Ausgabe 
8.1.1904
 
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ersetzt werden können, so sind doch der hölzerne Boden der Bühne und des Zuschauevramnes, die hölzernen Brüst­ungen und das hölzerne Tekorationsbeiwerk in den Logen und auf den Galerien schließlich ebenso entbehrlich wie die Teppiche und Vorhänge. Werden demnach die größeren Theater der Zukunft durchweg aus unverbrennlichem Ma­terial gebaut werden, so ist man noch in anderer Hinsicht bestrebt, die Feuersgefahr hintanzuhalten. Man gestattet innerhalb eines modernen Theatergebäudes weder Wohn­mrgen noch Restaurationen mit Küche, weder Kulissenmaga­zine noch Malersäle, deren Oelfarben, Lacke, Terpentin, Benzin und Spiritusvorräte verbunden mit dem Leichtsinn der danrit Arbeitenden eine stetig fließende Quelle der Gefahr bedeuten, und geht sogar einem ctktgeheiligten Requisit der holden mimenden Weiblichkeit, de? mit Spiri­tus erwärmt en Brennschere in den Garderoben zu Leibe, indein man sie durch eine elektrisch erhitzte ersetzt. An allen geeigneten Orten bringt man von einer Person zu be­dienende Feuerlöschapparate an, mit bettelt man eine ent­stehende Flamme durch nicht brennbare Gase ersticken kann, bevor der Hydrant oder die Regenvorrichtung in Tätigkeit tritt. Tie Feuerstätten der Zentralheizung sollen sich na­türlich ebenfalls außerhalb des Theaters befinden. Statt der Gasflammen aber bedient man sich des elektrischen Lichtes, das freilich wegen des Tämvns, der sichKurz­schluß" nennt, auch nicht gänzlich unverdächtig ist und auch in Chicago eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben soll, aber doch weit ungefährlicher ist, als jede offen­brennende Flamme.

Wichtiger beinahe als alle diese Sicherheitsmaßregeln sind aber diejenigen, die es dem Publikum ermöglichen sollen, mit größter Schnelligkeit das brennende Haus zu verlassen. Mag auch der Bau, der etliche Millionen ge­kostet hat, sich in einen Gluthaufen verwandeln, dieser Schaden ist zu verschmerzen und Sache der Theatereigen­tümer und Versicherungsgesellschaften, die dementsprechend ihre Prämien bemessen mögen. Was aber die Allgemein­heit mit Recht verlangen kann, das ist, daß das Theater nicht durch die geringe Zahl und quetschende Enge der Ausgänge, Treppen, Korridore und schmalen Gänge zwischen den Sitzreihen zu einer fürchterlichen Riesensalle wird, in der ein Teil der Besucher während der allgemeinen Panik erdrückt und zertreten wird, während der andere Teil bei voller Besinnung den Erstickungs- und Feuertod auf sich heranrücken sehen muß. Auch in dieser Hinsicht ist mancher ältere Theaterbau noch durchaus unzureichend und müßte, wenn sich fundamentale Verbesserungen nicht anbrinzen lassen, lieber heute als morgen niedergerissen werden. Unbedingt erforderlich ist ferner ein wirksamer Schutz gegen Verqualmung. Hier kommt zunächst ein sicher funktionierender eiserner Vorhang, die sogenannte Courtine", in Betracht, deren tadelloses Auf- und Meder- gehen noch vor Beginn der Vorstellung erprobt werden muß. Außerdem muß aber noch für ausgiebige Ven­tilation gesorgt sein, die allerdings wieder, wenn der eiserne Vorhang nicht richtig funktioniert, auch eine Quelle der Gefahr werden kann, weil die entstehende Zugluft leicht den Brand von der Bühne in den Zuschauerraum übertragen kann.

Wenn man die bei uns bestehendeu neueren Theater von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet, so wird der Unbefangene Hugeben, daß wohl auch hier noch manches verbesserungsfähig ist. Es wird aber schon aus sehr zwingenden materiellen Gründen kaum auf irgend einem anderen Gebiete so unermüdlich gearbeitet, wie auf demjenigen der Feuersicherheit in den Theatern und man darf deshalb, ohne sich des Pharisäertums schuldig zu machen, behaupten, daß es bei uns in diesem Punkte viel besser gestellt ist als anderswo. Wenn sich die bis jetzt bekannt gewordenen Nachrichten aus Chicago bestätigen, so hat dort eine ganze Reihe unentschuldbarer Pflicht- Versäumnisse dazu beigetragen, die Katastrophe zu ihrer unerhörten Entsetzlichkeit anwachsen zu lassen. Ein Neubau, der in einer Sackgasse eingepfercht liegt, statt der eisernen Courtine ein vor den Feuergasen in den Zuschauerraum hiueinflatternder Asbestvorhang, keine Seitenausgänge, der Mangel einer öffentlichen Feuerwache im Gebäude, Not­treppen, die nicht zu Ende gebaut, in freier Luft hoch über den Erdboden enden, sind unverantwortliche Nach­

lässigkeiten, die in ihrer Gesamtheit wohl kaum in irgend einem größeren deutschen oder östreichischen Theater zu­sammentreffen dürsten; und man darf auch nicht ver­gessen, daß Chicago schon seit langem den Namen der Feuerstadt trägt, in der schon zahlreiche, der Sicherheit ihrer Besucher hohnsprechende Theater abgebrannt sind und der Schlendrian eine gewisse Nationaleigentümlich­keit ist. Bon den in Chicago befindlichen Theatern sind denn auch jetzt, nachdem das Unglück geschehen ist, 19 polizeilich geschlossen worden,weil' sie den Bestimmungen über den Schutz des Publikums" nicht nachgekommen sind.

Selbstverständlich werden überall' und immer bet Theaterbränden eine Anzahl Menschen schon deshalb vom Tode ereilt werden, weil in dem ausbrechenden panischen Schrecken der Masse der Theaterbesucher der Mensch des Menschen schlimmster Feind wird, sodaß in der eingekeilten Menge die schwächeren erdrückt und zertreten iverden. Ein solches Massenunglück aber, wie es sich jetzt in Chicago ereignet hat, will uns doch bei objektivster Betrachtung unserer Verhältnisse als kaum denkbar erscheinen. Es ist übrigens ein Irrtum, wenn man jetzt den Brand im Jroquoistheater als den folgenschwersten bezeichnet, der je vorgekommen sei. In Capvdistria brachte vor langen Jahren eine gleiche Katastrophe 900 Menschen den Feuertod. Ter Brand des Lehmann-Theaters in St. Petersburg im Jahre 1826 kostete fast ebensoviel Menschenleben und in der großen chinesischen Handelsstadt Cantvn verbrannten im Jahre 1845 in einem Theater sogar 1600 Besucher, wäh­rend fast ebenso viele Verwundungen davontrugen.

Kesundheilspflege.

Der M e ns ch und seine Pflege Unter diesem Titel erscheint vom 1. Januar, wöchentlich auf 16 Folio- feiten eine illustrierte Wocheuschrift, welche sich die Aufgabe gestellt hat, dem deutschen Hause in der Sprache des Volkes das mitzuteilen, was in der medizinischen Welt vorgeht und was dem Publikum durch! die technische Phraseologie der medizinischen Journale unverständlich bleibt. Im speziellen wird sie die Gebiete der Menschen­kunde, Gesundheitslehre, öffentlichen Gesundheit, Pflege des S'anden und kranken Menschen, der Schönheitspflege, hlfahrtspflege, Mäßigkeitspflege, des Sports, Spiels, des Frauen- und Kinderwohls mit Unterstützung von Abbild­ungen behandeln. Alles was auf diesen Gebieten in Teutschland und anderen Staaten geschaffen wird, soll ge­sammelt und in einem besonderen Teil zusammengestellt werden, sodaß die Zeitung diese Richtungen auf dem Ge­biete der allgemeinen und persönlichen Hygiene chronologisch enthalten wird. Ganz besonders will sie gegen das Kur­pfuscher- und Laienarzt-Wesen ankämpfen und wenn sie auch die Ansicht vertritt, daß Arzneien bei der Behandlung von Krankheiten möglichst zu vermeiden sind und eine mehr natürliche Behandlung der Krankheiten vorzuziehen ist, so wünscht sie doch, daß nur approbierte Aerzte die Heilkunst ausüben dürfen. Tie erste Nummer umfaßt 16 Folio feiten mit 12 Bildern und kann gratis vom Verlage in Gr.-LichterfeldeWest oder von jeder Buchhandlung bezogen werden. Ter Preis ist 1.75 Mk. pro Quartal.

Silbenrätsel.

Nachdruck verboten.

a an her husch eher da! dat de dech der e e e ei ei el er fe gen gu i ka korb lei leib li ma »a ne ne o qui re rechts rin re sa schäft sehe se sen sten stern ta tan tel vir walt.

Aus vorstehenden 48 Silben sind 15 Wörter zu bilden von folgender Bedeutuirg: 1. Fluß in Spanien; 2. Kirchenfest; 3. ein­heimischer Baum; 4. fremdländischer Baum; 5. Kopfschmuck; 6. und 7. weibliche Vornamen; 8. Reptil; S. wohlschmeckende Frucht; 10. Handwerker; 11. Metall; 12. Abhängigkeitsverhältnis; 13. Musikinstrument; 14. Baum; 15. gelehrter Beruf. Sind die richti­gen Wörter gefunden, so ergeben die Anfangsbuchstaben im Zusam­menhang gelesen den Namen eines im Jahre 1890 gestorbenen bekannten deutschen Dichters.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auslösung des Qtiadraträtsels in vor. Nr.:

FAUN AFFE UFER NERO

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttiitS-Buch- und Cteindruckerci. R. Lauge, Gießen.