Ausgabe 
6.4.1904
 
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stellerin Marie Tiers unter dem WtelrUnsere Töchter und die heutige Zeit". Gerade für ernst denkende Frauen und Mädchen enthält diese Whandlung eine Fülle von anregenden Gedanken. Tie Verfasserin erkennt voll an die Forderungen der Zeit und eine veränderte Stellung der Frau in derselben, aber ebenso stark betont sie auch wieder den Grundsatz, sich nicht allzu sehr den Ström­ungen der Zeit hinzugeben. Wir bringen aus dem Aufsatz folgende Auszüge:

Wir Mütter köunen uns heutzutage nicht vor der Erkenntnis verschließen, daß uns die Erziehung unserer Töchter mehr Schwierigkeiten bietet, uns den Kopf heißer und das Herz besorgter macht, als die Erziehung der Söhne. Tas liegt in den Verhältnissen, nicht in der Natur. Aber auch diese Verhältnisse, trotz ihrer oft wider­sinnigen Verschiebung der Taseinssormen, ihrer Verkünste- lung und Verlogenheit, haben das Recht, das alles Ge­wordene hat; denn auch das scheinbar Unsinnigste hat einen sinnvollen Grund, eine notwendige Entwickelungs­ursache. -

Menn wir, die Mütter, jetzt mit lautem Protest, mit den allerschönsten Reden und den allerlogischsten Beweisen diesen Verhältnissen zu Leibe gehen wollen, so ist das nur Kraftverschwendung. Tas Verneinen und Protestieren, das Belasten der Verhältnisse mit dem Schuldkonto aller Tränen, aller untergegangenen Menschenfreuden und Existenzen das ist keine sehr große Kunst. Tas kann jeder schimpfende Grünschnabel auf den Arbeiterversammlungen auch.

Es fehlt unserer Zeit wahrlich nicht an gutem Willen! Mehr als je zuvor erwacht oben und unten und rechts und links das Bewußtsein von Menschenwert und Menschen­würde. Aber sei dies auch noch tausendmal klarer und stärker und bewußter, darum wird doch nicht alles in der Welt glatt und harmonisch und allen Forderungen gerecht werden. So lange die Erde steht, wird nicht auf­hören Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. In der vielgestaltigen, vielwollenden Menschheit selbst liegt die Notwendigkeit der ewigen Konflikte. Märe es anders, klänge alles irdische Leben mit seinen Forderungen und Erfüllungen im Cdur-Akkord, so fiele aller Kampf hin und alles Verlangen und alle Sehnsucht, und damit auch Entwickelung und Sieg, und was uns bliebe, wäre eine sinnlose Oede.

Tarum fort mit der planlosen und mechanischen Er­bitterung gegen schlimme Zustände, deren Joch! auf den einzelnen drückt! Laßt uns aber mit frohen Äugen den Männern, den wirklich von Gott berufenen Männern zu­sehen, die draußen auf dem Außenposten kämpfen um neues Leben für uns und unsere Kinder.

Wir müssen und sollen es ruhig anerkennen, daß wir unsere Töchter in eine ganz wirre Zeit hinetngehen sehen, daß die Taseins Verhältnisse drückend auf dem Frauen- aeschlechte lasten. Tie Vermännlichung, das grausame Bild, vas sich uns bietet, wenn das Weib seine edelsten Perlen nur als Hindernis, als Last und Lächerlichkeit empfindet und sie abwirft, um zur Zerrfigur ihres männlichen Kon­kurrenten zu werden das ist nur die böse Wirkung der bösen Ursache.

Sollen wir unsere jungen Töchter auf die Krone ihres Lebens Hinweisen, aus Liebesglück und Muttertum? daß sie dann vielleicht in Enttäuschung und fressenden Gram ihre herrlichen jungen Hoffnungen, ihre gottgegebenen Meibesrechte zertreten sehen? Oder sollen wir es her­aufbeschwören, daß sie der fieberhaften Männerjagd sich anschließen, in bewußtes Wünschen und Begehren ihr dunk­les Sehnen formen, den heiligen Stolz der unberührten Mädchenseele fahren lassen, mit Künsten und Listen ihre Netze werfen? Tenn wahrscheinlich kommen sie zumZiel", werden oft bewunderte, verwöhnte Frauen, beneidete Mütter.

Aber wenn wir dieses nicht wollen, unsere Kinder uns zu lieb und zu schade sind für dieses würdeloses Treiben sollen wir ihnen dann einen Stahlpanzer umlegen? ihnen Liebesglück und Mutterschaft klein und verächtlich machen, damit erst gar keine Sehnsucht aufkomme? Oder sollen wir zur Resignation erziehen: Tu bist zwar zur Ehe und zur Mutterschaft geboren, aber mache dir keine Hoffnungen. Tas hieße, den Weg seines Kindes in Nebel hüllen, sie, die noch keinen Mai gesehen hatte, gleich in den November hinüberweisen.

Mr können ihnen denWeg, den sie gehenmüssemMcht wählen und auch nicht glätten. Mr haben kaum Machx über eine einzige Stunde in Glück oder Schmerz, die ihnen' pater übers Herz kommt. Und wir sollen es auch nicht, und ollen es gar nicht wollen. Alte, seelisch abhängige Töchter ind etwas Naturwidriges und eine schlechte Zensur für )ie Mutter.

Aber über eines haben wir Macht: chnen das Herz zu stärken, ehe das Leben kommt.

Es fällt heute auch die Bestimmung des Weibes, Ehe und Muttertum, unter die Zufälligkeiten. Tarnm sollen wir unsere Töchter auch nicht darauf dressieren. Aber es ist auch gar keine Sonderdressur nötig, gerade weil dies die Bestimmung ist. Laßt uns die Mädchen zu klaren, eigenen Persönlichkeiten erziehen, und wir geben ihnen das Geheimnis mit, wie sie rechte Frauen und Mütter werden.

Menn wir in der Erziehung nie den Schein über das Sein, nie die Form über den Inhalt, nie die Lüge über die Wahrheit stellen, dann vermeiden wir schon ganz von selbst alle die häßlichen Spielarten, auf die eine Mutter ihr Kind für das rechte Leben verpfuschen kann. Wir ver­geuden nicht seine Kräfte an Nichtigkeiten, seine herrliche Jugend in blödem, verhülltem Nichtstun, seine Gesund­heit in schwülen Ballnächten.

Nur wer versteht zu leiden, ist auch der Freude fähig', und beides zusammen ist die Beherrschung des Lebensi Unlösbare Melancholie ist selbst bei großem Leid eine; Schwäche dem Leben gegenüber, ein Erliegen. Tie echte Freude ist weltüberwindend.

Fest stehn in sich, ob hier ob da, ob in erfülltem Leben, ob in Entsagung das ist die Selbständigkeit, das ist die Erziehung, das ist das beste Erbe, das wir unseren Töch­tern mitgeben können. Tas ist der sichere Hort in unserer Zeit.

Aus dieser inneren gleichmäßigen Ruhe quillt Freude, aus der Freude bricht Liebe hervor, denn ein froher Mensch muß lieben. Wo aber Liebe ist, da hört das einzelpersön- liche Hasten und Aengsten von selber auf. Ta haben wir unserm Volk in unfern Töchtern seinen Stolz und seine Blüte geschenkt, vor der die Rauheiten des Mannes ver­gehen wie Nebel an denen auch wir, wir alten Mütter, dereinst selig ausruhen dürfen.

Gemeinnütziges.

Fleischbrühe. Tie Verdauungsorgane bedürfen zu einer genügenden Tätigkeit und einer möglichst vollstän­digen Ausnutzung der aufgenommenen Nahrungsmittel eines Anreizes, den wir in der Form von Salzen oder Gewürzen den Speisen geben. Außerdem kann aber ein solcher Anreiz auch durch ein besonders dafür bestimmtes Gericht vor der eigentlichen Mahlzeit ausgeübt werden, und diesem Zwecke entsprechen die scharfen Vorgerichte, die z. B. in der französischen Küche eine stehende Einrichtung sind und zu denen Radreschen, Rettich, Sardellen, Sala- mie, Kaviar usw. gehören. In Deutschland hat sich diese Sitte weniger eingebürgert, und wir haben nur ein all­gemein übliches Vorgericht, welches die gleiche Wirkung ausübt und den Appetit durch Anreiz der betreffenden Organe und Nerven hebt, nämlich die Fleischbrühe. Es ist ein großer Irrtum, von dem noch viele Menschen befangen sind, daß die Fleischbrühe ein Nahrungsmittel ist. Weden sie, noch der als eingedickte Fleischbrühe aufzusassende Fleischextrakt haben eigentlichen Nährwert, beide sind viel­mehr nur Beförderer des Appetits und der Verdauung, aber haben auch in dieser Eigenschaft ihre sehr große Bedeutung im Haushalt des Menschen.

Homonym.

Nachdruck verboten.

Ich bin kein x, mein Freund, sonst böt'

Ich eine x 'fußloß) dir an!

Weim's dem x so weiter geht, Dann haben bald wir Schlittenbahn.

Auflösung in nächster Nummer.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen