glaube, an so etwas gewöhnt man sich."
Frau von Höchstfeld war einfach sprachlos —■, allerdings nur für einen Augenblick, denn alsbald ergoß sich, über Erna ihr ganzes Sündenregister.
Der Major ging indes kopfschüttelnd auf und nieder^ endlich wurde es ihm doch zu viel, und er erinnerte seine Frau, daß sie sich ja diese Predigt für morgen Vorbehaltes hatte.
Sie sah ihn daraufhin mit einem bitterbösen Blick an, schwieg aber:
„Na ja, liebe Alte, Du bist heute ein wenig zu streng", suchte er sie zu besänftigen, „vergiß doch nicht, daß sie hier ein paar Jahrhunderte zurück sind. Unsere Ahnen werden sich auch in einem freien Ton unterhalten haben, das ist doch weiter nicht so schlimm —f mit den Wölfen muß man eben heulen."
„Du und Dein Sohn, Ihr mögt heulen, ich und Erna nie!" entgegnete sie pikiert.
Erna hatte die Schelte schon längst wieder abgeschüttelt und erklärte keck:
„Was Erich kann, kann ich auch!" —. doch als sie Mamas streng verweisenden Blick auf sich ruhen fühlte, fand sie es doch für angezeigt, klein beizugeben, und sich 'zaghaft an die Mutter hersnschmeichelnd, sagte sie: „Es war


