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alles hängt von der Frau ah; sie soll die rechte Mitte inne- 1 halten, die Achtung und das Vertrauen ihres Mannes gewinnen; sie soll dasselbe nie mißbrauchen, weder damit prunken, noch damit befehlen wollen. In jeder Hinsicht ist Teine Lage ebenso delikat, wie es die meinige war. Lasse ihn niemals Teine Ueber- legenheit (superiorits) fühlen. Man scheut keine Mühe, wenn man wahrhaft und vernünftig liebt, darüber bin ich ruhig. — Keine Koketterie, keine Eitelkeit ist Dir erlaubt. Höre darüber niemand. Zeige ihnen, daß Tu über diese Albernheiten erhaben bist. . . Einer verheirateten Fran ist nicht gestattet, !vas einem Mädchen ansteht, die anderen würden Tich gleich überbieten wollen.
Habe keine Vertrante, das soll Dein Mann allein sein. Ich will nicht einmal eine Ausnahme für mich in Anspruch nehmen, um Tich nicht an vertrauliche Mitteilungen zu gewöhnen . .
Tie Ordnung in der Zeit und im Haushalt ist die Seele eines ruhigen, glücklichen Lebens. Man muß trachten, immer mit seinem Gemahl beschäftigt zu sein, dann gerät man in keine Fehler. . . . Ich weiß, daß man jetzt an keine Freude mehr glaubt, wo nur irgend eine Gäue dabei ist. Ich "würde damit Übereinskimmen, wenn ich cs nicht selbst' erfahren hätte und nicht jeden Tag erkennen würde, wie diese Leute, die am meisten auf jene Maxime halten, sich sehr langweilen und am wenigsten glücklich sind. Sie haben an nichts mehr Freude, lassen ihren Launen und Sinnen freien Lauf und werden am Ende von ihnen tyrannisiert.
Ich spreche von einer Ordnung, die vereinbar ist mit dem Willen Teures Gemahls. Nichts soll Euch hindern, darüber ins Einvernehmen zu kommen. Tn sollst alles opfern, wenn es sich darum handelt, ihm zu gefallen, oder seinen Willen zu tun. Tu hast Dir dann nichts vorzuwersen. Tn hast nur zu gehorchen, rrachdem Du Deine Einwürfe und Vorstellungen in Sanftmut und Güte vorgebracht hast. Tas kannst Du einmal tun, wenn er aber das Gegenteil entscheidet, bleibt Tir nur übrig, zu gehorchen, und sogar in der Art, daß man sieht, Tu verrichtest Deine eigene Angelegenheit, ohne auf eine Modifikation ein» zugehen" usw. . . ,
— Harry Richmonds Abenteuer. Von George Meredith. Deutsch von Felix Paul Greve. 2 Bände, brosch. 5.50 Mk. I. C. C. Bruns' Verlag, Minden i. W. — Eine schneidende, an Molisre gemahnende Ironie weht durch diese Dichtung. Ihren Mittelpunkt bildet ein scharf gezeichneter Typus, ein Mann, großartig in seiner Aufgeblasenheit und Hohlheit, der nur im und vom Schein lebt, den Grandseigneur spielt, sich für den unehelichen Sohn des letzten Königs hält, und alle Welt sowie sich selbst täuscht, aber elend zusammenbricht, als er Stück um Stück die ganze Nichtigkeit seiner Scheinherrlichkeit erkennen muß und über dieser Erkenntnis in Wahnsinn getrieben wird. — Diese Linien der Erzählung sind ausgebreitet auf dem vielfach verschlungenen Gewebe Meredithscher Darstellungskunst, alle diese Ereignisse liegen eingebettet in ein reiches Rankenwerk von solchem Humor und solcher Komik, daß man die tragischen s Hintergründe mehr ahnt als sieht und erst gegen den Schluß i hin mit Erschütterung wahrnimmt, an welchem Abgrunde vorbei ( sich die tolle Jagd von „Harry Richmonds Menteucrn" hinzog. s Als eine Romanschöpfung großen Stils- zeigt sich „Harry Rich- ; monds Menteuer". I
— Ratsmädelgeschichten. Von Helene Bühlau. ■ 7.-9. Tausend. Brc^chicrt 3.60 Mk. I. C. C. Bruns Verlag, : Minden i. W. — Wenn bei der heutigen literarischen Hochflut : ein Buch in Tausenden von Exemplaren Verbreitung findet, so ; müssen ihm außergewöhnliche Vorzüge iunewohuen, denn das , Gesetz der Auslese findet auch auf dem Büchermärkte fernen in in die Augen springenden Ausdruck. Tie Böhlauschen Ratsmädel- geschichten besitzen solche außergewöhnlichen Vorzüge. In diesem Buche lebt und webt eine Fülle anmutiger, fesselnder Erzähl- uugskunst, stimmungsreicher Milieuschilderung und feinsinniger Charakterisierung. Das alte Weimar zur Zeit Goethes und Schillers tritt vor unser Auge, lebensfrisch und klar. Und inmitten dieser klassisch-großen Zeit mit ihrer scharfen geistigen Signatur stehen die beiden Ratsmädel in ihren Leiden und Freuden, ihren lustigen Einfällen und tollen Streichen und alle jene kleinbürgerlichen. Verhältnisse, die uns heute als das Wesen einer guten alten Zeit erscheinen. In diesem Milieu liegen Kontraste, die Szenen von Reiz und Komik schaffen. Hinter diesem allem erhebt sich der große kulturgeschichtliche Hintergrund, dem die Autorin ein lebhaftes Kolorit zu geben gewußt hat.
— Verirrte Deutsche. Von Arthur Moeller van den Bruck. Broschiert 2.50 Mk. I. C. C. Bruns' Verlag, Minden i. W. — Mit diesen Verirrten Deutschen hat Moeller van den Bruck ein anziehendes Buch geschaffen. Tie Problema-
rr in der deutschen Dichtung ist das Thema, das er in l. ■ .«.ui und eigenartig-persönlicher Weise behandelt. Und so ziehen sie an _un§ vorüber, jene Problematiker, wie sie durch die Namen Christian Günther, Reinhold Lenz, Maximilian Kl rüg er, Christian Dietrich Grabbe, des Hessen Georg
Büchner, Hermann Co n r a d i, Peter Hille am schärfsten gekennzeichnet werden, jene Stürmer und Dränger, deren dichterisches Schaffen manchmal von großem Einfluß auf die Literntur- entwicklung gewesen ist, deren Kraft aber doch nicht hinreichte, das Ziel zu erreichen und die Palme zu erringen, und die schließlich mt dem unlöslichen Widerspruche zwischen persönlichem Sein und Welt als Besiegte des Lebens zugrunde gegangen sind. Es sind feingezeichnete, durchgeistigte Porträts, die der Autor in seinen Verirrten Dentschen darbietet und vor uns in dem ganzen Zwiespalt ihrer Natur hinstellt. Und zwar hinstellt auf dem Bodeu jener Kultur, aus dem fie herausgewachseu sind, als Kinder ihrer Zeit, als Gebildete ihrer Umgebung, mit all ihrem Suchen und Sehnen nach Höherem und Tieferem, in der ganzen Tragik ihres Daseins. So wirft das Moeller van den Brucksche Buch gleichzeitig scharfe Streiflichter auf die verschiedenen Epochen deutscher Geistes- und Kulturgeschichte seit Ausgang des 30 jährigen Krieges bis zur jüngsten Vergangenheit (Peter Hille), wobei die problematischen Naturen ein Spiegelbild ihrer Zeit bilden.
* ließet: Tote nur gutes — auch, wenn sie noch leben und Jubiläen feiern? Tie Frage, schreibt der „Kunstwart", liegt nicht ganz einfach. Gewiß, ein alter Herr Schriftsteller oder Maler hat Anspruch darauf, daß mau zu seinem Jubelfeste als Gabe nicht eine Rechnung bringe mit lauter Fragezeichen beim „Hat" und ernstem Vorhalten beim „Soll". Anderseits: die gefeierten Leute haben vielleicht „ihre Zeit" gehabt, haben vielleicht im Mittelpunkt der Mode gestanden, haben währenddem vielleicht verflachend, versüßlichend und verweichlichend gewirkt, es hat der Arbeit von Jahrzehnten bedurft, um ihren Einfluß zu Gunsten der Ernsten und Starken zu brechen, die hinter ihnen int Schatten standen. Nun aber meinen ihre Freunde: „bei Jubiläen sind wir vor Widerspruch sicher", und sie verkünden noch einmal in weitem Chore Katzengold als echtes. Soll, wer's besser zu wissen glaubt, es ruhig wieder als echtes verlausen lassen? Müssen wir vielleicht Tausende schädigen lassen, um eine Person ja nickt zu verletzen, die zudem von früher her über die Meinung der strengeren Kritik gar nicht im Zweifel ist? Dürfen wir überhaupt schweigen, wenn jetzt selbst in angesehenen Blättern z. B. auf Julius Wolff und Paul Thumann Preisgesänge erschallen? Hier liegt ein Konflikt der Pflichten vor, zugegeben, aber leder wird selbst entscheiden müssen, welche nach seinem Gewissen die stärkere Pflicht ist und wo höhere Interessen auf dem Spiele stehen. _______________
An die Sonne.
Tit Quelle, der wir alles Wirken danken,
Tu Born des Lichts, der Wärme und der Kraft, itt die als Kinder die Gestirne wanken.
Tu bist's allein, die Lieb' und Leben schasst.
Tein heit'rer Blick verscheucht viel' ird'sche Leiden, Sobald mit dir der Morgen bricht herein;
lud gehst im letzten Abendrot du scheiden, Hüllt fich der Tag in müdes Schweigen ein.
Tr schließt die Augen — es beginnt zu dunkeln;
Acht schau' ich dieser Erde Wunder mehr.
ur in dem Herzen hebt's noch an zu funkeln, rin irrt die Sehnsucht zitternd jetzt umher.
ihr Zauberbann gönnt mir nicht sausten Schlummer, te drängt hinaus nach einer hüh'ren Welt,
' te mit des Daseins Rätseln löst den Kummer, Ter den vernunftbegabten Mensch befällt.
Adolf Metz.
Buchstaben-VerscHmtg.
Nachdruck verboten.
Aus jedem der nachstehenden 15 Worte ist durch Umstellen der Buchstaben ein neues Wdrt zu bilden. Die Anfangsbuchstaben dieser ergeben alsdann eine Naturerscheinung int Herbst.
Nagel Saul Altar Edwin Sem Stirne Lob Perle Aller Kaste Le» Siam Namen Sense Breslau.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Volkslieder-Rätsel in vor. Nr.:
1. Wenn ich mich nach der Heimat sehn.
2. Es liegt ein Weiler fern im Grund.
3. Noch ist die blühende goldene Zeit.
4. Weißt du, wie viel Sternlein stehen?
5. Alle Vogel sind schon da.
6. So leb Denn wohl, du stilles Haus,
7. Ich schieß den Hirsch im wilden Forst.
8. Ich hab mich ergeben.
9. Am Brunnen vor dem Tore.
10. Und der Hans schleicht umher.
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buckt- und Steindruckerei. «.Lange. Gieba».


