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Eindruck. Beim Heranfcchren sah ich einen ganzen Troß von Tienerschaft und Boten um die Veranda herumlungern. Einige warteten mit Briefen, andere auf Befehle, und im Hintergrund hielt ein pockennarbiger Schneider ein halbfertiges Kleidungsstück in die Höhe, um die Aufmerksamkeit seiner Herrin anzulocken.
Zu Anfang, als ich mir die Ausdehnung meines Wirkungskreises klar machte, schien es mir unmöglich, all den an mich gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Tie Unordnung, der Staub, die faule, freche Tienerschaft schreckten mich zurück. Allein scholl nach wenigen Tagen begann ich mich tri meine Umgebung zu finden. Ich stand früh auf, sah nach, ob die Tiener ihre Arbeit taten, und entließ die trägen. Ich . hielt die Schlüssel in meinem Gewahrsam, schloß die Vorräte ein und überwachte das Füttern der Pferde. Auch trug ich Sorge, daß der Gärtner stets frischst Blumen in Bereitschaft hatte, daß die Zimmer abgestaubt und die Pudel gewaschen wurden, und daß Mrs. de Villars nicht mit abgetragenen Handschuhen und zerrissenem Rock ausging. Nach und nach gelang es mir auch!, System und Ordnung in den Haushalt zu bringen, und sogar noch etwas Zeit zum Tennisspielen, Briefschreiben und zu der Oberaufsicht über Mrs. de Villars Kleider zu erübrigen. Ja, selbst für mich konnte ich noch einige freie Minuten erhaschen, wenn Mrs. de Villars ihren vielerlei geselligen! Vergnügungen nachjagte, zu denen ich sie nur ausnahmsweise begleitete. Auch empfing sie nur selten Gäste int eigenen Hause, so häufig sie selbst ausging. Sie scheute die Unbequemlichkeit, wie sie offen erklärte, und zog es vor, sich im Hause anderer zu unterhalten.
Im allgemeinen hatte ich meine Herrin übrigens recht gern, und bald gewann ich Die Ueberzeugung, daß sie sich selbst sehr zu ihrem Nachteil geschildert hatte. So nachi- lässig, unordentlich und heftig sie auch war, so hatte sie doch eine offene Hand und ein warmes Herz, und selten nur kam es vor, daß sie die Sonne über ihrem Zorn untergehen ließ, so stark er auch gewesen sein mochte. Zwei unangenehme Eigenschaften hatte sie allerdings, erstens ihre stete Ruhelosigkeit, denn nicht eine Viertelstunde lang konnte sie es am gleichen Platze aushalten, und dann die Unfähigkeit, zu einem Entschlüsse zu gelangen. So konnte sie zum Beispiel eine Einladung annehmen, den Boten aber, noch ehe er das Haus verlassen hatte, zurückrufen und den entgegengesetzten Bescheid geben, um dann, wenn er sich mit der Antwort wirklich! auf dem Wege befand, laut ihren Entschluß zu bereuen. Auch erzählte sie mir, wie es ihr vor meinem Kommen öfters begegnet sei, daß sie Einladungen zu Essen abgeschickt, diese dann aber vollständig vergessen und irgend einen Ausflug gemacht habe, sodaß die Gäste -empört mit hungrigem Magen aus der dunklen Wohnung abziehen mußten.
„Sie können sich denken, daß ich mich! infolgedessen keiner allzu großen Beliebtheit erfreue", schloß sie ihr Bekenntnis. „Seit ich aber Sie zur Unterstützung habe, steige ich bereits wieder in der öffentlichen Gunst."
Bei all ihren Eigentümlichkeiten kamen wir doch erstaunlich gut mit einander aus. Sie versicherte mir wiederholt, daß sie sich noch nie so wohl in ihrem Hause gefühlt habe, und daß ihr mein ruhiges Wesen gefalle. Jedenfalls war ich eine gute Zuhörerin, denn wenn wir allein zusammensaßen, so sprach sie unaufhörlich und fast ausschließlich von sich selbst. Noch war ich keine Woche in ihrem- Hause, so hatte sie mir schon anvertraut, wann und wie sie die Bekanntschaft ihres ersten Gatten, Md. Lobbs, gemacht ,und wie sie sich mit ihm verlobt habe. Ich wurde mit den Namen und Angelegenheiten ihrer sämtlichen Verwandten aufs genaueste bekannt gemacht, und keine Einzelheit über ihre persönlichen Triumphe, ihre kleinen Kümmernisse,- ihre Toilettensorgen, sowie ihre Freundinnen und! Feindinnen blieb mir erspürt.
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Allmählich war die Zeit des großen Tenniswettspiels herangerückt. Auf -dem weiten Rasenplatze drängten sich die Menschen, und ich befand mich ebenfalls dort, wenn auch nur unter den Zuschauern. Auf einer Bank sitzend, beobachtete ich Mts. de Villars, die an diesem Tage nicht mit Glück spielte und, wie mir schien, nicht weit von einem! heftigen Zornes ausbruch war. Ich sah es an ihrem erregten Gesicht und ihren ungeduldigen Bewegungen.
„Miß Ferrars!" rief plötzlich eine Stimme. „Tas Nenne ich eine Ueberraschung!"
„Tas schadet nichts. Sie brauchen sich nur so zu benehmen wie jetzt, kühl, höflich und würdevoll. Sie haben ein solch achtunggebietendes Wesen. Ich bin fest überzeugt. Sie verlieren niemals Ihre Selbstbeherrschung und werfen Nicht in der Wut mit den Sachen um such, wie ich es tue, wenn man mich reizt."
„Tas kann ich wohl allerdings versprechen", antwortete ich lächelnd aus innerster Ueberzeugung.
„Tobby behauptet immer, ich hätte kein Stiftern, und da hat er auch recht. -Einen Tag stehe ich zum Beispiel um fünf Uhr auf und renne wütend und scheltend im Hause umher, dann kümmere ich mich wieder Wochen lang um nichts, stehe spät auf und lasse den Dingen ihren Laus. Sie haben danach zu sehen, daß der Gärtner die Blumen in Ordnung hält, der Diener die Zimmer abstaubt, der Koch die Speisen zur rechten Zeit und wohl zubereitet herauf- fchickt. Sie müssen die Vorräte einkaufen lassen und austeilen, und vor allem niemals mich um Rat fragen."
„Ich will es versuchen; will mir jedenfalls alle Mühe geben."
„Cie sollen gänzliche Vollmacht über alles bekommen. Auch nach! den Ställen müssen Sie sehen, und daß die Pferde ordentlich versorgt werden und ihr regelmäßiges Futter bekommen. Tann werden Sie Briefe für mich zu beantworten haben und mich unterhalten, wenn ich allein zu Hause bin. Hoffentlich spielen Sie SenniS ?"
„Ja, aber nur ganz mittelmäßig."
„Ich spiele mit wahrer Leidenschaft, stundenlang. Auch! eine Menge Preise habe ich schon bekommen. Reisen und Tennis sind meine beiden Lieblingsbeschäftigungen. Ich werde Sie bitten, recht früh aufzustehen und mit mir zu iben, da ich mich im nächsten Monat bei einem großen Wett- piel beteiligen und dabei meinen Ruf als gute Spielerin behaupten möchte."
„Es wird mir Vergnügen machen, aber ich sage im voraus, ich spiele nicht gut."
„Nun, ich denke, das ist alles, was ich Ihnen sagen wollte. Richtig: auf die Vögel und Hunde, die Java-Sper- linge, den Papagei, die weißen Pudel und besonders über Tobby, das Wachtelhündchen, müssen Sie ein wachsames Auge haben."
Mir sank allmählich der Mui bei dem sich mir eröffnenden Wirkungskreis. Tie Oberaufsicht über einen großen, ungeordneten Haushalt führen, mich dieser aufgeregten Dame annehmen, die Dienste einer Gesellschafterin, Sekretärin, Haushälterin, Kammerjungfer verrichten, die Pferde und Hunde überwachen und dabei stundenlange Tennisübungen mitmachen ... das hieß so viel wie nichts zu tun haben!
. Während dieses Gespräches fuhren wir durch die Straßen Punahs, einer reizenden, belebten, schattenreichen Stadt, vorüber an prächtigen öffentlichen Gebäuden, an Bazaren, Läden und hübschen Bungalows, die unter purpurroten und gelben Schlingpflanzen fast ganz versteckt und von den herrlichsten Bäumen überschattet waren. Auch! einer Menge hocheleganter Wagen aller Art begegneten wir, die mit ihren bunt gekleideten Insassen dem ohnehin hübschen Städtebild einen besonderen Reiz verliehen.
„Ich will mein möglichstes tun", sagte ich endlich noch einmal, „allein ich fürchte wirklich, mir mangelt die -Erfahrung. Ich bin nicht gewöhnt, zu . . ."
„Tas wird sich schon alles machen", unterbrach sie mich; „ich für meine Person zweifle nicht int geringsten daran. Wie neugierig werden manche Leute Sie betrachten! Es gibt so viele, die nichts besseres zu tun wissen, als ihre Nasen in die Angelegenheiten ihrer lieben Nächsten zu kecken. So pflegten mich, ein paar alte T-amen, so oft ! ie mich sahen, nach Tobby zu fragen, und ob er zu Hause ei, bis ich schließlich! zu dem Entschluß kam, meinem Wachtel- , »ündchen bett Namen Tobby zu geben. Wdnn sie mich jetzt ragen: „Wann erwarten Sie Tobby?" so antworte ich: „Er ist zu Hause, allein er liebt nur meine Gesellschaft." Ta ich mit solchen Frauenzimmern natürlich nicht weiter Verkehre, so sind sie auch noch nicht dahintergekommen, daß Tobby mein Hund ist. . . So, nun wären wir angelangt", fügte sie hinzu, als wir plötzlich- in das Eingangstor eines großartigen Anwesens einbogien.
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Mrs. be Villars' Bungalow war niedrig, länggestreckt und mit kostbaren Möbeln vollgepfropft. Ti« ganze Be- sttznng machte indes einen vernachlässigten, sogar unsauberen


