Ausgabe 
7.11.1904
 
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Aus Ließe.

Roman von M. t). Eschfttruth.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Jutta nahm diese Verkündigung regungslos auf; sie schien nicht einmal überrascht, vielleicht hatte sie etwas' dergleichen geahnt und war während der Stille und Ruhe dieser Tage Mit all den widerstreitenden Empfiud- üngen in ihrer Seele zur Ruhe gefotttirrten, in sich selbst stiller geworden.Nein, Harro braucht nicht daruw zu wissen", erKärte sie, als MaMa, die auf die Nachricht von der Er­krankung zu der Tochter geeilt war, eine diesbezügliche Mage stellte. Leise fügte sie dann noch etwas' hinzu, das Aber niemand verstand. Nur soviel ward klar, daß Jutta zu ihrem Millen hielt, und daß inan sie nicht mit anderen Meinungen behelligen durste, wozu auch weder Mama noch Hildegard jetzt eine Veranlassung wahrnahwen. Ilußer- Lem aber zeigte ,e§ sich bald, daß Jutta eine andere ge­worden wär. Sie sprach sich hierüber nicht aus, iw Gegen­teil. Sie konnte jetzt ost stundenland dafitzen, schweigend, phne Wort, ohne ,Laut, die Augen geradeaus gerichtet, regungslos, als sei sie weit, weit allem, was um sie her porging, entrütkt. Nur eine kleine krause Falte, die ab' und git auf der feinen, weißen Stirn erschien, ein Zucken, das über die jetzt so blassen Züge lief, zeugten von dew Leben, das sich um so intensiver in dew Innern der jungen Frau abspielen Mochte, als sie sich nach, außen still ver­hielt, daß sie Aber etwas nachzudenken schien, das alb ihre Kräfte in Anspruch nahm.

Tann aber auch, wieder konnte sie ein andermal mit sorgfältig achtsamem Blich gerade erst recht auf alles merken, Was ihre Umgebung und die Verhältnisse betraf. Mama wußte zu den Töchtern zurück, die Einladungen zu Rose Mariens Hochzeit waren bereits abgesandt.Du aber bleibst bei mir?" bat die hilflose kleine Frau die Cousine. Und Sildegard, ob ihr auch eine schöne, unersetzliche Zeit für r Studium und zukünftiges Leben verloren gehen mußte, das hochherzige Mädchen fand nur die eine Ant'tvort dafür: >,So lange Du mich brauchst." So blieben die beiden zu­sammen und waren tvieder allein. Jetzt aber mit dem nun einmal geschärften Blick für ihre Umgebung begann die junge Frau mehr und mehr einzusehen, was Hildegard' um ihretwillen auf sich genommen hatte. Ein warmes Ge­fühl von Dank, zu dem sich 'ein leises Empfinden, wie Be­schämung, gesellen Mochte, faßte in ihrem Herzen Wurzel. Nicht Müder erstaunte die kleine Frau ddnn, wie das jetzt Alles iw Haufe nur so aw Schnürchen ging. Die schönen; Möbel glänzten in gleichsaw erneuter Politur, die seidenen Farben leuchteten staub stet in wieder lichter Pracht. Alles hatte den rechten Matz, die rechte Zeit; das kostbare Silber, die feinen Gläser, das feine Porzellan) alles blinkte blitzes- Wank. Man äff gut und gesund, trotzdem die Krankheft eine Unsumme Geld gekostet hatte, mancherlei zu beschaffen, und

Sophie die Unersetzliche entlassen war.Du hast wohl einen Schatz gehoben, Garda?" fragte JUtta eines Tages, als sie merkte, daß Hildegard' trotz alledem ganz; vergnügt die Zahlen in dew Wirtschaftsbuch 'zusawwen> zählte, eine Operatton, an die sie nie ohne SchreeLn gedachst, die sie zuletzt aus leicht erklärlichen Gründen ganz unter­lass en hatte.Das weniger", erklärte darauf Hildegard Ist auch nicht von nöten. Wir haben ja eine ganze Menge Geld."Eine ganze Menge?" JNtta, die sich noch kaum um die Ausgaben gekümmert, schlug erstaunt die zierlichen' Händchen zusammen.Wo denn her?"

Und nun war es an Hildegard, zu erklären, daß Harra; doch vor seiner Abreise dafür Sorge getragen hatte, daß dis Zinsen seiner Kaution an Frau von Uran ausbezahlt wur­den.Hm" Es war doch nett, daß er wenigstens, hierin sorgend an sie gedacht doch JNtta mochte nicht daran denken.Ein Butterbrot", meinte sie.Nun, dann! aber ein ganz reichlich belegtes." Hildegard lachte heiter auf. Jutta jedoch 'schüttelte das hübsche Köpfchen.Nein, damit komwt man nicht weift, meinte sie bsttrübstEs war zuweilen recht unangenehm, scheußlich", fuhr sie be­trübter nach einer Weile fort.Bis zuletzt dachten wir nicW mehr daran. . Harro hatte ja dann auch'weist Geld'.", Die kleine Frau barg das Gesicht in den Händen.Wer weiß, wenn wir mehr gehabt hätten", schluchzte sie.Es war aber immer Ebbe."Ja, einrichten will gelernt sein", tröstete Hildegard, die einzig nur an das dachte, was ihr hier für Jutta am Platze schien.Und Du lernst es auch noch."Ach nein."Nun erst recht", erklärte dagegen; Hildegard schnell.Denn ein Kind bedeutet eine Zukunft,, und Du hast die Zukunft vor Dir."Wie gut Du bist, Garda", klang es unwillkürlich, lind wieder saß Jutta! weltentrückt da. Hildegard hatte währenddem ihre Wirjt» schastsrechnung beendet und eine Handarbeit ausgenommen. Ihre Gedanken mußten wohl einen guten Weg gehen, sie lächelte. '

~Du bist glücklich, Garda?" fragte die junge Frau, als sie tweder nach, der Gefährtin sah.Glücklich?!" Ein Schatten trat in Hildegards Züge. Die Täuschungen ihrer ersten Mädchenjahre stiegen auf vor ihrem Geist. Sie gedachte ihres begonnenen Studiums, und vielleicht an anderes auch. Die großen grauen Augen, blickten dunkel. Tann endlich, fast unbewußt, als Schluß wahrscheinlich lang­jährigen und nicht ohne Schmerzen vollendeten Denkens) rang es sich über ihre Lippen':Ob inan: gerade auf der Welt isst um glücklich zu sein.?!"Aber Garda, warum denn sonst?" Und Garda senkte den Kopf:Ich denke, um seine Kräfte zu regen, seine Anlagen zu entwickeln, um zu wirken iu,n6 zu schaffen. Denn Jutta", des Mäd- chens Ton klang weich, doch ernst,auch das Glück, wie alles Gute und Schöne, selbst da, wo es aus den Wolken herein- gefallen zu sein scheint, läßt sich nicht einmal ohne Mühe be­haupten." Die arme junge Frau, die wohl noch nie der­gleichen im Zusammenhang vernommen, fuhr fast erschrocken