Areitag den 6. Mai.
1904.
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(Nachdruck verboten.)
Im Wakalt der Ztajali.
Roman von B. M. Croker.
Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.
(Fortsetzung.)
Der Liebtingsausslug der beiden kleinen Ranis war eine Fahrt nach dem alten „Fort der vier Winde", !vo es eine reiche Grotte an wilden Blumen, Pfauenfedern und S-tachelschweinkielen für sie einzuheimsen gab. Diesen Ort behielt ich mir deshalb als besondere Belohnung für Fletß und gutes Betragen der beiden Mädchen vor. Das Fort lag etwa elf Meilen jenseits der Stadtmauern. Der Weg dahin führte durch mehrere uralte, unter Palmen, Tamarinden und Feigenbäumen fast vergrabene Dörfer, deren geringe Anzahl Häuser gewöhnlich um einen Tempel oder Bruitnen lag. Zwischen den Dörfern dehnte sich eine flache bebaute Ebene aus; hin und wieder kam auch ein kleiner, binsenumsäumter See zum Vorschein, der mit roten Lotosblumen bedeckt und von Wassergeflügel bevölkert war. Das Fort und der damit zusammenhängende alte Palast krönten einen steilen Abhang, die Wälle zogen sich wohl eine Meile weit am Hügelrande hin, uitd trotzig aufragende Mauern wehrten von der Ebene aus den Zugang. Innerhalb dieses Bereiches war ein wildes Durcheinander von gewölbten Toren, Tempeln, Ballonen, Türmen, Höfen, Elefantenställen und mit Kaktusgebüsch überwachsenen Schwimmbädern. In die Herrschaft darüber aber teilten sich jetzt in despotischer Willkür üppig wucherndes Riedgras, Dornengestrüpp, prächtige Bäume, Ziegenherhen, blaue Tauben und stolze Pfauen.
Am Fuße des Hügels verließen wir die Wagen und kletterten den steilen Pfad hinauf, der zu einem großen Torweg führte, in dem unsere Stimmen laut wiederhallten, und von wo aus man in den inneren Hof gelangte. Auch auf mich übte dieser einsame Ort mit seinen hochragenden Mauern utid verödeten Hallen, die einst der Schauplatz fröhlichen Lebens gewesen waren, eine seltsame Anziehungskraft aus. Mächtig wehrte sich dieser verlassene Palast gegen den alles zersetzenden Zahn der Zeit, und obwohl hohes Gras seine Höfe bedeckte und seine Lusthäuser Tieren als Schlupfwinkel dienten, so stand sein Mauerwerk doch noch ebenso fest wie je. Hunderte von Fahren schon hatte es Sturm und heißer Sonne getrotzt, und noch nach weiteren Jahrhunderten, wenn ich längst tot bin, wird dieser Palast wahrscheinlich noch ebenso dastehen wie heute, höchstens daß das Gras und Kaktusgestrüpp üppiger und die Bevölkerung von Schweinen und Pfauen noch zahlreicher geworden sein wird.
Wie die Jähre, ehe wir geboren, Werden die sein, wenn wir nicht mehr sind; Die dazwischen liegen, geh'n verloren, Wie das Sviel der Wellen vor dem Wind.
Von solchen Gedanken bewegt, saß ich auf einem der niedrigen Wälle, während die kleinen Ranis sich unter der Obhut einer Dienerin auf einem ihrer beliebten Streifzüge befanden. Als mein Blick zerstreut über die sich unter mir ausdehnende Ebene irrte, bemerkte ich drei Männer zu Pferde, die den steilen, zum großen Torweg führenden Pfad chinaufrittetr. Eingeborene waren es nicht. Wie ste dann näher und unter laut dröhnendem Pferdegetrappel aus dem hohen Einfahrtstore hervorkamen, erkannte ich in einem von ihnen Mr. Thorold. Auch er hatte mich, tote es schien, bereits gesehen; die unten haltenden Hofwagen mochten ihn auf das Zusammentreffen vorbereitet haben. Die drei Herren banden nun die Pferde fest und kamen auf meinen, in einer Ausbuchtung der Mauer befindlichen Sitz zu, von wo aus einst ein Geschütz die Gegend bedroht hatte.
„Miß Ferrars! Welche freudige Ueberraschung! rief der Führer mir zu. „Ich glaubte, dieser, weitab geschiedene Ort werde von keinem menschlichen Wesen außer mir mehr besucht."
„Ich bin schon häufig hier gewesen, mindestens ein halbes Dutzend mal."
„Gestatten Sie, daß ich Ihnen Doktor Flemming, unseren Bezirksarzt vorstelle." Ein dicker Herr von etwa fünfzig Jahren nahm grüßend den Hut ab. „Und dies hter ist Mr. Bellairs, mein Sekretär." Ein blaß aussehender Jüngling mit einer Brille verbeugte sich gleichfalls. „Ich habe den Herrn Doktor mit ganz besonderer Absicht hter- hergeführt", fuhr Mr. Thorold fort. „Er hängt so sehr an'der Präsidentschaft Madras, daß ich es für dringend geboten erachte, ihn nun auch mit einem Tetle der Landschaft bekannt zu machen, damit seine B.'geisterung wentg- stens einigermaßen gerechtfertigt wird."
„Ja, ja", rief Doktor Flemming mit etitent lusttgen Zwinkern seiner kleinen Augen, „nun spotten Sie wieder einmal über unsere älteste, gesegnete Präsidentschaft, die ich an die Spitze von allen dreien stelle. Jedenfalls ist sie der echteste Teil von Indien. Hier findet man noch die unversehrte einheimische Flora..."
„Und das echte Klima mit unverfälschter Malaria!" höhnte Mr. Thorold. . ,
Ach was, ihr Leute aus den Nordwestprovtnzen bildet euch immer ivunder was eilt auf euer kühles Wetter, und dabei müßt ihr dort überall hin euer Bett mitnehmen! ... Sie sind gewiß noch nie oben im Norden gewesen, Miß Ferrars?" Der Doktor wandte sich an mich.
„O doch, aber ich hatte keine Gelegenheit, viele Eindrücke zu sanimeln, da ich mich nur drei Tage dort aufhtelt."
Erstaunt riß er die Augen auf, aber der blasse junge Manu fragte nun:
„Wie gefällt Ihnen Royapetta?"
„Ziemlich gut. Und Ihnen?" trc f f !"
%(!, ja, es ist ihm vollständig ernst mit seiner Behauptung", bestätigte Mr. Thorold. „Er kennt sich tu


