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(Nachdruck verboten.)
Wssa Jalconieri.
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Erster Band.
(Fortsetzung.)
Liese paßte nun wiederum gmt& und gar nicht zu dem perfekten Französische und der leuchtenden Wäsche des Hausherrn. Aber Herr Mariana benahm sich, als empfange er seinen Gast in einer ersten Etage an den Boulevards des Italiens. Die zerrissenen Gardinen, die verblichenen und zerfetzten Möbelbezüge, zerbrochenen Stühle und beschädigten Tische genierten ihn nicht im Mindesten.
Frau Mariano war nicht da. Ihr Mann ging nicht etwa hinaus, sie zu holen; sondern rief überlaut nach ihr. Endlich erschien sie und äußerte über meine gewiß unerwartete Anwesenheit weder Vergnügen noch Befremden.
, Sie bemerkte mich kaum.
Erst fetzt, da ich die beiden zusammen sah, fiel mir "an der schönen Frau die Aermlichkeit ihres Anzugs geradezu peinliche auf. Er paßte freilich zur ganzen Umgebung. Tem Kleide nach hätte sie sehr gut die Magd fein tonnen.
Und neben ihr der elegante Mann.
Herr Mariano mochte meine Gedanken erraten; denn er musterte seine Frau mit einem Stirnrunzeln, dem sie jedoch! nicht die mindeste Beachtung schenkte. Augenschein- lufj war ihr ihr Kleio auch! jetzt noch genau so gleich- giltig wie die Verwahrlosung der Wohnung.
„Ich, rühmte dem Herrn Seine Hühner. Sorge also dafür, oaß Tu mit Seiner Kochkunst Ehre einlegst."
Ich wollte sagen, daß ich nicht bleiben konnte, daß ich nach Rom zurück müßte. Aber ich sagte nichts. Sann fiel mir ein, daß ich mich Frau Mariano noch gar nicht vorgestellt hatte. Ihr Mann schien die Erfüllung irgendwelcher Form der Frau des Hauses gegenüber für vollständig! unnötig zu halten.
Iw nannte meinen Namen, meine Unterlassung, so aut ich konnte, entschuldigend, bemerkte jedoch nicht, daß ich auch ihr bekannt war.
Ohne gesprochen zu haben, verließ sie das Zimmer.
Mit einigem Stolz zeigte mir jetzt Herr Mariano seine Bibliothek; und von neuem sollte ich staunen. Ich sah eine vorzügliche Auswahl von Werken, in französischer sowie in englischer Sprache, in schönen Einbänden musterhaft aufgestellt. Sämtliche alte und neue Klassiker befanden sich darunter, und die philosophischen politischen und naturwissenschaftlichen Schriften der ersten Autoren. Auch die moderne Poesie war vertreten.
sieben Leopardi stand ich.
Serselbe Mann, der in Gegenwart eitles Fremden mit feiner Frau wie mit einer fahrlässigen, ungeschickten Sienerin verfuhr, besaß den Takt, mich nicht auf mich selbst aufmerksam zu macken, wodurch! mir möglich war, mich! gleichfalls zu ignorieren.
„Und dieses ist mein Lreblingsdichter. Ich lese ihn jeden Abend wie der Geistliche fein Brevier, wie ein Geldmann die Kurse."
Und er reichte mir ein kleines, besonders schön ein-, gebundenes Buch:
Es war eine lateinische Aenelde.
„Sehen Sie, Graf Campana!"
Er trat zu einem der Fenster, die nach! den Steins eichen hinausführten, und zeigte mir die glanzvolle Ferner Land und Meer. Ich sah- die Tibermündung und Ostia; ich sah die heilige Insel und längs des hellen Gestades die Buscywälder von Laurentum und Ardea.
„Tas Land der Aenelde!" rief mein Wirt mit leuchtenden Augen.
Eine Magd, im Kostüm der Marken, kam und deckte den Tisch. Ich glaubte zu bemerken, daß Herr Mariano Erwartet hatte, seine Frau würde wieder erscheinen, daß er wütend über ihr Fortbleiben war und sich! nur mit Mühe beherrschte.
Um seine Aufmerksamkeit von der fehlenden Hausfrau ak.zulcnken, versuchte ich, ihn redselig zu machen, wobei mir sein lebhaftes Temperament und die Eitelkeit auf seine schöne absonderliche Person sehr zu Hilfe kann
Was ich, während wir lange auf das Essen warteten, und während unseres weinreichen Mahles — und was ich später, als ich die Villa bewohnte, tci's durch Herrn Mariano direkt, teils durch andere über ihn erfuhr, will ich an dieser Stelle von ihm selbst mitt eiten lassen.
*
Herr Mariano.
Rasse!
Tarauf kommt es au! Bei Weib und Mann!
Ich bin von gemischter Rasse; aber die Mischung ist gut. Meine Mutier stammt aus dem uralten römischen Räubernest Rocca Priora, und mein Vater war französischer Künstler: Pariser Vollblut, mein Herr.
Rocca Priora liegt dahinten hoch oben, Palestrinä gegenüber. In der Tiefe erstreckt sich ein Weinland, daß es die Heimat des Bacchus sein könnte — bei den Leuten von Rocca wächst kaum ein Halm! Von ihrer braunen Höhe stieren sie seit Jahrhunderten auf die unter ihnen hingestreckte Ueppigkeit hinab. Tas hat sie seit Jahrhunderten begehrlich gemacht, hungrig und gierig.
Tief unten durch die Ebene führte ehemals die alt« Poststraße von Rocca nach Neapel. Hier, zwischen Colonm! und Zagarola, in der Nähe eines Hohlweges, besaß bet göttliche Cäsar eine Villa: S. Cesareo heißt der Ort noch heutigentags. Und noch heutigentags geht der blutig« Schatten, des alten Herrn dort um. Sie Reisenden, dll


