Ausgabe 
7.12.1904
 
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Das JestawenL des Aartkiers.

Kriminalroman von A. M. B a r b o u r.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Tiefer schilderte zunächst auf Befragen, tvie er, auf Hardys Ruf nach dem Turmzimmer eilend, es dort ge­troffen hatte. Dann inguirierte der Coroner weiter:

Herr Rechtsanwalt, wollen Sie gefälligst angeben, wann und unter welchen Umständen Sie Herrn Main- to(trittg zuletzt lebend sahen?"

Gestern abend kurz vor elf Uhr auf der Veranda, als Herr Mainwaring zum Aufbruch mahnte. Wir sagten ihm Gute Nacht und, wie ich glaube, begab sich jeder auf sein Zimmer. Zuletzt sprach Herr Mainwaring noch mit mir über alles, was der Tag gebracht hatte, und ich erinnere mich, daß er dabei sagte, er würde wohl noch wenigstens eine Stunde aufbleiben, da seine Gedanken ihn doch nicht schlafen lassen würden. Darnach reichte er mir die Hand, und ich ging. Lebend sah ich ihn nachher nicht wieder."

Tie Stimme des Anwalts zitterte vor Bewegung bei dieser Erinnerung; über das Gesicht von Frau La Grange aber huschte ein böses Lächeln.

Was tat Herr Mainwaring den gestrigen Tag ü6er ?"

Vom Frühstück ab bis halb drei Uhr war er in meinem und des Geheimsekretärs Beisein mit dem Aufsetzen und der Vollziehung seines letzten Willens beschäftigt; den übrigen Teil des Tages widmete er sich seinen Gästen."

Würden Sie uns mit den Hauptbeftimmungen des Testaments bekannt machen?"

Ter Testator bedachte seine Haushälterin mit einer guten Leibrente und deren Sohn mit einem ansehnlichen Vermögen; im übrigen vermachte er seinen gesamten Besitz seinem hier anwesenden Verwandten, Herrn Hugh Main­waring, dessen feierliche Einsetzung als Erbe heute statt­finden sollte."

Wo wurde das Testament nach seiner Vollziehung

Herr Mainwaring beauftragte den Geheimsekretär, es einstweilen in das Pult des Turmzimmers zu legen."

Tie Nachsuchung hat ergeben, daß es weder dort, noch an einem anderen Orte auszufinden war. Sind Sie, Herr Rechtsanwalt vielleicht in der Lage, eine Erklärung ab­zugeben, die auf den Verbleib des Dokumentes hindeuten könnte?"

»Ich kann nur sagen, es liegt vorläufig der positive Beweis toox, daß das Testament verbrannt wurde."

Diese mit erhobener Stimme abgegebene Aussage rief in der ganzen Versammlung eine Bewegung größter lleber- raschung hervor, und der Anwalt, der die ihm gegenüber befindliche Frau La Grange scharf beobachtete, bemerkte, wie ihr Gesicht, das eben noch bei Erwähnung der ihr

ausgesetzten Leibrente zornig erglüht war, jetzt plötzlich eine fahle Blässe annahm.

Ter Coroner warf einen Blick in das vor ihm liegende Notizbuch und fuhr fort:

Wissen Sie, ob sich gestern hier im Haufe Fremd« aushielten?"

Darüber kann ich nur insoweit Auskunft geben, als Herr Skott mir von einem Fremden erzählte, der Herrn Mainwaring zu sprechen gewünscht hatte; auch beim Früh­stück kam die Rede auf einen Mann, der im Hause ge­troffen worden war; die Erwähnung dieses Vorfalles machte auf einen Teil der Tischgesellschaft einen mir sehr auf­fälligen Eindruck."

Wollen «Sie, sich hierüber näher auslassen?"

Dies muß ich bitten, mir für später Vorbehalten zu dürfen; für jetzt will ich nur sagen, daß der betreffende Mann von einem der hier anwesenden Herren gesehen und! als ein ihm bekannter anrüchiger Mensch erkannt wurde. Bei Nennung seines Namens verrieten einige der bei Tisch Anwesenden wie es mir vorkam, auch Herr Skott eine gewisse Betroffenheit; vor allen anderen erschien mir aber Herr Mainwaring höchst unangenehm berührt."

Woraus schlossen Sie das?"

Aus der plötzlichen Veränderung seines Aussehens und Wesens. Er wurde sichtlich blaß und verwirrt und wollt« es gar nicht glauben, daß dieser Mann hier im Lande und noch dazu in seittem Hause gesehen worden fei. Noch längere Zeit ttachher war er einsilbig und zerstreut und ganz anders wie sonst."

Wie war der Name des Mannest

Richard Hobfon. Er soll früher in London eine Art Winkeladvokat gewesen sein."

Zch danke Ihnen, Herr Rechtsanwalt."

Whitney schritt zurück zu seinem Stuhl.

Herr Geheimsekretär Harry Skott!" rief der Coroner.

Ter Genannte erhob sich und schritt an den Tisch. Es gab wohl nur wenige int Saale, die nicht seine hohe, kraft­volle Gestalt, seine vornehme Haltung und besonders die auffallende Schönheit seines dunklen, edel geschnittenen Ge­sichtes mit den großen schwarzen Augen bewundert hätten, in deren Tiefen es jetzt wie ein unter der Mche halb ver­borgenes Feuer zu glühen schien. Viele Bleistifte setzten! sich in Bewegung, um sein Bild zu Papier zu bringem

Während Skott, den Beginn seiner Vernehmung er­wartend, vor dem Coroner stand, schweiften seine Augen unwillkürlich zu Frau La Grange, die ihren Blick so starr auf ihn heftete, als ob sie ihn hätte zwingen wollen, sie anzusehen. Ms sie erreicht hatte, was sie gewollt, nahmen ihre Augen einen sanften, fast flehenden Ausdruck an, die Erwiderung, die sie aber fand, war ein kalter, beinahe verächtlicher, Unheil verkündender Blick. Frau La Grange verstand diese stumme Sprache. In jähem Wechsel flammten ihre von langen Wimpern beschatteten Augen wie in Rach­sucht auf, ein gehässiges Lächeln kräuselte ihre Lippen un»'