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zugeben vermögen, um was es sich bei denr Gespräche zwischen ihr und Herrn Mainwaring handelte. Wollen Sie sich darüber näher äußern."
„Frau La Grange stieß schwere Beschuldigungen gegen Herrn Mainwaring aus. Sie warf ihm vor, seinen Bruder schmählich hintergangen und betrogen, sowie seinen eigenen Sohn verleugnet zu haben, und nun diesen sogar zugunsten eines Fremden seines Erbes berauben zu wollen. ,Tas aber', rief sie drohend, — und diese letzten von mir gehörten Worte haben sich mir besonders eingeprägt — ,das aber soll Dir nicht gelingen. Ich habe Dich in meiner Gewalt. Du und Deine ganze hochnäsige, geldgierige Sippschaft — ihr sollt das Werk dieses Tages noch bereuen!'"
Ter Sekretär sprach diese Worte mit einer fast unnatürlichen Ruhe, aber das Bewußtsein, den Beweis für die Verbrechen seines Prinzipals in der Tasche zu haben — ein Geheimnis zu besitzen, wovon kein anderer sich etwas träumen ließ, verlieh dem Feuer seiner Augen einen besonderen Glanz.
(Fortsetzung folgt.)
Eine Koch seit im deutschen Kaiserßüttse schildert der amerikanische Schriftsteller und Dichter Bayard Taylor, der im Jahre 1878 als Gesandter der Vereinigten Staate» beim Deutschen Reiche akkreditiert wurde und am 19. Dezember 1878 in Berlin gestorben ist, in einem seiner Briefe, die, wie bereits vor kurzem berichtet wurde, von der Witwe des Staatsmannes, Marie Hansen-Taylor, Tochter des Astronomen Hansen in Gotha, unter dem Titel „Aus zwei Weltteilen" herausgegeben werden. Es handelt sich um die Hochzeit der alte st en Tochter d c s P r i n z e n F r i e d r i ch Karl mit dem Prinzen Heinrich von O r a n i e n, die nm 24. August 1878 in Potsdam stattfand und zu der alle Mitglieder des diplomatischen Korps entboten worden waren. „Es war ein Viertel nach sechs", schreibt Taylor, „als wir beim Palais vorfuhren, wo man uns Versammlung im Jaspissaal um halb sieben ansagte. Beim Eintritt in den Palast empfing uns nach allen Seiten hin ein Glanz von Lichtem und ein Gewirr von Menschen. Was mir zuerst auffiel waren die riesigen Grenadiere in der Uni» form des vorigen Jahrhunderts. Was für prächtige Gestalten, sechs bis sieben Fuß hoch, stark gebaut und alles hübsche Gesichter. Nach ihnen zogen die Pagen meine Aufmerksamkeit auf, sich: Jünglinge zwischen 14 und 17 Jahren, in einem Renaissancekostüm von Scharlach 'und Silber, mit schwarzen Sammetbaretts und weißen Straußenfedern. Mitten im Jaspissaal war ein Altar errichtet, von einer Galerie her erscholl Musik; die immer mehr anschwellende Menschenmenge blendete durch Farbenpracht und Juwelen. Zwei Reihen Pagen hielten den mittleren Raum frei für die Fürstlichkeiten, und eine Anzahl von Zeremonienmeistern, die ein alter krittliger Baron anführte, wies. den Gasten die Plätze an. Ich war der einzige in Zivil und das hätte |aiI8 Auszeichnung gelten dürfen. Tie Trauung war auf sieben Uhr angesetzt, und die höchsten Herrschaften waren pünktlich. Trompeten verkündeten ihr Nahen. Vier Geistliche in schwarzen Talaren erwarteten sie am Eingang, und einen Augenblick war alles in feierlicher, atemloser Erwartung. Voran gingen prunkende Lakaien, dann der Oberhofmarschall, den hohen, in silbernem Knopf auslaufenden Stab in der Hand; dann die beiden offiziellen Kavaliere der Braut, zwei Pagen und — das Brautpaar. Und was für ein sonderbares Brautpaar! Sie mit gesenktem Haupt schreitend, die Augen zu Boden geschlagen und eine tiefe Röte über Antlitz und Nacken gebreitet. Er, ein kleiner gutmütig, fein, verwelkt und abgelebt aussehender Sechziger, mit eingefallenen Zügen und unsicheren Schritten. Hinter der Prinzessin ging ein weiblicher preußischer und ein ebensolcher holländischer Zeremoniendrache; darauf, nach etwa 15 Schritten Zwischenraum, kamen vier Brautjungfern, welche die wie ein Pfauenrad ausgebreitctc Schleppe von Silberbrokat trugen. Sie waren reizend von Antlitz und Gestalt, lieblich wie ein Bild und gruppierten sich anmutiger mit jedem ihrer Schritte. Die Braut trug oben auf dem Haar die Krone einer Prinzessin, die. mit ihren hundert großen Brillanten einen Glanz über die ganze Gestalt zu verbreiten schien. Dazu trug sie den diamantenen Brustlatz aus dem Schatz der Kronjuwelen. Auf das Brautpaar folgte die Menge der Hofchargen, wiederum zwei Pagen, dann der König von Holland mit der Kronprinzessin und Gefolge. Dieselbe Unordnung wiederholte sich bei jedem folgenden Paar, und immer schritten großartige Hofbedienstete und Pagen dazwischen. Vor dem Kronprinzen, der die Prinzessin Friedrich Karl führte, gingen seine vier jüngsten Kinder, drei kleine Mädchen und ein Knabe in Hellblau und Silber gekleidet, kleine Hochzeitssträußchen tragend. Sie sahen zwar etwas eingeschüchtert, aber doch! recht anmutig aus, und es freute mich, daß man vor ihnen sich tiefer verbeugte, als vor den hochmächtigen Persönlichkeiten. .Der langsam und stattlich sich vorwärts be- wegende Zug, die melodischen Klänge der Musik, der Glanz tio» Fackeln und Wachslichtern und die Pracht der Farben bildeten ein
imposantes Ganzes. Nachdem ein Choral gesungen und eine kurze Anrede von einem Geistlichen gehalten war, erfolgte die Trauung, die damit anhebt, daß der Bräutigam der Braut eine Bibel überreicht — etwas mir ganz Neues. In dem Moment, wo das Paar die Ringe wechselte, ließ sich ein fernes, dumpfes Donner- geroll vernehmen — so wenigstens schien es mir. Alle zehn Sekunden aber kam es wieder, das Orchester siel ein, und von da bis zu Ende stimmten Kanonendonner und Musik harmonisch zusammen. Nachdem der Segen gesprochen war, erklang vielstimmig das Halleluja und der Zug verließ in der vorigen Reihenfolge den Saal, um sich nach dem Muschelsaal zu begeben, ico das Tsfils stattfand. Tie höchsten Herrschaften saßen auf einer seitlichen Erhöhung. Vor ihnen, inmitten des großen Saales, blieb ein weiter Raum frei, während an den Wänden dicht gedrängt die Gäste, Hoschargen, Pagen und dahinter hoch aufgerichtet die riesigen Gardisten standen. Jeder machte vor dem hochzeitlichen Paar Front, verbeugte sich tief, trat wieder in Reihe und Glied, machte nach eilt paar Schritten abermals Front vor dem König von Holland und der Kronprinzessin, ging weiter und verbeugte sich zum dritten und letzten Male vor dem Kronprinzen. Dies alles währte kaum 30 Sekunden, und ich hatte nicht Zeit, Verlegenheit zu spüren. Ohne auf das Ende der Cour zu warten, eilten wir nach oben, unsere Plätze mt der Abendtafel aufzusinden! Das Essen mochte etwa drei Viertelstunden dauern und war nicht sonderlich gut Nach dem Esten begab man sich wieder in den Jaspissaal, wo der Fackeltanz begamt. Er war anders, als ich erwartet hatte, sehr stattlich vornehm wirkend — kurz, wirklich schön. Ten Anfang machte eine schmetternde Musik, dann traten die Minister in Galauniform auf, jeder mit einer drei bis vier Fuß langen Wachskerze; eine von Kristall und Gold glitzende Manschette schützte die Hand. Es waren der Minister zwölf. (Bismarck und Falk wurden durch Generale ersetzt.) Sie traten paarweise auf, machten Front vor den königlichen Herrschaften und folgten den Fackelträgern langsam und feierlichen Schrittes rings im Kreise herum, worauf sie sich wiederum tief verbeugten. Alsdann erhob sich der König von Holland, stieg herab, reichte der Neuvermählten die Hand, und die Runde begann von vorn. Wiederum tiefe Verbeugungen und Knixe, worauf die Reihe an den Kronprinzen kam und die Geschichte sich wiederholte. Das Ganze erinnerte an ein Menuett. Ter Rundgang wiederholte sich wohl an die zwanzig Mal, bis ihn die hohe Vermählte mit allen dazu berechtigten Personen vollendet hatte. Alles in allein ist der Fackeltanz äußerst imposant und malerisch. Ich sähe ihn ganz gern noch einmal mit an — allein kaiserlicher Minister möchte ich nicht sein! Nachdem der Tanz sein Ende erreicht hatte, verließen die höchsten Herrschaften wieder paarweise den Saal. Um Vs 10 Uhr war alles vorbei! . . .
Verinißrhtes.
* Der Klub geistig s ch a s f e n d e r F r a u e n i n B e r - Hit. Aus Berlin wird berichtet: Der Londoner Lyzeumllub halte in Berlin ein Keines Danienparlament zusammenberufen. Der Lyzenrnklub, eine Gründung der englischen Schriftstellerin Miß Kon stanze Smedley, will ebenso wie in anderen Hauptstädten auch in Berlin einen Zweigverein gründen, ,der alle geistig schassenden Frauen Deutschlands zusammenfafsen ,oll. Zn diesem Zweck hat sich bereits ein deutsches Komitee gebildet, dem Baronin Berta v. Suttner, Gabriele Reuter, M arte v. Bunsen, Hedwig D a h m, Dora H i tz und andere Schriftstellerinnen und Künstlerinnen angehören. Mehr als 500 Berliner Damen waren der Einladung des Komitees gefolgt. Tie Berliner englische Kolonie stellte das Hauptkontin- gent der Besucherinnen. Auch Miß Isadora Duncan war in Begleitung ihrer Schwester erschienen. Miß Sinedley sprach zuerst in englischer Sprache über die Zwecke unb Ziele des in Berlin zu' gründenden Lyzeiimklubs, worauf Gabriele Reuter eine Ueversetzung in deutscher Sprache gab. Der Lyzeuniklub bezweckt nach den Ausführungen der Rednerinnen, eine internationale Verbindung aller schaffenden Frauen, Schriftstellerinnen, Malerinnen, Komponistinnen, Bildhauerinnen und wissenschaftlich tätigen und studierenden Frauen herzustellen, wer Klub will ein Bündnis schaffen zu gegenseitiger geistiger Anregung zur Hilfe beim Studium und wissenschaftlicheii Arbeit der Frau. Jede Nation soll ihren eigenen Klub erhalten, der sich selbst verwaltet, aber in steter Verbindung mit den KlubS der anderen Länder steht. Die Vorteile für die Künstlerinnen sollen hauptsächlich darin bestehen, daß vorn Klub in verschiedenen Hauptstädten Ausstellungen von Werken seiner Mitglieder veranstaltet werden. Tie auszustettenden Werke werden vorher von einer Jury der hervorragendsten männlichen Künstler geprüft. Tie erste dieser Ausstellungen soll schon in nächster Woche in Newyork eröffnet werden; es folgen Ausstellungen tn Berlin. Auch für London sind verschiedene Ausstellungen geplant. Wen Schriftstellerinnen will der Klub den Vorteil einer -üNchafttichn Verbindung mit den Verlegern aller Nationen und die Beschaffung guter Uebersetzungen bieten. In Berlin soll schon im Januar nächsten Jahres ein Klubhaus in vornehmer Sage errichtet werden, das mit reichstem Komsort ausgestattet werden sott; die Mittel dazu find angeblich bereits vorhanden. Tie Versammlung stand


