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wischen wie bei dem Götzendienst der Inder und Birmanen. Auch die Kriegstänze der Wilden müssen dazu gezählt werden. Sie haben mit dem Ballett nichts zu schaffen. Das Ballett als mimisch­plastische Vorstellung finden wir zuerst bei den alten Römern. Im Mittelalter wurde das Ballett in Italien sehr gepflegt. Dort lernte wohl auch der Kardinal von Richelieu das Ballett kennen, in dessen Komponierung er es später zu einer gewissen Meisterschaft brachte. Wenigstens Rühmen seine Zeitgenossen die von ihm erfundenen Balletts als unübertrefflich, und Ludwig XIII. tat sogar seinem Minister die Ehre an, in einigen dieser Balletts mitzutanzen. Solange trat das Ballett als Vorstellung selbständig auf, kurze Zeit nachher wurde es in die Oper verflochten, aus welchen Banden es erst von Noverra nach mehr als hundert Jahren befreit wurde. In dieser Zeit und in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts feierte das Ballett große Triumphe und stand im Vordergrund des öffentlichen Interesses; heute ist das nicht mehr der Fall. Es werden zwar noch selbständige Balletts geschrieben und ausgeführt, meist aber verlegt man ein Ballett in eine andere dramatische Aufführung, eine Oper, Operette oder ein Ausstattungsstück. Die Balletts, die seit einigen Jahren int Zirkus aufgeführt werden, sind mehr Pantomimen als Balletts.

Wie schon oben gesagt, der Tanz muß etwas Kulturfeindliches an sich habm man sehe heute das Theater an. Wo sind die großen Balletts, wieSardanapal",Flick und Flock",Der See­räuber" und andere geblieben? Wo sind die Zeiten, da ein Gluck, Chernbini, Beethoven für das Ballett komponierten und Dichter wie Heine sein TanzpoemDoktor Faust" schrieb? Vorbei, vorüber! Vielleicht bringt eine neue Zeit dem Ballett wieder neuen Aufschwung, augenblicklich scheint es jedoch seinen Höhepunkt überschritten zu haben.

Allein die Kunst ist wie alle irdischen Dinge dein Geschmack und der Mode unterworfen, auch darf man annehmen, daß ein Kunstgenre, das Jahrtausende überdauert, niemals ganz zu Ende gehen kann, auch spricht der Umstand tröstlich mit, daß in einer Kunst, die so sorgfältiges Studium, eine so völlige Hingabe ver­langt, etwas Großes steckt. Und wirklich Großes geht nie unter.

Ja, ein Studium erfordert der Tanz, eine Vorbereitung wie keine andere Kunst, ivie kaum ein zweiter Stand auf Erden. Schon von frühester Jugend an, lange vor dem zehnten Jahr müssen die Eleven der Tanzkunst für das Ballett vorbereitet werden. Die Mädchen wenigstens; aber auch die männlichen Mitglieder des Balletts müssen sehr zeitig, spätestens mit 15 bis 17 Jahren an­fangen, sich für ihren Beruf vorzubereiten. Deshalb ist das Ballett auch vor allem, wie man zu sagen pflegt, eine Familien­kunst, d. h. eine Kunst oder ein Beruf, den fast stets Kinder ergreifen, deren Eltern dem Stande bereits angehören. Zuweilen zwar tritt von außerhalb der Berufsspäre Nachwuchs ein, allein das ist selten, und noch seltener ist es, wenn aus einem, dem Theater gänzlich fernstehenden Kreise ein Novize dem Ballett zugefügt wird. Den bürgerlichen Kreisen fehlt vollständig der Blick, das Talent des Tanzes in einem Kinde zu entdecken. Der Junge, der gut zeichnet, hat Talent zum Malen, wer Figuren kneten kann, in dem steckt ein Bildhauer, wer eine schöne Stimme hat, kann Sänger, wer gut deklamiert, viele meinen auch, wer gut Gesichter schneiden kann, muß Schauspieler werden. Aber Tänzer, Tänzerin? Da weiß niemand Bescheid. Welches Kind springt und tanzt nicht gern, wer soll da herausfinden, ob das Talent zum Tanz oder Jugendübermut ist. Da bedarf es denn gewöhnlich eines äußern Anstoßes, eines glücklichen Zufalls oft ist es auch ein unglück­licher, um dem Novizen die Tür zum Ballett, vorerst jedoch die zur Ballettschule zu öffnen.

Solche Ballettschulen sind beinahe an jedem größeren Hof- oder Stadttheater eingerichtet, sie stehen unter einem Ballettmeister und einer Balletmeisterin. Die Uebungen sind sehr anstrengend: stundenlang müssen die kleinen noch schulpflichtigen Mädchen pro­bieren, Kniebeugnngen machen, Beine und Zehen strecken. Mancher Rekrut würde bei solch einem Exerzieren vor Erschöpfung und Ueberanstrengung umfallen; die kleinen Dinger,Ratten" nennt tnan sie im Theaterjargon, halten aus. Freilich sind die Sehnen noch weich, die Muskeln nachgiebig und elastisch. Exercies an der Stange, und außer der Stange. Diese Stange ist eine wirkliche Stange, welche etwa in Brusthöhe längs den Wänden des Uebungs- faales angebracht ist und an welcher sich die Eleven während der Uebungen mit den Händen festhalten. Das Ereignis außer der Stange ist der zweite Grad der Lehrmethode für die, die schon die Anfangsgründe hinter sich haben, doch spielt die Stange im ganzen Leben der Tänzerin eine bedeutende Rolle, und es vergeht kein Tag, ohne daß sie einige Uebungen an dieser macht. Ja, es ist Notwendigkeit, daß die Tänzerinnen des Abends, ehe sie auftreten, an der Stange probieren, bis siewie der Kunstausdruck lautet, warm werden". Solotänzerinnen tanzen sogar dicht vor ihrem Auftreten in dem Probesaal so lange, bis sie in Schweiß kommen, dann erst sind sie fähig, vor dem Publikum zu erscheinen. Bei einer solchen Ausübung des Berufs kann man sich leicht vorstellen wie die Vorbereitung betrieben werden muß. ließen, üben von morgens bis abends, zusammen mit anderen, allein, in Gruppen, zu zweien, unter den Augen des Lehrers oder auch sich selbst überlassen, immer üben, mit den Armen, den Beinen, dem Kopf, dem Hals, dem Oberkörper, dem Unterkörper den Füßen, den Füßen ganz beson­ders. Alle diese Uebungen werden im Kostüm ausgeführt, in

Trikots und einem kurzen Röckchen, gewöhnlich aus Leinenstoff. Ein blousenartiges Leibck)en bedeckt den Oberkörper, an den Füßen trägt man Ballettschuhe. Diese Ballettschuhe zeichnen sich von andern Schuhen dadurch aus, dast sie auch nicht die geringste Spur eines Absatzes zeigen und die Sohle da aufhört, wo die Zehen anfangen. Es ist eine Kunst gute Ballettschuhe anzufertigen, eine Kunst, die man in Deutschland noch nicht begriffen hat, weshalb diese Schuhe meist aus Italien bezogen werden. Um, die Zehen, die, wie erwähnt, die Sohle frei läßt, einigermaßen zu schützen, durchziehen die Damen vom Ballett das Trikot unter der Spitze mit Baum­wolle.

Und der Erfolg aller dieser Anstrengungen? die Bezahlung? Kunst kann man nur belohnen, nicht bezahlen aber trotzdem, das Gros der Tänzerinnen ist schlecht bezahlt, 150 bis 200 Mark ist schon eine anständige Gage; wer 250 Mark verdienen will, muß Kon Hervorragendes leisten. Freilich, die Koryphäen der Kunst den Vermögen in die Tasche. Fanny und Therese Elßler, Maria Taglioni, Lola Montez haben Hunderttausende verdient, wie ihre berühmten Kollegen männlichen Geschlechts. Am verhältnismäßig besten werden noch dieRatten" bezahlt. So ein kleines Mädchen von zwölf bis dreizehn Jahren bekommt für jedes Auftreten 3 bis 5 Mark, also im Monat, wenn es viel beschäftigt ist, über 100 Mark. Das ist für ein Kind ein ganz anständiger Verdienst.

Ernst ist das Leben, heiter die Kamst, sagt Schiller in seinem Prolog zum Wallenstein, von letzteren: ist beim Ballett nichts zu merken, ernst und eintönig werden die Uebungen ausgeführt, ernst und eintönig die Proben abgehalten, ein Auseinanderplatzen der Meinungen ist nicht möglich, es gibt keine Meinung, es ist nur der Körper, der in den Dienst der Kunst gestellt ist, nur einer denkt, der Dirigent; alle andern folgen maschinenmäßig seinen Anord­nungen. Deshalb fehlt der goldene Humor, der das Bühnenleben so anziehend und versöhnlich gestaltet, beim Ballett ganz. Wohl kommen aiuch da komische Episoden vor, aber selten, sehr selten; und meist wachsen sie nicht auf dem Boden des Uebungssaales, son­dern werden von außen hereingetragen. Möge zum Schluß solch ein lustiger Vorfall hier Platz finden.

An einem Hoftheater wird ein Ballett einstudiert, in welchem eine Anzahl Krieger einen entflohenen Fürsten suchen, ein sogn. komisches Divertissement. Seine Durchlaucht, der ein großerFreund der Kunst und speziell des Balletts ist, befindet sich auf der Bühne und sagt zu dem Führer der Soldaten, es würde sich doch sehr komisch machen, wenn er, nach dem Entflohenen spähend, in den Souffleurkasten guckte.Zu Befehl!" sagt der Chorführer und guckt, als die Szene wiederholt wird, gehorsam in den Souffleurkasten.

Kaum aber hat der im Parkett sitzende Dirigent diese vermeint­liche Eigenmächtigkeit entdeckt, als er empört ausruft:

Was soll denn das heißen? Welcher Ochse hat Ihnen denn gesagt, sie sollen in den Souffleurkasten sehen?"

Dem Gesragten bleibt das Wort in der Kehle stecken, aber er braucht gar nicht zu antworten, denn mit den Worten:Ich, Herr Ballettmeister!" steckt Seine Durchlaucht den Kopf aus einer Kulisse.

Aber solche Momente sind selten, meist ist das Leben der Tanzkünstler kein allzu heiteres, und dennoch sieht man sie stets lächeln, immer lächeln. Ich habe sogar gehört, daß die meisten noch int Schlaf lächeln. Aber warum? Auch dieses Lächeln gehört zu ihrer Kunst, ist eingeübt und angewöhnt. Eine Tänzerin oder ein Tänzer, der mit ernstem oder gar finsterem Gesicht tanzen wollte, wäre etwas Entsetzliches, und so lächeln sie immer, selbst wenn sie's gar nicht nötig haben, um es nicht zu vergessen, wenn es angebracht ist. Von There Elßler wird behauptet, daß sie selbst im Sarge liegend noch gelächelt habe. Jedenfalls ein starker Erfolg enter Kunst, die ihre Priester zu seelenlosen Körpern macht und die ihren Wert einzig und allein in sich tragen muß, wenn sie nur den Leib derer, die ihr dienen uMd nicht auch ihren Geist beansprucht. Und wenn auch heute das Ballett nicht mehr auf der Höhe steht und nicht mehr das Ansehen genießt, wie ehemals, so ist seine Zett noch lange nicht vorüber, und es wird wieder erwachen zu altem Glanz und früherer Pracht. Das lehrt seine uralte Vergangen­heit, das lehrt der Ernst, mit dem diese Kunst ausgeubt wtrd.

Iagdaöerrteuer in den Dschungeln.

Unsere Sportsleute und Jäger können mit Neid auf ihre be- günsftgteren Kollegen blicken, deren Jagdfeld die Dschungeln In­diens sind. Von den Abenteuern, die dort threr warten, erzählt sehr hübsch der Engländer A. Mervyn Smith in feinem wen m London erschienenen BucheSport and Adventures tn the Indian jungle". Der Verfasser hat einen großen Teil seines beruflichen Lebens in den Dschungelbezirken Indiens zugebracht.

Geschichten von Tigerjagden sind ja schon genügend bekannt; weniger hat man von Jagden auf Brillenfchlangen gehört. Bet einer solchen hatte Smith ein aufregendes Erlebnis. Er erzählt, wie er in Begleitung zweier Eingeborenen an einen Ort kam, an dem sich ein Paar Königsbrillenschlangen aufhalten sollten. Als er dort angekommen war, wurde er unter einem Geflügelkorb ge­steckt, dessen Oesfnungen zu stein waren, als daß eine Brillen­schlange ihren Kopf hätte hindurchstecken können. Während er sich nun unter dem Korbe befand, kam eine der Schlangen heraus und wurde von den Eingeborenen mit Pfeilen beschossen.Dann