Ausgabe 
6.4.1904
 
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Mittwoch den 6. April.

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(Nachdruck verboten.)

Im Wasak der Wazah.

Roman von B. M. Croker, genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

7.

Zwei Monate waren vergangen, seitdem ich in jener stillen Nacht unter der Führung Mr. Thorolds ins Lager von Uellagode gekommen war, und wie viel Leiden, Ab- schiedstränen und Todesqualen hatte ich während dieser Zeit mit angesehen! Daß ich dabei einen umfassenden Ein­blick in das Leben und Empfinden der Eingeborenen ge­winnen konnte, läßt sich, denken, und tiefe, aufrichtige Hoch? Achtung, ja Bewunderung erfüllte mich vor der Geduld und mutigen Ergebung, welche die meisten meiner Patien­tinnen an den Tag legten. Wohl mochte diese Ergebung eine Folge ihrer fatalistischen Lebensanschauung sein, jeden­falls war aber ihre Dankbarkeit für jeden, auch den kleinsten Dienst, wahrhaft rührend.

Mr. Thorold hatte ich schon längere Zeit nicht mehr gesprochen. War ich, ihm auch schon vor jenem erregten Gespräche mit Mrs. Manuel aus dem Wege gegangen, so versteckte ich miäj\ seither vollends vor ihm. Niemals wagte ich es, meinen abendlichen Spaziergang auf die unser Lager umgebende Ebene anzutreten, ehe ich ihn nicht auf seinem feurigen Araber in entgegengesetzter Richtung hatte davon­galoppieren sehen.

Und doch ist er der Held meines Liebestraumes gewesen! Oder war es am Ende jener zweite unfreiwillige Helfers­helfer Watty Thorolds, der meine schlummernden Gefühle durch die seinen Briesen entströmenden Zauberworte ge­weckt hatte? Jedenfalls war ich von allen törichten Liebes­träumen für jetzt und immer geheilt. Grau und gestaltlos lag die Zukunft vor mir; nun hieß es mutig den Kampf aufnehmen ums Leben.

Sobald ich zur Krankenpflegerin angenommen worden war, hatte ich an Mrs. Berners nach Punah geschrieben und ihr meine Lage auseinandergesetzt. Ich war darauf gefaßt gewesen, daß sie ihr Anerbieten sofort zurücknehmen würde, und hatte mir vorgenommen, mich! acht oder vierzehn Tage irgendwo in Quarantäne zu begeben und sie dann zu bitten, mir beim Suchen einer anderen Stellung be­hilflich! zu sein. Somit war ich! nicht wenig überrascht, folgenden freundlichen Brief zu erhalten.

Liebe Miß Ferrars!

, Mit großem Bedauern habe ich die Nachricht von ' Ihrem Mißgeschick und der Verzögerung Ihrer Reise ver- ' nommen. Es war wirklich ein schlimmer Zufall, der Sie mitten in die pestkranke Gegend führte, aber nun Sie einmal da sind und so tapfer im Spital arbeiten, kann

ich nicht anders, als Ihren Mut bewundern und Die darum beneiden. Diese Handlungsweise sieht einer Freun­din meiner lieben Mrs. Evans, die im gegebenen Falle genau ebenso gehandelt hätte, recht ähnlich. Jedenfalls aber hoffe ich, daß Sie zu mir kommen werden, sobald Sie Ihrer Pslichten ledig sind. Ich! habe zwei kleine Mädchen, die ich! gern in Ihre Obhut geben möchte. Daß Sie all Ihre Sachen vorher desinsizieren und die im Lager gebrauchten verbrennen lassen sollten, bedarf wohl keiner Erwähnung, und wenn Sie sich dann noch etwa acht Tage unterioegs in einem der von der Regierung gestellten Quarantäne-Bungalows aufhalten, so wird wohl keine Gefahr einer Ansteckung mehr bestehen. Immer­hin aber bitte ich,, Ihren Arzt darüber zu befragen, da man in solchen Fällen ja nicht vorsichtig genug fein' kann. Bitte schreiben Sie bald wieder und lassen Sie mich wissen, wann ich Sie erwarten darf.

Mit sreundlichem Gruß

Ihre Annie Berners."

Da die Pest täglich abnahm und eine Baracke um hie andere niedergerissen und verbrannt wurde, mußte auch ich bald entlassen werden. Mrs. Manuel und ihre Ge? Sinnen konnten jetzt recht gut ohne mich fertig werden, so beschloß ich,, meine Vorbereitungen zu treffen und meine Abreise anzukündigen. Zu diesem Zweck war es un­vermeidlich, Mr. Thorold aufzusuchen und ihn zu Bitten; daß er mir ein Ochsenfuhrwerk verschaffe.

Eines späten Nachmittags, als ich auf meinem, ge­wohnten Spaziergang begriffen war und all diese Tinge bei mir erwog, sah ich plötzlich als Hütten meine Gedanken! ihn herbeigerufen, Mr. Thorold im Galopp auf mich zu­reiten. Er hatte mich aus weiter Ferne entdeckt, und nun gab es kein Entrinnen mehr. Da ich ihn aber vhnedies sprechen mußte, so hielt ich ruhig stand.

Guten Abend, Miß Ferrars!" rief er mir entgegen. Immer hoffte ich Sie einmal anzutreffen, aber Sie sind ja stets so geschäftig und weichen mir mit einer Geschick­lichkeit aus, daß es unmöglich ist, Ihrer habhaft zu werden."

Er stieg ab und hielt mir die Hand hin, indem er mich prüfend ansah.

Ich möchte gern mit Ihnen reden", begann ich, verlegen.

Tas freut mich, unendlich. So oft ich mit Ihnen reden wollte, hieß es: Miß Ferrars ist in Anspruch genommen. Wissen Sie auch, daß ich Sie seit Ihrer Ankunft kaum ein halbes dutzendmal zu Gesicht bekommen habe?"

Nein", antwortete ich kühl.Ich habe. . . wir alle haben ja so schwer zu arbeiten gehabt."

Sie haben jedenfalls Großartiges geleistet. Miß Ferrars. Sie sind die geborene Krankenpflegerin. Doktor Fraser ist voll begeisterten Lobes über Sie, und Erasmus' Gunst haben Sie sich! im höchsten Maße erworben, und das will etwas heißen."

Allerdings", konnte ich! nicht umhin einzustinuuech aber nur, weil ich, ihn an seine erste Frau ^erinnere."