Ausgabe 
5.11.1904
 
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ten EifenstSbchen an, das spröde und zerbrechlich tote Glas wird. Bei einem großen Souper int Tiergartenviertel hätte unlängst sogar jeder der Gäste ein zierliches Gefäßchen mit flüssiger Luft vor seinem Platze stehen, um sich seine Getränke durch einen Zusatz ganz nach Belteben kiihlen zu können. Was diese kleine Extravaganz dem findigen Wirte gekostet hat, stand leider nicht mtf der Tafelkarte. Was die wirkliche Verwertung der flüssigen Lust anbetrifft, so ist dabei meist noch alles in den Anfängen. Man hat nach mühevollen Versuchen endlich den Weg gefunden, den Stickstoff vom Sauerstoff zu trennen und bringt nun bett komprimierten Sauerstoff in Stahlflaschcn in den Handel; auch den Stickstoff benutzt man zur Herstellung von wichtigen Stick- stofsverbindungen, wie Blausäure usw. Indessen ist das Ver­fahren noch imm zu kostspielig, um größere Vorteile aus dem gelösten Problem zu ziehen. Noch von einem anderen Zweig der Naturwissenschaften hat man in diesen Tagen Vorführungen auf die Bühne gebracht. Ter wegen seiner Gutachten über den klugen Hans" des Herrn von Osten stark hervorgetretene Zoologe Schilling hat bei feilten Forschungsreisen in Afrika eine Reihe von photographischen Momentausnahmen gemacht, die wegen ihrer Originellität von ganz besonderem Interesse sind. Unsere Tier­bilder aus der Wildnis, soweit sie nicht der mehr oder weniger lebhaften Phantasie des Malers entsprungen sind, zeigen uns die Bestien der Tropenivelt selten anders, als im Zustande der Ruhe. Aber Schilling hat sich, wie es scheint, das Wort Freytags zu Nutze gemacht, das vom Dichter verlangt, daß er das Volk Lei seiner Arbeit aufsuche. So hat nun Schilling auch die Tier­welt bei ihrer Arbeit aufgesucht und dabei ganz überraschende Bilder bekommen. Bisher waren diese für das große Publikum -nicht zu sehen. Sie wurden vor kleinen Kreisen von Geladenen oder in Vereinen vorgeführt. Nun hat sich die Gesellschaft Urania", deren Vorstellungen aus der Geschichte der Erdentwick­lung, usw. langsam zu einer Sehenswürdigkeit ersten Ranges, zu einem hochzuschätzenden Bildungsmittel geworden sind, auch dieser Bilder angenommen und bringt sie in ihrem alten Heim in der Znvalidenstraße zur Darstellung mit einem Vortrage, den der Direktor unseres zoologischen Gartens, Tr. L. Heck, versaßt hat. Unter diesen Bildern ist z. B. eines, in dem von der pho­tographischen Platte ein Löwe festgehalten worden ist, just in dem Augenblick, wo er den Riesensprung auf seine Beute, in diesem Falle eine gefesselte kranke Ziege, ausführt. Ter Naturforscher hat diese nächtliche Ausnahme nur ausführen können, indem er sich mitten in der Wüste in einem sicher umgitterten Raume nicht weit von dem angebundenen ängstlich meckernden Opfer bereit hielt, und in dem ihm geeignet scheinenden Moment das bereit gehaltene Blitzlicht ausflammen ließ und bett Vorgang so auf die Platte bannte. Natürlich hat dieses unerwartete Zwischenspiel die gelbe Katze derartig erschreckt, daß ihr die Sache höchst un­heimlich vorgekommen ist, was man in einer gleich hinter ge­machten Aufnahme deutlich wahrnehmen kann. Da befindet sich nämlich der stolze König der Tiere auf dem Rückzüge und zeigt dem gewiß ebenso verdutzten Zicklein, daß der bessere Teil der Tapferkeit nicht nur bei dem wackeren Herrn Falstaff Vorsicht ist. Jedenfalls sind Bilder von derartigen, der Natur wirklich ab­gelisteten Situationen bisher noch nicht dagewesen, weshalb ihnen späterhin sicher auch anderwärts die größte Beachtung zu teil werden wird. Diesen Bildern aus dem deutschen Ostafrika, die von einer zielbewußten Eigenart ihres Erzeugers ein glänzendes Zeugnis ablegen, hat es Schilling nicht zum mindesten zu ver­danken, daß man auf sein Gutachten über das intelligente Pferd des Herrn von Osten soviel Gewicht gelegt hat. Ob er sich in diesem Falle freilich nicht doch hat täuschen lassen, ist eine noch immer ihrer Lösung harrende Frage. Das Roß hat trotz der Zweifel, die von wissenschaftlicher Seite, u. a. van Tr. Moll, laut geworden sind, immer mehr gläubige Freunde gefunden. Einer unserer bekanntesten Dichter schreibt ihm sogar in einem mir vorliegenden Brief denMenschenverstand eines übermütigen Sextaners oder Quintaners" zu. Danach hätteHans" also auchHumor". Es ist wirklich schade, daß sich Gedanken von Menschen wie Pferden nicht auch mit Blitzlicht photographieren lassen! A. R.

Was kehrt das MrLfchafLs0uH?

Alle Hausfrauen ohne Unterschied sollten sich daran ge­wöhnen, eilt Wirtschaftsbuch zu führen. Auch für den bescheidensten Haushalt erweist sich ein gewissenhaft geführtes Einnahmen- und Ausgabenbuch als ein außerordentlich zweckmäßiges und wirkungs­volles Mittel, die Finanzen in Ordnung zu halten und einen Anhalt zu gewinnen für die Schaffung solider Wirtschaftsver­hältnisse.

Die Hausfraueit unter unseren Leserinnen, die sich bereits durch jahrelange Führung eines Wirtschaftsbuches von dem Segen einer solchen Einrichtung überzeugt haben, werden stets mit Jnter- cife den Preisbewegungen folgen, die sich 'auf dem Warenmärkte vollziehen. Sie sehen sich dadurch in den Stand gesetzt, in ge- neten Fällen Vorsorge zu treffen, um günstige Konjunkturen r den Einkauf auszunützen. So wird jede Hausfrau wenn anders sie dazu in der Sage ist gewisse Verbrauchsartikel in größeren Mengen in der Zeit eines Preistief st an des einkaufen, während andere Hausfrauen, die der Bewegung der Marktpreise und der Gestaltung der wechselnden Konjunkturen

nicht aufmerksam folgen, in Zeiten eines Preishochständes ihr Wirtschaftsgeld rascher knapp werden sehen, als ihnen lieb ist.

Vielleicht hat manche Hausfrau im Oktober bemerkt, daß die Preisveränderungen auf dem Warenmarkt nicht erheblich genug waren, um auf die Haushaltskosten der arbeitenden Bevölkerung nachhaltig einzuwirken. Nach der Preissteigerung im Juli uno August und der Preisermäßigung im September folgte der Oktober als ein Monat, in dem sich die Preiserhöhungen und Ermäßigungen gegenseitig so ziemlich kompensieren.

Ter Preis für Brotgetreide folgte in Deutschland nicht der Haussebewegung an beit amerikanischen Getreidemärkten, an denen vorübergehend beinahe Hungersnotpreise notiert wurden, sondern zeigte namentlich an den kleinen Landmärkten eine aus­gesprochen sinkende Tendenz. An den großen Märkten dagegen hielt sich der Weizenpreis auf der Höhe des September, während der Preis für Roggen etwas nachgab. Tie Brotpreise folgen den steigenden oder sinkenden Getreidepreisen erst immer einige Zeit später nach. Oder da die Brotpreise bei uns das Fest­stehende zu sein pflegen, so soll das soviel heißen: Das Brot (Schwarz- und Weißbrot) wird erst immer einige Zeit nach dem Steigen oder Sinken der Getreidepreise kleiner oder größer.

Sehr ungleich war wiederum die Bewegung der Kartoffel­preis e in den einzelnen Landesteilen. Immer mehr sollte sich heraus, daß die Kartoffelernte nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ weit mehr befriedigte, als man angenommen hatte. Allerdings schwanken die Erträge auch innerhalb kleiner Gebiete sehr beträchtlich. Im östlichen Teile der Provinz Sachsen z. B. kamen Ernten von 60, aber auch solche von 20 Zentner pro Morgen vor. Im Durchschnitt dürste sich noch mittlerer Ertrag ergeben. Unter dem Einfluß dieses relativ günstigen Ernteausfalls gingen die Preise vielfach auffallend zurück. In einzelnen Gebieten traten freilich auch im Oktober erneut Preissteigerungen ein. Gemüse ist gegen September billiger geworden.

Was der September noch zur Reife brachte, ergab- ein so starkes Angebot, daß vor allem in späten Gemüsen die Preise sich auf demselben niedrigen Niveau hielten wie in normalen Jahren. Ta das Gemüse eine sehr gesunde Nahrung ist, so wer­den kluge Hausfrauen der günstigen Konjunktur Rechnung tragen.

An den Schlachtviehmärkten ist die weichende Tendenz der Preise im Laufe des Oktober zum Stillstand gekommen, für Schweine und Kälber ist sogar eine Preis st eigerung ein­getreten. Nennenswerte Erhöhungen bes Preises haben außer- bem noch für Butter und in den letzten Tagen des Oktober auch für Zucker stattgefunden.

Sind nun auch gegenüber September keine starken Preis- Veränderungen vor sich gegangen, so ist doch g e genüb er d em Vorjahr das Preisniveau im allgemeinen noch 'immer wesentlich höher. Was aber hauptsächlich den Konsum im Oktober belastete, waren nicht erhöhte Warenpreise, sondern eine durch die Witterung bedingte Vermehrung des Kon­sum s: Tie Kosten für Beleuchtung und Heizung nah­men zu und belasteten auch 'das Budget der bescheiden lebenden Arbeiterfamilien.

In neuerer Zeit ist von mehreren sich mit praktischer und theoretischer Nationalökonomie beschäftigenden Sozialpolitikern der hohe Wert der Haushaltungsbücher für die Erforschung der Ver­hältnisse der Handwerker und Arbeiter in das richtige Licht ge­setzt worden. Tieser Gesichtspunkt lomiitt hinzu, um die Mahnung gerechtfertigt erscheinen zu lassen, daß jede Hausfrau ein Wirt­schaftsbuch führen sollte. Es nährt den Sinn für Ordnung und schärft den Blick für die großen und kleinen wirtschaftlichen Vor­gänge.

VeviMchtes.

* Von allem das Größte. Echt amerikanisch ist fol­gende Aufzählung: Die größte Universität der Welt ist Kairo mit 11000 Studenten; sie stammen aus allen Teilen der mo­hammedanischen Welt und studieren in Kairo das muselmanische Recht, Geschichte und Theologie. Der allergrößte Park der Welt ist der Tiergarten bei Kopenhagen, der ein Gebiet von 4200 Acres bedeckt und von einem,Flüßchen geteilt wird. Tie größte Garten­anlage in Amerika ist Fairmount Park in Philadelphia, ein Gebiet von 3740 Acres. Tie größte Streichholzfabrik der Welt ist bie Vulkan-Streichholzfabrik in Tibaholm in Schweden. Sie beschäftigt über 1200 Menschen und fabriziert täglich, 900 000 Schachteln Streichhölzer. Jährlich werden 600 000 .Kubikfuß Holz, 250 000 Pfund Papier und 40 000 Pfund Roggenmehl zum Kleben der Schachteln gebraucht. Die größte natürliche Höhle der Welt ist die Mammuthöhle in Edmonfon County, Kentucky. Tie un­regelmäßigen Räume sind im ganzen sieben englische Meilen lang. In dem Wasser dieser Höhle findet man blinde Fische. Der längste Tunnel der Welt ist der Gotthardtunnel; er ist 14,9 Kilometer lang, 36si> Fuß breit und 20 Fuß hoch. Tie größte Bibliothek der Welt ist die Bibliothöque Nationale in Paris, die Ludwig XIV. begründet hat. Sie enthalt 1400 000 Bände, 600 000 Broschüren, 175 000 Manuskripte, 300 000 Atlan­ten und Karten, 150 000 Münzen und Mebaillen. Tas Gebäude, das diese Schätze birgt, ist 540 Fuß lang und 130 Fuß breit. Tie chinesische Mauer ist die größte Mauer der Welt. Sie führt über hohe Berge, durch tiefe Täler, über Flüsse und andere natür-